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Wie meinen Eltern verzeihen ohne mit ihnen zu reden?

Wenn deine Mutter Hausfrau war, du aber dennoch im Hort sein musstest, obwohl du nicht wolltest, gehe ich davon aus, dass sie selbst Probleme hatte und mit irgendwas überfordert war. Deine Eltern haben es vermutlich so gut gemacht, wie es ihnen möglich war, auch wenn das nicht viel war. Man ignoriert meist, womit man nicht umgehen kann. Du musst ihnen auch nicht verzeihen. Das ist so ein christliches Zeug. Man kann auch ganz gut mit gelegentlichem Groll leben.
 
Um mal komplett das Rad zurück zu drehen, gabs damals Entscheidungen, die Du selbst heute so nicht mehr treffen würdest.
Bereits damals war klar, dass zB Kiffen verboten war - und Du hast das sicher gewusst, oder hättest es wissen können, weil man es Dir gesagt hat.
Solche Entscheidungen - es also trotzdem zu tun - waren vielleicht nicht richtig.
Dennoch hast Du ein Für und Wider ab gewägt und entschieden, dass es nach damaligem Kenntnisstand ok war.
Ich glaube kaum, dass man Dich dazu hat zwingen können, sonst hätte man Dich auch zwingen können, zB mit einem langen und einem kurzen Hosenbein rum zu laufen.

Die Sache hat nun zwei Folgen.
Die erste ist, dass es Dich eventuell heute beeinträchtigt. Wenn ja und wie kann man nachlesen. Ist das dann so, so hast Du die halbe Miete schon, wenn Du weisst, was es ist und warum und gehst bewusst den Rest an - oder gehst bewusst mit dem Rest um!

Die zweite ist die, dass Du schon damals die für Dich richtige Entscheidung getroffen hast und sich dadurch Dein Selbstbewusstsein aufgebaut habe müsste.
Denn wer damals "richtig" gehandelt hat, dies immer noch tut, der braucht daran nicht zu zweifeln.

Also gehst Du mit dem so erworbenen Selbstbewusstsein so um, dass Du heute immer noch der Ansicht bist, nach Deinem Kenntnisstand richtige aber nicht falsche Entscheidungen treffen zu können - und setzt die natürlich um.

Damit ist die Logik der Folgen Deiner Entscheidungen gerettet, und das ist gut für Dich.
Dazu gehört wohl, dass Du heute eher nicht Entscheidungen triffst, von denen Du eben heute bereits weisst, dass sie falsch wären.

Das ganze kannst Du so ziemlich auf jeden Menschen übertragen und sinngemäß auf alle, die als Kind nicht begriffen haben, dass Mutter sie nicht ungewaschen ins Bett bringen will.
Und so weiter...

Am klügsten finde ich immer, einen Acker vernünftig mitsamt Unkraut - aber auch Dünger - um zu graben. Dann glatt harken.
Anschließend neu einsäen und zusehen, was dabei heraus kommt.
Gießen nicht vergessen!!
Verstehst...?
 
Zuletzt bearbeitet:
Das ist eine bessere Frage. Wie kann ich das?
Tja, das ist jetzt die Hammerfrage. Da ich keine therapeutische Ausbildung habe, kann ich dazu nicht so viel sagen.
Am einfachsten wäre es, direkt sich mit so einer Fragestellung vielleicht mal an einen Profi zu wenden. Die haben dann Immerhin etwas Erfahrung und Know-how.

Ich kann dir nur sagen, wie ich es angehe. Bei der Therapeutin wo ich bin, die arbeitet mit Somatic Experiencing. Das hilft mir, viel mehr mein eigenes inneres Kind zu fühlen auch die kindliche Freude. Also den Körper sollte man wohl miteinbeziehen. Ich habe halt Trauma. Das ist nämlich in etwa so, als ob ein Teil von einem in der Vergangenheit einfriert und ewig in diesem Moment sitzen bleibt. Ich verstehe nicht, wie das mit der Therapeutin funktioniert, aber es funktioniert. Ich habe viel gelesen, da habe ich mich selbst besser verstanden. Thema Kommunikation war für mich auch spannend. Und Bedürfnisse.

Ansonsten gibt es zu solchen Themen ein recht breit gefächertes Angebot im Internet und bestimmt tausende Bücher, die sich mit so etwas beschäftigt. Sogar bei YouTube gibt es einen Haufen Videos. Ego-States, das gucke ich mir als nächstes an. Verena König, hat mir meine Therapeutin empfohlen.
Schau doch mal zum Thema inneres Kind oder Selbstanteile.
 
Empathie spielt beim Thema Heilung soweit ich das verstanden habe wohl auch eine Rolle. Kannst du welche für dich selbst finden? In Liebe auf dich schauen? Auf das kleine Kind? Dir selbst verzeihen?
 
Empathie spielt beim Thema Heilung soweit ich das verstanden habe wohl auch eine Rolle. Kannst du welche für dich selbst finden? In Liebe auf dich schauen? Auf das kleine Kind? Dir selbst verzeihen?
Inzwischen schon. Mein Vater hat eine psychische Erkrankung und war davon besonders betroffen, als ich ungefähr acht bis ungefähr dreizehn Jahre alt war - ein größeres Kind.

Mein Vater sagte letztens, dass ich zu einem ganz tollen jungen Mann herangewachsen bin, auf den er stolz ist. Er war auch vor dieser Phase liebevoll und danach. Während dieser Phase war er zwar auch nicht böse, aber er wirkte oft unemotional und distanziert und sehr erschöpft. Er hatte gute und viele schlechte Tage.

Für ein Kind ist das schwer zu verstehen.

Ich kann mit Liebe auf dieses Kind und diese Familie schauen. Ich merke aber, dass ich auch noch sauer bin und das möchte ich eigentlich nicht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Auch Eltern sind nur Menschen, war der erste Gedanke, der mir bei deinem Thread kam. Deine Eltern unterstützen dich heute, waren aber vielleicht während deiner Kindheit und Jugend zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt?
Dein grosses Thema scheint eher das nicht reden zu sein. Egal von welcher Seite und gar nicht das Verzeihen.
Habt ihr als Familie mal die Möglichkeit euch zusammen zu setzen und über die Vergangenheit in Ruhe zu reden? Ohne reden wird sich der Knoten vermutlich nie auflösen

Habe gerade gelesen, dass dein Vater psychich erkrankt ist. Das ändert alles. Man nimmt Rücksicht. Versucht so viel Rücksicht wie möglich zu nehmen, nicht zu belasten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Auch Eltern sind nur Menschen, war der erste Gedanke, der mir bei deinem Thread kam. Deine Eltern unterstützen dich heute, waren aber vielleicht während deiner Kindheit und Jugend zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt?
Dein grosses Thema scheint eher das nicht reden zu sein. Egal von welcher Seite und gar nicht das Verzeihen.
Habt ihr als Familie mal die Möglichkeit euch zusammen zu setzen und über die Vergangenheit in Ruhe zu reden? Ohne reden wird sich der Knoten vermutlich nie auflösen
Ich möchte sie nicht verletzen.
Deswegen suche ich nach einer anderen Lösung. Vielleicht kann ich das für mich lösen, ohne mit ihnen zu reden.
 
Mein Vater sagte letztens, dass ich zu einem ganz tollen jungen Mann herangewachsen bin, auf den er stolz ist. Er war auch vor dieser Phase liebevoll und danach. Während dieser Phase war er zwar auch nicht böse, aber er wirkte oft unemotional und distanziert und sehr erschöpft.
Das finde ich total schön und ich kann verstehen, dass du mit deinen Eltern nicht direkt sprechen möchtest. Vermutlich hat er evtl. sowieso Schuldgefühle wegen seiner Erkrankung. Ich glaube,
es würde ihn sehr treffen, wenn du ihm von früher erzählen würdest.
Kann dich aber auch verstehen, damit abschließen zu wollen...
Ich hoffe, du findest einen Weg!
 
Das finde ich total schön und ich kann verstehen, dass du mit deinen Eltern nicht direkt sprechen möchtest. Vermutlich hat er evtl. sowieso Schuldgefühle wegen seiner Erkrankung. Ich glaube,
es würde ihn sehr treffen, wenn du ihm von früher erzählen würdest.
Kann dich aber auch verstehen, damit abschließen zu wollen...
Ich hoffe, du findest einen Weg!
Das würde ihn sehr treffen. Er möchte glauben, dass es mir damals trotz allem gut ging und ich eine schöne Kindheit hatte.
 
Für ein Kind ist das schwer zu verstehen.
Definitiv. Das sprengt einfach den Rahmen.

Ich kann mit Liebe auf dieses Kind und diese Familie schauen. Ich merke aber, dass ich auch noch sauer bin und das möchte ich eigentlich nicht.
Das ist ziemlich viel wert, finde ich.

Man sagt, das Gefühl welches hinter Wut steht, ist Trauer. Wut ist auch ein Warnsignal und eine große Kraft. Wut sagt uns, dass gerade irgendwas falsch läuft. Wut hat einen Grund.
Es gibt auch so was wie Reparenting.
Reparenting inneres Kind

Vielleicht könntest du es auch mit schreiben versuchen. Nur für dich. Niemand muss es sehen oder wissen.
Einen Brief an deine Eltern. Einen Brief an dein Vergangenheits-Ich. Vielleicht einen Brief von deinem Vergangenheits-Ich. Einfach mal schauen und ausprobieren.
Manchmal ist auch einfach wichtig, dass man mal etwas rauslassen kann.

Beispiel, kann für dich ja ganz anders sein.
Lieber 8-Jähriger Nordstern,
Du bist nicht Schuld daran, dass Papa krank ist. (Kinder glauben manchmal allen möglichen Kram, der nicht zwangsläufig wahr sein muss, daher das Beispiel)
Ich weiß, dir tut das gerade unglaublich weh, das es ihm nicht gut geht und er keine Zeit für dich hat. Noch schlimmer ist, dass du ihm vielleicht nicht helfen kannst.
Ich bin jetzt für dich da. Dein Zukunfts-Ich. Ich passe auf dich auf. Ich werde dich nicht alleine lassen. Ich werde dich in den Arm nehmen, wenn du es brauchst und ich werde dich halten, bis du nicht mehr weinen musst. Und dann bringe ich dich zum lachen. Ich passe auf dich auf. Und ich finde jemandem zum Rumtoben, weil das haben wir damals mit Papa nicht gemacht, obwohl wir das sehr wollten.

Einfach mal rauslassen.
 

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