Hallo,
nein, ich schreibe nur so, aber ich meine es nicht böse. Im Grunde meines Herzens bin ich ein guter Mensch und habe gar nichts gegen alte Leute, im Gegenteil, ich finde die oft sehr sympathisch und natürlich habe ich Respekt vor ihnen. Wenn ich irgendwo jemanden antreffe, der, egal ob alt oder jung, Hilfe braucht, bin ich die Erste, die sich anbietet. Ich nehm es aber nicht so genau mit dem ganzen Gehabe, es ist ein bisschen wie mit Christen und Kirchen, ich gehe nicht in die Kirche und ich pfeif auf Gebete, ich pfeif auf christliche Gemeinschaft und gemeinsames Gitarrespielen und "He du da, lass uns drüber reden, du", zu sagen und zu betonen, dass man Nächstenliebe praktiziert, ich machs lieber einfach. Dafür brauch ich keine Gemeinschaft und kein Getue und so. So handhabe ich eben mein ganzes Leben, ich sag zu meiner Oma freundschaftlich: Na, Olle? Sie grinst dann und ich mäh ihr auch ständig den ganzen Rasen, helf ihr beim Einkauf, streich ihre Wohnung, schneide ihr stundenlang alle Hecken usw...aber ich will dafür keinen Orden, ich will keinen Orden, dass ich alte Omis über die Straße führe und ihnen ihr Auto ausm Schnee schiebe oder für sie die Treppe mitputze... dafür bin ich halt im Umgang manchmal etwas flapsig. Wer mich kennt, weiß, wie's gemeint ist 😉
Übrigens ist es mir egal, warum alte Leute unhöflich sind oder sich aufspielen, ich finde, das gehört sich einfach nicht. Ich soll auf alte Menschen Rücksicht nehmen, weil die sich langweilen oder keine Aufgabe haben, aber ich kann es nicht. Ich kann Menschen oft nicht leiden, ich hab selber Probleme, und wenn ein alter Mann mich anraunzt, KANN ich nicht sachlich und höflich bleiben, weil ich außerhalb meiner vier Wände sowieso schon angespannt bin und Zähne knirsche, und selber keine Aufgabe im Leben hab und Tabletten nehme, damits halbwegs erträglich ist, und dazu familiäre Pflegefälle, denen gegenüber ich auch ständig Rücksicht und Hilfsbereitschaft zeigen soll, was ich auch tue. Aber ich lass meine Launen nicht an anderen raus und seh daher auch nicht ein, auf unhöfliche andere Leute Rücksicht zu nehmen, die ja sooo arm dran sind.
Mir gehen einfach diese Gutmenschen (Stichwort Christen) auf den Senkel, die anderen ein Etikett aufdrücken wollen. Gestern auch wieder, geiles Beispiel, ich beim Einkaufen, total angespannt, zähneknirschend, es regnet, eine Traube von Menschen an der Bushaltestelle, Bus verspätet, quatscht mich so ein Typ vom Zoo an, die da einen Stand aufgebaut hatten, ob ich tierlieb wär. Ich: Nö!
Am liebsten hätte ich ihm in diesem Moment schon ins Gesicht geschlagen, weil das Fass am überlaufen war, aber das macht man ja nicht, man soll ja respektvoll sein.
Er: Du sollst doch nicht lügen! Ich, lächelnd und keineswegs unfreundlich: Sorry, da hab ich jetzt grad keinen Bock drauf, und wende mich ab.
Wiederholt er laut und verächtlich: Ach so, keinen Bock drauf.
Daraufhin Blicke von allen anderen, die da noch so rumstanden.
NEIN, ich HABE KEINEN BOCK, Entschuldigung, mich von einem dahergelaufenen Zooheini anquatschen zu lassen, mir sein Gesülze anzuhören und dann ein Überweisungsformular auszufüllen, ich spende bereits regelmäßig ans Tierheim, ich hab mich bei genau diesem Zoo schon beworben als ehrenamtliche Aushilfe, wurde aber (ziemlich unfreundlich!) abgelehnt, ich hab selber zwei Katzen und weniger Geld als n Hartz 4 Empfänger, jetzt muss ich mich hier anschauen lassen wie der Oberabschaum, weil ich jetzt grade nicht von einem Typen angequatscht werden will, der sich für so toll und so charmant hält, mich einfach duzt, genausowenig wie ich Bock hab, mich mit all diesen Gutmenschen, die mich danach abschätzig taxieren, in einen überfüllten Bus zu quetschen. Ich hasse Menschen oft einfach. Und ich kann auch nur innerhalb meiner eigenen Sozialkompetenz agieren und die endet quasi bereits hinter mir. Trotzdem bin ich nicht respektlos anderen gegenüber, andere mir gegenüber aber schon, und dann soll ich noch der Antichrist sein.
Wir haben einen Demenzfall in der Familie und es ist wahnsinnig anstrengend, auch hier heißt es, immer wieder zurückstecken. Das menschliche Zusammenleben scheint einfach in vielerlei Hinsicht eine Sackgasse zu sein, weil Menschen einfach doof sind. Amen 😉
PS: Möchte hinzufügen, dass meine übertriebenen Reaktionen auf Menschen natürlich Folge meiner sozialen Inkompetenz sind, ich aber trotzdem recht gutmütig und gutherzig bin. Ich fühle mich einfach schnell in die Enge getrieben und kriege Panik unter Menschen, deswegen möchte ich ständig Leute schlagen 😉 Liegt natürlich nicht an den Leuten. Und mein letzter Satz "einfach doof sind" war sarkastisch/zynisch/ironisch (kA was hier passt) gemeint. Ich HANDELE natürlich nie nach meinen Ängsten und bin, wie gesagt, nie unfreundlich. Das trau ich mich gar nicht (bevor man mir auch diesen Satz ankreidet, manchmal möchte ich Leute, die sich an der Kasse vordrängeln, schon anschnauzen, aber ich halte die Klappe und füge mich).
Was ich eigentlich sagen will: Man gibt sein Bestes. Kann aber oft nicht aus seiner Haut. Sieht nicht ein, wieso man sich für andere dauernd verbiegen sollte, zumal man schon an seinen eigenen Grenzen agiert und sich Mühe gibt, mit allem und allen zurechtzukommen. Mir geht, wie gesagt, einfach die Tendenz auf den Sack, wahllos Leute abzustempeln und sich selber als ach so hilfsbereit hinzustellen. Man schaut ja schnell auf andere herab, ohne mal genauer hinzuschauen. Und dann kommt son Oppa daher und blafft einen an. Und dann soll man vor dem auch noch buckeln. Nein, danke. Will ich nicht.
Und wenn ich damals im Altenheim jemanden als brutal und unmenschlich und äußerst respektlos erlebt habe, dann waren es die Pflegerinnen! Sicher nicht alle, aber viele waren so unfassbar hart gegenüber den alten Menschen, bis hin zur körperlichen Gewalt. Ich hab mich da oft abgewendet und geheult, weil ich es nicht glauben konnte.
Und wegen des Zündstoff, eigentlich ist es nicht direkt als Provokation gemeint, sondern .. ich nehme das alles einfach nicht soooo ernst. Wie gesagt - flapsig. Ich finde viele Normen und Umgangsformen heute total lustig und muss oft innerlich grinsen, wie gesagt, Taten zählen!