A
Ascielle
Gast
Dies ist mein erster Beitrag. Diesen Text habe ich bereits in einem anderen Hilfeforum gepostet, welches leider recht inaktiv ist, sodass ich es nun hier versuche.
Ich weiß garnicht, wo ich anfangen soll... Es wird übrigens lang, obwohl ich mich so kurz wie möglich zu fassen versuche.
Zunächst einmal, ich bin 26 und lebe seit nun rund 7 Monaten in Frankreich. Bin zu meinem französischen Freund gezogen, den ich 2013 im Internet kennengelernt hab. Die Beziehung mit ihm ist so ziemlich der einzige Halt, den ich noch habe. Alle anderen Haltestützen sind entweder gebrochen oder waren nie vorhanden.
Ich hatte nie guten Kontakt zu meiner Familie und seit dem Umzug hat sich der engste Teil der Verwandtschaft komplett gegen mich gestellt. Hätten sie sich einfach abgewandt, wäre das gefühlsmäßig etwas anderes. Aber nein, der letzte Kontakt im August '14 eskalierte völlig und ich wurde aufs Übelste runtergemacht, ich sei ein asozialer Sozialparasit und es sei nur eine Frage der Zeit, bis ich auch in Frankreich auf die Schnauze falle und bettelnd nach Deutschland zurückkrieche, um dort weiter fleißig Hartz4 zu beziehen - was anderes könne ich ja nicht und strebe ich ja auch nicht an, denn mir gefiele ja ein Leben, in dem andere für mich arbeiten gehen, damit ich faul zuhause rumsitzen kann.
Fakt ist, ich habe tatsächlich im ganzen Leben noch nie richtig gearbeitet. Ein paar Jobmaßnahmen, aber zwischendurch auch ständig Psychotherapie, weil ich in unregelmäßigen Abständen, aber mindestens alle 1,5 Jahre ziemlich intensive depressive Episoden habe, die bis hin zu Suizidgedanken reichen. Das geht schon so, seit ich denken kann. Meine erste Therapie fand statt, als ich gerade mal 6 Jahre alt war. Ich denke mittlerweile, dass die meisten Psychologen (und Ärzte) enorm unfähige und gehaltsorientierte Unmenschen sind, die sich eigentlich NULL für den Patienten interessieren und wirklich mal nachdenken, anstatt am Ende des stationären Aufenthalts aufgrund Ratlosigkeit bezüglich meiner Diagnose einfach das Buch aufzuschlagen und eine erfundene Diagnose auszuwürfeln. Denn ich vermute sehr stark, dass ich das Asperger-Syndrom habe. Und auch andere Menschen, denen ich mich anvertraue, sprechen mich oft darauf an. Nur die, die mir eigentlich am nächsten stehen sollten - meine Verwandten - sehen in mir das faule, unnütze Schwein. Ich bin überzeugt, dass sie mit Asperger nichts anfangen könnten. Weder würden sie sich darüber informieren, noch würden sie mir glauben. Ich bekäme Dinge wie "Ach, also hat deine Ausrede für Faulheit endlich einen Namen?" zu hören. Zugegeben, ich bin nicht wirklich aktiv auf der Suche nach Arbeit, aber eher, weil mir dazu irgendetwas fehlt. Neben Kraft wahrscheinlich am meisten die Fähigkeit. Ich bin alles andere als selbständig und das sicher nicht freiwillig. Meine Selbständigkeit ist auf dem Niveau einer 12-Jährigen. Trotz zigtausend Therapien, verschiedenen Psychologen, teilweise auch Medikamenten, bin ich absolut unfähig, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ich brauche ständig jemanden, der mich bei allem begleitet und für mich da ist. Ich habe fast 5 Jahre lang im Betreuten Wohnen gelebt, diese Zeit hat gerade eben so gereicht, um mein bis dahin völlig entgleistes Leben einigermaßen in Ordnung zu bringen. Aber auch während dieser Zeit war ich ständig depressiv und Jobmaßnahmen wurden aufgrund meiner Labilität abgebrochen. Es war mir nicht mehr möglich, mich zur Arbeit zu schleppen, obwohl ich an der Arbeit sehr viel Spaß hatte.
Es ist die Ausweglosigkeit, die mich immer wieder runterzieht. Und es wird immer schlimmer. Oft denke ich mittlerweile, ich hätte mein Leben schon beenden sollen, als mir zum ersten Mal bewusst wurde, dass ich mit meiner Nicht-Existenz jedem einen großen Gefallen tun würde. Ich habe so viele Mühen, Energien und Ressourcen anderer Menschen verbraucht und am Ende werde ich garnicht so lange leben, um meine Schuld je ausreichend zu begleichen. Ich nehme sehr viel, nicht weil ich will, sondern weil mir keine andere Wahl bleibt - und ich habe nichts, das ich geben kann. Mein Freund sagt zwar, dass ich ihm Liebe gebe und sogar ein Kind (ich bin schwanger, leider), aber in welchem Verhältnis steht das zu dem, was er für mich opfert? Er hat im Juni '14 rund 40.000€ geerbt, wovon wir seitdem leben, da er studiert und ich arbeitsunfähig bin. Dieses Geld neigt sich dem Ende zu. Zuletzt hatten wir noch knapp 9000€, unsere Ausgaben liegen monatlich bei rund 2000€. Davon ist natürlich ein Teil Spritgeld, und Lebensmittel sind in Frankreich teurer als in Deutschland, aber der eigentliche Grund für unsere Geldknappheit ist, dass er Geld sinnlos ausgibt für Dinge, die durchaus warten können, bis wir ein Einkommen haben. Er weiß das auch, kann sich aber nicht zurückhalten. Er ist sehr auf gesunde, natürliche Ernährung bedacht und daher muss alles vom Besten sein. Wir haben mittlerweile so viel "Schrott" gekauft, dass wir die Hälfte davon eh zurücklassen müssen, wenn wir diesen September wieder zurück in unseren eigentlichen Wohnort fahren. Bis dahin wird auch unser Kind da sein, auch dafür reichen weder Platz noch Geld. Und es wird nicht besser.
Ich habe eine totale Sprachblockade. Dass ich durchaus Französisch kann, zeige ich häufig, indem ich selbst kompliziertere Sätze verstehe und mein Hörverständnis sich täglich bessert. Aber sprechen und schreiben? Da tut sich absolut garnichts, und ich kann beim besten Willen selbst nicht verstehen, warum das so ist. Selbige Blockade hatte ich viele Jahre lang mit Englisch, mittlerweile spreche ich fließend Englisch (nur so können mein Freund und ich überhaupt miteinander reden). So viel Zeit habe ich diesmal nicht mit Französisch, wobei ich aber schon denke, dass das noch kommt - ich brauche allerdings mehr Zeit, 7 Monate reichen dazu nicht. Es ist die Blockade, die es zu überwinden gilt, weniger die Sprache an sich. Mein Freund ist sehr ungeduldig und verständnislos gegenüber meiner Angst und mittlerweile nicht mehr gewillt, mir zu helfen - er weiß sowieso nicht, wie. Und ich auch nicht. Ich weiß nur, dass ich aufgrund dieser Sache 100% auf ihn angewiesen bin, ich kann nicht mal allein einkaufen gehen - geschweige denn arbeiten. Das ist sehr frustrierend, weil ich weiß, dass ICH der Grund bin, dass es für uns BEIDE nur noch bergab geht. Mein Problem dehnt sich auf sein Leben aus.
Wenn es allein nach mir ginge, würde ich wahrscheinlich zurück nach Deutschland ziehen, mein Kind zur Adoption freigeben und den Rest meines Lebens abgeschottet von den meisten Menschen in einem Wohnheim oder einer betreuten Einzelwohnung verbringen. Irgendwo, wo ich so wenigen Menschen wie möglich zur Last falle, und wenn ich dran kaputt gehe, habe ich es nicht anders verdient. Meine Familie würde mir da zustimmen. Die haben sowieso komplett die Augen verdreht, als sie von meiner Schwangerschaft erfahren haben. Ich frage mich, wieso ich es ihnen überhaupt erzählt habe. Ein positives Wort von denen habe ich im ganzen Leben noch nie gehört. Meine Schwester meinte vor ein paar Monaten sogar, das einzig Positive, das ich erreicht habe ist, dass ich überhaupt lebe. Ich habe den Kontakt zu ihr und meinem Bruder abgebrochen, was aber nicht verhindert, dass mich ihre Worte sogar im Traum verfolgen. Ständig sehe ich meinen Bruder vor mir, wie er sagt "Du arbeitsloses, unfähiges Stück S**** hast kein Recht darauf, auf Kosten hart arbeitender Menschen Strom, Wasser und gar Luft zu verbrauchen" und wenn es mir sehr schlecht geht, höre ich meine Schwester gedanklich sagen "Du hast es so gewollt und nicht anders verdient". Das geht so weit, dass ich das mittlerweile selbst glaube.
Mir fehlt sehr der Austausch mit anderen Leuten. Außer meinem Freund habe ich niemanden mehr. In Essen hatte ich auch schon wenig Freunde, und der Kontakt zu ihnen ist im Lauf der Zeit verloren gegangen oder war nie fest genug, als dass sie jetzt noch Interesse an mir hätten, wo ich doch so weit weg bin. Ich komme offenbar nur mit Menschen zurecht, die selbst psychische Probleme haben, weil sie ruhiger und verständnisvoller sind als andere. Mit Gleichaltrigen habe ich seit der Kindheit ein großes Problem, am besten verstehe ich mich mit Kindern und Leuten, die 35 und älter sind. Wenn ich mich unter Menschen geselle, bin ich trotzdem immer der Außenseiter, egal wie sehr ich mich bemühe, ein normales Gespräch aufzubauen. Viele sind vielleicht irritiert, da ich Smalltalk akribisch vermeide. Dagegen bin ich allergisch. Mir kann man schon nach fünf Minuten intimste Details anvertrauen, kein Problem für mich, aber mit Smalltalk ist man bei mir an der falschen Adresse. Man sagte mir oft auf Partys (Geburtstage etc.), dass ich desinteressiert und abwesend wirke, dabei ist es mir einfach oft zu viel, wenn zu viele Leute in einem kleinen Raum sitzen und alle durcheinander reden und schlimmstenfalls alles vernebelt ist durch Zigarettenrauch. Im Einzelgespräch finden mich die meisten sehr nett und offen. Sozialphobisch bin ich nicht, aber einfach überfordert, wenn zu viele Töpfe gleichzeitig kochen. Das ist mit einer der Hauptgründe, weshalb ich mittlerweile garnicht mehr ausgehe. Der andere Hauptgrund ist natürlich die Sprachblockade. Und daran ist momentan nichts zu ändern. In meiner Gegend gibt es keine weiteren Deutschen, und auch Englisch wird hier beäugt, als hören sie die Sprache zum ersten Mal. Schön wäre es, wenn mein Freund Kontakte hätte, aber er ist ein bevorzugter Einzelgänger und antisozial, braucht also keine Freunde. Er hat ja seine Familie - seine Verwandtschaft, mich, und bald auch sein Kind. Ich könnte ihn wohl mal überreden, mit mir gemeinsam an einen öffentlichen Ort auszugehen um Leute kennenzulernen, aber am Ende werde ich ja doch nicht mit ihnen reden können und mich dadurch noch ausgegrenzter fühlen. Enttäuschung ist quasi vorprogrammiert.
Ich weiß nicht, wie ich auch nur eines der genannten Probleme ändern kann. Zurzeit fehlt mir dazu sowieso die Kraft. Ich schlafe sehr viel, bis zu 15 Stunden am Tag. Ich esse wenig, habe kaum Appetit und aufgrund der Schwangerschaft ist mir auch häufig übel, vor allem während dem essen. Ich kann zurzeit nicht zum Arzt, weil wir uns derzeit noch mit der Krankenversicherung herumschlagen. Aber in ein paar Tagen wird das hoffentlich endlich vom Tisch sein. Ich denke, was mir am meisten Kraft raubt, sind meine negativen Emotionen in letzter Zeit. Gerade im Winter neige ich ohnehin schon zu Depressionen, die Schwangerschaft kann es begünstigt haben, aber ohne den Krisenherd könnten beide Faktoren mir wohl nichts anhaben. Schade, dass mein Freund nicht verstehen kann, was in mir vorgeht, obwohl ich ihm nichts vorenthalte, auch meine düstersten Gedankengänge, um es ihm begreiflicher zu machen. Jetzt wo er neulich sogar sagte, ich solle endlich aufhören mich zu beschweren, will ich am liebsten garnicht mehr mit ihm reden. Nicht weil ich sauer auf ihn bin, sondern weil er Recht hat. Aber im Moment fehlt mir die Kraft und der Mut, und sicherlich noch viele andere Faktoren, um mein Leben auf die Reihe zu kriegen. Ich weiß, dass ich mich zeitweise sehr selbstmitleidig anhöre, dies beabsichtige ich natürlich nicht und hasse es selbst an mir, aber momentan kann ich meine Gefühle nicht treffender auf den Punkt bringen, also vergebt mir bitte.
Ich weiß garnicht, wo ich anfangen soll... Es wird übrigens lang, obwohl ich mich so kurz wie möglich zu fassen versuche.
Zunächst einmal, ich bin 26 und lebe seit nun rund 7 Monaten in Frankreich. Bin zu meinem französischen Freund gezogen, den ich 2013 im Internet kennengelernt hab. Die Beziehung mit ihm ist so ziemlich der einzige Halt, den ich noch habe. Alle anderen Haltestützen sind entweder gebrochen oder waren nie vorhanden.
Ich hatte nie guten Kontakt zu meiner Familie und seit dem Umzug hat sich der engste Teil der Verwandtschaft komplett gegen mich gestellt. Hätten sie sich einfach abgewandt, wäre das gefühlsmäßig etwas anderes. Aber nein, der letzte Kontakt im August '14 eskalierte völlig und ich wurde aufs Übelste runtergemacht, ich sei ein asozialer Sozialparasit und es sei nur eine Frage der Zeit, bis ich auch in Frankreich auf die Schnauze falle und bettelnd nach Deutschland zurückkrieche, um dort weiter fleißig Hartz4 zu beziehen - was anderes könne ich ja nicht und strebe ich ja auch nicht an, denn mir gefiele ja ein Leben, in dem andere für mich arbeiten gehen, damit ich faul zuhause rumsitzen kann.
Fakt ist, ich habe tatsächlich im ganzen Leben noch nie richtig gearbeitet. Ein paar Jobmaßnahmen, aber zwischendurch auch ständig Psychotherapie, weil ich in unregelmäßigen Abständen, aber mindestens alle 1,5 Jahre ziemlich intensive depressive Episoden habe, die bis hin zu Suizidgedanken reichen. Das geht schon so, seit ich denken kann. Meine erste Therapie fand statt, als ich gerade mal 6 Jahre alt war. Ich denke mittlerweile, dass die meisten Psychologen (und Ärzte) enorm unfähige und gehaltsorientierte Unmenschen sind, die sich eigentlich NULL für den Patienten interessieren und wirklich mal nachdenken, anstatt am Ende des stationären Aufenthalts aufgrund Ratlosigkeit bezüglich meiner Diagnose einfach das Buch aufzuschlagen und eine erfundene Diagnose auszuwürfeln. Denn ich vermute sehr stark, dass ich das Asperger-Syndrom habe. Und auch andere Menschen, denen ich mich anvertraue, sprechen mich oft darauf an. Nur die, die mir eigentlich am nächsten stehen sollten - meine Verwandten - sehen in mir das faule, unnütze Schwein. Ich bin überzeugt, dass sie mit Asperger nichts anfangen könnten. Weder würden sie sich darüber informieren, noch würden sie mir glauben. Ich bekäme Dinge wie "Ach, also hat deine Ausrede für Faulheit endlich einen Namen?" zu hören. Zugegeben, ich bin nicht wirklich aktiv auf der Suche nach Arbeit, aber eher, weil mir dazu irgendetwas fehlt. Neben Kraft wahrscheinlich am meisten die Fähigkeit. Ich bin alles andere als selbständig und das sicher nicht freiwillig. Meine Selbständigkeit ist auf dem Niveau einer 12-Jährigen. Trotz zigtausend Therapien, verschiedenen Psychologen, teilweise auch Medikamenten, bin ich absolut unfähig, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ich brauche ständig jemanden, der mich bei allem begleitet und für mich da ist. Ich habe fast 5 Jahre lang im Betreuten Wohnen gelebt, diese Zeit hat gerade eben so gereicht, um mein bis dahin völlig entgleistes Leben einigermaßen in Ordnung zu bringen. Aber auch während dieser Zeit war ich ständig depressiv und Jobmaßnahmen wurden aufgrund meiner Labilität abgebrochen. Es war mir nicht mehr möglich, mich zur Arbeit zu schleppen, obwohl ich an der Arbeit sehr viel Spaß hatte.
Es ist die Ausweglosigkeit, die mich immer wieder runterzieht. Und es wird immer schlimmer. Oft denke ich mittlerweile, ich hätte mein Leben schon beenden sollen, als mir zum ersten Mal bewusst wurde, dass ich mit meiner Nicht-Existenz jedem einen großen Gefallen tun würde. Ich habe so viele Mühen, Energien und Ressourcen anderer Menschen verbraucht und am Ende werde ich garnicht so lange leben, um meine Schuld je ausreichend zu begleichen. Ich nehme sehr viel, nicht weil ich will, sondern weil mir keine andere Wahl bleibt - und ich habe nichts, das ich geben kann. Mein Freund sagt zwar, dass ich ihm Liebe gebe und sogar ein Kind (ich bin schwanger, leider), aber in welchem Verhältnis steht das zu dem, was er für mich opfert? Er hat im Juni '14 rund 40.000€ geerbt, wovon wir seitdem leben, da er studiert und ich arbeitsunfähig bin. Dieses Geld neigt sich dem Ende zu. Zuletzt hatten wir noch knapp 9000€, unsere Ausgaben liegen monatlich bei rund 2000€. Davon ist natürlich ein Teil Spritgeld, und Lebensmittel sind in Frankreich teurer als in Deutschland, aber der eigentliche Grund für unsere Geldknappheit ist, dass er Geld sinnlos ausgibt für Dinge, die durchaus warten können, bis wir ein Einkommen haben. Er weiß das auch, kann sich aber nicht zurückhalten. Er ist sehr auf gesunde, natürliche Ernährung bedacht und daher muss alles vom Besten sein. Wir haben mittlerweile so viel "Schrott" gekauft, dass wir die Hälfte davon eh zurücklassen müssen, wenn wir diesen September wieder zurück in unseren eigentlichen Wohnort fahren. Bis dahin wird auch unser Kind da sein, auch dafür reichen weder Platz noch Geld. Und es wird nicht besser.
Ich habe eine totale Sprachblockade. Dass ich durchaus Französisch kann, zeige ich häufig, indem ich selbst kompliziertere Sätze verstehe und mein Hörverständnis sich täglich bessert. Aber sprechen und schreiben? Da tut sich absolut garnichts, und ich kann beim besten Willen selbst nicht verstehen, warum das so ist. Selbige Blockade hatte ich viele Jahre lang mit Englisch, mittlerweile spreche ich fließend Englisch (nur so können mein Freund und ich überhaupt miteinander reden). So viel Zeit habe ich diesmal nicht mit Französisch, wobei ich aber schon denke, dass das noch kommt - ich brauche allerdings mehr Zeit, 7 Monate reichen dazu nicht. Es ist die Blockade, die es zu überwinden gilt, weniger die Sprache an sich. Mein Freund ist sehr ungeduldig und verständnislos gegenüber meiner Angst und mittlerweile nicht mehr gewillt, mir zu helfen - er weiß sowieso nicht, wie. Und ich auch nicht. Ich weiß nur, dass ich aufgrund dieser Sache 100% auf ihn angewiesen bin, ich kann nicht mal allein einkaufen gehen - geschweige denn arbeiten. Das ist sehr frustrierend, weil ich weiß, dass ICH der Grund bin, dass es für uns BEIDE nur noch bergab geht. Mein Problem dehnt sich auf sein Leben aus.
Wenn es allein nach mir ginge, würde ich wahrscheinlich zurück nach Deutschland ziehen, mein Kind zur Adoption freigeben und den Rest meines Lebens abgeschottet von den meisten Menschen in einem Wohnheim oder einer betreuten Einzelwohnung verbringen. Irgendwo, wo ich so wenigen Menschen wie möglich zur Last falle, und wenn ich dran kaputt gehe, habe ich es nicht anders verdient. Meine Familie würde mir da zustimmen. Die haben sowieso komplett die Augen verdreht, als sie von meiner Schwangerschaft erfahren haben. Ich frage mich, wieso ich es ihnen überhaupt erzählt habe. Ein positives Wort von denen habe ich im ganzen Leben noch nie gehört. Meine Schwester meinte vor ein paar Monaten sogar, das einzig Positive, das ich erreicht habe ist, dass ich überhaupt lebe. Ich habe den Kontakt zu ihr und meinem Bruder abgebrochen, was aber nicht verhindert, dass mich ihre Worte sogar im Traum verfolgen. Ständig sehe ich meinen Bruder vor mir, wie er sagt "Du arbeitsloses, unfähiges Stück S**** hast kein Recht darauf, auf Kosten hart arbeitender Menschen Strom, Wasser und gar Luft zu verbrauchen" und wenn es mir sehr schlecht geht, höre ich meine Schwester gedanklich sagen "Du hast es so gewollt und nicht anders verdient". Das geht so weit, dass ich das mittlerweile selbst glaube.
Mir fehlt sehr der Austausch mit anderen Leuten. Außer meinem Freund habe ich niemanden mehr. In Essen hatte ich auch schon wenig Freunde, und der Kontakt zu ihnen ist im Lauf der Zeit verloren gegangen oder war nie fest genug, als dass sie jetzt noch Interesse an mir hätten, wo ich doch so weit weg bin. Ich komme offenbar nur mit Menschen zurecht, die selbst psychische Probleme haben, weil sie ruhiger und verständnisvoller sind als andere. Mit Gleichaltrigen habe ich seit der Kindheit ein großes Problem, am besten verstehe ich mich mit Kindern und Leuten, die 35 und älter sind. Wenn ich mich unter Menschen geselle, bin ich trotzdem immer der Außenseiter, egal wie sehr ich mich bemühe, ein normales Gespräch aufzubauen. Viele sind vielleicht irritiert, da ich Smalltalk akribisch vermeide. Dagegen bin ich allergisch. Mir kann man schon nach fünf Minuten intimste Details anvertrauen, kein Problem für mich, aber mit Smalltalk ist man bei mir an der falschen Adresse. Man sagte mir oft auf Partys (Geburtstage etc.), dass ich desinteressiert und abwesend wirke, dabei ist es mir einfach oft zu viel, wenn zu viele Leute in einem kleinen Raum sitzen und alle durcheinander reden und schlimmstenfalls alles vernebelt ist durch Zigarettenrauch. Im Einzelgespräch finden mich die meisten sehr nett und offen. Sozialphobisch bin ich nicht, aber einfach überfordert, wenn zu viele Töpfe gleichzeitig kochen. Das ist mit einer der Hauptgründe, weshalb ich mittlerweile garnicht mehr ausgehe. Der andere Hauptgrund ist natürlich die Sprachblockade. Und daran ist momentan nichts zu ändern. In meiner Gegend gibt es keine weiteren Deutschen, und auch Englisch wird hier beäugt, als hören sie die Sprache zum ersten Mal. Schön wäre es, wenn mein Freund Kontakte hätte, aber er ist ein bevorzugter Einzelgänger und antisozial, braucht also keine Freunde. Er hat ja seine Familie - seine Verwandtschaft, mich, und bald auch sein Kind. Ich könnte ihn wohl mal überreden, mit mir gemeinsam an einen öffentlichen Ort auszugehen um Leute kennenzulernen, aber am Ende werde ich ja doch nicht mit ihnen reden können und mich dadurch noch ausgegrenzter fühlen. Enttäuschung ist quasi vorprogrammiert.
Ich weiß nicht, wie ich auch nur eines der genannten Probleme ändern kann. Zurzeit fehlt mir dazu sowieso die Kraft. Ich schlafe sehr viel, bis zu 15 Stunden am Tag. Ich esse wenig, habe kaum Appetit und aufgrund der Schwangerschaft ist mir auch häufig übel, vor allem während dem essen. Ich kann zurzeit nicht zum Arzt, weil wir uns derzeit noch mit der Krankenversicherung herumschlagen. Aber in ein paar Tagen wird das hoffentlich endlich vom Tisch sein. Ich denke, was mir am meisten Kraft raubt, sind meine negativen Emotionen in letzter Zeit. Gerade im Winter neige ich ohnehin schon zu Depressionen, die Schwangerschaft kann es begünstigt haben, aber ohne den Krisenherd könnten beide Faktoren mir wohl nichts anhaben. Schade, dass mein Freund nicht verstehen kann, was in mir vorgeht, obwohl ich ihm nichts vorenthalte, auch meine düstersten Gedankengänge, um es ihm begreiflicher zu machen. Jetzt wo er neulich sogar sagte, ich solle endlich aufhören mich zu beschweren, will ich am liebsten garnicht mehr mit ihm reden. Nicht weil ich sauer auf ihn bin, sondern weil er Recht hat. Aber im Moment fehlt mir die Kraft und der Mut, und sicherlich noch viele andere Faktoren, um mein Leben auf die Reihe zu kriegen. Ich weiß, dass ich mich zeitweise sehr selbstmitleidig anhöre, dies beabsichtige ich natürlich nicht und hasse es selbst an mir, aber momentan kann ich meine Gefühle nicht treffender auf den Punkt bringen, also vergebt mir bitte.