Im Grunde sehe ich das eigentlich auch so. Ich bin bisher immer meinen Prinzipien treu geblieben und war in gewisser Weise stolz darauf, dass ich nie jemand war, der seinen eigenen Frust an anderen ausgelassen hat oder sich wehrlos mit der Opferrolle zufrieden gibt. Ich habe bisher immer zu mir bzw. meinem Geschmack gestanden und da war es mir immer scheißegal, was andere davon denken. Mittlerweile habe ich schon einige Personen kennen gelernt, bei denen ich absolut künstliches Verhalten feststelle - was sonst aber niemand zu merken scheint. Bei diesen Leuten kommt es mir so vor, als würden sie alles tun im Hinblick darauf, wieviel Anerkennung/Bestätigung sie dafür ernten könnten. Ich habe mich nie verstellt. Vielleicht war ich übertrieben zurückhaltend, sodass auch mein wahres Ich mehr oder weniger auf der Strecke blieb. Jedoch war das bloß eine Schutzhaltung. Ich habe mich gewissermaßen des Öfteren als "besser" betrachtet, da ich einfach nicht so berechnend bin wie der Großteil der Leute, die ich kenne. Ich war loyal zu den Leuten, von denen ich glaubte dass sie es verdient hatten (auch wenn ich jedes Mal in diesem Glauben enttäuscht wurde), habe gesagt, wenn ich etwas nicht für richtig hielt und mich für Schwächere eingesetzt (ich kann sehr aufopfernd sein, was andere Personen anbetrifft - aber ich habe fest gestellt, dass man dafür keine Gegenleistung erhält, sobald man sie braucht - trotzdem kann ich mir nicht helfen, ständig das Bedürfnis zu haben, für "Schwächere" einstehen zu müssen). Alles in allem schätze ich diese Dinge an mir, allerdings ist das bei den Menschen um mich herum unangebracht. Sie haben meine ehrliche Art nicht verdient. Ich schwimme auch mal gegen den Strom, auch wenn es nicht leicht ist, solange ich denke dass es richtig ist. Aber für Aufrichtigkeit bekommt man nur lauter Messer in den Rücken gerammt.
Ich wirke auf andere eigentlich überhaupt nicht so zerbrechlich, wie ich eigentlich bin. Ich kriege schon den Mund auf, wenn ich es für nötig halte (allerdings nur was Konfrontationen angeht) und bin eine der Wenigen, die sich nicht nur trauen, hinter dem Rücken der Menschen zu reden. Letztendlich hab ich von diesen ganzen Eigenschaften gar nichts.
Ich kann nicht genau sagen, was mich an mir stört. Ich glaube, ich würde mich sogar gut mit mir verstehen, wenn ich nicht ich wäre (okay, dieser Satz mag für den ein oder anderen vielleicht sinnlos klingen, aber ich lasse es jetzt trotzdem mal so stehen). Tatsache aber ist, dass ich mit mir überhaupt nicht klarkomme. Ich fühle mich irgendwie einfach so wertlos. Es ist so, als wäre irgendwas in mir ständig mein Feind. Mittlerweile denke ich teilweise genauso über mich wie die Leute, die mich früher jeden Tag aufs Neue fertig gemacht haben. Ich kann nicht mal wirklich sagen, was es ist. Ich mag mich einfach nicht. Trotz der Sachen, die ich an mir schätze (obwohl sie mich im Leben nicht im Geringsten weiter bringen). Ich glaube manchmal, dass ich mir selbst keine glücklichen Momente erlaube. Ich stehe mir ständig im Weg. Und ich bin so verdammt kritisch mit mir. Ich fühle mich unbesonders, unliebenswürdig und irgendwie seltsam.
Grundsätzlich finde ich es gut, dass Du so bist wie Du bist und so, wie Du Dich hier beschreibst.
Ich finde es eine sehr positive Eigenschaft, wenn man sich für Schwächere einsetzt und seine Fahnen gerade NICHT nach dem Wind richtet.
Auch finde ich es gut, wenn man für seine Werte und Überzeugungen "kämpft" und sich nur nach diesen richtet und nicht daran orientiert, was gerade angesagt ist.
Die Frage ist natürlich immer, warum Du so bist. Aus Überzeugung oder stehst Du nur für andere ein, um eine Gegenleistung zu erhalten.
Weisst Du,
ich könnte mir vorstellen, dass Du vielleicht deshalb von Deinen Mitmenschen entäuscht bist, weil Du zu hohe Erwartungen in sie steckst.
Manchmal habe ich auch damit zu kämpfen- weil ich einfach denke, die Leute müssten so sein, wie ich es mir wünschen würde. Einfach ehrlich- prinzipientreu - loyal- höflich - anständig- nicht nur auf sich selber fixiert und und und...
... doch leider muss ich immer wieder feststellen, dass jeder in erster Linie an sich denkt-
daran, wie er am besten ankommt und vor allen Dingen nur auf seine Vorteile bedacht ist.
Sowas wie ein schönes Miteinander- darauf bedacht sein, dass es auch anderen gut geht- gibt s leider selten-wenngleich es durchaus Ausnahmen- wie Dich z.B. gibt.
Vielleicht sollte man sich an solchen Menschen orientieren.
Es ist nicht nötig, für alles Applaus zu bekommen-
nur darauf bedacht zu sein- ist der falsche Weg. Nur ich verstehe, wenn Du Dir doch ab und an ein wenig Aufmerksamkeit wünschst.
Wenn man so ist, wie Du es beschreibst- dann hat man nicht immer wirklich was davon- unter dem Gesichtspunkt- "Anerkennung der anderen"! Warum sollten sie Dich wertschätzen, wenn Du für andere in die Preche springst- wo doch ein solches Verhalten wider deren Natur ist. Sie sind ja schließlich nur auf sich bedacht und schwimmen stets mit dem Strom. Und wenn ein anderer, so wie Du- nicht mit dem Strom schwimmt-
dann gehört er einfach nicht dazu. Ist leider oder Gott sei Dank so!
Ich selber bin auch eher zurückhaltend-
mag Konfrontationen eigentlich gar nicht- da ich harmoniebedürftig bin. Das heisst aber nicht, dass ich mit dem Strom schwimme. Im Gegenteil. Ich bin sehr oft alleine- brauche das auch- ... und wenn, dann gebe ich mich nur mit Menschen ab, mit denen ich mich annährend identifizieren kann. Komischerweise sind es überwiegend Menschen, die mit nichts hinterm Berg halten und zumindest nach außen hin - sehr taff und selbstbewusst auftreten. Ich mag einfach Ehrlichkeit um mich herum. Ich mag es, wenn mir Menschen ihre unverblümte Meinung sagen- mir ab und an auch gerade das sagen, was ich nicht hören will- weil es der Wahrheit entspricht- die ich auch für mich selber erkannt habe aber nicht wahrhaben will.
Klar-
man kann es schon so sehen-
dass Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit einem nicht wirklich weiterbringen- im Leben. Oftmals zieht man innerhalb der Gesellschaft sprichwörtlich die "Arschkarte". Durch meine ach so "tolle
🙄" Harmoniebedürftigkeit habe ich so auch schon 2 Arbeitsstellen verloren. Hatte in der Vergangenheit auch schon Probleme mit Kollegen-
weil ich so bin- wie ich bin. Ein Mensch- der seine Meinung vertritt- wenn es erforderlich ist- aber nicht unbedingt damit hausieren geht. Ich bin eher so, dass ich mich vor Menschen- die mir nicht guttun - zurückziehe. Somit bin ich viel alleine ... aber ist dann auch OK für mich.
In Deinem Fall würde ich Dir sagen wollen-
versuche ein wenig Deinen Blickwinkel zu ändern.
Im Grunde ist es gut so, wie Du bist. Leider ist es noch nicht angekommen- bei Dir, was eigentlich schade ist.
Aber warum kannst Du Dich nicht annehmen- wie Du bist? Weil Dich - denke ich mal- Deine Mitmenschen einfach im Regen stehen lassen - obwohl Du ihnen wahrscheinlich vorher immer geholfen hast und für sie eingetreten bist. Dein Fazit ist dann einfach- dass es falsch ist- was Du tust oder getan hast.
Aber nur, weil Du Dir selber wünschst, dass andere dann auch für Dich eintreten.
Im Idealfall ist es einfach schon schön, wenn man sich ab und an auch erkenntlich zeigt bei Menschen - die einem in irgend einer Weise schon weitergeholfen haben. Wenn es nicht so ist, ist man - wie Du entäuscht und neigt dazu, sich selber die Schuld dafür zu geben. So kannst Du dann Dich automatisch nicht annehmen- wie Du bist. Irgendwie scheint das ein Teufelskreis zu sein.
Vielleicht versuche einfach Dich mit Menschen abzugeben- die ähnlich denken, wie Du. Vielleicht mögen es nicht viele sein- mag sein... aber Du hast dann Menschen um Dich herum- mit denen Du Dich annähernd identifizieren kannst.
Versuche, es einfach als Tatsache zu sehen- dass unsere Mitmenschen in erster Linie ein Übermaß an Egoismus besitzen. Ein wenig darfst Du dann Dir auch herausnehmen- egoistisch zu sein.
Grundsätzlich hat Egoismus ja was mit Selbstliebe zu tun. Ein gewisses Maß davon ist sicherlich nicht unverkehrt. Aber übertriebener Egoismus zerstört mehr- als dass er verbindet.
Lebe weiter nach Deinen Prinzipien...
sei stolz darauf- wann immer Du für andere eintrittst-
...aber auf Dich. Darauf, dass Du nicht mit dem Strom schwimmst - und versuche Dich so zu akzeptieren.
Denn nur wenn Du Dich so annehmen kannst und für Dich erkennst, dass es OK ist, wie Du bist-
kannst Du Dich selber auch lernen- wertzuschätzen.
Und mache bitte Deinen Wert nicht von den Reaktionen Deiner Mitmenschen abhängig- denn die meisten schwimmen ja eh nur mit dem Strom. Und das macht Dich halt nicht aus und es ist auch gut so!
Lerne Dich einfach zu lieben.
Nur wenn Du Dich selber liebst- kannst Du auch lernen- mit den Eigenschaften Deiner Mitmenschen-
zumindest umzugehen. Denn dann berührt Dich das auch nicht mehr so und Du gehst Deinen eigenen Weg-
ganz für Dich!