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Was tun, wenn der Freund abrutscht?

So wie ihr eure Extremen kennt und äußert, äußere ich meine Erfahrung, also hört auf andere oder mich zu verurteilen. Ihr wart nicht in solchen Kreisen und habt trotzdem eure Erfahrung gemacht und ich war in solchen Kreisen und kenne zum Glück niemand der sowas wie ihr beschrieben durchgemacht hat, womit ich aber niemals gesagt hab das es ungefährlich wäre. Jeder macht seine eigenen Erfahrungen und ich hab oben geschrieben das ich es nicht befürworte. Ich wollte ihm einfach die Angst nehmen, weil es auch anders ablaufen kann und er eh nichts daran ändern kann wie es letztendlich ablaufen wird. Das weiß keiner, nicht ich und nicht ihr. Sein Kollege kann nur selbst über sein Leben bestimmen sonst keiner und dabei wird er entweder auf die Schnauze fallen oder eben nicht.
Ihr seid wirklich nicht aufbauend und dazu sehr unhöflich... ihr stempelt Menschen direkt ab und glaubt nicht an sie. Wegen solchen Leuten haben Menschen wie ich Ängste und sind verunsichert.
 
Niemals könnt ich jemand gleich abstempeln, vor allem mit grade mal 19 Jahren, der grad ne schlimme Laufband einschlägt im Leben. Wer weiß wieso und dann kommen so Leute und stempeln einen gleich als Junkie und Loser ab... klar da würd ich auch schwer aus dem Loch kommen, wenn mich gleich jeder aufgibt... Vorurteile kann jeder haben, aber was dahintersteckt sehen leider wenige... DAS ist traurig...
 
Und Btw ist Alkohol auch eine Droge, ist genauso schlimm, aber das sieht dann wieder keiner und wird toleriert... Aber sobald jemand raucht, spricht man gleich von Heroin und den schlimmsten Drogen und denkt das die Menschen total abstürzen.... aber bei Alkohol sagt fast keiner was... Menschen sind mir ein Rätsel...
 
Bei Alkohol gibt es auch aus guten Gründen eine Altersbeschränkung. In der Jugend wird der größte Schaden angerichtet, wenn sich das Gehirn noch entwickelt. Mit 18 sind wir in Deutschland ohnehin früh dran mit der Freigabe, in den USA z. B. liegt die Grenze bei 21, was in Sachen Drogen vernünftig ist.
 
bitte streitet euch nicht. jeder hier hat mit sicherheit recht. Jeder macht verschiedene Erfahrungen und ich bin dankbar für alle erfahrungen. Die Antwort von Nachtara hat mir tatsächlich etwas die Angst genommen. Was nicht bedeutet, dass ich jetzt viel entspannter bin. ich bin auch der meinung dass man menschen nicht direkt aufgeben sollte und bin auch dafür dass man menschen lieber helfen sollte als direkt nach einem jahr der abwesenheit abschreiben sollte. ich hoffe dass er noch mal auf die richtige bahn gerät wenn nicht tut mir das sehr leid für ihn. was mich einfach am traurigsten macht ist dass ich versuche ihm zu helfen und ihm die augen zu öffnen aber er es einfach nicht hören will. es ist so traurig dass die person sich das ganze leben kaputt machen kann nur wegen einer schlechten phase im leben. das kann ich absolut nicht verstehen. einfach traurig.
 
Hallo Tobi

Ich kann deine Sorge um deinen Freund sehr gut verstehen. Es ist die Hilflosigkeit die einem auffrisst.

Ich bin seit fast 20 Jahren Sozialpädagogin in der Jugendhilfe und arbeite genauso lange mit Jugendlichen zwischen 15 und 20 Jahren. Wie du dir vielleicht vorstellen kannst ist Kiffen und z.T. auch der Konsum von härteren Drogen ein tägliches Thema bei meinen Schützlingen.

Vielleicht ist es für den Gesamtkontext wichtig und hilfreich zu wissen, dass sich der Stoff in den vergangenen Jahre sehr verändert hat. Früher war ein Joint «relativ» harmlos. Heute handelt es sich oft um hochgezüchtetes Material mit einem viel höheren THC-Gehalt. Dies ist mit dem Gras von früher nicht zu vergleichen. Dazu kommt, dass vieles, gerade minderer Qualität, mit Chemikalien etc. versehen wird um trotzdem das Aussehen von qualitativ gutem Stoff zu erhalten. Von aussen ist beinahe nicht zu beurteilen, ob es sich um «reinen» oder «verunreinigtem» Stoff handelt, schon gar nicht für Neueinsteiger. Bei uns gibt es Prüfstellen wo es möglich ist eine Probe straffrei zur Analyse zu geben, so hat man evt. ein Anhaltpunkt ob sein Dealer vertrauenswürdig ist oder nicht. Wenn schon gekifft wird, dann bitte doch qualitativ guter Stoff. Allgemein ist zu sagen, dass das Kiffen heute ein grösseres Gefahrenpotential hat als jenes von Früher, gerade durch die dazu gemischten Substanzen, und nicht unterschätzt werden sollte.

Es stimmt auch, dass es Konsumenten gibt welche später auf harte Drogen wechseln im Verhältnis sind dies jedoch wenige. Ja es stimmt auch, dass es jene Menschen gibt welche durch den Konsum von THC Psychosen entwickeln, doch auch das sind wenige. (Die Gefahr ist hier erhöht, wenn in der Familie psychische Erkrankungen wie Schizophrenie oder ähnliches vorhanden sind oder wenn es schlechter Stoff ist). Aus meiner Erfahrung ist es so, dass die meisten Jugendlichen welche regelmässig Kiffen auch wieder damit aufhören wenn sie erwachsen werden. (Ja ich zähle dein Freund mit seinen 19 Jahren zu den Jugendlichen). Die meisten kommen früher oder später selber drauf, dass dieses Verhalten sie behindert und es da noch etwas anderes im Leben gibt als den Joint. Meistens bedeutet dies auch eine Abkehr von seinen «Kifferfreunden», denn es ist selten das eine ganze Gruppe gemeinsam aussteigt. Manchmal benötigt es für den Sinneswandel Kontakt zur Polizei und Gericht, manchmal heftigere Abstürze, Jobverlust usw. doch die meisten hören auf oder reduzieren auf ein Mass das mit einem Joint am Wochenende, aus meiner Sicht, «OK» ist. Zum Glück leben wir in Ländern in denen es, wenn es denn soweit ist, Unterstützung gibt und es auch möglich ist zu einem späteren Zeitpunkt eine Ausbildung zu absolvieren etc.

Gib also dein Freund nicht auf, es wäre schade. Die Chance ist gross, dass es «bloss» eine Phase ist. So wie ich dich verstanden habe seid ihr seit vielen Jahren befreundet und gemeinsam durch eine schwierige Zeit gegangen, es wäre schade diese Freundschaft einfach hinzuschmeissen. Es ist wieder eine schwierige Zeit und es ist eher ein Marathon als ein Sprint. Es ist wichtig, dass du dementsprechend auf deine eigenen Energien und deine eigene Gesundheit achtest. Sei dir bitte auch immer bewusst, dass du nicht für ihn verantwortlich bist. Du kannst als Freund Handreiche bieten und Angebote machen, auch dann, wenn er diese 1000mal ausschlägt, doch er für sein eigenes Leben selber verantwortlich. Du musst dir selber nicht untreu werden und dir vor allem keine Vorwürfe machen.

Meiner Erfahrung nach haben jene Jugendliche welche so regelmässig Kiffen wie du es beschreibst noch andere Thematiken welche sie nicht angehen wollen/können. Du hast von Mobbing geschrieben, weisst du noch von anderen Themen welche ihn belasten könnten: Gibt es z.B. Probleme in der Familie, in der Schule, im Freundeskreis, hat er Erfahrungen mit Gewalt, Misshandlung etc. Wie handhabt er die Covid-Situation? Menschen mit Suchtthematiken sind auch oftmals sehr sensibel, verletzlich und unsicher auch wenn sie dies gegen aussen nicht zeigen. All das können Puzzleteile sein um besser zu verstehen. Ich aus meiner Perspektive kann dir nur sagen das ich, wenn ich es verstehe, viel besser mit der Situation umgehen kann.

Du hast konkret gefragt was du tun kannst. Ich versuche konkret zu antworten:

Achte auf deine eigene Gesundheit und deine Energie indem du die Dinge tust die dir Kraft schenken. Wenn du durch seine Sucht krank wirst hilft das keinem von euch beiden.

Versuch keine Erwartungen zu haben, keine Vorwürfe zu machen und offen zu sein, so dass dein Freund die Sicherheit hat zu dir kommen zu können auch wenn es ihm schlecht geht.

Bleib in Kontakt, vielleicht durch persönliche Treffen vielleicht einfach über die sozialen Medien auch dann, wenn er über Wochen und Monate nicht reagiert, auch dann wenn er dich versetzt. Bleib am Ball, es ist ein Marathon kein Sprint. Ich bin sicher irgendwann ist er froh um einen ehrlichen Freund der da ist und ihn unterstützt. Achtung dies bedeutet nicht, dass du dich verbiegst. Wenn du mit seinen neuen Freunden keinen Kontakt willst, dann ist dies OK. Wenn du Orte meiden willst, dann ist dies auch OK, wenn du gehst wenn er kifft, dann ist dies OK. Du musst dich nicht verbiegen. Er ist dein Freund und es ist eure Freundschaft, keiner soll/muss sich für den anderen aufgeben.

Gib ihm Zeit und wenn er will ein offenes Ohr für seine Probleme, doch kein Geld.

Das Thema Kiffen sollte nicht konstant präsent sein. Versuch dich darauf zu konzentrieren was ihr Positives erlebt habt und thematisiere dies. Was habt ihr früher gemeinsam unternommen, was waren eure Themen, was hat euch Kraft und Energie gegeben, könnt ihr dies wiederholen? Wenn ihr bei jedem eurer Begegnungen Kiffen als Thema habt und dein Freund sich durch deine Belehrungen und Vorwürfe abgewertet fühlt hindert dies der Kontakt eher und bewirkt evt. dass er aus Scham nicht kommt, wenn er dich am meisten braucht. Mein Tipp wäre nur ab und zu nach zu Fragen und deine Sorge zu äussern. Wenn es geht möglichst ohne Vorwurf. Frag vielleicht eher nach was er denn davon hat und versuch es zu verstehen.

Wen gibt es sonst noch der helfen kann? Was ist mit seinen Eltern, Geschwister, anderen Freunden, Lehrer, Psychotherapeuten, Sozialarbeiter etc.

Lass dich auf keinen Fall beschwatzen selber zu Kiffen.

Meiner Erfahrung nach kannst du dich auch bei Suchtberatungsstellen melden, die helfen auch Menschen welche süchtige in ihrem Umfeld haben. Die können dir weitere Tipps geben.

Jetzt habe ich viel geschrieben. Meine Jugendlichen würden wiedermal die Augen verdrehen ;o). Ich hoffe du hattest genug Energie das Ganze durchzulesen und vielleicht kannst du ja das eine oder andere mitnehmen. Gib nicht auf…

liebe Grüsse, viel Energie und Gesundheit

Lavendula
 
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