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Zwangsversetzung in andere Abteilung - fehlende Sozialkontakte - was tun?

Hallo zusammen,

ich bin 28 Jahre alt und soll in meiner Arbeitsstelle, welche ich seit ca. 1,5 Jahren bei einem mDax-Konzern inne habe in eine andere Abteilung (Von Abteilung "A" in Abteilung "B) "zwangsversetzt" werden.
Hintergrund ist, dass der Themenbereich, welchen ich selbstständig und alleinig bearbeite und verantworte, bereits früher Bestandteil vom Abteilung B war, und dann aus bestimmten Gründen vom ehemaligen Geschäftsführer bereits vor meiner in die Abteilung A verlegt wurde. Wirklich glücklich war damit dort niemand und es gab immer wieder wechselnde Mitarbeiter, welche dafür zuständig waren, schon bald hatte keiner mehr Lust auf das Themengebiet. Mir persönlich gefällt es aber wirklich sehr gut, und bis auf gelegentliche Unterforderung durch einen relativ geringen Workload gibt es nichts zu meckern. Die Abteilung B hatte stets auch nach dem Wechsel in Abteilung A einen großen Einfluss auf das Themengebiet und hätte es nun gerne wieder zurück, da es deswegen sehr oft interne Diskussionen und Uneinigkeiten gibt.

Ich bin allerdings in meiner aktuellen Abteilung äußerst zufrieden, vor allem wegen den sehr netten Kollegen und Vorgesetzten. Ich bin recht empfindlich und tue mir grundsätzlich etwas schwer, mich in neuen Situationen einzugewöhnen, und mit den Kollegen muss es auch passen. Das war bei dieser Arbeitsstelle und insbesondere in dieser Abteilung immer der Fall - sehr nette Kollegen und vorgesetzte, jeder versteht sich gut und hält zusammen, es gibt kein Mobbing und kein schlechtes Gerede hinten herum, jeder ist sehr ehrlich - quasi wirklich das fast perfekte Arbeitsklima, wie man es sich nur wünschen kann.

Nun soll aber mein Themengebiet wieder in Abteilung B wechseln, allerdings komme ich mit dem dortigen Abteilungsleiter vor allem auf der menschlichen und auch auf der fachlichen Ebene absolut nicht zurecht. Dieser hat außerdem versucht, mit allen mitteln das Themengebiet wieder an sich zu reißen, und hat auch dementsprechend Stimmung im Unternehmen gemacht, um eine Entfristung meines Vertrages zu verhindern, was ihm letztendlich glücklicherweise nicht gelungen ist.

Ein Wechsel ist somit unzumutbar. Da in meinem Arbeitsvertrag eindeutig Abteilung "A" definiert ist, denke ich schon über eine Klage nach, um die Versetzung zu vermeiden, die Erfolgschancen wären durchaus gegeben.
Bei einem vor kurzem stattfindenden, sehr ernüchternden Gespräch mit meinem aktuellen Vorgesetzten fand ich dann heraus, dass auch er mein Themengebiet unbedingt los haben möchte, da es zu viel Potential für Konflikte bietet, wenn es nicht wieder in Abteilung "B" eingegliedert wird, so wie es der dortige Abteilungsleiter wünscht; er nimmt auch in Kauf, dass ich in eine Abteilung wechseln müsste, wo ich mit dem Chef absolut nicht klar komme - ich solle mich doch einfach nicht so anstellen und er könne meinen Widerstand nicht nachvollziehen . Weiterhin wurde mir erklärt, dass selbst im Falle einer erfolgreichen Klage in der aktuellen Abteilung "A" kein Themenbereich für mich übrig wäre oder in Frage kommen würde, wenn dann mein aktuelles Thema ohne mich in Abteilung "B" wechseln würde.

Bei einem weiteren Gespräch mit dem potentiellen neuen Abteilungsleiter wurde mir ein eigenes Büro versichert, dass ich das Themengebiet weiterhin selbstständig und eigenverantwortlich bearbeiten dürfte, und auch weitere Themen, wenn gewünscht, übernehmen könnte, um mich weiter zu entwickeln. Demgegenüber steht der neue Chef, welcher mich mutmaßlich rausmobben wollte, und die anderen Mitarbeiterinnen in der Abteilung, mit denen ich menschlich absolut nichts anfangen kann, auch fachlich nicht, da es sich hier "nur" um Sachbearbeiterinnen handelt.

So doof wie es klingt, das ist es mir aber alles nicht Wert. Mir ist das allerwichtigste, dass es mit den Kollegen passt, dass ich mich in der Abteilung wohlfühle, gefordert werde, dass ein entsprechendes Niveau herrscht - Sozialkontakte in der Freizeit habe ich kaum, da ich in einer Kleinstadt wohne, wo alle meine Freunde weg gezogen sind zwecks Arbeit. Die Arbeitsstelle hat das durch die sehr netten Kollegen in letzter Zeit gut kompensiert und ich war endlich für eine Zeit lang mal mehr oder weniger glücklich mit der Gesamtsituation.

Ich stehe als nun vor der Wahl zwischen Pest und Cholera - Entweder ich aktzeptiere den Wechsel in die neue Abteilung, oder ich klage notfalls gegen den Arbeitgeber, damit ich in der aktuellen Abteilung bleiben kann - und würde mich dann unbeliebt machen, erstens durch die Klage und zweitens da mein aktuelles Themengebiet unbedingt raus soll. Jemand anderes, der das Gebiet übernehmen könnte, ist auch nicht vorhanden, zumal die Einarbeitung fast ein halbes Jahr dauert.

akute, kurzfristige Geldsorgen habe ich keine - könnte locker 1-2 Jahre ohne Arbeit auskommen, da ich die letzten Jahre viel auf die Seite gelegt habe.

Wenn nicht gerade Corona wäre, hätte ich schon gekündigt, auch ohne was neues zu haben - aktuell ist aber fraglich, wie es generell mit der Wirtschaft weiter geht und selbst mit Rücklagen sollte man vielleicht keine überstürtzte Entscheidung treffen.

Auch vor dem potentiell notwendigen Umzug in eine neue Stadt bei einem neuen Job graust es mir - das würde zunächst den Wegfall meiner noch sehr sehr wenigen verbliebenen Bekanntschaften und zumindest temporär auf unbestimmte Zeit komplette Einsamkeit und Isolation bedeuten, vor allem mit den aktuellen Kontaktbeschränkungen. Aktuell wohne ich auch noch bei meinen Eltern, welche eine emotionale Stütze für mich darstellen, auch das wäre dann weg. Auch beim Wechsel in die Arbeitslosigkeit ohne Umzug ist das Risiko auf Einsamkeit sehr hoch - ich hatte im Leben schon zu oft und zu lange Phasen, ohne jemanden zu haben, der mich versteht, oder ohne erfüllende Sozialkontakte - langsam halte ich das nicht mehr aus und will solche Situationen auf biegen und brechen vermeiden.

Ich weiß nun wirklich nicht mehr weiter - habt ihr einen Rat?
 
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Bodenschatz

Aktives Mitglied
Da Dir Chef A deutlich gesagt hat, dass er im Zweifelsfall seine eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringt gedenkt, hast Du von ihm keinen Rückhalt zu erwarten.

Chef B will das Themengebiet an sich reissen und braucht Dich also.
Daher wird es dort einen Weg geben oder geben müssen.

In Deinem Leben gibt es aber noch weitere Aspekte, nämlich den Verlust der "Heimat" - falls Du raus gehst.

Am besten würde es laufen, wenn Du es hinbekommst, die verschiedenen Aspekte zu werten und unten die Summe zu ziehen.
Sie stellt dann dar, ob Du mit Einschränkungen glücklicher wärst oder ohne? vermutliche Einschränkungen ( in einem anderen Job auswärts) komplett am Boden liegst.

Also suche Deinen Vorteil, sieh ihn und gehe seinetwegen Kompromisse ein.
Und vergiss "Alternativen", die nur jemand anders beeinflussen kann ( Chef A) und die daher real keine Alternativen sind.
 

tonytomate

Aktives Mitglied
Nach so einem Gespräch würde man dich bei unserer Firma einfach entlassen. Man soll keinen Spaß auf der Arbeit empfinden, sondern einfach Aufgaben erledigen. Du bist den Ponyhof gewohnt, jetzt musst du halt mal ran. Gewöhn dich um oder geh. Die können im Prinzip Abteilung a auch dicht machen, und dir eine Kündigung aufs Auge drücken. Mit dem Anwalt will wohlüberlegt sein. Solche Leute stehen anschließend auf der Abschussliste. Wag doch einfach den Sprung in die andere Abteilung und gut ist.
 

Chichiri

Aktives Mitglied
Ich gehe davon aus, dass ihr als Konzern einen Betriebsrat habt. Laut Betriebsverfassungsgesetz gilt folgendes:

"In Unternehmen mit in der Regel mehr als zwanzig wahlberechtigten Arbeitnehmern hat der Arbeitgeber den Betriebsrat vor jeder Einstellung, Eingruppierung, Umgruppierung und Versetzung zu unterrichten, ihm die erforderlichen Bewerbungsunterlagen vorzulegen und Auskunft über die Person der Beteiligten zu geben; er hat dem Betriebsrat unter Vorlage der erforderlichen Unterlagen Auskunft über die Auswirkungen der geplanten Maßnahme zu geben und die Zustimmung des Betriebsrats zu der geplanten Maßnahme einzuholen."

Es reicht für den Arbeitgeber nicht, den Betriebsrat zu informieren sondern er braucht auch die Zustimmung vom Betriebsrat. Daher würde ich mit dem Betriebsrat reden, dass er die Gründe, warum du partout nicht wechseln möchtest, kennst.

Aber letztendlich hat die dein jetziger Vorgesetzter ganz klar zu verstehen gegeben, dass er nicht auf deiner Seite ist... viel gewinnen kannst du nicht...
 
Wichtig zu wissen wäre noch, dass Chef A und im Endeffekt das Ganze Unternehmen ein Interesse daran haben, dass der Themenbereich durch meine Person und nicht durch Chef B bzw. seine aktuellen Angestellten weitergeführt werden, da letztere mit der Maxime "hauptsache billig" handeln und dies regelmäßig in der Vergangenheit zu allerlei Problemen geführt hatte. Angesichts dessen war man über eine angedrohte Kündigung meinerseits bei einer Zwangsversetzung auch nicht begeistert. Da meine Firma mitten in der Pampa liegt, ist gutes Personal nicht so einfach zu finden, wie in der Großstadt.

Leider fürchte ich, dass auch das nicht viel ändert.

Ihr habt nicht mal unrecht, wenn ihr sagt, ich bin den Ponyhof gewöhnt. In meiner aktuellen Abteilung ist es wie im Biergarten - besser könnte es kaum sein. Die Abteilung "B" hingegen ist das stereotype, sterile Gegenstück, wie man es sich vorstellt und wie es wohl regelmäßig in der Arbeitswelt der Fall ist.

Eigentlich wollte ich in dem Laden nur ein Jahr zur Überbrückung bleiben und dann wo anders hin, auch, da mich in meiner Heimatstadt mangels Sozialkontakten nichts mehr hält. Dann hat sich herausgestellt, dass es dort trotzdem nicht so schlecht ist, und dann kam Corona.

Leider habe ich dem Chef B gestern deutlich gesagt, dass ich in der aktuellen Abteilung bleiben möchte, keine Lust auf seine Abteilung habe, und auch darauf hingewiesen, dies notfalls juristisch durchzusetzen. Tatsächlich hat er mir trotzdem Angeboten, dass ich mir die Sache doch nochmal überlegen solle

Blöde Situation, um nochmal zurück zu rudern. Aber mal sehen

Ich ärgere mich ja über mich selbst, dass ich so empfindlich und wählerisch bin, aber so ist es nun mal. Dem zuwider zu handeln, hat mich schon mehr als einmal in ein Loch geworfen.


Wir haben auch einen Betriebsrat, welchen ich vorab der ganzen Geschichte kontaktiert habe, dieser hat dem Wechsel nicht zugestimmt, diesen aber auch nicht abgelehnt, sondern lediglich Bedenken angemeldet - quasi das Mittelding, womit mir nur selbst der Rechtsweg bleibt, aber die Durchführung der Versetzung für den Arbeitgeber zunächst nicht ausgeschlossen ist.
 

MissLisa

Mitglied
Ich denke, du solltest es in der neuen Abteilung versuchen. Die Klage wird dir nichts bringen. Vielleicht kommst du dort ja doch gut mit dem ein oder anderen aus.
Und du kannst ja immer wieder mal für ein Schwätzchen zu den Kollegen aus der anderen Abteilung gehen und Mittagspause kannst du ja auch mit ihnen machen.
 
Ich denke, du solltest es in der neuen Abteilung versuchen. Die Klage wird dir nichts bringen. Vielleicht kommst du dort ja doch gut mit dem ein oder anderen aus.
Und du kannst ja immer wieder mal für ein Schwätzchen zu den Kollegen aus der anderen Abteilung gehen und Mittagspause kannst du ja auch mit ihnen machen.
Leider nicht, da die in einem anderen Gebäudekomplex sind. Mittagspause wird bei uns außerdem direkt am Arbeitsplatz vor dem PC gemacht. Die Chancen auf Kontakt mit den neuen Kolleginnen sind auch mäßig, da ich ein Büro für mich alleine bekommen werde....
 

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