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Wieder Sonntag Nacht und keine Lust auf die neue Arbeitswoche

  • Starter*in Starter*in Paulj
  • Datum Start Datum Start
P

Paulj

Gast
Geht es noch jemandem so?

Ich bin seit Jahren als kaufmännischer Angestellter tätig. Mittlerweile bin ich an einem Punkt angelangt wo mich der Gedanke dass ich noch über 30 Jahre Arbeitsleben vor mir habe sehr betrübt. Ich finde man arbeitet viel zu viel.
In ein paar Stunden quäle ich mich wieder durch den Montagsverkehr, alle rennen sie wieder zum Malochen, abends das gleiche Spiel heimwärts. Und ich frage mich dann immer wo eigentlich das Wochenende wieder hin ist. Bevor man es richtig geniesen konnte ist es schon wieder vorbei.

Ich fühle mich einfach nur noch gestresst und mir fehlt irgendwie komplett der Bezug zur Arbeit. Ich empfinde es nur noch als lästig und sehne jetzt schon wieder das nächste Wochenende herbei. Kennt jemand solche Gedanken bzw. teilt sie sogar jemand ?
 
Gruess Dich,

der Text haette glatt von mir kommen koennen.

Ich habe jetzt noch 30 Jahre Maloche vor mir und frage mich jeden
Monatsende beim Blick aufs Konto, wofuer ich das ueberhaupt noch
mache.

Jeden Tag die gleiche S**** von Morgens bis Abends.

Grosser Konzern, bin in der Logistik und der Muellabladeplatz fuer
alle.

Ich hatte heute 45 Minuten Anfahrt, nur Stau ohne Ende.

Rechne ich alle Kosten incl. Benzin etc. zusammen frage ich
mich oft, wie es waere, wenn man mit Harz4 gleich zu Hause
bleibt und mal was fuer sich tut.

Ich trau mich wetten, ich fahre finanziell wahrscheinlich besser als jetzt.

lg
 
Manchmal frage ich mich wo der Sinn im Ganzen liegt. Das Verhältnis Arbeit und Freizeit bzw. Leben stimmt ja wohl kaum. Um sich ein bisschen mehr leisten zu können muss man dann logischerweise noch mehr arbeiten, man könnte fast schon sagen wenn man nicht das Glück eines Beamten hat, kann man nur wählen: entweder 08/15 Job mit den Zuständen die du beschreibst, oder das ewige Streben nach Karriere mit mehr Geld aber noch weniger Freizeit.

Habe in meinem Bekanntenkreis einige die sich fast kaputtmachen, immer nur Arbeit Arbeit Arbeit, teilweise noch Samstags bis spät abends. Die haben zwar am Monatsende nen Tausender mehr wie ich aufm Konto, nur wissen im Prinzip noch weniger damit anzufangen, weil man am einzigsten Tag an dem man was machen könnte (Sonntag) eigentlich viel zu müde ist von der Woche, und somit sogar diese Dinge in eine Art Stress ausarten, weil man sie in ein halbes Wochenende pressen muss.

Ich bin irgendwie total unzufrieden und komme morgens schon kaum mehr aus dem Bett. Wenn ich mir überlege wieviel ich in den letzten Jahren gearbeitet habe und wieviel ich wirklich vom Leben hatte... Tag ein Tag aus morgens hin, abends raus, essen, vielleicht noch ne Stunde TV schauen und ins Bett und wieder von Neuem.
 
Ich fühle mich einfach nur noch gestresst und mir fehlt irgendwie komplett der Bezug zur Arbeit. Ich empfinde es nur noch als lästig und sehne jetzt schon wieder das nächste Wochenende herbei. Kennt jemand solche Gedanken bzw. teilt sie sogar jemand ?

Hatte ich, solange ich mich mit meiner Arbeit nicht mehr identifizieren konnte. Solange sie mir verhasst war. Das ganze war ein schleichender Prozess, dank damaliger Chefin, deren Mobbing-Aktivitäten, später nachfolgender anderen Kollegin und letztendlich aufgrund der Arbeit selbst. Geistig absolut unterfordert, Zahlendruck und Arbeitsmenge dafür genau das Gegenteil.
Alles in allem eine Zeit, in die ich mich so nicht gerne zurückerinnere.
(Fazit für mich: nie wieder Vertrieb!!!)

Seit ich die Stelle gewechselt habe - theoretisch immer noch die gleiche Firma - jedoch Back Office und dadurch Mutterkonzern, habe ich das langsam aber sicher wieder losbekommen. Eine gewisse Abneigung gegen die Tochtergesellschaft habe ich immer noch, daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Aber damit kann ich leben.

Wenn Du mit Deiner aktuellen Stelle nicht zufrieden bist, überleg Dir, was Dir Spaß machen könnte, wo Deine Stärken liegen... was könnte Dir auch für die nächsten Jahrzehnte mehr zusagen?
(Natürlich kann es eine gewisse Zeit daueren, bis sich eine passende Stelle findet.)

Was es Dir wert ist, künftig keine derart große Abneigung gegen Deine Arbeit zu haben, das musst Du allerdings selbst entscheiden.
 
Ach ja, das Problem kenne ich nur zu gut. Mit dem Unterschied, dass ich jetzt schon einige Jährchen Maloche hinter mir habe - besser ist es aber nicht geworden, ich bin nur etwas gleichgültiger geworden, was den Job betrifft. Man reißt die Tage halt irgendwie runter, das Leben findet nach Feierabend und am Wochenende statt...

Es gibt auch immer mal wieder Phasen, in denen ich in mittelschwere Depressionen gerate deswegen, und ich habe auch schon mehrfach versucht, auszubrechen. Aber irgendwo muss leider das blöde Geld herkommen, und in meinem Leben habe ich noch keine bessere Einnahmequelle eruieren können. Alle meine Interessen sind zwar spannend und abwechslungsreich, aber sie bringen kein bzw. kaum Geld ein. Nur mein öder Bürojob bringt das Geld, von dem ich lebe.

Eine vertrackte Zwickmühle, in der aber sehr viele Menschen stecken....
 
schön, das ich nicht der Einzige bin, der so denkt.😉
Habe zwar keinen anstrengenden Job (hatte mein Vater, der "auf dem Bau" gearbeitet hatte, immer zum Vorbild, was anderes zu tun), aber nach nunmehr fast dreißig Jahren der ständig gleiche Trott,

die Wochenenden, Urlaube verrinnen gefühlt immer schneller,

frage ich mich oft nach dem Sinn;:mad:😕

habe mich finanziell eingerichtet, könnte unerträglicher sein, aber eben auch keine Reichtümer...

Habe in meiner Firma mehrfach die Tätigkeiten gewechselt, keine Tätigkeit ist auf Dauer so spannend, das sie einen erfüllt.

Eigentlich habe ich nichts auszustehen, drehe mich weiter im Hamsterrad, das ist unauffällig, aber oft nervig.

Ich kann aber auch verstehen, das einige Kopfschüttelnd meine Zeilen lesen, weil sie entweder kein eigenbestimmtes Leben führen können oder knüppelharte Jobs haben und trotzdem damit klarkommen...
 
Ich kann aber auch verstehen, das einige Kopfschüttelnd meine Zeilen lesen, weil sie entweder kein eigenbestimmtes Leben führen können oder knüppelharte Jobs haben und trotzdem damit klarkommen...

Solches Kopfschütteln habe ich schon zur Genüge erlebt, drum halte ich mich auch meistens zurück mit meinen Äußerungen. Fragt mich jemand nach meinem Beruf, dann murmle ich in der Regel eine Belanglosigkeit und wechsle rasch das Thema. Nervig wirds nur dann, wenn als nächstes gefragt wird: "Und? Machts Spaß?"

Ich frage doch auch niemanden nach dem Zahnarztbesuch, obs Spaß gemacht hat...
 
die Wochenenden, Urlaube verrinnen gefühlt immer schneller,

Das stimmt, die freien Zeiten verrinnen immer viel zu schnell, während sich die Bürotage hinziehen und kein Ende nehmen wollen...

Immerhin fülle ich meine freien Zeiten mit vielen interessanten Dingen, um sie möglichst zufriedenstellend zu nutzen: mit Reisen, Sprachkursen, Theaterworkshops, Fotografieren, Konzertbesuchen, Spaziergängen, Lesen, Lernen... Denn dann verspüre ich endlich Sinn, Nutzen und Zufriedenheit, während die Arbeitsstunden weitgehend monoton verstreichen....

Man könnte es mit Farben vergleichen: Die Arbeitszeit ist wie eine einheitlich graue Fläche, die freie Zeit schillert bunt und lebendig.
 
Heute nacht kam auf N-TV eine lange Reportage über die Arbeitswelt und Burnout.

Ich gehöre ebenfalls zu denen die Mo-Fr (oft auch SA) mit mehr oder weniger Spaß Ihr Sach herunterreißen und das Leben dann nach Feierabend bzw. am Wochenende geniesen (oder es zumindest versuchen).
Die Lust ansich ist mir auch schon längst vergangen, nicht weil es am Arbeitsplatz so unerträglich ist, aber das Verhältnis zur Freizeit ist wie schon geschrieben wurde katastrophal.

Mein Arbeitsplatz ist auch etwas weiter weg, so quäle auch ich mich jeden Morgen und jeden Abend durch den hupenden Stau. Nach halb 8 zuhause angekommen gehts ans essen, ehe ich vielleicht noch Zeit für mich finde um nach dem duschen ins Bett zu gehen und um halb 7 wieder aufzustehen. Wenn ich nicht Samstags auch noch arbeiten muss fallen an dem Tag natürlich die Dinge an für die unter der Woche keine Zeit ist, mit dem Ergebnis dass ich eigentlich abends leicht geschafft bin und sonntags - wo eigentlich der Ausgleich stattfinden sollte - schon wieder eine Art Terminplan ansteht um seine Freizeitaktivitäten noch irgendwie reinzupressen.

Das macht müde und man fragt sich irgendwann wirklich wo da der Sinn liegt.
 
... aber das Verhältnis zur Freizeit ist wie schon geschrieben wurde katastrophal.

Im letzten Jahr habe ich versucht, dieses Verhältnis durch eine Reduzierung meiner Arbeitszeit etwas zu verbessern - ich hatte eine 4-Tage-Woche angestrebt. Doch mein Chef hat sich mit allen Mitteln dagegen gesträubt und mir hartnäckig die Unterschrift verweigert.

Zurzeit mache ich es so, dass ich nach Feierabend nicht nach Hause fahre (denn da würde ich nur abhängen und meinen Abend vertrödeln), sondern gleich vom Büro aus in eine Freizeitaktivität starte (Fitness-Studio, Kino, Theater, Spaziergang im Park,...). Außerdem schlafe ich relativ wenig, um möglichst viele freie Stunden am Abend herauszuschlagen...
 

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