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Wie sind eurer Erfahrungen mit dem Leben in einem Dorf?

Hallo,

ich finde das Leben in einem Dorf, hat Vor- und Nachteile.

Zu den Vorteilen:

- an kennt sich untereinander
- die Möglichkeit Hilfe aus der Nachbarschaft bzw. von der Dorfgemeinschaft zu erfahren, ist hoch
- die Natur ist i.d.R. nah und noch (weites gehend) unberührt
- keine Hektik und Lärm wie in einer Großstadt
- weniger Gewaltverbrechen

Zu den Nachteilen:

- als Neuer, hat man es oftmals schwer, in der Dorfgemeinschaft akzeptiert zu werden
- Vereinsmitgliedschaften sind Pflicht, um sich in das Dorfleben integrieren zu können
- Alteingesessene lästern gerne und viel über andere (bevorzugt Neue)
- allgemein wird gerne und viel getratscht
- sobald jemand etwas "angestellt" hat, weis es (oder meint es zu wissen) die Dorfgemeinschaft
- oftmals geben Einzelpersonen bzw. Familien die Richtung vor
- hat man einmal Streit mit einen Nachbarn bzw. einer Familie hält er meistens länger an, weil man sich nicht aus dem Weg gehen kann
- ein Statussymbol (Großes Haus, neues Auto) zu haben, ist sehr wichtig

Wie lange lebt ihr bzw. habt schon in einem Dorf gelebt und wie sind bzw. waren eure Erfahrungen diesbezüglich? Treffen einige der obig genannten Stichpunkt zu?
 
Ich bin auf einem Dorf aufgewachsen. Ich persönlich habe dieses "jeder kennt jeden" nicht immer als Vorteil bzw. positiv empfunden.
Man muss aber dazu sagen, dass meine Familie im Dorf auch übermäßig bekannt war und einen Ruf hatte - dieser Ruf war aber lediglich geprägt von dem was die Außenwelt sieht. Die Aussagen der Leute, ich hätte so gut und mir würde es an nichts fehlen, machen mich heute noch wütend, den hinter den Kulissen, die da aufgebaut wurden, lief so einiges schief. Und ich musste bei manchen Dingen die Klappe halten, weil es ja furchtbar wäre, wenn diese Außenwelt diese Dinge wüsste. Man kennt uns schließlich. Unser Ruf, bla. Ich wurde von jemanden in der Familie selbst als rufschädigend bezeichnet und man dürfe auf keinen Fall wissen wie "verkehrt" ich bin, wenn die Leute das wissen, dann kommen die nicht mehr und lassen ihr Geld nicht bei uns. 🙁
Dann sind super schnell mal Gerüchte entstanden. Es gab so viele Tratschtanten und man kann sich denken, wenn das ganze Dorf "stille Post" spielt, dass am Ende vielleicht mal verdrehte Wahrheiten herauskommen.
 
Ich habe fast mein Leben lang in Dörfern gelebt.

Dass man Hilfe aus der Dorfgemeinschaft bzw. den Nachbarn bekommt kann ich so nicht unbedingt bestätigen. Ebenso kann ich absolut nicht bestätigen, dass die Natur unberührt ist.

Ich hatte auch nie Probleme mich als Neue in der Dorfgemeinschaft zu integrieren. Das ging teilweise auch ganz ohne Vereinsmitgliedschaften. Probleme mit Lästereien hatte ich auch noch nicht. Dass man auf dem Dorf mehr wert auf Statussymbole legt kann ich auch nicht bestätigen. Hier hat man doch eher einfache kleine 1-Familienhäuser und einen Golf.

Und was du mit Einzelpersonen geben die Richtung vor meinst verstehe ich nicht ganz.
 
Und was du mit Einzelpersonen geben die Richtung vor meinst verstehe ich nicht ganz.

Damit meine ich, dass bestimmte Familien oder Einzelpersonen z.B. federführend bei der Planung und Durchführung von Veranstaltungen (Karnevalsumzug, Kirmes, Ausflüge etc.) sind.

Das geht auch in die Richtung, was @xEclipse geschrieben hat, bezüglich des Rufes solcher Familien. Sie meinen dann auch gerne mal den Ton vorzugeben. Wer etwas anderes sagt, denkt oder macht, ist außen vor. Das sind halt auch so typische Dorfregeln
 
Kann ich dann auch nicht bestätigen. Das dürfte doch eigentlich eher in der Stadt so sein, dass da große Firmenbosse mit entscheiden wo und wann eine neue Kunstgalerie gebaut wird, wenn sie dafür ordentlich "spenden".
 


Es gibt da natürlich auch Alt eingessene die gerne die Zügel in der Hand haben,und gewöhnungsbedürftig sind,..immerhin tun Sie seit Jahren etwas für die ganze Gemeinde..Feuerwehr/Gemeinschaftshaus/Sommerfeste usw..wollen auch geplant/geführt und umgesetzt werden.

Es gibt sogar Dorf Wahlen dafür und sind auch Wichtig.

Ich selber habe nur 12 Jahre in einem Dorf gelebt und alles was mich interessierte gut aus gelebt inklusive der schönen Natur und Freiheit und hatte keinerlei Probleme dort.
Ganz im Gegenteil,meine Tochter hatte inkl der Pferdehöfe und Bauernhöfe eine tolle Kindheit,die ich mit Genoss.

Auch ist die Frage, was man sich persönlich von einem Dorf Leben erhofft und in wie Weit man sich einbringen möchte.

Ich war immer Freundlich und Höflich und habe nix auf Tratsch gegeben oder verbeitet. Ich hatte meine Privatspfähre und ein schönes Leben dort,keine Frage.

Wenn man einen Laden/Hof oder Geschäft hat,wird man natürlich etwas mehr begutachtet und es ist schon Wichtig,das ein gewisser Ruf und Umgang,Hilfsbereitschaft vorhanden ist.
Doch was kann man schon so Groß falsch machen,das es ein schädigt?

Hinzu kommt aber auch,das in manchen Dörfern schon ein unangenehmer Ruf voraus eilt. Ich bin mal ein paar Km weiter gezogen und merkte erst da,wie viel schöner die Menschen dort mit einander umgehen.
Also nicht alle Dörfer sind gleich.
 
In einem Dorf aufgewachsen, lernte ich Vorzüge und Nachteile kennen. Mein Vater stammte aus dem Dorf und er und seine Familie waren seit Generationen dort verwurzelt. Wie mein Vater sind meine Ahnen dort beerdigt, und wenn ich sein Grab besuche, begegnet mir meine komplette Vergangenheit wieder.
Dann überkommt mich nicht selten tiefe Wehmut, ja auch ein ungestilltes Heimweh. Da gibt es die alte Kirche, in der ich getauft wurde und konfirmiert. Ich erinnere mich sogar noch meiner eigenen Konfirmation vor nunmehr fast 52 Jahren.
Der Gang über den Friedhof und der Besuch der Gräber meines Vaters und meines früh verstorbenen Bruders bringt dann viele Geschichten zurück, nicht aber die Menschen.
Bewege ich mich dann in meinem Geburtsort, werde ich noch erkannt. "Bist Du nicht?" "Ich wusste es doch" "Siehst aus wie Dein Vater."
Aber dennoch ist da eine Distanz. Ich bin ja damals weggezogen. Irgendwie nehmen sie mir das übel. Hin und wieder begegnen mir Menschen, mit denen mich mal gemeinsames Tun, gemeinsames Erleben verband.
Auf FB gibt es einige Jugendfreunde, zwei Cousins sogar. Einer von ihnen antwortete mir in knappen Worten, als ich ihn vor Jahren anschrieb, ein anderer gar nicht.
Meine erste und vielleicht wirklich einzige Liebe begegnete mir dort. Auch sie zog nach unserem Abi weg und sie bestätigte mir erst kürzlich meinen Eindruck: Ist man erstmal gegangen, wird man abgeschrieben.
Unausgesprochen haftet uns wohl der Verdacht des Verrats an.

Burbacher
 
Zuletzt bearbeitet:

Ja Burbacher,..das kann gut sein und ist natürlich auch Traurig..Es sind nun auch gute 60 Jahre her und die alten Bewohner erinnert sich bestimmt noch..^^

Es ist schon ein großer Unterscheid,wenn man noch Vorfahren und Eltern dort hatte,das glaube ich Dir..und auch das man damals wohl nicht so Einfach dem,den Rücken kehrte.

Andere Zeit und Wertigkeit sind heute..Ob es besser oder schlechter ist ist Fraglich.

Ich weiß der Bauernhof,einer Freundin aus dem damaligen Dorf ,der Zeit Geschichte,Generationen von der Familie geführt wurde,noch mit Bildern von dem alten Gut,der Väter und Vor Väter..zur Kutschen Zeit..
Doch der Sohn, der es eigentlich weiter führen sollte,wollte das nicht mehr..sehr Schmerzend für die Eltern.
Eine Bürde und die Wichtigkeit verstehen die jungen Leute von heute nicht wirklich.Sie wollen Frei sein,davon.
Damit endet diese Familien Geschichte dort im Dorf und Nachkommen verteilen sich in der Welt.
 
Hallo,

ich hole den Thread noch einmal nach oben.

Ich bin auf einem Dorf aufgewachsen. Ich persönlich habe dieses "jeder kennt jeden" nicht immer als Vorteil bzw. positiv empfunden.
Das kann ich auch so bestätigen. Es kommt halt auf die Situation an.

Man muss aber dazu sagen, dass meine Familie im Dorf auch übermäßig bekannt war und einen Ruf hatte - dieser Ruf war aber lediglich geprägt von dem was die Außenwelt sieht. Die Aussagen der Leute, ich hätte so gut und mir würde es an nichts fehlen, machen mich heute noch wütend, den hinter den Kulissen, die da aufgebaut wurden, lief so einiges schief. Und ich musste bei manchen Dingen die Klappe halten, weil es ja furchtbar wäre, wenn diese Außenwelt diese Dinge wüsste. Man kennt uns schließlich. Unser Ruf, bla. Ich wurde von jemanden in der Familie selbst als rufschädigend bezeichnet und man dürfe auf keinen Fall wissen wie "verkehrt" ich bin, wenn die Leute das wissen, dann kommen die nicht mehr und lassen ihr Geld nicht bei uns. 🙁
Deine Erlebnisse spiegeln genau die Familie meines Onkels ab. Er ist selbstständiger Handwerker, in sämtliche Vereine aktives Mitglied, hat ein großes Haus mit Grundstück und eine Frau mit drei Kinder. Gerade seine angeheiratete Frau achtet sehr darauf, dass nach außen hin "alles toll ist". Innerhalb der Familie gibt es allerdings einige Differenzen. Die Pflege meiner Großeltern ist ein Punkt, den ich schon einmal im Familien-Thread näher beschrieben habe:

https://www.hilferuf.de/forum/familie/246512-pflege-der-großeltern-durch-die-familie.html

Eigentlich ist mein Onkel ein feiner Kerl, auch wenn er zur Oberflächligkeit neigt. Jedenfalls ist seine Frau eine richtig Tratschtante, die so fast ihres gleichen sucht. Sie ist halt auch so etwas wie ein Parasit, der sich durch das Geleistete seines Mannes vollfrisst (Im Wahrsten Sinne des Wortes). Ihr macht es auch Spaß Leute gegeneinander auszuspielen und den Dorftratsch aufzuwärmen und immer wiederzugeben. Das ist ein Nachteil im Dorfleben. Mich persönlich nervt das. Auch einige andere Familienmitglieder.

Dann sind super schnell mal Gerüchte entstanden. Es gab so viele Tratschtanten und man kann sich denken, wenn das ganze Dorf "stille Post" spielt, dass am Ende vielleicht mal verdrehte Wahrheiten herauskommen.

Richtig, wenn erst einmal ein Gerücht im Umlauf ist wird man wochenlang von vielen Leuten "komisch" angesehen. Wobei im Falle meiner Nachbarn schon heftig ist, dass die Frau meines Onkels sofort große Schlagzeilen gemacht hatte, als eine Frau die mit Ihren Mann vor vielen Jahren, zwei Jugendliche ermordet hatte, wieder ins Dorf gezogen ist. So etwas empflinde ich persönlich als "Rufmord" bzw. knapp davor.

Allerdings muss ich auch aus eigener Erfahrung sagen, dass das Leben im Dorf auch toll sein kann. Meine Kindheit hatte ich in der Natur genossen. Jetzt baue ich mein Gemüse selber an. Aber als junger Erwachsener Mann fühlt man sich hier doch etwas unwohl. Vereinsmitglied war ich sowohl beim Fußball als auch Tischtennis gewesen, jedoch wurde ich beide Mal aufgrund meines (damaligen) Übergewichts herausgemobbt.
 

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