Und nochmal: Arbeitsfähig und erwerbsfähig ist nicht dasselbe! Man bekommt auch als arbeitsunfähige Person HartzIV. Der Übergang von voll erwerbsfähig zu erwerbsunfähig ist zudem fliessend und um als erwerbsunfähig zu gelten, muss man den Kopf heutzutage schon unter dem Arm tragen (davon können besonders psychisch erkrankte/behinderte Menschen ein Lied singen!). Es gibt genügend Langzeitarbeitslose, die nicht Vollzeit arbeiten können und diverse Einschränkungen haben, die die Jobsuche für sie zur aussichtslosen Sache machen. Und diese Einschränkungen haben häufig rein gar nichts mit irgendwelchen etwaigen Fehlentscheidungen oder Fehlverhalten des Langzeitarbeitslosen zu tun.
Sicher gibt es sie, die "faulen und asozialen" Couchpotatos, die einfach nur keinen Bock haben, aber das trifft doch noch lange nicht auf alle Langzeitarbeitslosen zu. Hinter jedem Langzeitarbeitslosen steht ein individuelles Schicksal. Und leider ist es doch meistens so, dass Personaler Langzeitarbeitslosen gar keine Chance geben. Es sei denn, um sie auszubeuten und sie wegzuwerfen, wenn es an der Zeit ist, Mindestlohn zu zahlen. Wie sollen die Leute da denn noch motiviert bleiben? Ich kann nachvollziehen, dass die Motivation dann irgendwann flöten geht und sich Resignation und Verweigerungshaltung breitmachen.
Statt den Leuten den Geldhahn zuzudrehen, wär's meiner Meinung nach sinnvoller, erstmal zu schauen, woran es überhaupt liegt, dass sie arbeitslos sind und sie dann dementsprechend vernünftig zu fördern, statt wild mit der Sanktionspeitsche zu knallen, sie in Sinnlos-Massnahmen zu treiben, von Zeitarbeitsfirmen und Co. ausbeuten zu lassen und sie wie Menschen zweiter Klasse zu behandeln. Warum nicht alles tun, damit aus Arbeitslosen gar nicht erst Langzeitarbeitslose werden? Statt dafür zu sorgen, dass die Arbeitslosen in einen Job kommen, der ihnen zumindest halbwegs Spass macht und sie langfristig in Arbeit zu bringen, geht es nur noch um Schönung der Arbeitslosenzahlen. Ich finde es sinnvoller, wenn man den Arbeitslosen mit Respekt und auf Augenhöhe begegnet und sie fragt, was sie überhaupt wollen und können, man eventuelle Einschränkungen berücksichtigt und auf deren Wünsche - sofern möglich - auch eingeht.