Das ist etwas, was ich nie so recht verstanden habe. Wenn ich eine Million Euro, respektive eine Milliarde Euro, "aus dem Hut zaubern würde", ggf. auch noch ein Freund von mir, und ein paar andere, dann hätten wir eine Inflation?
Die Geldmenge in Deutschland beträgt ca. 4.300.000.000.000 USD.
Eine Milliarde mehr würde also keine Inflation auslösen bzw. die Auswirkung wäre vermutlich kaum messbar.
Wir haben ca. 85 Milliarden Deutsche. Geben wir jedem davon 1 Milliarde Euros, würde sich die Geldmenge trotzdem um nur ca. 2% erhöhen. In der Realität wird die gesamte Geldmenge nicht auf dem deutschen Markt eingesetzt. Ein großer Teil liegt z.B. als Spareinlagen fest bei den verschiedenen Banken und Versicherungen.
Für die Inflation ist die Geldmenge entscheidend, die am Markt in Form von Kaufkraft auch eingesetzt wird. Es gibt aber nicht nur einen Markt, sondern viele. Markt für Wohnungen, Lebensmittel, Autos ...
Das statistische Bundesamt wählt eine Reihe von relevant erscheinenden Produkten (Teilmärkte) aus, um Preiserhöhungen festzustellen und ermittelt daraus einen Durchschnittswert.
Inflation will ich an folgendem Beispiel erklären:
Jeder Markt ist in einem Gleichgewicht, wenn die Menge des jeweiligen Produkten (oder Dienstleistung) einer bestimmten Geldmenge (Geldwert) entspricht. Gesetz des Marktes ist, dass der Markt immer nach einem Gleichgewicht strebt. Geldmenge/ -wert = Warenmenge / -wert
Deflation:
Erhöht sich die Warenmenge, dann steht der Warenmenge die dazu in Relation stehende kleinere Geldmenge gegenüber. Also kann man "heute" mit weniger Geld als gestern die gleiche Warenmenge einkaufen oder mit der gleichen Geldmenge mehr Waren einkaufen. Das nennt sich Deflation.
Diese Situation haben wir z.B. auf dem Automarkt, wo mehr Fahrzeuge zum Kauf angeboten werden, als von Käufern nachgefragt. Die Händler haben nichts davon, wenn die Autos rumstehen. Also senken sie die Preise.
Inflation:
Erhöht sich die Geldmenge, dann steht dieser Geldmenge die gleiche Produktmenge gegenüber, wie vor der Erhöhung der Geldmenge. Das Gleichgewicht entsteht dann dadurch, dass die Preise steigen. Den gleichen Effekt haben wir wenn die Produktmenge sinkt, weil - z.B. bei Gemüse - die Ernten schlechter ausfallen als im Vorjahr.
Beispiel: Der Anbieter von 1 Stück Butter à 500 gr. der Sondermarke Sonnenschein weiß, dass Du der einzige Kaufinteressent bist und bereit, für dieses Stück Butter 3 Euro auszugeben.
Das Gleichgewicht heisst: 3 € für 500 gr.
Jetzt kommt ein neuer Kaufinteressent. Auch er will 3 € ausgeben. Die Geldmenge auf diesem kleinen Teilmarkt hat sich also verdoppelt.
Da es nur einmal 500 gr. gibt, teilt der Anbieter das Stück Butter und gibt jedem 250 gr. für 3 €. Der Preis hat sich also verdoppelt, weil sich auch die Geldmenge auf diesem Teilmarkt verdoppelt hat. Der Anbieter verdient jetzt 6 €.
Natürlich könnte der Anbieter die Produktion von Sonnenschein erhöhen und 2 Stück anbieten. Aber warum sollte er das tun? Jeder Käufer will nur 3 € investieren. Signalisieren die Käufer, dass sie unbedingt 500 gr. wollen, dann erhöht der Anbieter auch die Menge, weil er jetzt Butter für 12 € verkaufen kann.
Alles klar?
LG, Nordrheiner