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Wir denken, aber warum tun wir nicht.

R

Raziel

Gast
Also, mal eine Frage dich mich schon länger beschäftigt. Einige, oder besser viele von uns stellen sich oft vor wie sie einen verhassten menschen etwas antun. Aber warum tun wir es letztendlich nicht wirklich? Gewissen? Oder einfach nur, weil wir Angst vor der Strafe haben? Ich habe noch niemals in meinem Leben (22 Jahre) für nötig empfunden jemanden zu schlagen oder ähnliches. Ich könnte es, ich mache seit meinem 11ten Lebensjahr Kampfsport(Ok, da hab ich schon mal wen geschlagen, aber sportlicher Wettkampf ist was anderes). Ich habe mir oft vorgestellt ich würde jemanden verprügeln, einfach nur, weil er es einfach verdient hätte, weil jemand mies zu einer Freundin war, weil einer mich fertig gemacht hat, weil einer mich beleidigt hat. Aber warum mache ich es nicht. Manchmal hat man nicht übel Lust jemanden richtig in Gesicht zu schlagen. Aber man tut es nicht. ich glaube bei mir hängt das hauptsächlich mit der Angst vor Strafe zusammen. Ich hätte keine Lust in den Knast zu wandern, nur weil ich jemandem, der mich doof angemacht hat krankenhausreif geprügelt habe. Sonst sehe ich keinen Grund das nicht zu tun.

Wie ist das bei euch, ich glaube jeder kennt diese Gedanken, aber was hält euch davon ab sie zu verwirklichen?
 
Hallo Raziel,

Gewalt ist keine Lösung..und weil man das untergründig weiss, denke ich hält einen das ab Gewalt auszuüben..eine kleine Stimme der inneren Vernunft sagt einem an sich schon was richtig und falsch ist.
Ich denke auch dass die angst vor Strafe einen davor abhalten kann Gewalt auszuüben...aber nicht immer.

Es wäre übrigens äußerst unangemessen jemanden, nur weil er einen doof anmacht krankenhausreif zu prügeln. Über vielen Dingen muss man einfach drüber stehen...wenn man jeden Menschen, der einem querkommt, wenn man auf jeden Mist reagieren würde..wäre man tagtäglich nur noch damit beschäftigt und hätte nach Thomas Hobbes sowas wie nen bellum omnium contra omnes..als Krieg aller gegen alle-Zustand. Einige Dinge sind es jedoch nicht wert beachtet zu werden...oder aber man reagiert angemessen mit besseren Mitteln darauf....ich sag immer "beherrschte Herrschaft" dazu...

Also Antwort auf deine Frage: mich hält pure Eigenliebe davon ab mich auf das Niveau eines hirnlosen Schlägers zu erniedrigen..die meisten Konflikte lassen sich sehr leicht de-eskalativ lösen...man kann auch gewaltlos kommunizieren und "gewinnen" muss diese Fertigkeiten natürlich auch zuvor ausbilden und optimieren. Von nix kommt halt nix.
Kampfsport ist gut für die Grundhaltung für mehr Selbstbewusstsein..aber Kampfsport ist kein Mittel um die Dinge zu klären.
Klar hat man manchmal so Gedanken wie: dem würde ich jetzt am liebsten eine reinhauen oder den würde ich gerne umnieten...aber das sind ja nur Gedanken, die man durch sich hindurchfließen lassen sollte und nicht daran anhaften = die vertiefen. Man sollte seine Gedanken kontrollieren und sich nicht von ihnen kontrollieren lassen..das ist meine Devise, mit der ich immer sehr gut gefahren bin.
Ich bin von Haus aus ein ziemlich aggressiver und auch kämpferischer Mensch, weiss aber mittlerweile mit meinen Aggressionen ganz gut umzugehen...im Zweifelsfall kann ich in Notwehr auch recht hart zur Sache gehen...das bringt genügend Selbstsicherheit in anderen Situationen auf Gewalt verzichten zu können. Gewalt ist ein Machtmittel von vielen...man sollte erstmal die anderen Machtmittel kennenlernen bevor man auf dieses rudimentäre Instrumentarium der blanken Gewalt zurückgreift. Wir sollten echt froh sein, dass wir hier in relativ friedlichen Zeiten und Gegenden leben und zusehen, dass nicht leichtfertig aufs Spiel setzen indem wir gewollt in archaische Brauchtümer uns bei Frust oder Aggression gleich die Schädel einzukloppen zurückfallen.

Gruß
Tyra
 
hey
ich mache selbst seit 5 jahren kampfsport weil ich vorher diese sache tatsächlich verwirklicht habe !!! dann fragt man sich sicher : na toll da ist kampfsport bestimmt des richtige ?! (ironie) aber es war das richtige ich habe dort viel über disziplin gelernt und bin mittler weile sehr froh wenn ich diese gedanken NICHT in die tat umsetzte ....sie du doch einfach froh das du diese disziplin von anfang an hast .....das hätte mir ne menge ärger erspart!!
gruss und kuss

___anonym__
 
Aber wieso versuchen wir dann nicht auch in "Ausnahmesituationen" alles mit unserem Verstand und Verhandlungsgeschick zu lösen? Wir sind halt Gefühlswesen, und es überkommt einen halt manchmal. Und selbst dann haben wir noch eine so große Selbstkontrolle, dass wir uns zurückhalten können. Die meisten zumindest. Allerdings habe ich auch schon so friedfertige Menschen erlebt, die auf einmal ausgetickt sind, weil sie einfach mit einer Situation absolut nicht umgehen konnten. Sicher haben sie auch vorher versucht, sich selbst zu beruhigen, allerdings ist das bestimmt nicht immer so einfach, wie man denkt. Irgendwann sind die Grenzen erreicht. Ich bin da völlig Darksides Meinung, es ist die Gesellschaft, die uns davon abhält, Vernunft hat sicher auch was damit zu tun, aber da denkt man eher an sein eigenes Wohl und Ansehen in der Gesellschaft und nicht das Wohl des Typen, auf den man grade sauer ist.
 
@ darkside Danke^^

@EuFrank dann musst du ein sehr harmonisches Leben haben, warst du noch nie richtig sauer auf jemanden? hat dich noch nie jemand so richtig in Rage gebracht. Hat dir noch nie jemand etwas Ungerechtes vorgeworfen und wollte sich nicht davon abringen lassen, wurde laut, aufbrausend und abwertend. Wirst du da nciht sauer? Wenn nicht, dann respekt. Wenn du die Situation nicht kennst, dann will ich auch dahin wo du bist.
 
Hallo Raziel,

was du beschreibst, dass "es einen manchmal überkommt" liegt an unserer Neurophysiologie. Gefühle entstammen unserem evolutionär älteren Hirnteil aus dem Hirnstamm. Der darüberliegende zweilappige Neokortex, der für Verstand und logisches Denken, Urteilen, Vernunft, Moral und son Krams zuständig ist ist halt langsamer...also wenn es einen "überkommt" läuft folgendes ab: Angst und Aggressionzentren melden sich..du verspürst den Drang wegzulaufen oder draufzuhauen...und erst danach schaltet sich der obere Verstand ein, der abwägt ob es vorteilhaft oder o.k. ist wegzulaufen oder draufzuhauen....wenn der obere Hirnteil nicht genügend trainiert ist, die Bahnen/Reizleitungsverknüpfungen hier nicht genügend ausgebildet sind meldet er sich eher nicht oder erst recht lahm und schleppend, womit die Gefühls/Instinktreaktion dominant bleibt und nicht abgeschwächt oder modifiziert wird. Die Reizleitungsverküpfungen zwischen unterem und oberen Hirnteil, also Gefühl und Verstand bilden sich durch Training, Übung, d.h. nur jemand, der auch genügend nachdenkt über die Dinge, eine ausreichende Moral und auch Urteilsvermögen ausbildet, der kriegt seine obere Hirnkiste auch schneller zum Laufen. Je sicherer die innere Ethik, das Urteilsvermögen desto warhscheinlicher vernünftige Verhaltensweise..wobei es in totalen Krisensituationen wie einem körperlichen Angriff schon überlebenstechnisch sehr gut ist, dass die schnellen Affekte auch gut ausgebildet sind..also ne sponate Abwehrreaktion mit im Programm unserer Handlungen etabliert ist..durch vorheriges TRaining, das die inneren Instinkthandlungen optimiert.

Ich denke es kommt von Mensch zu Mensch drauf an (biologisch oder durch individuelle Vorgeschichte, Erziehung etc.) wie die einzelnen Reizleitungen so drauf sind...einige werden schneller sauer..einige haben ne geringere Hemmschwelle draufzuhauen, da sie innerlich irgendwo in ihrer Urteilsintanz sich dieses REcht selber zugesprochen haben, sich als Alpha aufführen mit Sonderrechten etc. was jedoch gegen gesellschaftliche Moral und auch Recht geht und einen letztlich ins soziale Aus schiesst. Notwehr in Extremsituation wird allgemein als akzeptabel gewertet..alles andere nicht. Und das ist gut so und jeder sollte sich dran halten und daher tut man gut daran dass für sich innerlich zu akzeptieren und zu internalisieren wie die Fachsprache sagt...diese Regel also innerlich fest etablieren, damit in gewissen Situationen auch die entsprechende Bahn zum Kortex frei ist und die Moral/das Sozialverhalten auch wirkt., man sich also im Griff hat, wenn es einen mal wieder "überkommt" Entweder man beherrscht seine Affekte/Gefühle oder wird von ihnen beherrscht oft mit unschönen Ergebnissen...

So, hiermit hab ich mal biologisch-systemisch beschrieben wie es funktioniert und funktionieren kann wie man Denken und Tun zusammen bringen kann. Hier ist halt Übung angesagt...man muss diese Situationen immer wieder durchleben und andere Strategien entwickeln weiterzukommen. Wendet man die mehrmals erfolgreich an, gehören die sozusagen zum Verhaltensinventar...wichtig bei den Strategien ist halt, dass einige wie Brutalität, körperliche gewalt für den Normalalltag absolut tabu sein sollten...und das man seinen Schwerpunkt auf das Erlernen anderer Machtmittelchen und Durchsetzungsstrategien legt.

Achtung fängt bei Selbstachtung an..meiner Meinung beginnt die dort, wo man aktiv anfängt seinen Charakter selber in die richtige Richtung hin auszubilden...es ist einfacher bei Gewalt stehenzubleiben und nie ne funktionierende Moral auszubilden..aber unterm STrich rechnet es sich nicht sich amoralisch zu verhalten. Damit verliert man letztlich mehr als das man gewinnt.

Gruß
Tyra
 
Zuletzt bearbeitet:
Zum sauer werden auf jemanden fällt mir noch ein: an sich hat derjenige, auf den man sauer ist zu viel Macht über einen, wenn man zu sauer auf einen ist..zu sehr fixiert auf ihn ist....hier ist Abgrenzung gefragt um sich nicht zu sehr in Sauerkeit reinzusteigern um dann wie ein wandelndes Säurefass rumzulaufen. Ich persönlich kann spontan auch sehr sauer werden, sage das dann aber DIREKT und begründe glasklar warum ich sauer bin, damit mein "Gegner" entsprechend reagieren kann.
Ich denke diejenigen, die nicht genug ausformulieren können warum sie eigentlich sauer sind, was sie wollen etc..die steigern sich zu sehr rein...oder auch Menschen die zu unrealistische Erwartungshaltungen ggü ihren Mitmenschen haben und denken diese würden auf Anhieb 1🤐 verstehen wie man denkt und fühlt...was totale Illusion ist..Die menschliche Kommunikation ist recht schwierig, man muss genügend erklären um Missverständnisse auszuräumen...ich denke oft sind es Missverständnisse, die sauer machen, oder?

Innerhalb meiner family kann es bei Streitigkeiten schonmal hoch her gehen..nicht mehr so schlimm wie früher...so ala "russisches Drama" aber dennoch..wir Mädels = meine Schwestern und ich sind oft sehr aufbrausend, können uns mittlerweile aber auch wieder gut und rasch runterkochen...unsere Art liegt viell. irgendwo zum Teil an unserer schiefgegangen ERziehung durch die Eltern, z.T auch an Schilddrüsenfehlfunktionen...und noch an zig Ursachen...wichtig ist halt zu wissen was richtig und falsch ist und sich stets jeden Tag wieder neu nach bestem Wissen und Gewissen zu bemühen es beim nächsten STreit besser zu machen. Streit und Konflikte austragen gehört zum Leben dazu...wichtig ist halt das WIE man diese Konflikte löst...und das man sich danach mit gutem Gewissen im Spiegel angucken kann ist an sich ein gutes Gefühl.

Mich würde interessieren: was genau macht dich sauer? In welcher Situation warst du zuletzt sauer über was?

Nochmals Gruß
Tyra
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Raziel!

@EuFrank dann musst du ein sehr harmonisches Leben haben, warst du noch nie richtig sauer auf jemanden? hat dich noch nie jemand so richtig in Rage gebracht. Hat dir noch nie jemand etwas Ungerechtes vorgeworfen und wollte sich nicht davon abringen lassen, wurde laut, aufbrausend und abwertend. Wirst du da nciht sauer? Wenn nicht, dann respekt. Wenn du die Situation nicht kennst, dann will ich auch dahin wo du bist.
Diese Gefühle kenne ich. Aber das ich jemanden "vertrimmen" wollte, dürfte weit ins letzte Jahrtausend zurückreichen 🙂 .
 
Hallo Raziel!

Ich denke, es ist die Vernunft, die uns davon abhält, Gewalt anzuwenden. Wir wollen nicht, dass jeder jeden "vertrimmt", einfach, weil es ihm so gefällt. Wir wünschen uns eine höhere Instanz, die gerecht über die Anwendung von Gewalt entscheidet. Wir wissen im Grunde, dass es meistens bessere Handlungsmöglichkeiten als die der Gewalt gibt.

Unser Gewissen hält uns mit Recht ab, Gewalt unkontrolliert anzuwenden.
 

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