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Zaghafter Versuch

  • Starter*in Starter*in Elfenstaub
  • Datum Start Datum Start
Liebe Tyra,

ich habe deinen ausführlichen Beitrag gelesen und fühl mich klein. Das liegt daran, weil du Vorschläge gibst, die ich nicht umsetzen kann und das mach mich total traurig. Ich krieg schon wieder Angst, auch hier nicht bleiben zu können, weil es einfach keiner verstehen kann. Der einzige, der mich versteht, ist mein Therapeut:

weißt Du, ich hatte zusätzlich zu meinen Gewalterlebnissen, 3 sehr schwere Unfälle, die eine 100 %ige Schwerbehinderung hinterlassen mit irreparablen Folgen. Es ist ein Wunder, dass ich noch Vollzeit arbeiten kann, danach brauche ich Ruhe.

Freunde und Bekannte hab ich nicht, weil mein Leben total kontrolliert ist. Ich kann noch nicht mehr dazu sagen. Ich lebe noch immer in psychischer Gewalt und brauche auch die Täter, ich bin von Ihnen abhängig.

Ich hab ein anderes Erleben wie Ihr, weil die meisten, die in Foren sind, Kinder sind, die sich Kraft holen, rauszukommen oder Leute, die einfach die Vergangenheit verarbeiten.

Ich bin eine Frau, die seit dem 3. Lebensjahr übelste Gewalterfahrungen hat, 3 sehr schwere Unfälle mit schon über 30 Klinikaufenthalten und 29 Operationen. Ich bin sehr oft auf der Intensivstation und ich wollte ein Forum, wo ich ein wenig Kontakt krieg, Verständnis, Verarbeiten kann, einfach sein darf, so wie ich bin und eben spüren, dass es mich gibt.

Wenn Du den Film "Barfuss" kennst, dann weißst du, wie es mir geht. Ich bin auch "eingesperrt" und kenne das Leben kaum. Meine Arbeit ist mein Freiraum.

Sport kann ich gesundheitlich überhaupt nicht. Ich muss einfach jeden Tag es neu schaffen, den Tag zu schaffen.
Für mich beginnt der Tag, mittlerweile schon Routine, mit starken Schmerzen, ich brauche mindestens 1 Stunde, um einigermaßen gut zurechtzukommen und aus dem Haus zu gehen.
Dann muss ich trotz Alpträume und Flashbacks und Sehnsüchten und Traurigkeiten, meine Frau im Beruf stehen und keinem etwas zeigen.
Dann gehe ich wieder heim, oder ich bin auch sehr viel bei Ärzten.
In meinem Alter gibt es kaum noch Singles, jedenfalls nicht hier in dem Kaff und Umgebung und wenn sind die echt besch.......

Naja, freitags bin ich in einem Gospelchor und es ist sehr schwer. Auch dort bin ich ausgegrenzt, weil ich nicht mal in eine Wirtschaft kann, weil ich absolut keinen Rauch vertrage und dann blind werden kann, ich sehe eh nur noch auf einem halben Auge.

Es ist für mich sehr erschütternd, wenn ich immer wieder Tipps kriege und dann merke, ich kann sie nicht umsetzen und dann merke, wie sich die Leute zurückziehen, anstatt bei mir zu bleiben.

Es versteht mich keiner und alle denken, ich jammere nur und ich will nicht aus der Situation. Aber Tatsache ist auch, dass keiner weiß, wie mein Leben abläuft und dass ich ohne Auto bin und Führerschein, dass ich gesundheitlich auf andere angewiesen bin, dass ich seelisch auf andere angewiesen bin, da die Unfallfolgen mit vielen Gutachten und Prozessionen begleitet werden, wo ich Unterstützung brauche von meinen Eltern, egal wie alt ich bin, egal, was sie mir angetan haben und noch immer antun.

Ich habe Drohungen, die besagen, ich kann mein Leben alleine leben, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Diese Bedingungen kann ich unmöglich erfüllen und ich weiß, dass es mich endgültig töten würde, da ich nicht stabil bin.

Also versuche ich eine Stabilität zu gewinnen. Leider kenne ich überhaupt nicht mein Ich.

Mein ganzes Leben lang war ich von den Reaktionen gemacht, die andere mir gaben.
Ich habe nie etwas anderes gelernt. Meinst Du nun echt, ich kann das jetzt so locker herzaubern, und von heute auf morgen ein normales Leben lernen.

Warum darf ich nicht einfach hier sein. Egal wie ich bin. Einfach da sein. Oder kann ich hier nicht auch mal eine Art Freundschaft erfahren.

Ich habe für mich beschlossen, wenn es in diesem Forum auch nicht klappt, dann lasse ich alles und schweige, aber dann breche ich auch die Therapie ab.

Ich kann keinerlei Verletzungen mehr vertragen, ich kann es einfach nicht.

Sieht denn keiner, dass ich bereits 37 Jahre kämpfe und es geschafft habe, zu überleben???

Sorry, falls ich dich missverstanden habe. Aber ich hab schon wieder sehr große Angst.

Elfenstaub
 
Liebe Elfenstaub,

ich kenne sehr viele Menschen mit zum Teil sehr sehr schweren Schicksalen, BEhinderungen, psychischen ERkrankungen, mit extremen Gewalterfahrungen etc. aber viele haben es geschafft, d.h. führen ein ganz normales Leben, indem sie die richtige Einstellung -insbesondere zu sich selber- hatten oder sich erkämpft haben und sich auch nie aufgegeben haben und z.t echt angestrengt haben voranzukommen um nicht nur zu überleben, sondern ein wenig mehr. Du hast ja auch trotz deiner Schicksalsschläge sehr viel gekämpft und geschafft: es ist bewundernswert, dass du trotz deiner Behinderungen einen Vollzeitjob schaffst! Hut ab!
Es ist verständlich, dass du nach der Arbeit erstmal deine Ruhe brauchst. Und es ist auch klar, dass du mit deinem individuellen Energiehaushalt und Gesundheitszustand einige Dinge machen kannst, andere Dinge dir schwer fallen und du einige Dinge gar nicht machen kannst...aber bestimmt gibt es einige Dinge die du schaffen würdest, wenn du dir ein wenig mehr zutrauen würdest? Stabil sein...nun meine Schwester ist psychisch krank und auch instabil, aber stabil genug um ohne Eltern auszukommen...das Verhältnis zu unseren Eltern ist eh nicht sehr gut (Vater in Kindheit gewalttätig, Mutter hysterische egozentrische Brüllkuh...sry...aber so war et halt) und deshalb hat sich meine Schwester sehr drum bemüht die Eltern außen vor zu lassen..ich hab ihr dabei geholfen...das hätte ihre Psyche nur noch mehr pürriert wieder ins Elternhaus zurückzumüssen. Elternhaus und Kindheit waren ja Mit-Auslöser der psychischen Erkrankung und die sollte man dann tunlichst meiden. Ich weiss nicht, wie das bei dir war/ist, aber du solltest wissen, dass es Alternativen gibt (siehe unten unter P.S.).

Umsetzbare Vorschläge...nun dazu muss man ja erstmal den gesamten Background sehen...tut mir leid, dass ich da mit dem Sporttipp übers Ziel hinausgeschossen bin..jedoch spielt eine 100% behinderte im Rollstuhl sitzende Bekannte von mir so begeistert Tischtennis und nimmt auch an den Paralympics teil...und dass mit deiner Sehschwäche war mir ja noch nicht bekannt..Da du in einem Gospelchor bist, ist Sozialkontakt ja umsetzbar, bzw. bereits umgesetzt. Meine Bekannte hasst Rauch auch, lädt ihre Sporkumpels daher zu sich ins rauchfreie Zuhause ein, bzw. jetzt im Sommer sitzen alle immer draußen im Garten oder Biergarten an der frischen Luft etc.

Wichtig ist nicht den Glauben an sich zu verlieren und sich stückchenweise immer ein bisschen mehr zuzutrauen..schrittweise voran zu gehen. Auch mal den Mut haben einige Dinge im Leben oder Alltag zu ändern, neue Wege zu gehen, auch wenn das erst ne Menge Angst macht, der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier..ich kenn das auch von mir.... Auch wenn man gehandicapt ist heißt das noch lange nicht, dass das Leben statisch (=ohne Veränderung oder Entwicklung) sein muss, bzw. es nur ums Überleben geht...denn irgendwo will jeder doch auch ein Stück Lebensqualität nicht nur Quantität, oder?

In deiner Sprache erkennt man sehr deutlich dass du dich mit Thesen wie: "es kann einfach keiner verstehen" oder "es versteht mich keiner" selber ein stückweit isolierst. Gut ist jedoch, dass dein Therapeut dich versteht und deshalb verstehe ich den Einwurf gegen Ende deines Beitrags nicht dass du die Therapie abbrechen willst?
Diesen Beschluss wenn es in diesem Forum nicht klappt (womit konkret nicht klappt??) alles zu lassen, die Therapie abzubrechen baut meiner Ansicht nach Druck auf...für dich und auch ggü dem Forum indem, wenn es nicht so läuft wie du es erwartest, du dich dann selber schädigen willst indem du die Therapie abbrichst und total isolierst? Verstehe ich nicht so ganz.

Hast du mal was von konstruktivistischer Psychologie gehört und Watzlawick gelesen? Was von self fulfilling prophecy gehört? Grundaussage ist, dass sich jeder durch sein Denken quasi seine Welt selber erschafft und wenn jemand nur fest genug an sein Scheitern glaubt und daran glaubt, dass nichts und niemand einem helfen kann oder dass man gewisse Dinge nicht schafft etc. diese Realität allein durch seine Denkhaltung auch entstehen wird. D.h. man ist ein stückweit immer was man denkt was man ist...Die eigene Meinung von sich selber ist daher wichtig und man sollte gut von sich denken, dran glauben, dass man mehr schafft und man auch Veränderung aushalten kann, Verletzungen überlebt und sich im Leben durchsetzt.
Daher ist es manchmal wichtig ein wenig umzudenken, denn Realität wie ich sie kenne ist, dass sehr viele Menschen dich sehr gut verstehen können...nicht bis ins Kleinste...aber notwendige und wichtige Dinge schon und das reicht im Grunde um voran zu kommen, aus der Isolation des eigenen Ich ein wenig herauszukommen um mal was Neues zu versuchen.

Du fragst, ob du das so locker herzaubern kannst ein normales Leben zu leben -> die Antwort: Nein natürlich nicht...kein Mensch kann das, für keinen ist das leicht, für einige Menschen schwer und für andere noch schwerer. Für dich ggf. ziemlich schwer...aber bestimmt machbar, oder? Gemäß der sich selbst erfüllenden Prophezeiung würd ich auf jeden Fall dran glauben, dass es geht...zumindest versuchen und wenn man es dann ausprobiert hat und es nach großen Bemühungen dennoch nicht klappt, dann hat es eben nicht geklappt...tragisch fände ich nur,wenn man es nie versucht hat.

Deine Frage warum du nicht einfach hier sein kannst ist für mich unverständlich..du kannst selbstverständlich hier sein...und wirst hier bestimmt auch viele Menschen finden die dich gut verstehen können.
Allerdings liegt es im Wesen jeden sozialen Beisammenseins, sei es im normalen Alltag und Umfeld, sei es in Foren, dass man dort auf verschiedene Menschen mit verschiedenen Ansichten trifft und ggf. auch auf Meinungen, die nicht so ganz ins eigene Konzept passen, die einem manchmal gegen den Strich gehen und nicht den eigenen Erwartungen entsprechen...was allerdings keine Kränkung bedeutet, sondern das ist normaler Austausch und normales Leben..normal ist auch, dass Menschen sich manchmal absichtlich oder unabsichtlich verletzen...nobody is perfect!! Dagegen muss man sich ein wenig wappnen und abhärten und einfach seinen Standpunkt vertreten und sich manchmal gegen Dinge, die einem nicht passen zur WEhr setzen, einfach Contra geben, ein wenig diskutieren und fertig...

Verstehen braucht natürlich Zeit und Erklärungen...und grad übers Forum wo man jemanden ja nicht vor Augen hat, nicht face to face kommuniziert, dauert Verstehen noch länger und bedarf mehr Erklärungen, daher würd ich nicht vorschnell die Flinte ins Korn werfen, wenn es mal zu Missverständnissen kommt und du nicht sofort die Antworten erhältst, die du dir erhofft hast, oder wenn du dich nach gerade mal 2-3 Beiträgen unverstanden fühlst...
Daher zum näheren Verständnis deines Lebens und deiner Ansichten hier einige konkrete Fragen zu deiner Anmerkung: "Ich habe Drohungen, die besagen, ich kann mein Leben alleine Leben, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Frage 1 dazu: von wem kam die Drohung?
Frage 2: warum empfindest du es als Drohung allein zu leben?
und Frage 3: was sind die Bedingungen, die du deiner Meinung nach nicht erfüllen kannst, die andere dir jedoch anscheinend zutrauen?

Du schreibst dein Leben wird total kontrolliert....von wem?* Du schreibst du lebst in psychischer Gewalt und bist abhängig von den Tätern. Wer konkret sind die Täter, was machen die konkret, also wie sieht die psychische Gewalt aus und inwiefern bist du abhängig?

Ich würde mich über eine Antwort freuen!

Gruß
Tyra

*Deine Eltern? Alternative wäre Behinderten-WG, wird über Lebensberatung von Caritas oder Diakonie vermittelt! Dein Therapeut müsste doch an sich auch Adressen kennen. Wenn du selber -sogar Vollzeit- arbeitest bist du ja finanziell unabhängig und hast an sich auch genug Geld um eine eigene Wohnung zu mieten?...meine behinderte Bekannte hat das ebenfalls gemacht, einen Kotten gemietet, Untermieter, die helfen mit reingenommen.
 
Zuletzt bearbeitet:
oh, tyra, du forderst mich. Ähm, ich hab halt sehr viel Angst drüber zu reden.
Ich kann es auch so schlecht verständlich machen.
Meine Eltern sind die Täter, seit meinem 3. Lebensjahr
Schläge egal wo hin, egal wie oft, einsperren, quälen, nackt versperren, Fotos gemacht, verletzt, verspottet, ich kann nicht reden drüber.

Ich, naja, ich sag nicht, dass es schlecht ist, dass ich alleine lebe, aber ich werde kontrolliert, wann ich wo bin und wenn ich mit anderen Kontakt habe, dann kommen Drohungen, die mir weh tun etc.

bitte, bitte tyra, ich kann nciht reden, nicht offen, okay???
Elfenstaub
 
o.k. ist natürlich in Ordnung wenn du nicht offen drüber reden...bzw. schreiben möchtest, kannst jederzeit gerne über PN mit mir persönlich reden, wenn du möchtest.

LG
Tyra
 
wie denn, du hast ja keine pn eingerichtet???
Elfenstaub

Tyra meinte:
o.k. ist natürlich in Ordnung wenn du nicht offen drüber reden...bzw. schreiben möchtest, kannst jederzeit gerne über PN mit mir persönlich reden, wenn du möchtest.

LG
Tyra
 

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