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Wie sind eurer Erfahrungen mit dem Leben in einem Dorf?

Also ich kenne beides, sowohl das Großstadt- als auch das Landleben.

Beides hat seine Vor- und Nachteile, wobei ich persönlich sagen muss, dass das Leben auf dem Land bzw in einer eher ländlicheren Gegend viel mehr etwas für mich war.
Ruhe, Stille, Natur...
Ist schon sehr viel wert.

Einziger massiver (!) Nachteil auf dem Dorf ist meiner Meinung nach die extreme Angewiesenheit auf ein Auto.
 
Ich lebe sehr gerne im Dorf.

Erstens trifft man immer einen Haufen Leute, die man kennt und man hat die Felder gleich vor der Haustüre.

Nachteil ist tatsächlich, dass man ohne eigenes Auto ziemlich aufgeschmissen ist.
 
In meinem Heimatdorf möchte ich wirklich nicht mehr leben. Obwohl ich das Haus da haben könnte, meine Oma soll es halt verkaufen, auch wenn es traurig ist, weil mein Elternhaus....aber ich möchte da hin nicht zurück.
Weiß auch nicht, ob mich irgendein Dorf noch mal ernsthaft reizen würde, ich bin froh, dass ich hier alles Mögliche in der Nähe habe und auch sonst gute Anbindungen.
 
Ich bin in einer Kleinstadt (kleiner als 10000 Einwohner) aufgewachsen, muss aber sagen, dass ich ein eindeutiger Stadtmensch bin. Das kleinstädtische Leben meiner Kindheit war halt irgendwie doch geprägt von der Neugier der Nachbarn und gewissen sozialen Kontrollmechanismen, die beispielsweise meine Mutter sogar dahingehend beeinflusst hatten, was und wo sie eingekauft hat. Viele Handlungen wurden von dem Gedanken beeinflusst, wer einen dabei womöglich beobachten könnte, und was davon zu halten wäre. Ich persönlich habe diese starke soziale Kontrolle als einengend und beunruhigend empfunden.

Warum ich lieber in der Stadt lebe:
hier kann ich besser Gleichgesinnte kennenlernen, weil es einfach von jedem Menschentypus mehr Leute gibt, auch von Menschen mit weniger häufig aufzufindenden Charaktereigenschaften und Interessen. Beispielsweise interessiere ich mich für Kunst und Kultur, klassische Musik und Theater, und da bin ich in einer Großstadt einfach besser aufgehoben. Dazu unsere großen Büchereien und Bibliotheken, die ich mehrmals wöchentlich nutze. Naja, und als Mensch, der sowieso nicht so gern Auto fährt, komme ich hier einfach viel besser von A nach B...
 
Bei uns kommt auch noch die Lage dazu, weil das Haus direkt am Wasser ist und wir die Nähe zum Harz haben, was heißt, dass starke Stürme immer Unheil anrichten. Aktuell liegt der Garten wieder voll mit Ziegel und das Hoftor wurde so eingedrückt, dass man da weder rein noch raus kam, beim letzten Sturm. Und meine Oma hatte vergangenen Sommer erst die letzten Sturmschäden reparieren lassen und nun hat wieder einer gewütet und die nächsten Schäden verursacht.
Das kommt dann auch alles noch dazu.
 
Der Ort meiner Herkunft ist auch im vorletzten Jahr durch eine starke Flut verwüstet worden. Zwar ist das Haus meiner Eltern fast unversehrt geblieben, aber im Ortskern werden derzeit als Folge immer noch Häuser abgerissen, die nicht mehr zu retten waren... Das macht den Ort für mich auch nicht attraktiver...

Ein weiterer Nachteil für mich bzw. auch für meine Familie ist die deutlich schlechtere medizinische Versorgung in der ländlichen Region. Meine Mutter braucht jetzt im Alter viel medizinische Versorgung, und häufig muss sie 20 bis 30 km weit gefahren werden, weil es bei uns kaum noch Fachärzte oder ein Krankenhaus gibt.

Hier in München hingegen brauche ich nur zweimal umfallen und bin beim nächsten Krankenhaus oder beim nächsten Facharzt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich möchte auch einmal gerne meine Erfahrungen zum Besten geben:

Aufgewachsen bin ich in einem Dorf und lebe schon mein ganzes Leben auf dem Land. Ich bin auch schon oft umgezogen. Auch in verschiedene Bundesländer quer durch die Republik.

Zunächst einmal habe ich gelernt, dass "jedes Dorf seine eigene Regeln " hat. Aber es gibt auch einen Mentalitätsunterschied zwischen den einzelnen Regionen.

Einerseits empfinde ich es schön in einem Dorf zu leben. Einfach weil die Kriminalität niedrig ist und die Natur nicht weit entfernt.

Jedoch geht mir die "soziale Kontrolle" ziemlich auf dem Zeiger. Jeder wird penibel studiert und jeder meint alles über den anderen zu wissen. Das kann auch mal ganz schön nerven, wenn Halbwahrheiten oder sogar Lügen kursieren.
Auch kann man sich kaum aus dem Weg gehen. Und wenn man einmal mit jemanden Streit hatte bzw. jemanden seine Meinung sagte, ist man gleicht unten durch.
Lästern ist auch ein negativer Punkt. Ich persönlich halte mich dort komplett heraus und habe mir auch ein dickes Fell angelegt. Dennoch nervt es manchmal ganz gewaltig und ich kann mir nur an den Kopf packen.
 
Zu den Vorteilen:

- an kennt sich untereinander stimmt nicht unbedingt wenn man sich zurückzieht
- die Möglichkeit Hilfe aus der Nachbarschaft bzw. von der Dorfgemeinschaft zu erfahren, ist hoch stimmt
- die Natur ist i.d.R. nah und noch (weites gehend) unberührt stimmt
- keine Hektik und Lärm wie in einer Großstadt kommt drauf an wo du hin willst, manche Dörfer haben es da echt nicht einfach was den Durchfahrtsverkehr angeht, aber meistens stimmt es
- weniger Gewaltverbrechen kommt auf den Ort drauf an, grundsätzlich würde ich aber glaube ich zustimmen, vieles bekommt man aber erst in gewissen Kreisen mit, Infos die den meisten Dorfbewohnern unzugänglich sind

Zu den Nachteilen:

- als Neuer, hat man es oftmals schwer, in der Dorfgemeinschaft akzeptiert zu werden stimmt
- Vereinsmitgliedschaften sind Pflicht, um sich in das Dorfleben integrieren zu können stimmt nicht
- Alteingesessene lästern gerne und viel über andere (bevorzugt Neue stimmt
- allgemein wird gerne und viel getratscht stimmt
- sobald jemand etwas "angestellt" hat, weis es (oder meint es zu wissen) die Dorfgemeinschaft stimmt, aber man findet sowieso spätestens nach ein paar Tagen wieder ein neues Thema 😉
- oftmals geben Einzelpersonen bzw. Familien die Richtung vor das Ausmaß dessen hält sich in Grenzen
- hat man einmal Streit mit einen Nachbarn bzw. einer Familie hält er meistens länger an, weil man sich nicht aus dem Weg gehen kann selbstverständlich kann man sich aus dem Weg gehen, man wohnt immer noch genauso weit entfernt wie bei nem Nachbarn in der Stadt, Unterschiede habe ich noch nie gemerkt
- ein Statussymbol (Großes Haus, neues Auto) zu haben, ist sehr wichtig absolut nicht
Ergänzungen bzw. Wertung und Erfahrungen von mir in fettgedruckt
 
Zuletzt bearbeitet:
Jedoch geht mir die "soziale Kontrolle" ziemlich auf dem Zeiger. Jeder wird penibel studiert und jeder meint alles über den anderen zu wissen. Das kann auch mal ganz schön nerven, wenn Halbwahrheiten oder sogar Lügen kursieren.
Auch kann man sich kaum aus dem Weg gehen. Und wenn man einmal mit jemanden Streit hatte bzw. jemanden seine Meinung sagte, ist man gleicht unten durch.

Das fand ich in meiner Zeit auf dem "Land" auch ziemlich problematisch. Mein Eindruck war, dass es definitiv einfacher ist, in die Ortsgemeinschaft aufgenommen zu werden, wenn man sich gut dem Mehrheitsverhalten anpassen kann (z.B. eine übliche Familie hat, sich in den ortsüblichen Vereinen engagieren will, sich nicht für zu exotische Hobbys interessiert, etc.). Ich bin damals als Jugendlicher schon eher in die Kategorie Außenseiter gefallen...

Hier in der Großstadt fällt man viel weniger auf, wenn man nicht ganz mit der Mehrheit konform ist, und man findet einfacher Gleichgesinnte, die zu einem passen.
 
Ich lebte über 10 Jahre in einem Dorf, welches lange Zeit flächenmäßig das größte Dorf Europas war. Hatte den Riesenvorteil, die meisten Häuser lagen ziemlich verstreut. Tat dem Kontakt zu den „Eingeborenen“ keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Traf man sich, entstand ein netter Plausch. Die Woche über war ich beruflich sehr eingespannt, fuhr ich abends in die Einfahrt, umfing mich Ruhe und Natur. Mein Zu Hause hieß mich willkommen.
Mein Leben hing nicht von der Dorfgemeinschaft ab, deswegen wäre ich nie auf die Idee gekommen einem Verein beizutreten, mein Ex auch nicht.
Wir hatten andere Interessen, bereisten z. B. die Welt, da waren wir wiederum auf die Nachbarschaft angewiesen. Jeder warf ein Auge aufs Haus, wenn wir für ein paar Wochen unterwegs waren, aber das machten sie auch gerne.
Einmal im Jahr starteten wir ein grosses Gartenfest mit Freunden, hierzu luden wir auch die Nachbarn ein, als Dankeschön an sie.
Das Dorfleben würde ich dem Stadtleben auch heute noch vorziehen.
Ich lebe seit Jahren nicht mehr dort, habe aber immer noch freundschaftliche Kontakte, die ich nicht missen möchte.
 

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