Die anderen User, vor allem Violetta und Kylar, die ich im Übrigen beide sehr schätze, haben eigentlich schon alles dazu gesagt. Einerseits ist es emotionale Erpressung der übelsten Sorte, wenn dein Vater seine Liebe angeblich von einem Piercing abhängig macht, andererseits kannst du deine Liebe ja auch von seiner Akzeptanz deiner Art zu leben abhängig machen. Mit 20 Jahren würde ich mich jedenfalls nicht mehr von der Meinung meiner Eltern derart beeindrucken lassen. Dass du das tust weil du sie liebst, und auch aus Gewohnheit, weil du den Großteil deines bisherigen Lebens auf sie hören musstest, ist klar. Aber ich denke es gibt auch eine Zeit des Abnabelns, und die scheint mir nun gekommen. (Grundlos wirst du ja auch nicht in Therapie sein. Falls deine Eltern dich in diesem Emotionalen-Erpressungs-Stil erzogen und dich und deine Bedürfnisse damit kleingehalten haben, ist es kein Wunder dass du eine benötigst.)
Frag doch deine/n Thera, was du tun sollst. Ich würde an deiner Stelle meinem Vater in Ich-Botschaften vermitteln, was ich dabei empfinde wenn er so etwas zu mir sagt, wie es mir damit geht, und was meine Gründe für dieses Piercing sind. Das Ganze sollte allerdings ergebnisoffen stattfinden. Wenn er weiter deswegen herumtrotzen will, soll er das ruhig machen. Es sagt meiner Meinung nach mehr über ihn aus als über dich.
Ich erzähl dir mal eine Geschichte aus meiner Vergangenheit. Meine Eltern waren immer sehr bestimmend, herrisch und streng. Während die anderen Kinder draußen unbeschwert spielten, machte ich den Abwasch, saugte Staub oder putzte das Bad. Während andere Jugendliche im Kino oder Freibad waren, baute ich mit am Eigenheim meiner Eltern. Während andere junge Erwachsene Zuschüsse von ihren Eltern zum Studium bekamen, musste ich zu Hause mietspiegelkonform Miete abdrücken.
Ich durfte nur selten Freunde mit nach Hause bringen, und vor allem auch keine Mädchen. Die einzigen beiden Freuden die ich hatte waren mein Sport und mein Instrument. (Ich bekam allerdings auch oft genug Instrumentenverbot)
Meine Eltern waren vollkommen entsetzt als sie hörten, dass ich Sportwissenschaften studieren wollte. In ihrer Wahrnehmung war das "brotlose Kunst", "nichts Anständiges" und "vollkommene Idiotie". Wochenlang hing deswegen der Haussegen schief, es gab Krisengespräche, meine Mutter weinte, mein Vater fluchte und schimpfte. Ungelogen ein Riesendrama. Beinahe hätten sie mich weichgekocht, als mir auffiel: Es ist MEIN Leben. Niemand anderes als ich selbst muss mit der Entscheidung klarkommen. Nicht meine Mutter, nicht mein Vater. Ich. Weder meine Mutter noch mein Vater ist im Zweifelsfall dann 40 Jahre lang in einem öden Job gefangen, den man nur auf Bestreben der Eltern gewählt hat. Das war der Punkt, an dem ich beschlossen habe, dass es reicht. Ich zog zu Hause aus, und machte mein eigenes Ding. Es dauerte übrigens kein halbes Jahr bis meine Eltern sich wieder einbekommen hatten.
Mittlerweile leide ich unter regionaler Bekanntheit, und jetzt erzählen sie natürlich allen Leuten, dass sie damals immer hinter mir gestanden hätten 😉
Was ich damit sagen will: Wenn dein Vater kein Idiot ist, wird er irgendwann merken wie kindisch er sich dir gegenüber verhält, und sein pikiertes, trotziges Getue sein lassen.
Mal ganz davon abgesehen denke ich da ähnlich wie Kolya: Du bist 20 Jahre alt. Such dir vielleicht langsam jemanden zum Kuscheln der nicht mit dir verwandt ist 😀
Viel Glück!