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Wenn man den Boden verliert und gleichzeitig die Decke einstürzt...

  • Starter*in Starter*in Ascielle
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Ascielle

Gast
Dies ist mein erster Beitrag. Diesen Text habe ich bereits in einem anderen Hilfeforum gepostet, welches leider recht inaktiv ist, sodass ich es nun hier versuche.


Ich weiß garnicht, wo ich anfangen soll... Es wird übrigens lang, obwohl ich mich so kurz wie möglich zu fassen versuche.

Zunächst einmal, ich bin 26 und lebe seit nun rund 7 Monaten in Frankreich. Bin zu meinem französischen Freund gezogen, den ich 2013 im Internet kennengelernt hab. Die Beziehung mit ihm ist so ziemlich der einzige Halt, den ich noch habe. Alle anderen Haltestützen sind entweder gebrochen oder waren nie vorhanden.

Ich hatte nie guten Kontakt zu meiner Familie und seit dem Umzug hat sich der engste Teil der Verwandtschaft komplett gegen mich gestellt. Hätten sie sich einfach abgewandt, wäre das gefühlsmäßig etwas anderes. Aber nein, der letzte Kontakt im August '14 eskalierte völlig und ich wurde aufs Übelste runtergemacht, ich sei ein asozialer Sozialparasit und es sei nur eine Frage der Zeit, bis ich auch in Frankreich auf die Schnauze falle und bettelnd nach Deutschland zurückkrieche, um dort weiter fleißig Hartz4 zu beziehen - was anderes könne ich ja nicht und strebe ich ja auch nicht an, denn mir gefiele ja ein Leben, in dem andere für mich arbeiten gehen, damit ich faul zuhause rumsitzen kann.

Fakt ist, ich habe tatsächlich im ganzen Leben noch nie richtig gearbeitet. Ein paar Jobmaßnahmen, aber zwischendurch auch ständig Psychotherapie, weil ich in unregelmäßigen Abständen, aber mindestens alle 1,5 Jahre ziemlich intensive depressive Episoden habe, die bis hin zu Suizidgedanken reichen. Das geht schon so, seit ich denken kann. Meine erste Therapie fand statt, als ich gerade mal 6 Jahre alt war. Ich denke mittlerweile, dass die meisten Psychologen (und Ärzte) enorm unfähige und gehaltsorientierte Unmenschen sind, die sich eigentlich NULL für den Patienten interessieren und wirklich mal nachdenken, anstatt am Ende des stationären Aufenthalts aufgrund Ratlosigkeit bezüglich meiner Diagnose einfach das Buch aufzuschlagen und eine erfundene Diagnose auszuwürfeln. Denn ich vermute sehr stark, dass ich das Asperger-Syndrom habe. Und auch andere Menschen, denen ich mich anvertraue, sprechen mich oft darauf an. Nur die, die mir eigentlich am nächsten stehen sollten - meine Verwandten - sehen in mir das faule, unnütze Schwein. Ich bin überzeugt, dass sie mit Asperger nichts anfangen könnten. Weder würden sie sich darüber informieren, noch würden sie mir glauben. Ich bekäme Dinge wie "Ach, also hat deine Ausrede für Faulheit endlich einen Namen?" zu hören. Zugegeben, ich bin nicht wirklich aktiv auf der Suche nach Arbeit, aber eher, weil mir dazu irgendetwas fehlt. Neben Kraft wahrscheinlich am meisten die Fähigkeit. Ich bin alles andere als selbständig und das sicher nicht freiwillig. Meine Selbständigkeit ist auf dem Niveau einer 12-Jährigen. Trotz zigtausend Therapien, verschiedenen Psychologen, teilweise auch Medikamenten, bin ich absolut unfähig, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ich brauche ständig jemanden, der mich bei allem begleitet und für mich da ist. Ich habe fast 5 Jahre lang im Betreuten Wohnen gelebt, diese Zeit hat gerade eben so gereicht, um mein bis dahin völlig entgleistes Leben einigermaßen in Ordnung zu bringen. Aber auch während dieser Zeit war ich ständig depressiv und Jobmaßnahmen wurden aufgrund meiner Labilität abgebrochen. Es war mir nicht mehr möglich, mich zur Arbeit zu schleppen, obwohl ich an der Arbeit sehr viel Spaß hatte.

Es ist die Ausweglosigkeit, die mich immer wieder runterzieht. Und es wird immer schlimmer. Oft denke ich mittlerweile, ich hätte mein Leben schon beenden sollen, als mir zum ersten Mal bewusst wurde, dass ich mit meiner Nicht-Existenz jedem einen großen Gefallen tun würde. Ich habe so viele Mühen, Energien und Ressourcen anderer Menschen verbraucht und am Ende werde ich garnicht so lange leben, um meine Schuld je ausreichend zu begleichen. Ich nehme sehr viel, nicht weil ich will, sondern weil mir keine andere Wahl bleibt - und ich habe nichts, das ich geben kann. Mein Freund sagt zwar, dass ich ihm Liebe gebe und sogar ein Kind (ich bin schwanger, leider), aber in welchem Verhältnis steht das zu dem, was er für mich opfert? Er hat im Juni '14 rund 40.000€ geerbt, wovon wir seitdem leben, da er studiert und ich arbeitsunfähig bin. Dieses Geld neigt sich dem Ende zu. Zuletzt hatten wir noch knapp 9000€, unsere Ausgaben liegen monatlich bei rund 2000€. Davon ist natürlich ein Teil Spritgeld, und Lebensmittel sind in Frankreich teurer als in Deutschland, aber der eigentliche Grund für unsere Geldknappheit ist, dass er Geld sinnlos ausgibt für Dinge, die durchaus warten können, bis wir ein Einkommen haben. Er weiß das auch, kann sich aber nicht zurückhalten. Er ist sehr auf gesunde, natürliche Ernährung bedacht und daher muss alles vom Besten sein. Wir haben mittlerweile so viel "Schrott" gekauft, dass wir die Hälfte davon eh zurücklassen müssen, wenn wir diesen September wieder zurück in unseren eigentlichen Wohnort fahren. Bis dahin wird auch unser Kind da sein, auch dafür reichen weder Platz noch Geld. Und es wird nicht besser.

Ich habe eine totale Sprachblockade. Dass ich durchaus Französisch kann, zeige ich häufig, indem ich selbst kompliziertere Sätze verstehe und mein Hörverständnis sich täglich bessert. Aber sprechen und schreiben? Da tut sich absolut garnichts, und ich kann beim besten Willen selbst nicht verstehen, warum das so ist. Selbige Blockade hatte ich viele Jahre lang mit Englisch, mittlerweile spreche ich fließend Englisch (nur so können mein Freund und ich überhaupt miteinander reden). So viel Zeit habe ich diesmal nicht mit Französisch, wobei ich aber schon denke, dass das noch kommt - ich brauche allerdings mehr Zeit, 7 Monate reichen dazu nicht. Es ist die Blockade, die es zu überwinden gilt, weniger die Sprache an sich. Mein Freund ist sehr ungeduldig und verständnislos gegenüber meiner Angst und mittlerweile nicht mehr gewillt, mir zu helfen - er weiß sowieso nicht, wie. Und ich auch nicht. Ich weiß nur, dass ich aufgrund dieser Sache 100% auf ihn angewiesen bin, ich kann nicht mal allein einkaufen gehen - geschweige denn arbeiten. Das ist sehr frustrierend, weil ich weiß, dass ICH der Grund bin, dass es für uns BEIDE nur noch bergab geht. Mein Problem dehnt sich auf sein Leben aus.

Wenn es allein nach mir ginge, würde ich wahrscheinlich zurück nach Deutschland ziehen, mein Kind zur Adoption freigeben und den Rest meines Lebens abgeschottet von den meisten Menschen in einem Wohnheim oder einer betreuten Einzelwohnung verbringen. Irgendwo, wo ich so wenigen Menschen wie möglich zur Last falle, und wenn ich dran kaputt gehe, habe ich es nicht anders verdient. Meine Familie würde mir da zustimmen. Die haben sowieso komplett die Augen verdreht, als sie von meiner Schwangerschaft erfahren haben. Ich frage mich, wieso ich es ihnen überhaupt erzählt habe. Ein positives Wort von denen habe ich im ganzen Leben noch nie gehört. Meine Schwester meinte vor ein paar Monaten sogar, das einzig Positive, das ich erreicht habe ist, dass ich überhaupt lebe. Ich habe den Kontakt zu ihr und meinem Bruder abgebrochen, was aber nicht verhindert, dass mich ihre Worte sogar im Traum verfolgen. Ständig sehe ich meinen Bruder vor mir, wie er sagt "Du arbeitsloses, unfähiges Stück S**** hast kein Recht darauf, auf Kosten hart arbeitender Menschen Strom, Wasser und gar Luft zu verbrauchen" und wenn es mir sehr schlecht geht, höre ich meine Schwester gedanklich sagen "Du hast es so gewollt und nicht anders verdient". Das geht so weit, dass ich das mittlerweile selbst glaube.

Mir fehlt sehr der Austausch mit anderen Leuten. Außer meinem Freund habe ich niemanden mehr. In Essen hatte ich auch schon wenig Freunde, und der Kontakt zu ihnen ist im Lauf der Zeit verloren gegangen oder war nie fest genug, als dass sie jetzt noch Interesse an mir hätten, wo ich doch so weit weg bin. Ich komme offenbar nur mit Menschen zurecht, die selbst psychische Probleme haben, weil sie ruhiger und verständnisvoller sind als andere. Mit Gleichaltrigen habe ich seit der Kindheit ein großes Problem, am besten verstehe ich mich mit Kindern und Leuten, die 35 und älter sind. Wenn ich mich unter Menschen geselle, bin ich trotzdem immer der Außenseiter, egal wie sehr ich mich bemühe, ein normales Gespräch aufzubauen. Viele sind vielleicht irritiert, da ich Smalltalk akribisch vermeide. Dagegen bin ich allergisch. Mir kann man schon nach fünf Minuten intimste Details anvertrauen, kein Problem für mich, aber mit Smalltalk ist man bei mir an der falschen Adresse. Man sagte mir oft auf Partys (Geburtstage etc.), dass ich desinteressiert und abwesend wirke, dabei ist es mir einfach oft zu viel, wenn zu viele Leute in einem kleinen Raum sitzen und alle durcheinander reden und schlimmstenfalls alles vernebelt ist durch Zigarettenrauch. Im Einzelgespräch finden mich die meisten sehr nett und offen. Sozialphobisch bin ich nicht, aber einfach überfordert, wenn zu viele Töpfe gleichzeitig kochen. Das ist mit einer der Hauptgründe, weshalb ich mittlerweile garnicht mehr ausgehe. Der andere Hauptgrund ist natürlich die Sprachblockade. Und daran ist momentan nichts zu ändern. In meiner Gegend gibt es keine weiteren Deutschen, und auch Englisch wird hier beäugt, als hören sie die Sprache zum ersten Mal. Schön wäre es, wenn mein Freund Kontakte hätte, aber er ist ein bevorzugter Einzelgänger und antisozial, braucht also keine Freunde. Er hat ja seine Familie - seine Verwandtschaft, mich, und bald auch sein Kind. Ich könnte ihn wohl mal überreden, mit mir gemeinsam an einen öffentlichen Ort auszugehen um Leute kennenzulernen, aber am Ende werde ich ja doch nicht mit ihnen reden können und mich dadurch noch ausgegrenzter fühlen. Enttäuschung ist quasi vorprogrammiert.

Ich weiß nicht, wie ich auch nur eines der genannten Probleme ändern kann. Zurzeit fehlt mir dazu sowieso die Kraft. Ich schlafe sehr viel, bis zu 15 Stunden am Tag. Ich esse wenig, habe kaum Appetit und aufgrund der Schwangerschaft ist mir auch häufig übel, vor allem während dem essen. Ich kann zurzeit nicht zum Arzt, weil wir uns derzeit noch mit der Krankenversicherung herumschlagen. Aber in ein paar Tagen wird das hoffentlich endlich vom Tisch sein. Ich denke, was mir am meisten Kraft raubt, sind meine negativen Emotionen in letzter Zeit. Gerade im Winter neige ich ohnehin schon zu Depressionen, die Schwangerschaft kann es begünstigt haben, aber ohne den Krisenherd könnten beide Faktoren mir wohl nichts anhaben. Schade, dass mein Freund nicht verstehen kann, was in mir vorgeht, obwohl ich ihm nichts vorenthalte, auch meine düstersten Gedankengänge, um es ihm begreiflicher zu machen. Jetzt wo er neulich sogar sagte, ich solle endlich aufhören mich zu beschweren, will ich am liebsten garnicht mehr mit ihm reden. Nicht weil ich sauer auf ihn bin, sondern weil er Recht hat. Aber im Moment fehlt mir die Kraft und der Mut, und sicherlich noch viele andere Faktoren, um mein Leben auf die Reihe zu kriegen. Ich weiß, dass ich mich zeitweise sehr selbstmitleidig anhöre, dies beabsichtige ich natürlich nicht und hasse es selbst an mir, aber momentan kann ich meine Gefühle nicht treffender auf den Punkt bringen, also vergebt mir bitte.
 
Hallo, Ascielle,

vom Asperger Syndrom habe ich keine Ahnung. Ich habe etwas gegoogelt und gelesen, dass bei Kindern entsprechende Untersuchungen erfolgen. Daher stellt sich mir die Frage, ob solche Untersuchungen auch bei Erwachsenen erfolgen können. Ich denke, die Ursache zu klären ist sehr wichtig, da andernfalls auch jede Behandlung zur Lotterie wird. Möglicherweise findest Du in Frankreich fachliche Hilfe und kannst diese in Anspruch nehmen, sobald ihr krankenversichert seid.

Wie gut funktioniert eigentlich die Unterhaltung mit Deinem Freund? Verstehst Du ihn immer - und er Dich?

Fühle Dich virtuell in den Arm genommen.

LG, Nordrheiner
 
Oft denke ich mittlerweile, ich hätte mein Leben schon beenden sollen, als mir zum ersten Mal bewusst wurde, dass ich mit meiner Nicht-Existenz jedem einen großen Gefallen tun würde.

Offensichtlich werden dir Dinge bewusst, die der Realität nicht entsprechen. Denn mir z.B. würdest du mit deiner Nicht-Existenz keinen Gefallen tun; ganz im Gegenteil: Dein Text war mir sehr angenehm, und ich würde mich freuen, weiterhin von dir zu lesen. Außerdem freut es mich, um Menschen wie dich zu wissen.

Deine Familie ist wohl das Thema, hm?

Wenn du jemanden zum Schreiben brauchst: Sei meinem Posteingang willkommen.
Nur kein Smalltalk bitte 😉

Alles Gute!
 
Auf Asperger wurde ich nie untersucht, Psychologen haben mir immer nur Depression diagnostiziert - wo diese herkommt, hat niemanden interessiert. Deshalb habe ich in den letzten Jahren viel selbst geforscht und bin mir jetzt zu 95% sicher, dass ich ein Aspie bin. Das ist eine Form von Autismus, die sich, anders als kindlicher Autismus, im Erwachsenenalter fortsetzt. Der Betroffene ist in der Regel normal bis überdurchschnittlich intelligent, weist manchmal sogenannte "Inselbegabungen" auf und kann sich in der Regel sehr gut artikulieren, ganz im Gegensatz zu "normalen" Autisten. Schwierigkeiten zeigen sich bei Aspies vor allem im Berufs- und Sozialleben, sie sind meist arbeitslos, obwohl sie arbeiten möchten, und haben wenige bis keine Freunde. Neue Kontakte aufzubauen fällt ihnen sehr schwer, weil sie sich nur bedingt bis garnicht in andere Menschen hineinversetzen können. Einfache soziale Grundregeln kennen sie nicht oder sie können sie nur schwer einhalten. Oftmals sind sie überfordert mit alltäglichen Ansprüchen, aufgrund ihrer begrenzten Aufmerksamkeitsspanne, da ihnen - ohne es zu beabsichtigen - jedes kleinste Detail auffällt.

Das waren meine eigenen Worte dazu. Bis auf die Inselbegabung trifft das alles auf mich zu (vielleicht könnte man das Schreiben als Begabung nennen, aber ich denke, ich bin darin normal und nicht außergewöhnlich begabt).

Meine ehemalige Betreuerin aus dem Betreuen Wohnen hat mir damals immer wieder gesagt, dass ich eine psychische Behinderung habe. Damit konnte ich sehr lange nichts anfangen, aber schon allein das Wort "Behinderung" empfand ich als eine Beleidigung. Ständig meinte sie, ich wäre in einer Behindertenwerkstatt bestens aufgehoben, ich war sogar zweimal dort, konnte mich mit den dort arbeitenden Menschen jedoch nicht identifizieren. Da waren auch viele geistig Behinderte dabei, und jetzt bitte nicht falsch verstehen - ich habe nichts gegen geistig Behinderte - aber ich konnte mich in der Werkstatt nicht sehen, in einem Topf mit ihnen, das hätte mich noch tiefer runtergezogen. Vielleicht wollte ich nicht wahrhaben, wie es um mich steht, ich möchte lieber, sofern irgendwie noch möglich, einen halbwegs normalen Beruf ausüben, eventuell auch mit psychisch kranken Arbeitskollegen, aber für solche Menschen gibt es in der Regel eben nur diese Behindertenwerkstätten...
Jedenfalls werde ich mir meines Zustands immer bewusster. Mittlerweile glaube ich, dass tatsächlich eine psychische Behinderung vorliegt - meine Erkrankung wurde immer nur oberflächlich behandelt, aber die Wurzel nie erkannt und beseitigt. Und das schon seit meiner Geburt. Ich persönlich habe nun die Nase voll von Psychologen, mag es auch einige gute geben, so bin ich immer an die schlechten geraten, die ihren Beruf nur halbherzig ausüben und sich nie über das aus ihren im Studium gelesenen Büchern herauslehnen. Jetzt, da ich in Frankreich bin und schon allein wegen der Sprache eingeschränkt bin, kann ich das Thema sowieso ganz vergessen. Ich bin jetzt auf mich allein gestellt, und vielleicht ist das auch ganz gut so. Könnt ihr euch vorstellen, dass ich zeitweise sogar auf starke Medikamente gegen Paranoia gezwungen wurde, mit der höchst erlaubten Dosierung, und das obwohl ich überhaupt keine Paranoia habe? Das war 2009 in einer Klinik. Nach meiner Ankunft fragte ich vorsichtig, ob es im Gebäude Kameras gibt, oder ob ich mich in meinem Zimmer umziehen kann, ohne dass mich dabei jemand beobachtet. Das war wirklich alles, eine neutrale Frage. Und drei Tage später zwang man mich eben auf dieses Medikament, dessen Nebenwirkungen mich zu einem Zombie gemacht haben. Hätte ich die Einnahme verweigert, wäre ich rausgeflogen. Erst, als ich an den Nebenwirkungen auf offener Straße zusammenbrach, erlaubte man mir, ein schwächeres Medikament zu nehmen - allerdings nach wie vor gegen Paranoia. Ich glaube, die einzig Paranoiden waren die behandelnden Ärzte selbst. So ein Erlebnis reicht.

Um jetzt mal direkt auf die Fragen zu antworten:

Zum Thema Kommunikation mit meinem Freund - Da wir beide fließend Englisch sprechen, ist die Kommunikation an sich kein Problem, allerdings versteht er mich auf mentaler Ebene nicht. Da ticken wir grundverschieden, was vor allem in letzter Zeit immer deutlicher wird. Ich denke sogar über eine Trennung nach, wodurch ich aber zurück nach Deutschland müsste, weil ich in Frankreich allein nirgends Fuß fassen kann. Das Problem ist, dass Deutschland mich nicht mit offenen Armen empfangen wird, ich werde nicht in mein altes Leben zurückkehren können, Hartz4 wird mir nicht zustehen, und ich finde keine Arbeit. Schon gar nicht mit Baby. Es wird niemanden geben, der mich unterstützt. Ich wüsste nicht mal, wo ich hin soll. Mittlerweile weiß ich, wie gut es mir eigentlich damals ging, obwohl ich immer dachte, tiefer kann ich nicht sinken.

Ich möchte mal kurz ins nostalgische Schwärmen verfallen...
Mein Leben mit Fenster direkt an der A40, der Lärm zu jeder Tageszeit, Fenster, die es nicht lohnt zu putzen wegen Straßenstaub. Ich habe mein kleines Zimmer, in dessen Mitte eine Schlafcouch steht. Meine Farbmäuse sind meine einzige Gesellschaft. Ich habe zwei weibliche Mitbewohner in meinem Alter, mit denen ich auskomme, aber Freundschaft könnte man es nicht nennen. Wir wurden "gewaltsam" zusammengeführt durch das Betreute Wohnen, wir alle leben wegen irgendeiner psychischen Erkrankung hier und haben die gleiche Betreuerin, die für jeden von uns 2-3x in der Woche für jeweils 1-2 Stunden kommt und redet oder im Alltag hilft. Behördengänge, Anrufe, Post- und Antragsbewältigungen. Dinge, die man in unserem Alter eigentlich als normal empfinden und können sollte. Aber wir eben nicht. Privat reden wir untereinander eher selten über unsere Vergangenheit und Gefühlswelt, ich weiß nicht, welche psychische Erkrankung meine Mitbewohner haben, und sie kennen meine nicht. Aber wir kommen miteinander klar, das ist, was zählt. Wir teilen uns die Küche, den Flur und das Bad. Unordnung kommt selten auf und dreckig ist es nicht, denn einmal in der Woche kommt eine sogenannte Zusatzkraft und passt auf, dass wir unsere Wohnung nach Absprache putzen. Die Bereiche wechseln sich monatlich ab. Ein üblicher Tagesablauf sieht so aus: 9-11 Uhr stehe ich auf, setze mich an den PC, lese Nachrichten, zocke vielleicht ein bisschen. 12-13 Uhr merke ich, dass mein Magen knurrt, und gehe in die Küche, um etwas zu essen. Um 14 Uhr kommt meine Betreuerin zu mir, also will ich bis dahin gegessen und geduscht haben. Um 14 ist sie da und wir reden eine Stunde lang über mein Befinden, aktuelle Probleme, eventuell angekommene Post, irgendwelche wichtigen Dinge, die in nächster Zeit anstehen. Am Ende der Stunde unterschreibe ich ihren Stundenzettel, sie geht und ich bin erleichtert, den Rest des Tages für mich allein zu haben. Ich sitze am PC, mache dies und das, Langeweile entsteht praktisch nie. Gegen Abend packt mich dann plötzlich die Lust, einkaufen zu gehen. Also mache ich mich fertig, frage meine Mitbewohner, ob sie etwas brauchen, dann gehe ich nach netto. Auf dem Rückweg habe ich Kohldampf und gehe zu meiner Lieblingsdönerbude um die Ecke. Ich bin Stammkunde, begrüße den Türken freundlich und sage "Einmal wie immer", drei Minuten später bin ich auf dem Heimweg und freue mich, zu Hause anzukommen. Leben im dritten Stock, immer wieder anstrengend, vor allem, wenn die asozialen Nachbarn polternd und rauchend mit ihren vier freilaufenden, bellenden Hunden zur gleichen Zeit im Hausflur sind. Der Gestank, der aus ihrer Wohnung zieht, ist unerträglich und riecht nach Verwahrlosung, aber dagegen bin ich längst immun. Zunächst räume ich meine Einkäufe in die Schränke, eventuell läuft meine Mitbewohnerin durch die Küche, aber wir reden nicht, außer, ich beginne das Gespräch. Aber heute habe ich keine Lust darauf, mein Döner wird sonst kalt. Ich gehe in mein Zimmer, esse dort, weil die große Küche sich kalt und leer anfühlt. Außerdem ist mein Zimmer so ziemlich die einzige Privatssphäre, die ich habe. Hier geht niemand ein, ohne zumindest vorher anzuklopfen. Was zum Glück nicht oft geschieht. Den Rest des Abends verbringe ich damit, Musik zu hören, während ich weiterhin meinen Aktivitäten am PC nachgehe. Mein Tag endet meistens zwischen 2 und 3 Uhr nachts, dann öffne ich mein Fenster einen Spalt weit, mache meine Nachtlampe an und lege mich auf die Schlafcouch. Ohne Licht und das Rauschen der Autobahn kann ich nicht schlafen, denn die Einsamkeit sucht mich nachts heim und ängstigt mich. Auch meine Farbmäuse sind jetzt aktiv und machen Lärm, für den ich dankbar bin. Morgen werde ich zur Postbank gehen, es wird das Geld für den nächsten Monat auf meinem Konto sein. Diesen Monat habe ich mal wieder 70 Euro übrig, diese befinden sich bereits in der Spardose. Worauf ich spare? Nichts Bestimmtes. Aber eines Tages kommt vielleicht meine große Chance, dieses ganze Leben hinter mir zu lassen und irgendwo von vorn anzufangen. Dann werde ich froh sein, Ersparnisse zu haben. Und ich bin zuversichtlich. Die Hoffnung auf diese "Chance" ist so ziemlich die einzig positive Aussicht in meinem Leben. Ich bin nicht zufrieden mit meinem jetzigen Leben.


Und nun mein aktueller Alltag in Frankreich zum Vergleich:

Ich wache auf, irgendwann zwischen 8 und 11 Uhr, je nachdem wie es mir gerade geht. Ich zwinge mich zu einem Frühstück, nur weil ich weiß, wie wichtig es ist, zu frühstücken. Mein Freund ist schon seit 8 an der Uni und wird um 12 wiederkommen. Heute wünscht er sich von mir, dass ich die Wohnung staubsauge. Er meint, ich solle auch mal etwas tun, wo ich doch schon nicht arbeite und so viel Zeit habe. Das leuchtet mir ein und ich will mich auch nicht länger schuldig fühlen, da ich nutzlos bin. Ich mag es, mich nützlich zu machen, das pusht mein Selbstwertgefühl etwas nach oben. Um 10 fange ich an. Ist das ein Chaos! Überall liegen leere Plastikflaschen herum, Staub setzt sich millimeterdick ab, Müll liegt herum, auf dem Schreibtisch, auf dem Boden, praktisch überall. Haben wir denn keinen Mülleimer? Ich suche nach den Müllbeuteln. Na toll, wir waren doch gestern erst einkaufen und haben garnicht gemerkt, dass wir keine Müllbeutel mehr haben. Was soll's, ich kriege hier schon irgendwie Ordnung rein. Er wollte, dass ich staubsauge. Aber dazu muss der Boden ja erstmal frei sein. Flaschen, Müll, Bücher werden an ihren richtigen Platz gebracht - dazu muss erstmal Platz gemacht werden. Mein Gott, hier ist alles vermüllt! Über 90% davon ist SEIN Müll. Und mir sagt er immer, ich solle ordentlicher werden und meinen Müll sofort wegräumen. Ich bin kein Ordnungsfanatiker, aber von mir kann er sich mehr als eine Scheibe abschneiden. Jetzt packt mich die Motivation, ihn so richtig von den Socken zu hauen, wenn er zurückkommt. Nach 1,5 Stunden ist alles nicht nur sauber, sondern richtig ordentlich. Ich werde ihm aber demnächst vor Augen führen, dass er es ist, der Ordnung lernen muss. Und vor allem vernünftige Geldeinteilung. Unter den Büchern und anderen Gegenständen fand ich viele unnütze, teure Dinge. Er hat für unser Kind ein Puzzle gekauft, das erst ab drei Jahren geeignet ist. WARUM?! Jetzt müssen wir das über 3 Jahre lang irgendwo aufbewahren und beim Umzug mitnehmen. Hätte das nicht warten können? Und ich habe mindestens 20 Bücher gefunden, allesamt hier seit mindestens drei Monaten, und nicht ein einziges Mal habe ich ihn eines von ihnen lesen sehen. In der Küche befinden sich unzählige Utensilien, die einen Umzug nicht überleben würden. Uns fehlt der Platz im Auto jetzt schon, aber er kauft, kauft, kauft... und jedes Mal, wenn er seinen Kontostand überprüft, sagt er, WIR müssen sparsamer sein. Dabei ist er es, der alleinige Verfügung über die Kreditkarte hat. Ich benutze sie nie. Ich kaufe nichts, das ich nicht brauche. Das was ich kaufe, ist so günstig wie möglich. Für ihn muss es ausschließlich Bio sein, und immer das teuerste Produkt, weil teuer = hochwertiger. So scheint er zu denken. Ich sage dazu nichts mehr, denn im Grunde ist es sein Geld und seine Entscheidung. Aber wir beide wissen, dass sein Erbe sich dem Ende zuneigt. In 4-5 Monaten wird es vorbei sein mit dem sorglosen Einkaufen. Und darunter werde auch ich leiden. Und unser Kind. Aber wie gesagt, es ist sein Geld und solange ich kein Geld verdiene, will ich mir nicht erlauben, etwas zu sagen. Ich denke, dass ich kein Recht darauf habe. In unserer Wertegesellschaft wurde ich so erzogen, dass man keine Rechte hat, wenn man arbeitslos ist. Und als Mensch ist man wertlos, nur als Arbeitskraft ist man nützlich. Richtig wertvoll ist man nur dann, wenn man der Gesellschaft mehr zurückgibt, als man sich von ihr nimmt. Diese Gedanken verfolgen mich täglich, daher beschwere ich mich nur sehr selten. Zurück zum Alltag: Ich gehe nie allein vor die Tür. Sollte man mich ansprechen, werde ich in Bedrängnis kommen, da ich nicht sprechen kann. Ich kann nicht einmal sagen, dass ich nicht französisch spreche. Und Englisch will ich in der Öffentlichkeit auf keinen Fall benutzen, man hört es einfach nicht gerne hier. Heute Abend werden wir einkaufen gehen, da wir neben Mülltüten auch Klopapier brauchen. Das Einkaufen finde ich klasse und bin immer dabei, wenn möglich. Oft trennen wir uns in dem großen Laden auf und ich fühle mich sehr wohl, zumindest dieses kleine bisschen Eigenständigkeit noch zu besitzen. Aber bezahlen tut er immer. Ich habe Angst vor dem Umgang mit der Kreditkarte, Angst dass sie nicht angenommen wird und ich die Verkäuferin bitten muss, das Gerät zu resetten. Sprechen kann ich nicht, und ich vermeide aus Angst alle Situationen, in denen ich möglicherweise sprechen müsste. Ich habe mir heute einen Fertigsalat gekauft. Bis vor einer Weile war es sozusagen unser gemeinsames "Ritual", dass sich jeder einen dieser Salate kauft, und wir diesen dann im Auto essen, bevor wir nach Hause fahren. Aber er will jetzt sparsamer sein und kauft keinen Salat mehr. Ich schon, manchmal noch. Noch im Auto fragt er mich, ob ich mir vorstellen könnte, ab jetzt keinen Salat mehr zu kaufen, weil wir das nicht wirklich brauchen und der Salat ziemlich teuer ist (3-4 Euro). Ich unterdrücke den Kommentar über seine vielen unnötig gekauften Bücher, Küchenutensilien und Bioprodukte. Vor ein paar Monaten habe ich ihm mal gesagt, dass wir solche Anschaffungen auf später verschieben sollten, wenn zumindest einer von uns Arbeit hat. Er stimmte mir zu, meinte dann aber auch, dass er kein asoziales, schlechtes Leben führen will, und übt gleichzeitig Druck auf mich aus, ich solle mich doch endlich um Arbeit bemühen. Ich gebe auf, diskutieren hat keinen Sinn. Er kennt all meine Gründe für meine Arbeitslosigkeit und versteht sie nicht. Er versteht mich überhaupt nicht. Und egal wie oft ich es ihm erkläre, er wird es nie verstehen. Wir kommen zu Hause an. Den Abend verbringt jeder für sich selbst, er schaut sich Youtube-Videos über tiefpolitische Themen an, während ich alles Mögliche an meinem Laptop mache. Gegen Abend blühe ich auf, während er müde wird. Sobald er sein Laptop schließt, weiß ich, es ist Zeit schlafen zu gehen. Egal ob mir danach ist oder nicht. Wir haben ein 1-Raum-Apartment, können uns nicht aus dem Weg gehen. Er kann mit der Licht- und Geräuschquelle nicht schlafen, er ist extrem empfindlich auf alle Umweltreize. Wenn ich nachts aufstehe, weil ich zur Toilette muss, muss ich mich im Dunkeln zurechtfinden, darf kein Geräusch machen, die Klospülung nicht betätigen. Ich richte mich komplett nach seinem Leben, habe praktisch kein eigenes mehr. Dieses habe ich unwissend aufgegeben, als ich zu ihm zog. Ich bin nicht mehr ich selbst, die, die ich mal war. Das habe ich ihm schonmal gesagt. Ich war eigenständig, zwar mit engen Grenzen, jedoch konnte ich mich innerhalb dieser frei bewegen und meine eigenen Regeln aufstellen. Nun habe ich all dies aufgegeben für diese "Chance", an die ich mich damals, im alten Leben, geklammert habe. Ich werde wahrscheinlich nie wieder diese Eigenständigkeit zurückerlangen. Irgendwann werde ich nur noch funktionieren, wie ein Roboter. Oder auf der Straße leben. Oder unter der Erde. Ich kann nichts tun, außer jeden Tag vor mir hinzuleben. In diese Falle bin ich selbst hineingelaufen. War es damals die Hoffnung auf die "Chance", die mich am Leben hielt, so ist es heute die Hoffnung auf ein Wunder.


Es tut mir leid, dass dieser Text so unmenschlich lang geworden ist, aber da ihr quasi meine einzigen Ansprechpartner seid, habe ich entsprechend viel zu erzählen...
 
Langer Text, Ascielle, kein Problem. Ich muß darüber nur noch etwas nachdenken.
Hast Du eigentlich ein Weltbild? Spielt Religiosität für Dich eine Rolle?
LG, Nordrheiner
 
in solche verhältnisse soll ein kind reingeboren werden?
du bist sehr intelligent.

du solltest dich in einem autistenzentrum vorstellen und dir deine vermutete diagnose bestätigen lassen.

kannst du dir vorstellen wieder nach deutschland zurückzukehren?
deine ehemalige betreuerin könnte dir vielleicht helfen, in deutschland wieder fuß zu fassen.
wenn sich dein autismus bestätigt... hast du endlich eine erklärung für dich. du hast damit alle möglichkeiten ein ganz normales leben zu führen. für deine speziellen fähigkeiten werden sich auch berufe finden, die du ausüben kannst.
 
Warum machst du keinen Termin in einem Autistenzentrum, um deine vermutete Diagnose bestätigen zu lassen?
Falls sich herausstellt, dass du Asperger-Autistin bist, hat das Kind einen Namen und du weißt warum du so bist, wie du bist. So wird auch dein Freund dein Verhalten besser verstehen.
Du schreibst, du seist schwanger. Ihr lebt in einem Miniappartment und euer Geld geht zur Neige. Wie wird es mit Kind weitergehen?
Hält dich nur die Schadenfreude deiner Familie davon ab, wieder nach Deutschland zurückzukommen? Du könntest dir auch hier mit Kind ein eigenes Leben aufbauen. Wenn du meinst, du kommst mit deinem Kind alleine nicht zurecht, kannst du dir Unterstützung beim hiesigen Jugendamt holen.
Du bist viel zu intelligent, um ein solches Leben wie jetzt zu führen.
Falls du tatsächlich Asperger-Autistin bist, denke ich, wird es dafür Beratungsstellen geben, die dich beruflich fördern. Es wäre schade, wenn du deine Talente verschwendest.
Aber der wichtigste Schritt wäre, dass du dir eine Diagnose holst.
 
Hast Du eigentlich ein Weltbild? Spielt Religiosität für Dich eine Rolle?

Nun... was genau ist ein Weltbild? 😕 Religion spielt für mich gar keine Rolle, obwohl man mich durchaus als spirituell bezeichnen könnte. Worte wie Hoffnung und Schicksal benutze ich sehr häufig. Aber ich glaube nicht, dass man das in irgendeine Religion einordnen könnte... muss man ja auch nicht. Mir ist nicht wichtig, ob meine Ansichten einen Namen haben.

Warum machst du keinen Termin in einem Autistenzentrum, um deine vermutete Diagnose bestätigen zu lassen?

Leider müsste ich dazu erstmal eine geeignete Anlaufstelle finden, ich bräuchte Leute, die deutsch oder zumindest englisch sprechen. Das Örtchen, in das ich in Kürze hinziehen werde, hat nicht mal einen Supermarkt in der Nähe, von daher...

So wird auch dein Freund dein Verhalten besser verstehen.

Mein Freund weiß davon. Ich habe ihm alles so erklärt, wie ich es oben erklärt habe, und ich denke, er hat es soweit verstanden, aber... das ändert nichts an seinem Verhalten.

Ihr lebt in einem Miniappartment und euer Geld geht zur Neige. Wie wird es mit Kind weitergehen?

Das ist eine gute Frage. Seine Familie kann uns begrenzt unterstützen, aber ich fände es schön, wenn auch meine Familie ihren Teil dazu beisteuert. Aber es fällt mir unglaublich schwer, mit meinen Eltern überhaupt zu kommunizieren, da war einfach nie ein Band zwischen uns, eher Kälte und Ablehnung. Sie wissen von meiner Schwangerschaft.

Wenn ich nach Deutschland zurückgehe, wird die Beziehung als beendet gelten, denn auf die Entfernung wird es nicht funktionieren. Die Beziehung wäre eigentlich ganz in Ordnung, wenn die Situation anders wäre. Aber mitnehmen kann ich ihn nicht, ich habe ihn mal gefragt ob er sich vorstellen könnte, mit mir nach DE zu ziehen. Er meinte, vielleicht. Aber ich denke, wenn es wirklich um ein klares Ja oder Nein gehen würde, wäre seine Antwort nein. Kann ich ja verstehen. Aber zumindest hätte er dort nicht die gleichen Sprachhemmungen wie ich. Deutsch kann er kaum, aber anders als ich hat er zumindest keine Angst zu sprechen. Und in DE weiß ich, wie der Hase läuft und kann ihm viel besser unter die Arme greifen, als er mir hier in FR, wo er doch selbst kaum Ahnung vom Leben und dem hiesigen System hat.

Wenn ich nach DE zurückgehe, wo werde ich zunächst unterkommen? Welche Gelder stehen mir zu? Ich finde dazu nichts, alle Informationen beziehen sich stets auf Menschen, die im Ausland gearbeitet haben...
Ich kann mich nicht darauf verlassen, sofort nach meiner Ankunft wieder Geld und Unterkunft zu haben. Wo also kommt das her? Ich habe Angst, mich an das Jugendamt zu wenden. Angesichts meiner Situation werden sie mir vielleicht das Kind wegnehmen wollen... oder mich streng überwachen. Dann wäre ich ja schon wieder bevormundet! Mein Gott, ich bin fast 27, aber diese Zeilen könnten von einer 15-Jährigen stammen...
 
Seine Familie kann uns begrenzt unterstützen, aber ich fände es schön, wenn auch meine Familie ihren Teil dazu beisteuert.

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ihr könnt euch nicht dauerhaft finanzieren lassen.

auch deine familie ist nicht dazu verpflichtet.

wann hat dein freund sein studium beendet? wie sehen anschließend seiner beruflichen pläne und chancen auf dem arbeitsmarkt aus?

wie wollt ihr euer kind ernähren ohne geld?

ich habe das gefühl, ihr lebt planlos vor euch hin.

du schreibst, du kommst alleine nicht zurecht und hast angst ,hier in deutschland würde dir dein kind weggenommen.
wie willst du in frankreich klar kommen? in eure chaotische welt soll ein kind geboren werden?
 
Hallo Gast, die Fragen, die du mir stellst, stelle ich mir auch. Deswegen habe ich mich ja an dieses Forum gewendet.
 

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