Du bist perspektivlos und scheinst kein genaues Ziel vor Augen zu haben. Das habe ich gut herauslesen können, weil ich nämlich selbst in so einer Lage war und zum Teil noch bin.
Ich erzähle dir jetzt mal kurz was:
Ich bin 29 und als ich so alt war wie du habe ich auch so ein Drama um eine eigene Wohnung gemacht. Bei mir ist das halt so, dass es in unserer Kultur so ist, dass man als unverheirateter Mann nicht einfach ausziehen kann. Die Leute, die mir so nebenbei gesteckt haben, dass ich mir ja eine eigene Wohnung suchen sollte (weil ich soooo unselbstständig und unselbstbewusst war) waren entweder Leute, die das finanziell nicht unterstützt haben (z. B. Arbeitgeber und niedriger Ausbildungslohn) oder Leute, die irgendwie selbst nicht so ganz mit ihrer Freiheit klargekommen sind (Schulden, Kredite, Partner zieht unvermittelt aus, WG Ärger, Mietrückstände, Ärger mit Nachbarn etc.)
Mit 25 habe ich dann angefangen zu studiere und endlich ging mein Traum in Erfüllung: ich durfte eine eigene Wohnung haben in einer fremden Stadt. Endlich Selbstständigkeit... Ja, es ist schon anders, auf sich alleine gestellt zu sein, aber bitte glaub nicht, dass sich dein Leben um 180 Grad ändern wird. Wer Selbstständigkeit nicht gelernt hat, der wird das auch nie richtig können. Viele andere Kommilitonen sind mit ihrer Selbstständigkeit nicht klargekommen. Die konnten einfach nichts mit sich anfangen, weder für sich sorgen, noch tägliche Aufgaben erledigen und Behördenkram wurde einfach ignoriert, wenn man es nicht verstanden hat.
Klar, habe ich bestimmte Dinge gelernt, zb Essen machen, Wäsche, mich um bestimmte Dinge gekümmert, Termine selbst gemacht etc. Alles, unangenehme Dinge, die dann später deine Ehefrau erledigen wird (glaub bitte nicht, dass ein Mann selbstständig wird, nur weil er eine eigene Wohnung hat).
Du wirst merken, dass so ein selbstständiges "Ich will frei sein" Leben auch schnell einsam machen kann.
Ich hatte große Probleme, wieder zu den Eltern zurückzuziehen, hatte dann aber das Glück, die Wohnung nebenan mieten zu können. So habe ich zwar eine eigene Wohnung, aber nicht weit entfernt, sondern nebendran. Anfangs hatte ich Probleme damit, weil ich dachte, keine Privatsphäre mehr zu haben und ich war noch so auzf einem kindischen "Bei den Eltern zu wohnen ist sooo peinlich" Trip... was irgendwie auch ein Zeichen von Unreife ist.
Ich habe mich dann gefragt, was ich denn getan hätte, wenn ich jetzt totale Privatsphäre hätte? Vermutlich wäre mein Leben genau so verlaufen wie bisher, nur dass ich halt vielleicht Dates hätte einladen können (aber das liegt nicht an meinen Eltern oder an fehlender Privatsphäre, sondern daran dass ich keine Dates habe...)
Mittlerweile bin ich froh, so zu leben wie jetzt. Ich muss zwar schon meine Sachen selbst bezahlen, aber ich bin nicht alleine, ich lebe in einer guten Gegend und außerdem ist es immer doof, in eine ganz neue Stadt zu ziehen. Manchmal schätzt man das nicht was man hat und wenn ich jetzt zb eine Famlie gründen wöllte, wäre das vorteilhaft, die Eltern nebendran zu haben.
Übrigens ist mir aufgefallen, dass ALLE meine Nachbarn Single-Männer sind, die noch bei ihren Eltern oder neben den Eltern wohnen. Es haben übrigens viele einen viel engeren Kontakt zu ihren Eltern, als sie zugeben. Viele im Studium haben so getan, als wären sie ganz selbstständige Menschen, aber im Hintegrund haben Mama und Papa mitgezahlt.
Also, von dem her: mach dir über das Zuhause wohnen keine großen Gedanken. Deine eigene Wohnung wirst du schon haben, wenn du einen festen Job hast. Fang bitte einfach irgendwo mal an.
An deiner Stelle würde ich mir über fehlende Berufserfahrung mehr Sorgen machen als über Lücken (ich habe nämlich dieselben und es hat niemanden gejuckt)