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Wie rechtfertigt man 9 Jahre Studium?

Anonym

Registrierter Nutzer, anonym
Es geht um folgendes.
Ich hatte eigentlich schon eine Stelle sicher, aber die haben abgesagt, weil sie angeblich Stellen abbauen.
Statt 5 Jahren hab ich insgesamt 9 Jahre studiert (Bachelor+ Master).

Normal braucht man 5. Ich hab fast das Doppelte nötig gehabt.
Ich war oft nebenbei arbeiten (meine Eltern haben mich nicht finanzieren können) und dann hatte ich einen Krankheitsfall in der Familie (schwere Erkrankung).

Ich glaube mein Lebenslauf ist dadurch versaut. Ich habe durch die lange Studienzeit fast einen schlimmeren Lebenslauf als ein Häftling. Das kann ich doch vor keinem Arbeitgeber rechtfertigen oder?
Was sage ich dem potenziellen Chef wenn der fragt?

Ich bekomme gerade richtige Panik und grübele die ganze Zeit darüber nach.
Der Letzte hat mich das auch gefragt und ich hab auf die Frage nur rumgestottert.
 
Also ich finde da gibt es nicht zu rechtfertigen hast ja sehr verständliche plausible Gründe warum es länger gedauert hat? Mich persönlich würde es als Vorgesetzter nicht sonderlich jucken wie lange jemand studiert hat! Und wenn ich sehe 9 Jahre Studium, dann würde ich schon auf solche Fälle tippen wie sie eben bei dir sind. Krankheitsfälle etc.
Also argumentiere mit der Wahrheit falls die Frage aufkommt. Keine Panik auf der Titanic das sind auch Menschen und haben meistens Verständnis!
 
Ich würde einfach ehrlich erklären, wie es dazu kam. Nicht alle Firmen bestehen darauf, dass jemand mit 23 seinen Master hat. Ich kenne auch viele, die Langzeitstudenten durchaus schätzen, sofern mit dem langen Studium auch eine entsprechende geistige Reife mitkommt. Man also auch selbstkritisch ist und nicht immer die anderen schuld sind. Immerhin hast du Durchhaltevermögen bewiesen. Denn Ausreden aller Art hören die Personaler jeden Tag. Da bleibt man mit der ungeschönten Wahrheit besser im Gedächtnis haften.

Ich habe es bei der Suche nach Praktika sogar ausprobiert. Auf die Frage nach meinem abgebrochenen Erststudium ehrlich zu erklären, dass ich schlicht meinen Prüfungsanspruch verloren hatte. Weshalb mir leider nichts anderes übrig blieb, als in den nächstähnlichen Studiengang zu wechseln, der noch ging. Die allermeisten Arbeitgeber hatte mir das sogar positiv ausgelegt. Die meisten Stellen hätte ich haben können. Obwohl ich sogar im zweiten Studium bereits erkennbare Zeitverluste hatte.

Also Kopf hoch. Das wird schon.
 
Zuletzt bearbeitet:
Jahre der familiären Pflegehilfe kann man pro Semester nachweisen. Hast du das gemacht? Ansonsten kannst du da über die Pflegestelle deines erkrankten Familienmitglieds nachfragen was du da machen kannst. Sowas ist zumindest nicht schlecht um es zumindest auch schriftlich nachweisen zu können falls du um Stellungnahme gebeten wirst.

Aber zum anderen - du hast in keinem Fall einen schlechteren Lebenslauf als ein Häftling. Von sowas solltest du absolut nicht ausgehen - ein Häftling hat eine Eintragung in sein Führungszeugnis und wird somit sehr schwer wieder eingestellt (erst mit Ablauf der 10 Jahresfrist, wenn es kein Mordvergehen war sondern "Kleinkriminalität", und das Führungszeugnis somit wieder sauber ist.) - Häftlinge mit Eintragung im Führungszeugnis haben da einfach das Stigma weg.

Zum einen solltest du das Selbstbewusstsein für deine Situation stärken und dies auch standhaft vermitteln können. Du hast zwei sehr berechtigte Gründe - finanzielle Abhängigkeit (vom Job) und Pflegefall. Das kannst du auch genauso sagen. "Ich war innerhalb meines Studiums nicht für eine staatliche Förderung zugelassen aufgrund der finanziellen Situation meiner Eltern, dadurch habe ich einen Teilzeitjob bei der Firma xy aufgenommen um so mein Studium und meinen Unterhalt zu finanzieren. Der Umstand hat die Zeit meines Studiums gestreckt. Mit hinzu kam der familiäre Pflegefall Stufe blabla. Somit habe ich meine Prioritäten evaluieren müssen und innerhalb des Studiums die Teilmodule aufgedehnt um zu einem Studiumsabschluss zu erlangen dem ich meine konzentrierte Aufmerksamkeit geben konnte." Mehr oder weniger.

Ein Studium ist auch nur, ein Studium. Das ist nur Lebenszeit für die du am Ende dann einen Abschluss bekommst der deine Kompetenz nachweist. Das wirkliche Argument ist deine Repräsentation dieser Kompetenz. Ich kann das Stottern verstehen, dennoch hast du mit Ende 20 genug Zeit gehabt dir bewusst zu werden wieso du soviel Zeit dafür benötigt hast und auch Sicherheit darin gefunden hast. Es gibt Leute, die studieren noch viel länger und bekommen dennoch einen Job. Wichtiger als 9 Jahre Studium sollte also sein, wo liegen deine Stärken, was kannst du in den Betrieb mitbringen, welche Position wirst du einnehmen und was kann der Chef von dir erwarten. Unsicherheit bei einer "Kleinigkeit" wie der Studiendauer ist unvorteilhafter als die Studiendauer selbst.

Mach dir also klar - es gab triftige Gründe für die Studiendauer. Das sind deine Bulletpoints innerhalb einer Stellungnahme. Dann geht es nurnoch um das präsentieren und Kompetenz darlegen.
 
Als Arbeitgeberin würde ich tatsächlich jemanden bevorzugen, der selbstbewusst erklärt, dass er sich sein Studium selbst finanziert hat und deshalb länger gebraucht hat.
Das spricht für Disziplin, Ehrgeiz und klares Ziel haben - anders als manch Elternfinanzierter Durchhänger. Es sollte nur nicht stotternd, sondern selbstverständlich rüberkommen.
 

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