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GrayBear
Gast
Warum diese Unruhe?
Hallo @Eosphorus ,
ja, heute fällt mir das Lächeln leichter, als vor 30 Jahren. Wenn das Altermilde ist, nun, dann berührt mich das jetzt auch ein wenig peinlich, aber ich komme damit klar. Und ja, des Menschen Fähigkeit, die eigenen Fehler und falschen Entschlüsse in ein betonhartes Konstrukt von Begründungen zu verkapseln, um möglichst unangreifbar zu sein, war so hoffentlich nicht von der Evolution favorisiert. Oder vielleicht doch? Eben weil es funktioniert? Und ich bin hier nur das um Milde winselnde Beta-Tierchen? Da mag was dran sein.
Und ich stimme Dir nochmals zu, dass unsere Tendenz, alles zu bewerten und für gut oder schlecht zu befinden ebenfalls auf wackeligen Beinen steht, weil wir selten die Komplexität des Gesamten im Blick haben können und dadurch oft egoistische oder einfach falsche Entscheidungen treffen. Erkennen wir dann eine falsche Entscheidung, ist eine Lüge oft schneller erfunden, als die Wahrheit formuliert. Aber auch hier läßt mich die Altermilde inzwischen häufiger lächeln und vom jeweiligen Standpunkt aus betrachtet, wird vieles verständlich.
Bei Deinem Wort "unnachgiebige Ehrlichkeit" fröstelt es mich in allen Knochen, denn gerade die Unnachgiebigkeit macht mir immer mehr zu schaffen. Gut, wenn ich einen Maibaum aufrichten will, darf ich nicht nachgiebig sein, denn schief ist eben schief. Aber im Umgang der Menschen untereinander musste ich feststellen, dass sehr viele Menschen mit der individuellen Wahrheit des anderen völlig überfordert sind, dass die Wahrheit und was ich immer gerade dafür halte, sehr wohl auch Beziehungen zerstören kann und das dann auch sollte. Aber wo bleibt dann die Chance, aus seinen Fehlern zu lernen? Ich habe immer mehr den Eindruck, dass heute der Pranger mehr Gewicht hat, als die Einsicht. Vergebung wird als öffentliche Angelegenheit eine Farce und kann nicht funktionieren.
Und nochmals aus ganzem Herzen JA. Auch ich habe Jahre gebraucht, damit klar zu kommen, dass ich manche Dinge einfach nicht kann, dass mir manches nicht möglich ist und das sind keine schönen Stunden und die Gelassenheit hat seltsamerweise dann gerade ihr freies Wochenende.
Warum diese Unruhe? Weil ich noch keinen Steg oder gar eine Brücke sehe, die das, was wir können sollten und was wir derzeit vermögen, verbindet. Als "Schwarm" fehlt es uns noch immer sehr an Intelligenz. Gemeinsam nach links oder rechts zu schwimmen, reicht einfach noch nicht. Und das manifestiert sich auch in den Grenzen unserer Fähigkeit zu erkennen und zu vergeben.