Hallewolf ich bin dir ähnlich. Ich studiere ebenfalls Jura. Allerdings lebe ich in nicht in Deutschland. Ich bin nur zufällig über dieses Forum gestolpert. Ich werde diesen Monat 22 und bin im zweiten Jahr. Eigentlich würde ich viel lieber arbeiten statt studieren, aber in meinem Land liegt die Arbeitslosenquote bei 45% mit der Tendenz zu steigen. Es gibt sogar Arbeitslose mit einem abgeschlossenem Medizinstudium. Mein Vater aber ist Anwalt und sollte ich mein Studium abschließen, könnte ich noch am selben Tag anfangen bei ihm zu arbeiten. Der Langzeitplan ist, dass ich seine Kanzlei übernehme, wenn er in Rente geht. Das einzige Problem: Ich hasse Jura und ich hasse die Arbeit von Anwälten aus ganzem Herzen. Ich bin kein fauler Mensch. In der Schule war ich einer der besten Schüler in der Klasse. In den meisten Fächern hatte ich Einsen. Ich hasse nur Jura. In Mathe oder Kalkulationen allgemein bin ich viel besser. Aber Jura bietet mir eine sichere Zukunft, also studiere ich es.
Ich hasse jeden Tag meines Lebens, seitdem ich angefangen habe zu studieren. Ich studiere in einer anderen Stadt. Lebe alleine in einer 60 Quadratmeterwohnung, die mir gehört (Anwälte verdienen gut, denn meine Familie besitzt ein riesieges Haus und zwei Wohnungen in anderen Städten). Wir sind reich. Jeden Tag verbringe ich alleine in der Wohnung und lese Bücher. Bin jeden Tag alleine. Manchmal verbringe ich 2-3 Tage ohne ein einziges Wort mit jemandem zu wechseln. An der Uni habe ich einige Bekanntschaften geschlossen, aber das sind nur Bekanntschaften, keine Freunde. Freunde habe ich wenige, weil das Studium das meiste von meiner Zeit in Anspruch nimmt, denn ich möchte es in der Regelzeit abschließen. Es bleibt nicht viel Zeit für Freunde neben Vorlesungen, Prüfungen, Schlafen, Kochen, Lernen und den zwei Stunden pro Tag, die ich brauche, um zur Uni zu gehen und zurück. Eigentlich war ich nie ein kommunikativer Mensch. Bin schüchtern und zurückgezogen. Parties mag ich nicht. Alkohol trinke ich aus persönlichen Gründen nicht. Das dürften ebenfalls Gründe sein, warum meine Freundesliste nicht gerade die längste ist. Wegen der täglichen Isolation in der ich lebe, wegen des Lernens des Stoffes, der mich überhaupt nicht interessiert, wegen des ganzen Drucks das Studium in der Regelzeit abzuschließen, wegen der Tatsache, dass ich mit 22 noch Taschengeld vom Vated bekomme und keine Gelegenheit habe zu arbeiten und mein eigenes Geld zu verdienen, wegen des Gedankens daran, dass ich 40 Jahre lang einen Job machen muss, den ich eigentlich hasse, verfluche ich mein gesamtes Leben. Ich verfluche den Tag an dem ich gezeugt wurde. Ich verfluche den Tag an dem ich geborwn wurde. Ich verfluche den Tag an dem die Welt entstand. Jeder Tag ist eine neue Qual für mich. Manchmal schlage ich mich selbst aus Verzweiflung, manchmal schlage ich mit meinen Fäusten gegen die Wand. Manchmal blutet die Faust, ist aber nicht schlimm. Manchmal wünschte ich, ich würde sterben. Ich werde froh, wenn ich sehe, dass andere Menschen leiden, denn dann weiß ich, dass ich nicht der einzige bin, der leidet. Man könnte sagen, dass ich mich an ihrem Leid nähre. Obdachlosen gebe ich kein Geld, an Wohltätigkeitsaktionen nehme ich nicht teik (was ich vor dem Studium tat), denn andere sollen ebenfalls leiden!!!
Das ist ein ganz schön langer Beitrag geworden, aber ich musste mir das von der Seele reden. Bei deinem Problem kann ich dir nicht helfen, aber du sollst wissen, dass es andere gibt, die sich in deiner oder einer subjektiv schlimmeren Situation befinden. Jetzt muss ich gehen und Verfassungsrecht lernen. Das verdammte Buch hat fast 400 Seiten. Ich habe gute Chancen dieses zweite Jahr in der Regelzeit zu absolvieren, genau wie das erste Jahr.
Viel Glück bei deinem Problem. Ich hoffe du findest deinen Weg. Das meine ich jetzt ernst, denn ich kann mir vorstellen, wie es dir geht.