Wie bewältigt man die Trauer?

Margarita_Ala

Mitglied
Hallo,
ich bin neu hier, hab aber eine Frage, die eigentlich jeder von uns gut kennt und zwar geht es um die Trauer nach dem Tod einer nahen Person. Was kann man eigentlich tun, um diese Trauer gut zu verarbeiten? Eine Freundin von mir hat ihr Kind verloren, das war vor 10 Jahren, aber sie ist immer noch traurig und will kein normales Leben mehr führen. Auch in der Presse lese ich oft, dass manche Menschen jahrelang traurig sind und sich nicht damit abfinden wollen/können, dass ein Familienmitglied nicht mehr da ist. Schlimmer ist es noch, wenn der Mensch nicht auf natürlichem Wege gestorben ist, sondern auf brutale Art und Weise ermordet wurde und wenn das Familienmitglied nicht mal die Chance hatte, sich von dem Toten zu verabschieden. Ich höre letzte Zeit so oft, dass Menschen, die auf so eine grausame Art und Weise ihre Familien verloren haben, erst dann zur Ruhe kommen, wenn der Mörder gefasst wird. Ich weiß nicht, ob das stimmt, mein Vater wurde eigentlich auch ermordet, ich war aber noch so klein, dass ich mich an ihn gar nicht mehr erinnern kann. Seine Mörder wurden nie gefasst. Denkt ihr, dass das wirklich stimmt?
 

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purry

Mitglied
Ich wenn extrem traurig bin über zb den Tod, setze ich mit "Fristen".
Ich weis, dass das leben weiter geht und ich nach vorn schauen soll(te). Dann setze ich mir eine bestimmte zeit in der ich nicht positiv denke sondern einfach nur richtig am Boden. Wenn die zeit dann 'abgelaufen' ist, bin ich immer noch traurig, weis aber jetzt ist genügend traurig gewesen. Du kannst es nicht ändern und Schau nach vorne.
Vill etwas ungewöhnlich ;) ich komme damit bis jetzt zurecht
Lg Purry
 

B.Bee

Aktives Mitglied
Nun kommen da Fragen auf, die wohl viele beschäftigen, die diese Situation kennen.
Es ist echt dramatisch, was mit Deinem vater geschehen ist.
Es gitb viele Menschen, die nach Rache sehnen, die den Mörder verurteilt shen wollen und mit denen die Fantasie sprichwörtlich durchgeht... Rache ist in dem Moment der Qual, weil man sein Liebstes verloren hat, und nicht weiss, wie die Qualen waren, wei gross der Schmerz und das Leid, verständlich. Dann malt man sich Bilder aus, wie es wäre, hätte man den Mörder vor sich usw... Und was wäre wenn??? Was würde man tun? Und was ändert es an der schmerzhaften Situation?
Menschen sind so unglaublich stark, wenn sie wollen. Es ist wohl das Schmerzhafteste was Eltern passieren kann, wenn das Kind vor ihnen geht. Sich dann noch ein Leben vorzustellen, unfassbar. Und trotzdem muss es gehen. Der Schmerz versiegt nie! Es gitb täglich so viele Situationen, wo man stets daran erinnert wird - es bleibt unvergesslich.
Es hört gewiss auch nicht auf, wenn der Mörder gefasst ist, es ist dann nur eine Gewissheit, das es DEN gibt, der es getan hat - das ist dann wie eine Art des TIEFRURCHATMENS! "Er ist gafasst, er muss jetzt sühnen"... Ich denke, dass allein schafft etwas innere "Ruhe", aber bringt nicht die Ruhe und Gelassenheit zurück, die mal da war.
Es ist so menschenunwürdig anderen ein Leid zuzufügen... Da fehlen die Worte! Vor allem Kinder, die das Leben noch vor sich haben... Wie sollen das Eltern nur ertragen?= Es wird die Zeit mit sich bringen, die Entfernung vom Geschehen, sich auf andere Dinger des Lebens zu konzentrieren - das sind Kleinigkeiten mit grosser Wirkung. Aber wirklich darüber hinweg kommen, das kann keiner verlangen und obliegt auch nur der Kraft derer, die es erlebt haben. Hilfe kann man geben, dass man für sie da ist, sie aus dem Alltag raus reisst und sehr besonnen und bedacht mit ihnen etwas unternimmt. Eine wirklich schreckliche Lage, aber nicht unbedingt aussichtslos!!!
 

Gazelle

Aktives Mitglied
naja, ich wage es jetzt mal so zu sagen: Wenn du die Trauer als einen Feind siehst, den es zu "bewältigen" gilt, dann wirst du scheitern. Die Trauer ist 1. kein Feind und 2. schon garnicht auf Augenhöhe mit dir. Schon alleine deshalb weil sie den kampf schon längst gewonnen hat. ein geliebter Mensch ist tot. Du kannst also garnicht anders als trauern. Und im prinzip mußt du das sogar.

Trauer ist wichtig, denn sie ist etwas reinigendes. Tränen sind in etwa vergleichbar mit Putzwasser. Oder hast du mal versucht mit einem trockenen Lappen den Boden zu wischen?
deshalb sollte man sie zulassen und damit natürlich auch die trauer. Bewältigen ist aber fast das gegenteil von zulassen. Denn wenn genug Tränen geweint sind, ist der Boden irgendwann sauber. verstehst du was ich meine?

es wird einen vermutlich immer traurig machen wenn etwas schreckliches passiert ist. Aber es wird einen zumindest nicht kaputt machen wenn man richtig damit umgeht.
 

Kannja

Aktives Mitglied
Ich kann aus meiner Sicht einer Trauernden nur sagen, dass mich das Besserwissertum und die Ignoranz meiner (nicht trauernden) Umwelt langsam wirklich wütend macht. Schon seit gerade einmal drei Tagen nach dem Tod kamen Menschen, die selbst noch nie einen geliebten Menschen verlieren mussten, auf mich zu und wollten mir erzählen "Jetzt muss das Leben aber auch langsam mal weitergehen!". Freunde, wenn überhaupt - fragten gerade einmal die ersten 2 Wochen nach wie es mir nach dem Tod meines Vaters gind. Danach hatte "es" aus ihrer Sicht offenbar erledigt bzw. ich einfach wieder normal und fröhlich zu sein, ansonsten wichen sie mir komplett aus und ließen mich vollkommen allein in meinem Schmerz.

Mein Vater starb sehr plötzlich, viel zu früh und, nein, ich hatte keine Chance mich darauf vorzubereiten, geschweige denn von ihm verabschieden zu können. Plötzlich, von einer Minute zur anderen war er einfach weg... für immer. Ich werde ihn nie wieder sehen, es WIRD nie wieder "gut". Und ich wünschte die allzu gern schlau urteilenden würden ab und an daran denken... Nun ist es 1,5 Jahre her, dass ich diesen wichtigsten Mensch in meinem Leben verloren habe. Die klugen Köpfe mit ihren weisen Sprüchen meinen, dass sei ja schon "ewig" und ich habe das Gefühl schon seit vielen Monaten nichtmal mehr erwähnen zu dürden DASS ich den Tod meines Vaters überhaupt noch im Kopf habe... dabei tut es noch immer so weh und 1,5 Jahre ist nichts im Vergleich zu einem ganzen, bisherigen Leben in welchem die verstorbene Person einen so großen Raum im Leben eingenommen und man denjenigen so sehr geliebt hat. Nichts! Das hat nichts damit zu tun nicht vorwärtz zu gehen nachdem jemand gestorben ist! Auch ich tue was ich kann. Aber mit Trauer zu leben heißt anders leben - ab da für immer. Ja, man lernt damit ein wenig umzugehen, man lernt häufiger für Momente verdrängen zu können was einem so fehlt, wieder zu lachen und nach vorn zu schauen. Aber der Schmerz und der Verlust lassen sich eben nie wieder beheben oder aus dem Leben entfernen. Das wird bei mir bleiben bis ich eines Tages selbst gehe.

Bei meinem Vater war es auch so, dass er durch sehr unglückliche, absolut vermeidbare Umstände ums Leben kam... es hätte nicht passieren müssen und leider ist das mehr als kaltschnäuzig-egomanische Verhalten einer bestimmten Person schuld an seinem Tod. Ich würde etwas wie das letztere niemals impulsiv einfach so sagen, wenn es nicht leider Umstände und Fakten gäbe anhand derer es sich kein bisschen leugnen ließe was meinen Vater konkret das Leben gekostet hat. Ich glaube schon, dass man mit einem so "unnötigen" Tod eines geliebten Menschen tatsächlich schwerer fertig wird und das damit abfinden schwerer fällt und viel, viel länger dauert.

Manche Mneschen wollten mir z.B. erzählen es sei doch immer gleich schlimm für jeden der irgendwann mal ein Elternteil verliert. Ein Mensch selbst mitte 60, der schon eigene Kinder/Enkel hat, soll sich also genauso schlimm fühlen wenn sein über 80 Jahre alter Elternteil nach langer schwerer Pflegebedürftigkeit/Qualen/Krankheiten, aber einem erfüllten, vollendeten Leben stirbt? Genauso wie ich? Als ein junger Mensch, ohne eigene Familie, ohne Halt? Meine späteren Kinder werden nie ihren Großvater kennenlernen dürfen, wenn ich mal heirate, werde ich KEIN Elternteil von mir dabei haben können... ich konnte mich nicht vorab an den Gedanken an einen kommenden Verlust meines Vaters gewöhnen, mich nicht verabschieden, ihm nicht sagen, was ich ihm unbedingt noch hätte sagen wollen und müssen, ihn nicht fragen was ich nun nie mehr von ihm erfahren werde... Er wird nie ein Enkelkind haben, nie seinen verdienten Ruhestand genießen können! Mein Elternhaus musste ich verkaufen, nur weil ich noch zu jung und damit finanziell nicht weit genug im Leben angekommen bin um ews selbst halten zu können. All das sind doch sehr, sehr unterschiedliche Grund-Umstände im Vergleich zum Tod eines wirklich alten Menschen... der auch weh tut, das ist klar! Aber Trauer ist dennoch nicht gleich Trauer, es gibt sehr unterschiedlich harte Schicksale und Schmerzensgrade... Daher denke ich Außenstehende die selbst diese schlimme Erfahrung noch nicht machen mussten, sollten sich mit ihren Urteilen und Mutmaßungen besser stark zurückhalten. Hört man jene nämlich als Trauernder von ihnen, stechen sie teils wirklich wie ein Messer ins Herz und man fühlt sich in seiner Trauer kein bisschen ernst genommen oder akzeptiert.

Und die Außenstehenden wollen oftmals auch gar nicht sehen was noch alles mit dem Tod eines geliebten Menschen in Zusammenhang stehen kann... Ich habe bis gestern das Haus meines Vaters räumen müssen, nachdem ich es zunächst mühevoll verkaufen musste... Das war so viel harte Arbeit, Stress, Angst... Und davor monatelanges Überlegen was mit welchen Erinnerungsstücken gemacht werden soll, Mühen das Haus zu pflegen, Sorgen, finanzielle Not, Grabstein aussuchen, Grab gestalten und wieder neu gestalten wenn eine neue Jahreszeit anbricht... all das ist so viel schmerzhafte Arbeit die einem den Tod des geliebten Menschen und den riesigen Verlust auch immer wieder unweigerlich in Erinnerung ruft, fordert und überfordert. Und mit all dem musste ich völlig allein fertig werden. Denn die liebe Außenwelt will ja nicht sehen, dass nach der Trauerfeier noch LANGE nicht alles beendet ist. Sie reagieren desinteressiert bis gar genervt, dass sich "das alles so lange hinzieht".

An dieser Stelle möchte ich zum ersten Mal in meinem Leben ernsthaft an Karma glauben: Denn damit werden eben jene "schlauen" Ignoranten, die einen jetzt Trauernden so sehr verurteilen oder zumindest allein in all dem lassen, vielleicht eines Tages an der eigenen Seele ebenso erfahren müssen, dass sich Trauer nicht einfach so schnell wegwischen lässt und viel länger dauert als sie selbst es umgekehrt den ehemals Trauernden zugestehen wollten...
 

Mondgesicht

Mitglied
ich habe am 20.10.2011 plötzlich mein geliebten opa verloren... ich schaffe es nicht den tod von ihm zu verarbeiten.. da ich auch noch andere probleme habe .. er fehlt mir so... heute hat meine mutti angerufen das meine oma einen nervenzusammenbruch hatte .. sie verkraftet den tod von ihm nicht.. sie waren fast 55jahre verheiratet... jetzt will meine oma nochmal umziehen ... in eine andere stadt habe angst das sie es nicht verkraftet.. wie schaffe ich es den tod von meinen opa zu verarbeiten aber auch gleichzeitig für meine oma da zu sein.. am 19.05 ist der geburtstag von mein opa er wäre dann 76 jahre alt geworden...
 

AndreasBasil

Mitglied
Ich glaube schon, dass man mit einem so "unnötigen" Tod eines geliebten Menschen tatsächlich schwerer fertig wird und das damit abfinden schwerer fällt und viel, viel länger dauert.

Dieser Satz enthält sehr viele Wahrheit

Andreas
 

AndreasBasil

Mitglied
Liebe Kannja

Dein Satz
Ich glaube schon, dass man mit einem so "unnötigen" Tod eines geliebten Menschen tatsächlich schwerer fertig wird und das damit abfinden schwerer fällt und viel, viel länger dauert.

Als Selbstbetroffener weiss ich, dass dieser Satz viel Wahrheit enthält-

Andreas
 

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