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Was ist, wenn ein Christ Selbstmord begeht? Frage an Christen und Atheisten

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Hallo Christaluise!

Ich sehe das ähnlich wie Du.

Ich halte den Selbstmord in bestimmten Situation für moralisch akzeptabel, manchmal sogar für geboten. Das hängt von der Situation ab. ZB kann man sein Leben für andere geben. Selbstmord widerspricht nicht notwendig dem Willen Gottes. Außerdem gibt es ja nach religiösem Verständnis ein Leben nach dem Tod. Daher ist der Tod doch nur ein relativer. Und daher sollte man ihn nicht zu hoch hängen. Der kleine Tod, den wir zB durch eine ungesunde Lebensweise an uns verüben, wird dabei leider oft übersehen.

Wenn der Selbstmord also moralisch legitim sein kann, dann ist er es auch vor Gott.

Ferner:
Hat sich das junge Mädchen überhaupt aus freien Stücken umgebracht? Du schreibst etwas von Depressionen. Vielleicht konnte sie gar nicht anders aus Verzweiflung.

Ich bin mir sicher, dass Gott - falls es ihn gibt - niemals einen Menschen für immer hängen lassen würde. Meines Erachtens gibt es immer einen Weg in Richtung Gott (zurück). Niemand wird für immer von ihm getrennt sein können.
 
Als ich die Frage stellte an eben diese Menschen, die ja auch eine Verantwortung für ihre Mitglieder haben (nur am Rande: Ich kannte das Mädchen nicht, weil ich in die Gemeinde nur mal "reingeschnupppert" hatte), erntete ich bitterböse Worte...

Die einen hören auf ihr Herz und die anderen auf ihre Religion. Der Unterschied dürfte klar sein. Besonders Menschen die glauben zu wissen was Gott will, gehören zur letzteren Gruppe von Menschen.
 
Auch die katholische Kirche hat sich längst dazu durchgerungen Selbstmörder nicht zu verdammen. Selbstmörder und Selbstmord als krankheitsbedingt einzuordnen. Dass ein wirklich freier Willen, der ja zur verdammungswürdigen Sünde erforderlich ist, da nicht gegeben ist.





.
 
Ob er legitim oder moralisch ist, entscheidet derjenige, der ihn verübt - er entscheidet über sein Leben udn seinen Tod und das ist seine ureigenste Entscheidung.
Komisch dass selbst das ihm von anderen noch abgesprochen wird.

_________

Das sehe ich genau so. Wenn jemand so verzweifelt ist, so schwer krank, dass er keinen Ausweg sieht, kann er selbst bestimmen. Also, er kann generell selbst bestimmen, so er es denn kann. Niemand anderes hat darüber zu walten und zu bestimmen. Ich würde mir das ausdrücklich verbitten. Das ist -mein- Leben. Ich bin aber der Meinung, dass man in dem Zusammenhang nicht den Tod anderer dabei inkauf nehmen darf, niemals. Das versteht sich für mich von selbst.
 
Die einen hören auf ihr Herz und die anderen auf ihre Religion. Der Unterschied dürfte klar sein. Besonders Menschen die glauben zu wissen was Gott will, gehören zur letzteren Gruppe von Menschen.

Hör endlich mit deinem Verallgemeinern auf, das ist unverschämt!!

Ich bin gläubig und ich finde es auch furchtbar kalt und gemein von diesen Kirchenleuten.
Das ist bestimmt nicht in Gottes Wille, daß ein junges Mädchen so schlechtgeredet wird, ganz zu schweigen davon, was sie der Familie antun!

Fanatiker ohne eigene Meinung gibt es leider überall, aber ich kenne persönlich keinen Menschen, der so reden oder denken würde. Egal, ob Theist oder Atheist.
Was leider nicht gerade für die kath. Kirche spricht, denn solche Stimmen kommen nur von dort (oder Sekten, aber das ist noch eine Stufe schlimmer)
 
Es muss 1967 gewesen sein. In unserem Schülerkreis gab es eine Mitschülerin. Sie wirkte eigentlich immer fröhlich. Ihr Wunsch war es, Medizin zu studieren. Sie verhaute eine Bio-Klausur und hätte damit wahrscheinlich nicht den Numerus für Medizin geschafft.

Auf dem Nachhauseweg wirkte sie entspannt. Es gebe ja noch andere Möglichkeiten für sie, vernahmen wir sie. Am nächsten Morgen, wir waren alle Fahrschüler, fehlte sie am Bahnhof.
Als wir mittags in unseren Heimatort zurück kamen, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer durch die Gemeinde. Unsere Mitschülerin war morgens nicht am Frühstücktisch erschienen, ihr Vater wollte sie daraufhin wecken.
Aber ihr Bett war leer. Eine im Ort stationierte Bundeswehreinheit durchkämmte daraufhin die Waldgebiete und fand unsere Mitschülerin erhängt vor.
Die gesamte Oberstufe unseres Gymnasiums und das komplette Lehrerkollegium der Schule nahmen an der Beerdigung teil. Der schon betagte Pfarrer erhob unterschwellig Vorwürfe gegen unsere Mitschülerin wegen des Leids, das sie ihren Eltern und ihren Mitschülern angetan habe.
Da war es mit unserer Fassung vorbei. Durch die versammelte Schülerschaft ging ein kaum überhörbarer Protest. Einer unserer Mitschüler hatte vorab bereits darum gebeten, am Grab ein Gebet sprechen zu dürfen. Obwohl es so viele Jahre her ist, sehe ich ihn noch heute da stehen. In seinem Gebet reagierte er auf den Pfarrer und bat um Vergebung für alle, die unserer Mitschülerin etwas schuldig geblieben seien.
Das ist mir bis heute unvergesslich.

Ich habe für mich die Frage nach dem Suizid auch theologisch geklärt. Wenn man fast 50 Jahre depressiv ist und unter depressiven Phasen leidet, ist man immer mal wieder auch suizidal. So weit es mir möglich ist, hole ich mir in kritischen Momenten Hilfe.
Das ist mir bisher auch immer gelungen. Ich bin aber an einem Punkt für mich klar. Das Stichwort heißt für mich "Würde". Sollte ich in meinem Leben einen Punkt erreichen, an dem ich meine Würde in einem sehr umfassenden Sinne bedroht sehe, werde ich für mich diese Entscheidung treffen.
Da ich an einen Gott der Liebe und der Barmherzigkeit glaube, kann ich mir nicht vorstellen, dass er einen Menschen, der aus dem Erleben der Ausweglosigkeit seinem Leben ein Ende setzt, verurteilt oder gar verdammt. Ich bin davon überzeugt, dass Gott einen solchen Menschen liebend annimmt.
Gleichwohl hoffe ich aber, dass der Gott, an den ich glaube, mir - wenn es denn wieder mal eng wird - eine andere Möglichkeit zeigt.

Das war jetzt sehr persönlich, aber ich denke, das kann ich nur so sagen.

H.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich habe die obige Frage wahrheitsgemäß beantwortet! Das ist - glaube ich wenigstens - in der Bibel ( im Katichsmus bin ich noch nicht soweit! ) in der Bibel garantiert so beschrieben. Selbstmord ist eine Todsünde. Wir zwar nicht im realen Leben bestraft ( außer man hilft dabei jemand und unterläßt anschließend lebensrettende Maßnahmen ) aber am jüngsten Tag, selbstverständlich. Und die Leute, die die Reste eines Selbstmörders und seiner verwandtschaft ächten, sidn freilich auftechte Gläubige.

Bin nicht bibelfest, aber war das nicht das Alte Testament mit der Todsünde?

(Ohne Ironie fänd´ ich Deinen Text besser. Ich nehme das Thema der TE gerne ernst. Bitte tue das doch auch.)

LG
Landkaffee
 
In der deutschen Übersetzung der Bibel, im fünften Gebot, heißt es. "Du sollst nicht töten." Auch, wenn ich persönlich die Wortschöpfung 'Selbstmord' etwas unglücklich finde, da unter Mord üblicherweise die gezielte Tötung eines anderen Menschen verstanden wird, ist damit die Haltung der Kirche eindeutig definiert:

Eine Selbsttötung widerspricht grundsätzlich dem Willen Gottes.

Immerhin erfreut es mich, dass die Selbsttötung der 20-jährigen angesichts tiefster Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit nicht von allen, sondern nur von "etlichen Gemeindemitgliedern" verurteilt wird. (Ich zähle mich mal zu dem kleinen Rest.)

Ich betrachte hier nur den Fall, einer überlegten Selbsttötung und schließe für die folgenden Betrachtungen Kurzschlussreaktionen einmal aus. Bei Bedarf bitte in einem neuen thraed...

Das Leben der 20-jährigen war durch ihren schlimmen Gesundheitszustand (schwere Diabetes mit häufigem Koma und massiven Depressionen) gekennzeichnet. Auch, wenn ich kein Arzt bin, vermute ich, dass es sich hier um eine ausweglose Situation - ohne Möglichkeit einer erfolgversprechenden Nierentransplantation - gehandelt hat. In diesem Fall hätte sich der Zustand des Mädchens über Jahrzehnte verschlechtert bis die zunehmenden gesundheitlichen Schäden sie irgendwann erlöst hätten.

Ist das der Wille Gottes?

Wohl eher nicht, denn er hat auch Kranke geheilt.

Nun besteht auch die Möglichkeit, dass die Diabetis medizinisch noch beherrschbar war, das Mädchen auf eine geeignete Spenderniere hoffen konnte, und die Selbsttötung also eine unüberlegte - nicht ihrem tatsächlichen Willen entsprechende - Handlung aufgrund ihrer schweren Depression war.

Ist das Gottes Wille?

Sicher nicht, andernfalls würde er seine Seele* wegen einer Tat zur Rechenschaft ziehen, deren Ausführung nicht seiner wirklich seiner Kontrolle unterlag. (keine Schuldfähigkeit)

Nun bliebe noch die dritte, in diesem Fall wohl eher theoretische Möglichkeit, dass das Mädchen überlegt und gezielt Notwendiges Unterlassen hat, um ihr Leben durch die nun eintretenden Folgen der Erkankung vorzeitig zu beenden.

Ich hoffe nicht...


Freundliche Grüße

John



* Die Christen glauben, wenn ich das richtig verstanden habe, an eine Auferstehung nach dem Tod, dergestalt, dass der Körper im Grab verbleibt und die Seele aufersteht. Es gibt also nach dem Tod keine Begegnung der Verstorbenen mehr, aber möglicherweise ein Wiedererkennen. Bitte korrigiert mich, falls ich da falsch liege.
 
Zuletzt bearbeitet:
Das weiß ich eben auch nicht, aber mich hat die Antwort, die sehr allgemein gehalten war, schon erschreckt und lautete: "Ich kann mit Depressiven nicht umgehen, irgendwie verstehe ich sie nicht" erschreckt, denn sie lässt befürchten, dass es eine GENERELLE Haltung ist...


Wer hat denn soetwas gesagt?

Und meinst Du, Du bist selber wegen Deiner Depressionen aus einer Gemeinde ausgeschlossen worden?

Das interessiert mich jetzt auch, Christa.

Also, so wie ich Dich hier im Forum erlebe und auch einige andere Gläubige in meinem Leben mitbekommen, erlebt habe, muss das dann ganz entsetzlich sein.
(Christa, das meine ich sehr ernst, auch wenn ich selber keiner Gemeinde angehöre.)

LG
Landkaffee
 
Es muss 1967 gewesen sein. In unserem Schülerkreis gab es eine Mitschülerin. Sie wirkte eigentlich immer fröhlich. Ihr Wunsch war es, Medizin zu studieren. Sie verhaute eine Bio-Klausur und hätte damit wahrscheinlich nicht den Numerus für Medizin geschafft.

Auf dem Nachhauseweg wirkte sie entspannt. Es gebe ja noch andere Möglichkeiten für sie, vernahmen wir sie. Am nächsten Morgen, wir waren alle Fahrschüler, fehlte sie am Bahnhof.
Als wir mittags in unseren Heimatort zurück kamen, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer durch die Gemeinde. Unsere Mitschülerin war morgens nicht am Frühstücktisch erschienen, ihr Vater wollte sie daraufhin wecken.
Aber ihr Bett war leer. Eine im Ort stationierte Bundeswehreinheit durchkämmte daraufhin die Waldgebiete und fand unsere Mitschülerin erhängt vor.
Die gesamte Oberstufe unseres Gymnasiums und das komplette Lehrerkollegium der Schule nahmen an der Beerdigung teil. Der schon betagte Pfarrer erhob unterschwellig Vorwürfe gegen unsere Mitschülerin wegen des Leids, das sie ihren Eltern und ihren Mitschülern angetan habe.
Da war es mit unserer Fassung vorbei. Durch die versammelte Schülerschaft ging ein kaum überhörbarer Protest. Einer unserer Mitschüler hatte vorab bereits darum gebeten, am Grab ein Gebet sprechen zu dürfen. Obwohl es so viele Jahre her ist, sehe ich ihn noch heute da stehen. In seinem Gebet reagierte er auf den Pfarrer und bat um Vergebung für alle, die unserer Mitschülerin etwas schuldig geblieben seien.
Das ist mir bis heute unvergesslich.

Ich habe für mich die Frage nach dem Suizid auch theologisch geklärt. Wenn man fast 50 Jahre depressiv ist und unter depressiven Phasen leidet, ist man immer mal wieder auch suizidal. So weit es mir möglich ist, hole ich mir in kritischen Momenten Hilfe.
Das ist mir bisher auch immer gelungen. Ich bin aber an einem Punkt für mich klar. Das Stichwort heißt für mich "Würde". Sollte ich in meinem Leben einen Punkt erreichen, an dem ich meine Würde in einem sehr umfassenden Sinne bedroht sehe, werde ich für mich diese Entscheidung treffen.
Da ich an einen Gott der Liebe und der Barmherzigkeit glaube, kann ich mir nicht vorstellen, dass er einen Menschen, der aus dem Erleben der Ausweglosigkeit seinem Leben ein Ende setzt, verurteilt oder gar verdammt. Ich bin davon überzeugt, dass Gott einen solchen Menschen liebend annimmt.
Gleichwohl hoffe ich aber, dass der Gott, an den ich glaube, mir - wenn es denn wieder mal eng wird - eine andere Möglichkeit zeigt.

Das war jetzt sehr persönlich, aber ich denke, das kann ich nur so sagen.

H.

Ich war in einer meiner Ausbildungen (betone das nur, damit niemand Rückschlüsse ziehen kann, in welcher das war 😉), da erhängte sich eine Pfarrerstochter..... . Alle meinten, DER hätte SOETWAS nicht PASSIEREN dürfen. - Ich dachte: vielleicht erst recht?
Ich vermute, sie hatte keinen Raum für ihre auch Zweifel.

LG
Landkaffee
 
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