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Wie komme ich da raus?

G

Gelöscht 36373

Gast
Hallo zusammen,

in den letzten Jahren habe ich mich sehr verändert, bin selbstbewusster geworden und achtsamer mit mir selbst. Aus diesem Grund hab ich mich von „schädlichen“ Freundschaften verabschiedet, statt wie früher, weiter daran festzuhalten.


Eine 13 jährige Freundschaft endete in einem „Rosenkrieg“, weil sie nicht akzeptieren wollte, dass wir uns auseinandergelebt bzw. ich mich verändert hatte.

Eine 5 jährige Freundschaft endete, als sie schwer erkrankte. Ich besuchte Sie mehrmals in der Klinik (5 Stunden Fahrtweg), um mich quasi zu verabschieden, bis sich dann herausstellte, dass sie gar nicht tödlich krank war. Sie hatte alle belogen.

Die letzte erwähnenswerte Freundschaft, endete nach 2 Jahren. Noch nie hatte ich eine vergleichbare Freundschaft, doch dann hatte ich einen Unfall und Sie rief aus Überforderung, nicht den Krankenwagen, obwohl ich hätte sterben können. Da sie sich zu diesem Zeitpunkt in einer psychischen Krise befand, zeigte ich Verständnis, aber sie beschimpfte mich noch als überheblich. Als diese Freundschaft vor einem 3/4 Jahr endete, trauerte ich sehr.

Ich habe nun noch eine Freundin, wobei ich tief im Innern ahne, dass so keine Freundschaft aussehen sollte. Wenn wir uns treffen, spricht sie eigentlich nur über ihre Probleme. Seit 2 Jahren versuche ich sie aufzubauen, mittlerweile geht sie dank mir, zu einer Psychologin.

Nun ist es so, dass ich gerade nur noch was mit meiner Familie mache und mit meinem Freund und seinen Freunden. Ich habe zwar noch Bekanntschaften und auch neue Bekanntschaften gemacht, aber mir fehlt irgendwie der Elan, mal davon abgesehen, dass einige nicht umsonst nur Bekannte sind, diese weiter zu vertiefen.

Mit dem Satz: "Ich habe Angst wieder ausgenutzt und verarscht zu werden", würde mich in eine Opferrolle katapultieren. Aber genau genommen habe schon Angst vor Enttäuschungen und Verletzungen, sehne mich aber auch sehr nach einer Freundschaft.

Was kann ich tun um da rauszukommen? Habt ihr da einen Tipp?
 
Hallo, Widerspenstige, (er oder sie?)

auf mich macht Dein Bericht einen sympathischen Eindruck. Endlich mal jemand, der anscheinend gesund denkt und dabei nicht nur an sich.

Es gibt leider viele Menschen, die mit oberflächlichen Beziehungen, etwas Spass haben, völlig zufrieden scheinen und nicht mehr vom Leben erwarten. Umgekehrt gibt es also weniger Menschen, die über das Leben und über werthaltige Beziehungen nachdenken und diese anstreben.
Es hat etwas mit Charakter zu tun, mit festen Werten. Menschen, die zu Dir passen, gibt es trotz ihrer Minderheit zur Genüge. Die Frage, die sich stellt, lautet: Wie finde ich diese Menschen? Keine leichte Frage.
Ich würde dahin gehen, wo Menschen gerne denken (z.B. ein x-beliebiger VHS-Kurs) oder zu Veranstaltungen, die mich aufgrund ihres Inhalts interessieren. Offenheit, Mut auch mal andere Menschen anzusprechen und ihnen locker sagen, warum ich sie vom ersten Eindruck her interessant finde, Gutes über andere Menschen sprechen... niemals schlecht von anderen Menschen reden... das alles macht Dich interessant und andere Menschen, die genau solche Menschen wie Dich schätzen, werden auf Dich aufmerksam. Du wirst gefunden werden.

Nach all den schlechten Erfahrungen ist es verständlich, wenn Du evt. misstrauisch wurdest und eher schlecht von anderen Menschen sprichst, besonders von denen, die Dir dazu einen Grund gaben. Die Erfahrungen liegen in Deiner Vergangenheit. Hake sie ab. Gewöhne Dich daran, Gutes zu suchen und zu erkennen - und genau darüber zu reden.
Was Du denkst - sagst und tust Du. Also Übung freundlicher und positiver Gedanken ist angesagt.

Alles Gute,
Nordrheiner
 
Ein guter Ansatz damit du überhaupt anfängst: "Mit dem Satz: "Ich habe Angst wieder ausgenutzt und verarscht zu werden", würde mich in eine Opferrolle katapultieren. Aber genau genommen habe schon Angst vor Enttäuschungen und Verletzungen, sehne mich aber auch sehr nach einer Freundschaft." Tja,also du willst Freunde die dich annehmen wie du bist, und deine gemachten Erfahrungen gehören dazu. Du bist kein Opfer, es sei denn du unterdrückst deine Gefühle obwohl du sie hast. Du selbst machst dich dann schon zum Opfer bevor du überhaupt neue Bekannte hast. Und ausgenutzt wirst du,weil du nicht auf dich aufpassen kannst. Sonst sagt dir dein Gefühl rechtzeitig Stop, und du hältst dich an deine Grenzen.
 
Du tust gut daran, Dich von schädlichen Freundschaften zu lösen. Das zeigt, dass Du eine positive Veränderung erlegen bist. Wir verändern uns ständig, entwickeln uns weiter. Auch unsere Mitmenschen ändern sich, unsere Lebensbedingungen, unsere Umwelt. Alles ist im Fluss, ob es uns gefällt oder nicht. Um das Beste daraus machen zu können, müssen wir flexibel reagieren.

Freundschaft bedeutet auch Respekt und Anerkennung, sich als Gleichgesinnten zu sehen und behandeln.

Gleichgesinnte Menschen trifft man an Orte, wo die gleichen Interessen gelebt werden.
Du solltest Dich also fragen, wo Deine Interessen sind und Dich auf den Weg dorthin begeben.

Alles Gute!
 
Hallo zusammen,

vielen Dank für die Tipps. Ich habe aber doch noch einige Fragen zu dem Geschriebenen.

1. "Gewöhne Dich daran, Gutes zu suchen und zu erkennen - und genau darüber zu reden.
Was Du denkst - sagst und tust Du. Also Übung freundlicher und positiver Gedanken ist angesagt."
Ich habe mich schon viel damit beschäftigt, positiver zu denken. Das was man denkt, fühlt man auch, sagt man in der Verhaltenstherapie. Ich hab mal gelesen, dass man sich immer wieder die gleichen Sätze sagen soll, auch wenn sich diese erst einmal nicht richtig oder wahr anfühlen, weil das Unterbewusstsein darauf reagieren soll und man diesen Satz irgendwann verinnerlicht. Aber ich finde, es gibt nichts stärkeres als Angst, außer vielleicht Wut. Wie stellst du das denn mit dem positiven Denken an
Nordrheiner?

2. Und ausgenutzt wirst du, weil du nicht auf dich aufpassen kannst. Sonst sagt dir dein Gefühl rechtzeitig Stop, und du hältst dich an deine Grenzen.
Bei mir lief es bisher immer gleich ab. Es ist immer eine Zeit lang, wie die perfekte Freundschaft und dann auf einmal macht es "Klick" und ich sehe auf einmal Dinge an den Menschen, die mir vorher nie aufgefallen sind. Ich weiß gar nicht, wie ich merken soll, dass ich mich schon wieder mit jemanden anfreunde, der mir nicht gut tut.


3. Gleichgesinnte Menschen trifft man an Orte, wo die gleichen Interessen gelebt werden. Du solltest Dich also fragen, wo Deine Interessen sind und Dich auf den Weg dorthin begeben.
Eigentlich bin ich ja schon an Orten an denen Menschen meine Interessen teilen. Ich weiß aber nicht, wie ich da einfach jemanden ansprechen soll. Vielleicht hab ich ja Erfolg bei einem VHS Kurs. Wenn Leute etwas zusammen lernen, sollten ja eigentlich automatisch Gespräche entstehen.

Gruß die Widerspenstige
 
Hallo zusammen,

vielen Dank für die Tipps. Ich habe aber doch noch einige Fragen zu dem Geschriebenen.

1. "Gewöhne Dich daran, Gutes zu suchen und zu erkennen - und genau darüber zu reden.
Was Du denkst - sagst und tust Du. Also Übung freundlicher und positiver Gedanken ist angesagt."
Ich habe mich schon viel damit beschäftigt, positiver zu denken. Das was man denkt, fühlt man auch, sagt man in der Verhaltenstherapie. Ich hab mal gelesen, dass man sich immer wieder die gleichen Sätze sagen soll, auch wenn sich diese erst einmal nicht richtig oder wahr anfühlen, weil das Unterbewusstsein darauf reagieren soll und man diesen Satz irgendwann verinnerlicht. Aber ich finde, es gibt nichts stärkeres als Angst, außer vielleicht Wut. Wie stellst du das denn mit dem positiven Denken an
Nordrheiner?

Es hat etwas mit der Funktionsweise des Gehirns zu tun. Nur ein kleiner Gehirnteil ist ständig aktiv. Ich nenn ihn mal G-schnell. G-schnell holt sich alle Infos, die es für die jeweilige Situation benötigt bei G-langsam. Wenn Du mit jemandem über Blumen sprichst, geht G-schnell zu G-langsam und fragt nach Infos und nach Aktionen, die dazu passen. G-Langsam geht zur Bibliothek und holt alles, was auch nur irgendwie passen könnte. Und die Bibliothek ist Dein Speicher. Wenn Du bestimmte Situationen überdenkst und feststellst, dass Du z.B. unnötig bzw. grundlos negativ warst, unzufrieden... , dann liegt das an der Belieferung von Infos durch G-langsam. Aber G-langsam kann nur liefern, was es in der Bibliothek gespeichert wurde. Also muß eine Neu-Speicherung erfolgen. Sozusagen eine Überschreibung alter Infos - die mit schlechten Gewohnheiten verbunden sind - durch neue Infos mit guten Gewohnheiten. Du solltest bestimmte Situationen, die in ähnlicher Form sich öfters wiederholen, aufschreiben. Also aufschreiben was Du in solchen Situationen denkst, sagst und fühlst.
Und dann schreibst Du auf, was Du dann denken, sagen und fühlen willst. Und das ist dann zu lernen und zu üben.
Beispiel: Eine Userin hier wurde in Diskussionen immer schnell aggressiv, neigte zu Überreaktionen. Ich empfahl ihr folgendes: Lass Dich von einem Bekannten bewusst provozieren. Und dann sag jedesmal: "Das ist eine interessante Bemerkung. darüber will ich nachdenken. Danach komme ich wieder zu Dir und auf diesen Punkt zurück. Rausgehen."
Durch die einstudierte Bemerkung kommt es zu keinem Streitgespräch, egal was der andere sagte. Durch das anschliessende Rausgehen kann man sich beruhigen - und langsam darüber nachdenken. langsam darüber nachdenken bedeutet, dass das G-schnell mit G-langsam sprechen kann und auffordert, hole mir mal jetzt positive Gedanken und Formulierungen und Handlungen. Und G-langsam kann sich in aller Ruhe mit dieser Anforderung beschäftigen und gucken, was zur Lösung in der Bibliothek gefunden wird.


2. Und ausgenutzt wirst du, weil du nicht auf dich aufpassen kannst. Sonst sagt dir dein Gefühl rechtzeitig Stop, und du hältst dich an deine Grenzen.

Bei mir lief es bisher immer gleich ab. Es ist immer eine Zeit lang, wie die perfekte Freundschaft und dann auf einmal macht es "Klick" und ich sehe auf einmal Dinge an den Menschen, die mir vorher nie aufgefallen sind. Ich weiß gar nicht, wie ich merken soll, dass ich mich schon wieder mit jemanden anfreunde, der mir nicht gut tut.

Das ist eigentlich ganz einfach:
Es geht um Authentizität. Du solltest Dir bewusst machen, was Deine festen Werte sind. Beispiel Ehrlichkeit und Beziehungsfähigkeit.
Wie findet man heraus, dass dem neuen Bekannten diese Werte auch wichtig sind? Du lässt Dir von seiner Familie, Brüder und Schwestern, Eltern und langen Freunden erzählen. Wie geht er mit diesen Menschen um? Das schaue Dir an. Wenn mir dann jemand erzählt, dass er mit seinem Bruder schon seit Jahren nicht mehr spricht, weil der Bruder sich schlecht verhalten hat, dann gehen bei mir die roten Lampen an. Ich will dann herausfinden, wie stark sich mein neuer Bekannter als Brückenbauer versucht hat - oder ob er den leichten Weg ging und sagt: "sowas muss ich mir nicht antun" oder "auf sowas habe ich keinen Bock". Dieser Bekannte kann mir dann aufrichtig mitteilen, dass er feste Beziehungen gut findet. Aber er ist nicht authentisch. Handeln und Worte klaffen auseinander.

Bei anderen Menschen ist es manchmal einfacher. So meide ich z.B. Menschen, die gerne schlecht über andere Menschen reden, eher das Schlechte sehen oder grundsätzlich negativ denken. Solche Menschen ziehen Dich runter. Du solltest nur aufpassen, dass Du nicht auch durch Denken und Reden zu diesen Menschen gehörst.


3. Gleichgesinnte Menschen trifft man an Orte, wo die gleichen Interessen gelebt werden. Du solltest Dich also fragen, wo Deine Interessen sind und Dich auf den Weg dorthin begeben.
Eigentlich bin ich ja schon an Orten an denen Menschen meine Interessen teilen. Ich weiß aber nicht, wie ich da einfach jemanden ansprechen soll. Vielleicht hab ich ja Erfolg bei einem VHS Kurs. Wenn Leute etwas zusammen lernen, sollten ja eigentlich automatisch Gespräche entstehen.

Gruß die Widerspenstige

Wenn Du einen Menschen siehst, den Du gerne kennenlernen möchtest, dann überlege Dir kurz, was Du an diesem Menschen anziehend, attraktiv, schön und interessant findest.
Beispiel: Du siehst einen Menschen, den Du gerne kennenlernen möchtest, der aber langweilig gekleidet ist. Dann überlege Dir, welchen Bekannten du sympathisch findest, der ebenfalls langweilig gekleidet ist. Und dann geh zu dem Menschen, den Du kennenlernen willst und sage sowas wie: "Sie erinnern mich an einen Bekannten, der sehr humorvoll ist und der als Hobby gerne und sogar echt gut kocht. Daher dachte ich, ich spreche sie mal an und frage, ob sie auch gerne lachen und gerne kochen." Und schon erzählt der neue Bekannte etwas über sich.... und wenn Du genügend Zeit hat (und er auch), dann frage, was ihm im Leben, in diesem VHS-Kurs etc. etc. wichtig ist. Und so ergeben sich schnell einige gute Gesprächsthemen.

LG, Nordrheiner
 

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