Aus meiner Sicht ist der Punkt der, dass wir uns IMMER Partner suchen, an denen wir innerlich wachsen MÜSSEN, denn so funktioniert fast alles auf diesem Planeten. Wenn Du innerlich still stehst, wirst Du irgendwann überrollt. Und so bekommt die Partnerwahl noch einmal eine explosive Dimension mehr, die nichts einfach macht.
Was ich damit sagen will: er hat Dich vielleicht gerade als Partnerin gewählt, eben weil Du sehr offen und klar mit vielen Dingen umgehst, offenbar auch mit Deinen vermeintlichen Schwächen. Aber statt das zu schätzen und zu ehren, geht er auch noch schulmeisterlich mit Dir um. Könnte es sein, dass er bei Dir instinktiv nach einer Heilung seiner alten Verletzungen seines Selbstbewusstseins sucht? Er verfolgt quasi in Dir die Dinge, die man früher an ihm kritisiert hat? Ja, das klingt irgendwie unlogisch. Logisch daran ist, dass er mit Dir diese für ihn beschämende Situation erneut durchlebt, um sie nun hoffentlich erwachsener und einfühlsamer lösen zu können. Er "spiegelt" sein Verhalten auf Dich und kehrt damit an den Ort seines "Verbrechens" zurück. Aber wenn er das nicht erkennt, dreht er immer nur eine Schleife und macht Dir das Leben schwer. Darüber muss er "hinauswachsen" und nicht Du. Nur muss er das eben erst sehen können und meine Vermutung sollte nicht ganz falsch sein. Ist aber durchaus möglich.
Für mich war das Schwierigste in einer Beziehung meiner Partnerin Grenzen zu setzen oder auch meine und ihre Grenzen bewusst zu achten und damit "erwachsen" und ohne Drama umzugehen. "Hol mir mal ein Bier" muss keine Staatsaffäre werden. Aber wenn darin ein "Geist" erscheint, der von Selbstverständlichkeiten zum Nachteil eines anderen ausgeht, dann verschiebt sich das Ganze in die dunkle Zone. An manchen Tagen fällt es verdammt schwer, sich gegenseitig zu unterstützen, weil es dafür tausend Gründe geben kann und nicht alle lassen sich vom Tisch wischen. Aber wenn mein Partner zum Handlanger und Erfüllungsgehilfen wird, ohne die Dauer, den Umfang und den Sinn GEMEINSAM besprochen und akzeptiert zu haben, dann brennt es im Unterholz.
Du hast rein garnichts zu akzeptieren, nur weil dies ihm sein Leben leichter machen könnte. Wenn er sich mit seinem elitären Wissen als etwas besonderes sieht, dann zeigt das nur einen schlechten Charakterzug und ganz bestimmt keine Exzellenz. Dieses Wissen haben ihm andere ermöglicht. Ein wenig Demut wäre angebracht.
Wenn Du Dich mit manchen Dingen schwer tust, dann steht es ihm IN KEINEM FALL ZU, Dich dafür zu kritisieren. Jeder Mensch hat Schwächen. Manche davon bleiben, manche vergehen und manche holen ein irgendwann wieder ein. Wer das nicht achtet, achtet auch den Menschen dahinter nicht und das ist der nächste springende Punkt: wer vor anderen keinen Respekt und keine Achtung hat, zeigt damit einen weiteren schlechten Charakterzug und eine miese Kinderstube.
Du scheinst ein humorvoller Mensch mit einer bemerkenswerten Klarheit zu sein. Du kannst mit Worten Bilder malen und den Kern all dessen verständlich herausarbeiten. Du bist engagiert und vorausschauend und Du bist fähig zur Selbstkritik, ohne Dich zu schonen. Wenn Dir jemand Dich zum Vorwurf macht, dann starrt derjenige dabei meist in das eigene Spiegelbild und kann es nicht leiden. Du sollst wieder gut machen, woran er bislang gescheitert ist. Aber so läuft das nicht. Partner auf Augenhöhe machen so etwas nicht, denn damit verletzt und erniedrigt man andere Menschen und das steht NIEMANDEM zu.
Jemanden wie Dich an der Seite zu haben ist ein Privileg. Es ist aber sein Problem und seine Aufgabe, das zu erkennen und mehr noch, das auch zu schätzen. Wenn er das (noch) nicht kann, dann "wartest Du womöglich, wo kein Bus hält".
Für Dich gilt es zu lernen, zur Dir selbst zu stehen und nicht nur zu der Version, die er gerne hätte und in seinem begrenzten Horizont zu verstehen in der Lage ist. Du bist so viel mehr, dass seine Version dagegen wie ein Plakat wirkt. Lass Deine Welt nicht von ihm begrenzen. Ob er nicht anders kann oder nicht anders will, wen muss das scheren? Dich? Manche unserer "Dämonen" dürfen wir nicht einfach auf andere Schultern laden und das versucht er. Tut man das jemandem an, den man liebt? Ja, schon, kommt immer mal wieder vor, aber das sollte es nicht.
Ob Du eine Form von Autismus hast? Wozu? Nur, um ihm Recht zu geben und Dich in eine Schublade zu packen. Um Dich selbst besser zu verstehen, kann das FÜR DICH nützlich sein.
Mein Rat an Dich: Du duckst Dich aus verständlichen Gründen immer wieder weg, aber das eigentliche Problem scheint mir, dass dadurch seine miesen Charakterzüge nicht so sehr deutlich werden. Du springst für ihn in die Bresche, holst für ihn die Kartoffeln aus dem Feuer und er? Er muss nicht mehr wachsen. Du machst Dich klein für ihn. Tu das nicht mehr. Das fördert nur Neurosen und Dramen. Du darfst "Nein" sagen. Du musst keine Wäsche aus dem Keller holen und Dich von ihm herabsetzen lassen. Partner sollten über das "eifersüchtige kleine Kinder"-Stadium hinaus wachsen. Wenn schon nicht für sich selbst, dann für den anderen. So denken, arbeiten und lieben Partner.
Alles Gute