Hallo Raziel,
was du beschreibst, dass "es einen manchmal überkommt" liegt an unserer Neurophysiologie. Gefühle entstammen unserem evolutionär älteren Hirnteil aus dem Hirnstamm. Der darüberliegende zweilappige Neokortex, der für Verstand und logisches Denken, Urteilen, Vernunft, Moral und son Krams zuständig ist ist halt langsamer...also wenn es einen "überkommt" läuft folgendes ab: Angst und Aggressionzentren melden sich..du verspürst den Drang wegzulaufen oder draufzuhauen...und erst danach schaltet sich der obere Verstand ein, der abwägt ob es vorteilhaft oder o.k. ist wegzulaufen oder draufzuhauen....wenn der obere Hirnteil nicht genügend trainiert ist, die Bahnen/Reizleitungsverknüpfungen hier nicht genügend ausgebildet sind meldet er sich eher nicht oder erst recht lahm und schleppend, womit die Gefühls/Instinktreaktion dominant bleibt und nicht abgeschwächt oder modifiziert wird. Die Reizleitungsverküpfungen zwischen unterem und oberen Hirnteil, also Gefühl und Verstand bilden sich durch Training, Übung, d.h. nur jemand, der auch genügend nachdenkt über die Dinge, eine ausreichende Moral und auch Urteilsvermögen ausbildet, der kriegt seine obere Hirnkiste auch schneller zum Laufen. Je sicherer die innere Ethik, das Urteilsvermögen desto warhscheinlicher vernünftige Verhaltensweise..wobei es in totalen Krisensituationen wie einem körperlichen Angriff schon überlebenstechnisch sehr gut ist, dass die schnellen Affekte auch gut ausgebildet sind..also ne sponate Abwehrreaktion mit im Programm unserer Handlungen etabliert ist..durch vorheriges TRaining, das die inneren Instinkthandlungen optimiert.
Ich denke es kommt von Mensch zu Mensch drauf an (biologisch oder durch individuelle Vorgeschichte, Erziehung etc.) wie die einzelnen Reizleitungen so drauf sind...einige werden schneller sauer..einige haben ne geringere Hemmschwelle draufzuhauen, da sie innerlich irgendwo in ihrer Urteilsintanz sich dieses REcht selber zugesprochen haben, sich als Alpha aufführen mit Sonderrechten etc. was jedoch gegen gesellschaftliche Moral und auch Recht geht und einen letztlich ins soziale Aus schiesst. Notwehr in Extremsituation wird allgemein als akzeptabel gewertet..alles andere nicht. Und das ist gut so und jeder sollte sich dran halten und daher tut man gut daran dass für sich innerlich zu akzeptieren und zu internalisieren wie die Fachsprache sagt...diese Regel also innerlich fest etablieren, damit in gewissen Situationen auch die entsprechende Bahn zum Kortex frei ist und die Moral/das Sozialverhalten auch wirkt., man sich also im Griff hat, wenn es einen mal wieder "überkommt" Entweder man beherrscht seine Affekte/Gefühle oder wird von ihnen beherrscht oft mit unschönen Ergebnissen...
So, hiermit hab ich mal biologisch-systemisch beschrieben wie es funktioniert und funktionieren kann wie man Denken und Tun zusammen bringen kann. Hier ist halt Übung angesagt...man muss diese Situationen immer wieder durchleben und andere Strategien entwickeln weiterzukommen. Wendet man die mehrmals erfolgreich an, gehören die sozusagen zum Verhaltensinventar...wichtig bei den Strategien ist halt, dass einige wie Brutalität, körperliche gewalt für den Normalalltag absolut tabu sein sollten...und das man seinen Schwerpunkt auf das Erlernen anderer Machtmittelchen und Durchsetzungsstrategien legt.
Achtung fängt bei Selbstachtung an..meiner Meinung beginnt die dort, wo man aktiv anfängt seinen Charakter selber in die richtige Richtung hin auszubilden...es ist einfacher bei Gewalt stehenzubleiben und nie ne funktionierende Moral auszubilden..aber unterm STrich rechnet es sich nicht sich amoralisch zu verhalten. Damit verliert man letztlich mehr als das man gewinnt.
Gruß
Tyra