Nachtseite
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@ Nachtseite
Vorab, bevor möglicherweise ein falscher Eindruck entsteht, meine Ausführungen sind nicht als Angriff auf Deine Person zu verstehen.
Meine Anmerkung bzgl. der Frührente hast Du falsch verstanden. Die Frühberentung wurde als fiktive Traumlösung, unter Deiner Annahme, dass die Auswirkungen einer Sozialen Phobie nur im Arbeitsleben negativ auf die Lebensqualität wirken, genannt. Ich bin dafür die Ursache und nicht bloss Symptome zu bekämpfen.
Was Deine Ausführung zu Deinem eigenen Leben betrifft, so ist fraglich, ob tatsächlich eine Sozial Phobie und/oder eine weitere Störung vorliegen. Das können wir hier schlecht klären. Die Tatsache, dass Dir soziale Kontakte nichts geben, zeigt, wie traurig die Auswirkung dieser Phobie sein kann. Würde man genau hinschauen könnte man feststellen, dass Dein Gefühl, dass Du keine Kontakte brauchst, möglicherweise von Deiner Vermeidungsstrategie oder einer anderen Störung herrührt. Dir hier noch mehr dazuzuschreiben bringt sicherlich überhaupt nichts. Du hast Deine Taktik (und ggf. eine weitere Störung), die Dich gefangen hält und solange Du dies nicht selbst erkennst und Dir Hilfe suchst, wirst Du auch keine andere Meinung zulassen.
"Ich kann wochenlang mit keinem Menschen reden und bin dennoch glücklich." Du hast aber das Wissen über die Möglichkeit, dies zu tun. Wochen sind ein absehbarer Zeitraum. Ich bezweifle, dass Du in den Wochen keine Kontakte hast. Oder bevorratest Du alles für mehrere Wochen, lässt TV, Radio, Internet, Telefon etc. ausgeschaltet...etc.? 😉
Es ist Deine Entscheidung weiter mit "Zahnschmerzen" herumzulaufen und alles zu tun, um den Schmerz zu vermeiden...es wird Dein Problem aber nicht lösen, sondern ganz im Gegenteil auf Dauer verschlimmern.
Ich finde es aber nicht in Ordnung, wenn man andere Betroffene dabei unterstützt ihre Phobie zu verstärken, anstatt ihnen den verdienten Mut zuzusprechen und Wege aufzuzeigen, wie sie ihre Angst überwinden können.
Jetzt wird es ein wenig OT
Du hast geschrieben, dass Dir Kontakte überhaupt nichts bringen. Wie sieht es mit dem Thema Liebe aus? Kannst Du ein solches Gefühl empfinden? Kannst Du es fühlen, wenn Dir jemand Liebe entgegenbringt? Wie ist der Kontakt zu Deinen Eltern?
Danke für das Interesse an meiner Person. Aber ich brauche keine Therapie, da ich so wie es ist glücklich bin. Du scheinst auf diesem Gebiet gebildet zu sein und dein Beitrag ist sehr interessant. Da es aber nicht ich bin der Hilfe benötigt, möchte ich den Thread nicht mit meinen "Problemen" zersetzen. Da dein Beitrag aber wirklich sehr gut gelungen ist und man merkt, dass du wirklich Interesse hast, möchte ich dir gerne kurz antworten.
Nimm es mir nicht übel, aber ich zäume das Pferd von hinten auf.
Der Kontakt zu meinen Eltern und meinen Geschwistern ist gut aber distanziert. Soll heißen, dass ich nicht über Gefühle spreche und Körperkontakt wie zum Beispiel Umarmungen vermeide. Was ich jetzt nicht wirklich absonderlich finde. Ob ich Liebe empfinden kann, weiß ich ehrlich gesagt nicht, da ich ja nicht wissen kann ob ich das Gefühl der Zuneigung, genauso empfinde wie andere Menschen.Des Weiteren gibt es Liebe in diesem Sinne nicht. Es handelt sich dabei ja lediglich um ein Konstrukt um komplizierte biochemische und neurobiologische Prozesse und Zustände zu erklären. Ob diese Prozesse der Norm entsprechend ablaufen, kann ich nicht beurteilen.
Ich kann es nicht fühlen, ob mir jemand Liebe entgegenbringt.
Ich habe eine Freundin. Aber um deine Vermutung zu bestätigen, ja, auch hier habe ich Probleme. Meine erste richtige Beziehung hatte ich mit 26. Was einerseits daran lag, dass ich nur schwer auf Personen zugehen kann. In viel stärkerem Maße jedoch daran, dass ich von anderen Menschen als merkwürdig empfunden werde. Ja, ich weiß was du denkst. Gerade der unbegründete Glauben, von anderen Menschen als komisch wahrgenommen zu werden, ist ja das was eine Soziale Phobie auszeichnet. Das ist hier nicht der Fall, da es mir bereits mehrfach ganz offen kommuniziert wurde, dass ich merkwürdig sei.
Dass ich als merkwürdig empfunden werde, liegt meiner Meinung zum wesentlichen Teil, dass ich den kommunikativen Akt, wenn er um seiner selbst Willen ausgeführt wird, nicht behersche und ablehne. Damit meine ich, dass ich nur sprechen kann, wenn es etwas zu sagen gibt. Smalltalk kann ich nicht.
Zu deinen Zweifeln, ob ich tatsächlich Wochen lang keine Kommunikation habe. Fernsehen und Radio sind eine einseitige Kommunikation. Also nichts wovor ein Sozialphobiker Angst haben müsste und einkaufen kann man heutzutage ohne auch nur ein Wort zu sprechen.
Ob meine Zufriedenheit mit meiner sozialen Isolation im Grunde das Resultat einer Vermeidungsstrategie ist, wie du vermutest, kann ich nicht beurteilen, dazu bin ich nicht reflexiv genug. Gegen die Theorie der Vermeidungsstrategie spricht meiner Meinung, dass ich auch die kommunikativen Wege, die mir als Sozialphobiker offenstehen, wie z.B Foren und Facebook, nicht nutze. Ich habe keinen Facebookaccount und auch sonst kommuniziere ich kaum im Internet. Obwohl es mir nichts ausmacht schriftlich zu kommunizieren. Das einzige Forum in dem ich schreibe ist dieses hier und auch hier nur alle paar Monate.
Mit deiner Aussage, dass Studien beweißen, dass jeder Mensch soziale Kontakte benötigt, hast du natürlich recht. Mir gibt Umgang mit Menschen dennoch nichts. Es ist ja nicht so, dass in der normalen Alltagskommunikation irgendwelche wichtigen Inhalte ausgetauscht werden, die mir neue Perspektven und Bewußtseinsebenen eröffnen. Eigentlich wird meistens gar nichts gesagt, was irgendwelche inhaltliche Relevanz hätte. Bei der Alltagskommuniktion handelt es sich ja eher um ein Ritual, das dazu dient seinen Platz in der Gruppe zu bestätigen. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe die früher Lebensnotwenig war, ist heute obsolet geworden: Man kann auch ohne Sie überleben. Deshalb befriedigt der soziale Kontakt als reiner Selbstzweck niedere, heute unnötige Instinkte, die ich vielleicht einfach nicht habe. Deshalb sehe ich meine soziale Phobie als Teil meiner Persönlcihkeit und nicht als Störung.
Tut mir leid, wenn das bisherige wirr ist. Ich kommuniziere nicht oft, deshalb bin ich nicht gut darin meinen Gedanken Ausdruck zu verleihen. Ich hoffe man versteht dennoch, was ich meine.
Zu deiner Kritik man solle die TE nicht in ihrer Phobie bestätigen. Du magst darin recht haben. Vermutlich bin ich als Betroffener nicht objektiv genug. Es verärgert mich dennoch, dass man in einer Gesellschaft, die dauernd auf Ihre Toleranz pocht, als ungeselliger Mensch keine noch so kleine Nische bekommt, in der man ein erfülltes, zufriedenes Leben führen kann. Die TE hat lediglich gefragt,welchen Beruf sie ergreifen kann, der ohne soziale Kontakte ausübar ist. Eine Antwort auf diese Frage hat sie nicht bekommen. Es wird von der Gesellschafr anscheinend nicht akzeptiert, dass man so lebt, wie man möchte, wenn diese Leben abseits der Norm ist.
Ein Tipp, der viel Gefährlicher ist, gerne gegeben wird und auch in diesem Thread bereits aufgetaucht ist, ist der, als Mensch mit einer Sozialen Phobie einen Beruf zu ergreifen, indem man sehr viel Kontakt mit Menschen hat. Also eine Art Konfrontationstherapie. Ich habe vor Jahren genau diesen Tipp bekommen, naiv wie ich war, hab ich den Ratschlag umgesetzt. Habe mich meinen Ängsten gestellt und mit Menschen sozial intergiert.
Das Resultat: Heute bin ich arbeitslos.
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