Steffi meinte:
Mein Name ist Steffi und ich bin 19 Jahre alt. Ich würde sagen, ich habe eine schöne Kindheit gehabt, doch kein leichtes Leben.
Ich kann es nicht verstehen, wenn ich die ganzen Postings hier lese, wie man den Entschluss fassen kann sich umzubringen.
Gute Steffi, ich kann verstehen, wenn du das nicht verstehen kannst, und vielleicht ist es auch gut für dich, dass du es nicht verstehen kannst. Was mich betrifft, ich kann langsam nicht mehr verstehen, weshalb ich es auf dieser gottverdammten Dreckswelt überhaupt so lange ausgehalten habe. Dabei war mein Leben mal schwer, mal leicht, mal tragisch, mal wunderschön. Das hat gar nichts damit zu tun, dass ich ein besonders tragisches, trauriges, oder sonstwie furchtbares Leben gehabt habe. Gar nicht. Ich bin jetzt ungefähr doppelt so lang auf dieser Welt wie du, und irgendwann ist es halt genug. Es gibt schon ein paar schöne Dinge auf dieser Welt, so ist das nicht, aber eigentlich ist diese Welt doch nur ein langweiliger, einsam im Weltall herumfliegender Gesteinsbrocken mit ein bisschen Wasser drauf. In ein paar Milliarden Jahren gibt's ihn nicht mehr. Ob man sich da ein paar Jahre früher oder später umbringt oder darauf wartet, an Krebs, multipler Sklerose, Tumoren, Alzheimers, oder was weiß ich zu sterben, macht da kaum einen Unterschied. Sterben müssen wir so oder so, der Selbstmörder genau so wie der, der das Leben liebt. Ich bin leider ein unverbesserlicher Misanthrop, der das Leben und die Welt nur bedingt schätzt, und zwar nur dann, wenn ich eine gute Zeit darin habe. Wenn nicht, dann kann sie mir gestohlen bleiben. Klingt egoistisch? Mag sein. Aber meiner Erfahrung nach geht es fast jedem so. Alle Lebewesen verhalten sich Egoistisch; das ist gar nicht schlecht, das ist nicht moralisch verwerflich, das ist die natürlichste Sache der Welt. Im Gegenteil, am schlimmsten sind die, die da heucheln, keine Egoisten zu sein, da sie gewöhnlich versuchen, ihren eigenen Egoismus auszuleben, aber den der anderen zu unterdrücken. Aber ich schweife ab. Tut mir leid. Das passiert mir schnell.
Steffi meinte:
Ich habe auch schlechte Zeiten gehabt und habe sie immer noch, doch der letzte Gedanke wäre mich umzubringen.
Ich hab's ja bis jetzt auch noch nicht getan, obwohl ich schon daran gedacht habe, als ich noch jünger war als du. Irgendwie ist mir als Kind der Spruch eines Griechen in Erinnerung geblieben, der gesagt hat, das beste, was einem passieren könne, sei nicht geboren zu werden, das zweitbeste, früh zu sterben. Dem stimme ich zu; leider ist's für mich für beides zu spät.
Steffi meinte:
Es gibt soviel gigantisch schöne Dinge hier auf Erden, die ich nicht verpassen will.
Es gibt unermesslich schöne Sachen hier auf Erden, dem stimme ich voll und ganz zu. Manchmal macht diese Welt trunken vor Schönheit. Immerhin etwas.
Steffi meinte:
Ich möchte Kinder haben, möchte heiraten und will mich vor allem an den kleinen Dingen des Lebens freuen.
Macht es euch keinen Spaß z.B. zu sehen, wie andere sich freuen, wenn man etwas für sie tut oder ihnen etwas schenkt?
Freut es euch nicht gesund zu sein und mit Freunden Spaß zu haben?
Freut es euch nicht, wenn am morgen die Sonne scheint?
Das kann alles ganz nett sein. Aber wenn man fast vierzig ist, hat man das alles schon gesehen, gemacht, gehört. Diese Sachen sind schön, aber wenn manche anderen Sachen nicht stimmen, dann hilft diese Schönheit auch nichts mehr.
Ich habe langsam genug von allem. Ich habe vor einem Jahr meine Arbeit verloren (Firma kaputt), daraufhin zu viele Schulden angehäuft, und es ist keine Besserung in Sicht. Irgendwann ist es dann genug. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Da sieht Selbstmord gar nicht so übel aus, auch wenn ich jetzt nicht unbedingt sofort von der nächsten Brücke springe, so spricht mich die Möglichkeit, meiner Existenz ein Ende zu setzen, mehr und mehr an. So, wie bisher, weitermachen werde ich nämlich nicht mehr lange, das steht fest. Letztendlich wird der Wert eines Menschen auf dieser Welt durch das bestimmt, was er verdient. Jajaja, ich kann schon alle möglichen Stimmen hören, die da aufschreien "nein, das stimmt nicht, jeder Mensch hat seinen Wert" und blablabla. Ist ja auch okay, wenn man ein humanistischer Idealist oder ein gläubiger Christ oder sonst was ist und diesen Quatsch für bare Münze hält. Doch wenn man sich die Welt eine Weile einmal richtig angesehen hat, dann weiß man, dass all diese idealistischen Aussagen über den Wert des Menschen und all die ethischen und moralischen Versuche, diesen Wert von seinem materiellen Nutzen zu entkoppeln, nichts als blanker Unsinn und Augenwischerei ist.
Selbstmord" scheint dann einer vollkommen wertlosen Existenz, dem Dahinschleppen und auf den Tod warten doch bei weitem vorzuziehen.
Steffi meinte:
Diese Freude, die ganzen Freunde die man hat, einfach die ganze Welt ist es wert zu leben, oder nicht?
Nicht unbedingt.
Steffi meinte:
Habt ihr nicht Angst was zu verpassen?
Manchmal schon.
Steffi meinte:
Habt ihr nicht Angst, dass der Tod nicht die gewünschte Erlösung bringt, die ihr wollt?
Doch.
Steffi meinte:
Woher wollt ihr wissen, dass es besser ist, wenn ihr tot seid?
Weiß ich nicht.
Steffi meinte:
Niemand weiß wie der Tod ist, macht euch das nicht nachdenklich!
Doch.
Steffi meinte:
Das Leben ist viel zu wertvoll finde ich. Sinn genug ist es doch, einfach zu leben, Spaß zu haben, Freunde zu haben und Familie!
Dazu muss man aber erst einmal Spaß, Freunde, und Familie haben. Und diese Dinge hat man eben mehr oder weniger nur, solange man auch Geld hat. Dabei meine ich noch nicht einmal, dass Freunde und Familie einen des Geldes wegen ausnutzen, aber dass kein Geld zu haben, einen eben isoliert. Ich kann nicht mehr mit meinen Freunden mal eben nach Australien fliegen, ich kann mir nicht mal eben ein paar Hunderter für einen tollen Abend auswärts gönnen. Und das beschämt, das isoliert. Ich würde jedenfalls nie jemandem zur Last fallen wollen, ebensowenig wie ich meiner (geschiedenen) Frau jemals aufhalsen würde, mir Unterhalt zahlen zu müssen. Vorher würde ich eben eher Selbstmord begehen.
Steffi meinte:
Könnt ihr euch nicht mehr an kleinen Dingen freuen?
Doch, schon, sogar sehr. Aber das ändert eben nichts an den großen. Bloß, weil ich mich mal fünf Minuten an der Schönheit einer Rose ergötzen kann, heißt dass ja nicht, dass die restlichen schlimmen Stunden des Tages danach verschwinden. Und den fünf Minuten Freude über eine Rose stehen manchmal Stunden der Gram wegen allerlei Sorgen gegenüber. Das ist ein schlechter Schnitt. Und kein Schnitt ist eben besser als ein schlechter Schnitt, das ist jedenfalls meine Überzeugung.
Steffi meinte:
Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass man sich den Tod wünscht, ich verstehe das nicht. Könnt ihr mir das mal erklären?
Hab's probiert.
Steffi meinte:
Ach apropos Erklärung, mir fällt auf, dass viele von euch das nicht mal erklären können, denn sie schreiben nur, dass Leben hat keinen Sinn mehr.
Aber warum kann mir niemand sagen!
Ach, "das Leben hat keinen Sinn", das ist so eine Sache, das kenn ich auch. Das kann zu allerlei philosophischen Überlegungen führen. Meiner Erfahrung nach möchten die meisten Leute, die behaupten, das Leben hätte keinen Sinn, davon überzeugt werden, dass es einen hat. Ich kann jedenfalls ganz gut mit der Tatsache leben, dass das Leben keinen Sinn hat. Das ist gar nicht so das Problem. Ob das Leben einen Sinn hat oder nicht, das ist eher eine Entscheidung, eine innere Einstellung. So etwas kann man nicht beweisen, dafür (oder dagegen) entscheidet man sich.
Steffi meinte:
Wie wärs, wenn ihr Leuten helft, denen es schlechter geht als euch? Das wäre doch was, oder? Sinn ist, Leuten zu helfen, die es nicht so gut haben! Es gibt soviel was man tun kann.
Und wer dann behauptet, dass das sinnlos ist, erklärt mir bitte warum es keinen Sinn macht schlechtergestellten Menschen zu helfen!!!
Keinen Sinn zu Leben? Da kann ich leider nicht zustimmen.
Seid nicht so egoistisch und denkt alles dreht sich um euch.
Wenn man so weit ist, dass man an Selbstmord denkt, hat man eigentlich kaum noch Energie dafür übrig, auch noch anderen Leuten zu helfen. Wem soll ich schon noch helfen? Ich habe vielleicht noch ein paar Monate, und wenn sich danach nichts ernstes getan hat, dann ziehe ich Selbstmord zumindest in Betracht. Und wenn ich kurz davor noch ein paar Obdachlosen meine letzten hundert Euro in die Tasche stecken werde, würde mich das gute Gefühl, denen vielleicht geholfen zu haben, von meinem Entschluss nicht abringen. Ich würde diese Welt nur mit ein wenig innerer Zufriedenheit verlassen. Es ist ja nicht so, als hätte ich nicht auch ganz gut gelebt zwischendurch. Vielleicht trifft es mich jetzt deswegen so hart, materiell in den Strudel nach unten zu geraten.
Steffi meinte:
Vielleicht antwortet mir ja jemand auf die Frage:WIESO SELBSTMORD???
Danke!
Das Leben ist ganz nett, aber irgendwann langt's.
(PS: Keine Sorge, dies hier ist jetzt nicht ein letzter verzweifelter Hilferuf oder so. Noch bin ich nicht dabei, gleich von der nächsten Brücke zu springen. Also bitte jetzt nicht haufenweise posten, wie toll das Leben doch wirklich ist, nur damit ich mich nicht gleich umbringe. Ich bin noch nicht so weit. Ich wollte nur mal erklären, wie ich dazu stehe.
🙂