Hallo kaesekuchen,
lang ist's her... doch freue ich mich sehr von Dir zu lesen. Was ich allerdings lese, erfüllt mich weniger mit Freude. Zudem ging ich nach Deinem langen Schweigen davon aus, daß es Dir besser geht und Du keine Hilfe weiter brauchst.
Du schreibst von Ungerechtigkeit, davon bei einer Bewerbung benachteiligt worden zu sein. Eine Bewerbung ist eine Art Verkaufsgespräch. Man will seine Arbeitskraft bestmöglich verkaufen. Und dazu steht man vor dem Problem, den potentiellen Chef davon zu überzeugen, daß er für den avisierten Preis (Lohn) nichts besseres bekommen kann.
Nun ist es so, daß unsere eigene Sicht auf uns manchmal deutlich abweicht von der Sicht anderer auf uns. Das liegt zum Einen daran, daß wir selbst uns mit unseren Schwächen und Stärken am besten kennen, zum Anderen wohl teilweise auch an Selbstüberschätzung/-überhöhung (nicht böse gemeint) oder auch dem Gegenteil, der Selbstkasteiung in Form von Machtlosigkeit und schwindendem Selbstwertgefühl. Dazu kommen dann noch Kommunikationsschwierigkeiten das Gegenüber von der eigenen Qualität zu überzeugen, weil man eben nicht weiß, welche "Knöpfe" man beim Gegenüber "drücken" muß.
Du schreibst von hoher Intelligenz, der fiktiven Möglichkeit eines Studiums und einem quasi göttlichen Auftrag zum Wohle der Menschheit. Wenn ich diese drei Eigenschaften synthetisiere, dann kann ich Deine Wut nur als eine Wut auf Dich selbst deuten. Mit diesen drei Eigenschaften Intelligenz, Wissen und dem göttlichen Auftrag solltest Du in der Lage sein, Deine Wut entsprechend Deines gefühlten Auftrags produktiv umzuwandeln. Du mußt "nur" den gangbaren Weg dahin finden, sei es soziales Engagement, eine Selbständigkeit, ein Studium oder der "Quereinstieg" in einen entsprechenden Beruf.
Wichtig dabei ist aber nicht im Grübeln und in der Wut über das Elend in der Welt zu verharren sondern reelle Pläne zu schmieden, die Dich aus diesem Dilemma führen könnten. Das dürfen auch sehr unterschiedliche, sich sogar widersprechende Pläne sein. Beginne z. B. mit so einer Art "brain storming". Dir werden die auf den ersten Blick absurdesten Ideen durch den Kopf schießen. Notiere sie alle. Nach und nach wird sich das Wirrwarr lichten und Du wirst schließlich erkennen, in welchem Deiner Pläne Du Dich am stärksten wiederfindest. Und wenn Du Dir Deiner sicher bist, dann beginne den Weg, den der Plan Dir vorzeichnet.
Du schreibst außerdem von (chronischen) Krankheiten. So wie ich das herauslese, bist Du selbst betroffen. Stimme Deinen Plan also auch auf das gesundheitlich leistbare ab. Daneben solltest Du soweit möglich weiter eine Behandlung fortführen, welche zumindest Deinen Leidensdruck mindert. Evtl. stehen Dir auch charitative Hilfen zur Verfügung. Nutze sie ohne Groll auf die Menschen, welche Dir helfen - aus Eigennutz (zum Geld verdienen) und weil sie etwas leisten können, was Dir aus gesundheitlichen Gründen verwehrt bleibt.
So wie Du glaubst bisher vom System ausgenutzt und benachteiligt worden zu sein, nutze das System für Dich aus. Warte nicht, ob das Leben Dir gnädig hinwirft, was Du erhoffst. Nimm' Dir vom Leben, worauf Du glaubst Anspruch erheben zu dürfen.
Viele Grüße