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Wenn alles zuviel zu werden scheint

... damit ich Zeit und Kraft habe für das, was wirklich wichtig ist... dass mein Kind das beste Leben hat, was es haben kann.

Verzeih mir, wenn ich so altklug nachfrage, aber ist ein "gutes Leben" nicht schon mehr als genug? Du wirst nicht alles im Griff haben und Dein Kind wird auch nicht alle Wege gehen wollen, die Du ihm versuchst zu ebnen, aber für Dich ist das ein enormer Anspruch und eine Belastung. Bei all dem Stress vergisst auch frau so gerne, zu leben. Von Dir lernt Dein Kind auch, wie gut dieses Leben hier auf dieser Welt sein kann und wie man sich freut. Packe nicht noch mehr auf Deine Waagschale und Deine ToDo-Liste, weil sonst für die Freude kein Platz mehr ist.
 
Verzeih mir, wenn ich so altklug nachfrage, aber ist ein "gutes Leben" nicht schon mehr als genug?

Das ist es, was mir schwer fällt. Zufrieden sein. Nicht immer das Maximum erreichen wollen. Wolke 4 genießen können, weil es eben nicht unbedingt Wolke 7 sein muss. Manchmal gelingt das. Mein Kind zum Beispiel hat durch seine Schwerbehinderung sehr viel zu kämpfen.Früher wollte ich ihm die ganze Welt zeigen, dann eben im Rollstuhl. Aber würde das mein Kind glücklicher machen? Ich denke nicht. Es wäre Stress und Aufregung und dass kann mein Kind gar nicht vertragen. Deshalb geht es nie weit weg, aber ich habe zumindest in diesem Bereich verinnerlicht, dass es egal ist, ob man die Füße in der Karibik in den Sand steckt oder in Holland. ;-)

LG
 
Hallo du Liebe!

Mir ist zu deinem Gefühl, alles kontrollieren zu wollen, etwas eingefallen was ich unlängst zu Posttraumatischer Belastungsstörung gelesen habe.

Demnach können sich Folgen von Traumata auch erst Jahre später zeigen (in Form von ständiger Alarmbereitschaft, Traurigkeit, dem Gefühl von Hilflosigkeit etc). Und du hast ja mit Behinderung, Scheidung und Verlust deiner gesicherten Existenz sehr große Schocks erlitten, hattest aber nie Zeit und Ruhe, sie zu verarbeiten.

Vielleicht trägst du zusätzlich zu deinen täglichen Herausforderungen noch emotionale (Alt-)Lasten mit, die sich ablegen ließen (durch ein paar Therapiestunden oder ähnliches)?
Bei mir hat unlängst schon eine einzige Stunde (bei einem weiblichen Coach) gereicht, um etwas loszuwerden.

Alles Liebe und Gute!
 
Danke für deine Antwort. Mehr Geld, weniger Arbeit. Hauskauf in der Großstadt mit geringen finanziellen Mitteln. Kind mit Pflegegrad 5, Eltern, die auch unterstützt werden müssen. So schön es wäre, da hilft auch kein Kinderlachen und kein neuer Job.

Nein nicht Hauskauf mit geringen Mitteln wie kommst Du darauf , erst müssen natürlich die Mittel her. Dann würde es Dir doch besser gehen oder ?
Für mich beklagst Du irgendwie die Lage so, als wärest Du irgendwie unverschuldet durch die Abwendung des Partners in die Situation gekommen.
Es hört sich so an, wie, daß er Dich wegen dem behinderten Kind sitzengelassen hat.

So , als wäre er der Belastung aus dem Weg gegangen, die Du nun zu tragen hast.
Aber , wenn Du genug Geld hättest, bei den Ämtern nur das beantragen müsstest, was Dir als Gutverdiener zusteht, Unterstützung für die Eltern hättest oder einen neuen Partner der das mitbringt, dann würde es Dir besser gehen?



Mein Kind empfinde ich nicht als Belastung.

Das ist doch toll, bei vielen ist das nämlich so, daß sie das Kind als Belastung empfinden. Ich bringe mich in ein Kinderhospiz mit ein, weil die da unschuldig in die Lage kommen, nicht mehr lange zu leben.
Da erlebt man Eltern aller Facetten und viele können mit der Belastung nicht umgehen, obwohl sie zusammen sind und nicht arbeiten gehen.
Du machst Deinen Job, versorgst Dein Kind und kümmerst Dich noch um die Eltern, ganz ehrlich Hut ab.



Aber die Pflegesituationen, die Arztbesuche, die Therapien, die Sorgen um Gesundheit und Leben des Kindes - das IST alles belastend und lässt sich auch nicht mit Jammern erklären. Sorry.

Da hast Du vollkommen recht, aber ich denke, Du hast mich da falsch verstanden. Ich schrieb....... sich nicht auf das Jammern fokussieren .....und genauso war das auch gemeint.
Bei vielen Menschen ist das so, sie resignieren, weil die Belastung zu groß ist und sie denken, sie müssen das als Schicksal betrachten, so als gäbe es keine Alternativen.

Ich habe auch längere Zeit einen alten Menschen gepflegt, wenn ich arbeiten war , war ne Pflegekraft da, weil auch in der Zeit muß so ein Mensch versorgt sein, jetzt könnte man meinen, das wäre einfach gewesen, aber bei mir hat es wirklich an der Leistungsgrenze genagt, der Tagesablauf , morgens um 5 raus bis 16 arbeiten und dann halt den ganzen Abend so bis 21 oder 22 Uhr praktisch keine Zeit für sich selbst, sondern voller Einsatz, Mensch bettlägerisch, auch Pflegegrad 5, nur bei mir war der Unterschied, der Mensch wurde älter und starb, was abzusehen war, so wußte ich, irgendwann werde ich wieder Zeit für mich haben.
Bei Dir ist aber der Wunsch, das das Kind möglichst lange lebt und vielleicht sogar über Deinen Tod hinaus noch optimal versorgt wird.
Betrachtet man die Pflegesituation in Deutschland, grade für Behinderte und alte Menschen aber auch für Kinder, so stellt man fest das die keine Lobby haben, hier dreht sich alles nur ums Geld, die kosten nur deshalb sind die negativ besetzt.
Schade eigentlich, geht man in andere Länder, fehlt es da manchmal am bürokratischen System mit klaren Regelungen und guten Pflegegesetzen, an Versicherungsmöglichkeiten und natürlich auch am Geld , aber komischerweise sind die Menschen herzlicher.
Da greift dann auch mal der Nachbar mit unter die Arme, meist ist die Familie groß und viele Hände schaffen mehr.

Dafür das das System auf der bürokratischen Seite so "weit" ist , ist es auf der geldwerten Seite trotzdem noch extrem geizig.

Ich habe die Pflegesituation als sehr belastend empfunden, habe aber diese Belastung trotzdem auf mich genommen, weil ich der Oma das Sterben Zuhause ermöglichen wollte.

Stelle ich mir nun vor , dazu käme noch ein pflegebedürftiger Opa und ein behindertes Kind, so frage ich mich , wie ich das hätte schaffen sollen, das einzige was mir einfällt , wäre das ich noch tiefer in die Tasche hätte greifen müssen, um noch mehr Leute zu bezahlen.

Ich wünsche Dir nen fetten Lottogewinn.Genauso wünsche ich Dir jemanden an Deine Seite , der die Situation mit Dir trägt, ohne wenn und aber.

Na und wenn ich darüber nachdenke, dann würdest Du das nicht geregelt kriegen, wenn Du Dich aufs Jammern fokussiert hättest, das ist mir klar , nur zukünftig ist es auch gut, das nicht zu tun, so wie Du das machst, das zeigt ja das es läuft, auch wenn die Situation extremst belastend ist, das Du es irgendwie geschafft hast, bis da wo Du jetzt bist und wenn Du dann mal einen Tag hast, wo die Verfassung Dir sagt , boh ist das viel, dann ist das nachzuvollziehen und für jeden halbwegs klar denkenden Menschen verständlich.

Oft ist es aber so, das die Belastung zunimmt und an dem Punkt, wo es dann das eigene Leistungsvermögen übersteigt, der Mensch dazu neigt, irgendwie zu resignieren.

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Gut ist es , wenn man den Punkt zu erkennen in der Lage ist, so das man sich davor schützen kann und weiterhin die Kraft hat, das man erkennt, wie man , wo man , was man tun kann, blöd ist, wenn man irgendwann völlig ausgebrannt ist und selbst nichts mehr tun kann. Leider kommt die Situation aber allzu häufig vor, da geht es dann oft auf Kosten der Hilfebedürftigen.....

aber wer hat dann mehr Mitleid verdient, derjenige der sich für andere völlig aufgerieben hat oder derjenige der die Flucht ergreift ?

Weißt Du im ersten Moment dachte ich , das war schofelig von dem Typen zu gehen, im zweiten Moment dachte ich mir, eigentlich tut mir der Typ leid.
 

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