Deine Verwirrung ist nachvollziehbar, aber im Moment projizierst du sehr viel in eine Situation, die faktisch noch offen ist.
Was klar ist: Das tägliche, lange Schreiben bis nachts ist nicht „normal-kollegial“. Das ist emotionale Nähe. Gleichzeitig ist ebenso klar, dass sie gerade aus einer Enttäuschung kommt und du für sie im Moment eine sichere, verfügbare, verständnisvolle Bezugsperson bist. Beides kann gleichzeitig stimmen.
Was nicht klar ist – und das ist das Kernproblem – ist ihre Intention. Und solange ihr nicht über euch sprecht, bleibt das ein Schwebezustand, der für dich zunehmend ungesund wird.
Ein paar nüchterne Punkte zur Einordnung:
- Ob sie Interesse hat, lässt sich aus Schreiben, Necken und Einladungen allein nicht belastbar ableiten. Viele Menschen bauen Nähe auf, ohne eine klare romantische Absicht zu haben.
- Das Timing ist ungünstig. Sie verarbeitet gerade etwas anderes. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass du zumindest teilweise emotionale Stütze bist.
- Arbeitsplatz-Regel: „Don’t f** the company“ ist kein moralischer Grundsatz, sondern ein Risikomanagement. Das Risiko trägst du, nicht sie – vor allem emotional.
Was ich dir raten würde – und das kannst du ihr auch so oder ähnlich sagen:
Nicht analysieren, sondern klären. Ruhig, erwachsen, ohne Drama.
Zum Beispiel sinngemäß:
„Ich schreibe sehr gern mit dir und verbringe gern Zeit mit dir. Gleichzeitig merke ich, dass mich das gerade mehr beschäftigt als mir lieb ist. Bevor ich mir Dinge zusammenreime: Wie siehst du das eigentlich zwischen uns? Rein freundschaftlich oder mit offenem Ausgang?“
Das ist keine Liebeserklärung und kein Druck. Das ist Selbstschutz.
Wenn sie sagt: nur Freundschaft – dann hast du Klarheit und kannst entscheiden, ob und wie viel Nähe für dich noch gut ist.
Wenn sie zögert oder ausweicht – ist das auch eine Antwort.
Wenn sie Interesse hat – dann könnt ihr bewusst und vorsichtig weitergehen.
Wichtig: Warte nicht darauf, „dass sich etwas ergibt“. Das tut es am Arbeitsplatz selten schadlos.
Du bist kein Problem, weil du Gefühle hast. Aber du würdest dir selbst schaden, wenn du sie weiter im Unklaren lässt und dich in Interpretationen verstrickst.