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Werde ich später einmal ohne meine Mutter leben können?

Alte Jungfer

Mitglied
Ich habe eine Mutter, die sowohl sehr fürsorglich als auch sehr grenzüberschreitend sein kann. Sie hat mich (61 Jahre) extrem unselbständig erzogen und hat generell die Tendenz, Menschen von sich abhängig zu machen. Nun geht sie auf die 90 zu und ist nicht mehr ganz gesund. Meine Mutter hält die Familie zusammen und auch, wenn ich weiß, dass sie mir sehr geschadet und meine Entwicklung massiv boykottiert hat - ich unterstelle ihr keine Absicht - kann ich mir nicht vorstellen, dass ich mal ohne sie leben muss. Eine eigene Familie habe ich im Gegensatz zu meiner Schwester nicht.

Im Moment geht es ihr nicht gut. Sie ist sehr geschwächt und ich frage mich, wie lange meine Eltern, insbesondere meine Mutter, noch leben.

Hat von Euch noch jemand ein sehr ambivalentes Verhältnis zur alten Mutter? Wie geht Ihr damit um? Wie ist für Euch der Gedanke an ihren Tod? Und falls Eure Mutter nicht mehr lebt, wie kommt Ihr damit klar?
 

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bird on the wire

Aktives Mitglied
Mich berührt das sehr, was Du schreibst.

61 Jahre ist noch nicht zu spät für einen Abnabelungsprozeß.

Ich habe es auch erst spät geschafft. Nach der Scheidung meiner Eltern habe ich mich lange für meine Mutter, die außer zu mir kaum Sozialkontakte hat, verantwortlich gefühlt.

Ich habe auch keinen Partner gefunden und keine Familie gegründet. Aber ich habe mein alleinstehendes Leben angenommen. Und ich führe heute ein weitgehend zufriedenes, abwechslungsreiches, freies Leben mit vielen Freunden und Beschäftigungen.

Mir haben verschiedene Wege geholfen:
- Kreativität, mich selbst auszudrücken, auch meinem Inneren auf die Spur zu kommen durch Theater, Malen, Schreiben
- 5 Jahre Psychotherapie
- Familienstellen und schamanische Heilerausbildung
- Zuneigung und Verantwortung für meine Tiere
- ein Sabatjahr mit monatelangen Reisen und vielen stärkenden Erlebnissen und Begegnungen
- viele Fortbildungen, immer wieder mich trauen und mal was wagen. Ab November mache ich z.B. eine Fortbildung in Wildnispädagogik und Leben in der Natur. Das wird mich bestimmt an meine Grenzen bringen, ich bin nicht so tüchtig und praktisch veranlagt und bin auch oft unsicher, aber es wird mir bestimmt auch wieder neue Eindrücke und Fertigkeiten bringen. Das kann man nämlich auch als Erwachsene noch nachholen, wenn man nicht zur Selbständigkeit erzogen wurde.

Laß Dich nicht entmutigen. Freu Dich auf die vor Dir liegenden Jahre. Und die Freiheit. Es ist noch nicht vorbei und nicht zu spät. Es lohnt sich.

Schau, was Dir helfen kann, Deinen Blick zu weiten und den Blick und die Abhängigkeit von Deiner Mutter zu lösen. Es ist nicht die Aufgabe des Kindes, die Mutter zu retten, egal wie alt das Kind ist. Auch wenn viele Kinder aus tiefer Liebe und Hingabe, dies annehmen.

Das heißt nicht, daß Du nicht auch in liebevoller Verbindung bleiben kannst. Aber eben aus einer eigenen Erwachsenen Position heraus und nicht in Angst und Abhängigkeit. Und natürlich kannst Du Dich auch weiter um Deine Mutter bzw. Deine Eltern sorgen, das mache ich auch. Aber mit gesunder Distanz.

Du spürst ja gerade ganz genau, daß Du einen eigenen Lebensmittelpunkt brauchst. Denn die Wahrscheinlichkeit, daß Du noch einige Jahrzehnte länger lebst als Deine Mutter ist groß. Und wenn Du das jetzt so klar spürst, daß es gut wäre, für Dich zu sorgen und Dich in den Mittelpunkt Deines Lebens zu stellen, dann ist das jetzt ein guter Zeitpunkt, um alle Sinne offen zu halten und Dich an die Umsetzung zu wagen, wenn Dir in nächster Zeit etwas einfällt oder ein Angebot auffällt, von dem Du glaubst, daß es ein guter Schritt für Dich wäre. 61 ist noch kein Alter. Da kann man noch viel neues, erleben und erlernen. Ich kenne einige Frauen, die sich mit Ende 50/Anfang 60 auf den Weg machen.
 
Zuletzt bearbeitet:
G

GrayBear

Gast
Mit 61 Jahren hattest Du viel Zeit, all die Gründe und Ursachen zu studieren und für Dich heraus zu finden, warum wer was getan oder auch nicht getan hat. Deine Mutter mag so manchen schiefen "Grundstein" gelegt haben, aber nach so langer Zeit sind sie zu Deiner Verantwortung geworden. Wenn Du diese Verantwortung noch immer ablehnst, anstatt damit zu arbeiten und andere Wege, nämlich DEINE Wege daraus zu machen, dann solltest Du Dich fragen, was Dich dazu bewegt hat. Immer wieder stellt sich eine scheinbar unüberwindliche Mauer auch als nicht unwillkommener Schutz heraus, sich dahinter verstecken zu können. Das soll keine Kritik an Dir sein, es ist nur eine Frage, warum Du noch immer im Schatten Deiner Mutter stehst, obwohl Du das nicht mehr müsstest.
 

Violetta Valerie

Moderator
Teammitglied
ich denke, viele Menschen- vielleicht auch deine Mutter- verwechseln Liebe mit Abhängigkeit, bzw abhängig machen.
Man muss einen Menschen nicht fesseln um ihn zu lieben oder sich seiner Liebe zu versichern.
genauso bedeutet es auch nicht, dass man einen Menschen nicht liebt, nur weil man sich aus diesen Fesseln löst und sein eigenes Ding durchzieht.
Für Dich ist es lange Zeit, dich aus diesen Fesseln zu lösen: Vielleicht gelingt es Dir leichter, wenn Du Dir klar machst, dass das nichts über das "Band" zwischen Dir und Deiner Mutter aussagt. Man kann einen Menschen lieben und viel Zeit mit ihm verbrringen, ohne von ihm abhängig zu sein.
ich denke, für Dich wäre es gut, Dich jetzt solange sie noch lebt zu lösen.
Wie sieht das denn im Alltag aus? Wo sprüst Du die Abhängigkeit? Wo kannst Du konkret anfangen, Dir Dein neues eigenes Leben aufzubauen? Da gibt es bestimmt konkrete Einzelsituationen, die Dir dazu einfallen. ZB das Thema Partnerschaft: Du bist erst 61: Warum suchst Du Dir keine Partnerschaft? In Zeiten von Internet ist es ja einfacher denn je, mit Leuten in Kontakt zu kommen.

Weißt Du, ich verstehe Dich schon: Ich kann mir auch nicht vorstellen, jemals ohne meine Mutter zu leben: Daran mag ich nicht mal denken. ABer nicht, weil ich von ihr abhängig bin, sondern weil ich sie so sehr liebe.
 

Alte Jungfer

Mitglied
Danke für Eure Antworten! Was die Abnabelung von meiner Mutter so schwierig macht, ist meine soziale Situation. Ich hatte schon als Kind massive Kontaktprobleme, wurde sehr viel gemobbt und habe viel Ablehnung erfahren. In Gruppen war ich oft Außenseiterin. Ich bin nicht schüchtern und ging viel auf Menschen zu, was mir aber viel Ablehnung einbrachte. Auch die sogenannte professionelle Hilfe führte nicht weiter. Ich wohnte früher weit weg von meinem Geburtsort. Dort ging es mir besser. Es tat mir gut, von den Eltern 500 km weit entfernt zu wohnen. Da ich jedoch Kontaktprobleme hatte und habe und eine Partnerschaft nicht möglich ist, kam ich auf die irrwitzige Idee, wieder in die Nähe der Eltern zu ziehen. Hier habe ich gemerkt, dass es nicht möglich ist, als Erwachsene wieder Kind zu sein. Eine Zeitlang habe ich versucht, wieder wegzuziehen, aber auf beruflichen Gründen war das nicht möglich. Jetzt ziehe ich die 4 1/2 Jahre bis zur Rente auf jeden Fall noch durch und kümmere mich, so gut es geht, um meine Eltern. Letztlich habe ich den Platz in Leben nie gefunden, das macht es schwer für mich.
 

Maya111

Aktives Mitglied
Liebe TE,

es tut mir im Herzen weh, dass du einen unschönen Nicknamen gewählt hast. Ich sehe dich nicht als alte Jungfer.

Dass die Abnabelung schwer ist, kann ich gut verstehen, würde es aber auch befürworten, wie hier bereits geschrieben, dass du das tust, solange deine Mutter noch lebt.

Die Abnabelung muss man fühlen. Dies bedeutet nicht, dass man den Verlust seiner Eltern/Mutter nicht betrauert und sie unendlich vermisst, sondern, dass man auch ohne sie Leben kann, bzw. Überleben kann.
 

tonytomate

Aktives Mitglied
Egal was passiert, du musst dir sagen, ich kann, ich will, ich muss. Der Tod ist endgültig und kommt für alle, auch für dich. Daher, mach das beste draus und bereite Dir und Deiner Mutter einen schönen Alltag. Kaffee Kuchen, Spaziergang, Verwandte besuchen usw.
 

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