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Was hat dir gegen Depressionen geholfen?

Nerdnus

Mitglied
Schon seit vielen Jahren schlage ich mich mit den Dämonen der Depression rum und die sind verdammt hartnäckig.
Ich möchte endlich wieder ein Leben führen, das man als "normal" bezeichnen könnte, anstatt meine Kinder zu Halbwaisen zu machen.
Die Antidepressiva konnten nicht helfen (und ich habe viele probiert).
Darum bin ich dankbar für jede Anregung, was ich noch tun kann.

Welche


  • Ärzte
  • Kliniken
  • Untersuchungen/Tests
  • (Psycho)therapien
  • Selbsthilfegruppen
  • Medikamente
  • Nahrungsergänzungsmittel
  • Diäten
  • Bücher
  • Webseiten
  • Videos
  • Denkweisen
  • Verhaltensweisen

genau
haben dir geholfen, deine Depression(en) in den Griff zu kriegen?
 

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Venger

Mitglied
Ich hatte zwar noch keine echte Depression, aber was mir in depressiven Phasen hilft, ist musikhören. Da komme ich manchmal in eine sehr friedliche Stimmung.
Was andere Tipps angeht, kann ich dir leider nicht weiterhelfen, aber morgen finden sich bestimmt ein paar Gleichgesinnte. Vielleicht solltest du aber dann ein bißchen genauer werden, wie sich deine Depression äußert.
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
Hallo Nerdnus,

seit sich mein Vater und mein Bruder
wegen psychischer (und körperlicher)
Beschwerden, u.a. Depressionen, das
Leben genommen haben, beobachte
ich auch, was so hilft und was eher
nicht.

Auf der Seite www.loesungssammlung.de
habe ich unter dem Stichwort "Depressi-
onen" eine PDF-Version meines Buches
"Ängste, Depressionen und Suizidgedan-
ken müssen oft nicht sein" zum kosten-
losen Download bzw. zum Lesen einge-
stellt.

Vielleicht sind da noch Tipps drin, die
du noch nicht ausprobiert hast. Der wert-
vollste scheint mir zu sein, dass man die
Zeiten, in denen es einem besser geht
oder noch ging, analysiert (also nicht die
depressiven Zeiten) - und versucht zu
verstehen, was den Unterschied ausmacht
und wie man ihn auslöst.

Alles Gute!
Werner
 

Burbacher

Aktives Mitglied
Nerdnus,

es gibt Formen der Depression, die sich nur mit medikamentöser Behandlung therapieren lassen. In manchen Fällen ist auch eine therapeutische Antwort nötig. Wie bei anderen psychischen Erkrankungen gibt es keinen Königsweg.
Ich bin aus eigener Erfahrung vor allem zur Erkenntnis gekommen, dass mir eine Drehtür-Therapie nicht helfen konnte, weil die Depression dadurch sozusagen gepflegt und gehätschelt wurde.
Viele Jahre lebte ich mit meinen depressiven Einbrüchen, mal mehr, mal weniger leicht oder schwer. Ich nahm die gängigen Medikamente, die mir mal halfen und auch nicht.
Hatte ich Beziehungsstress, Probleme im Beruf, Probleme in meinem Umfeld, dann meldeten sich meine Depressionen wieder. Nicht immer durchgehend heftig.
Und dennoch half mir vor allem und viele Jahre meine berufliche Tätigkeit als Lehrer, der Umgang mit den vielen jungen Menschen, den Kollegen und den Eltern. Hier erfuhr ich ein Echo und auch Bestätigung. Ich war von jeher ein kontaktfreudiger Mensch und selten fiel es mir schwer, Kontakte zu knüpfen.
Dabei machte ich einen entscheidenden Fehler, den ich dir nicht verschweigen möchte. Menschen mit psychischen Problemen, so meine Erfahrung, neigen entweder dazu sich zurückzuziehen oder aber zu klammern.
Beides tut uns nicht gut. Klammern wir, dann überfordern wir unsere Mitmenschen, meist unsere Liebsten.
Nicht selten reagieren diese dann mit Abstand, ja versuchen auch, dieser Umklammerung zu entkommen.
Du merkst zwar in den Phasen, wer deine wirklichen Freunde sind und wer nicht, aber niemand möchte und schon gar nicht auf Dauer den Aufpasser abgeben.
Ich pflege ein ganz normales Kontaktverhalten. Mit einer Handvoll Mitmenschen kann ich über Eingemachtes reden, wie sie auch mit mir, was unsere Beziehung auf Augenhöhe bringt, denn niemand möchte nur in der Rolle des Kümmerers sein.
In meiner kleinen Stadt bin ich bekannt, treffe schon beim Gang in unser Einkaufszentrum Menschen mit denen ich reden, plaudern kann. Wir tauschen uns aus über die lokale Politik, übers Wetter und auch mal über Persönliches, wenn die Situation es ergibt.
Aber ausgewogen. In der Regel weiß ich mindestens so viel über diese Menschen, wie sie über mich.
Ich lebe hier in einem Bankgebäude mit etlichen weiteren Mitbewohnern. Wir nehmen uns gegenseitig Post entgegen, plauschen miteinander.
Dann gibt es einige Freunde, wirkliche Freunde, die ich seit vielen Jahren kenne. Mal höre ich ihnen zu, dann wieder sie mir. Ich gebe schon lange nicht mehr den Problem-Hansel, denn niemand fühlt sich zu Menschen hingezogen, die einem mit der Leidensmiene entgegentreten.
Seit fast sechs Jahren habe ich keinen Therapeuten mehr gesehen, keine Medikamente mehr genommen. Und ich fühle mich wohl. Nicht immer, aber überwiegend, wie andere Menschen auch.
Mir geht es wirklich gut, so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr, weil ich meinen Blick wenden kann, meine depressiven Episoden, die es immer wieder mal gibt, nicht mehr züchte, sondern als das nehme, was sie sind, ein Teil meines Wesens. Nicht mehr und nicht weniger.
Mir geht es gut damit.
Es ist mein Wunsch, dass Du daraus einige Hinweise für dich entnehmen kannst.

LG

Burbacher
 
Zuletzt bearbeitet:
J

Jun

Gast
Mir persönlich hilft es zu verstehen welche Muster ablaufen. Ohne das was man findet zu bewerten oder gar sich selbst abzuwerten! Die Bücher von Josef Giger-Bütler sind für mich eine ehrliche Hilfe. Da wäre "Endlich frei".

Auszug:
Ich beschreibe das aber auch für alle diejenigen, die nicht depressiv sind, damit sie sehen können, was sich im Innern depressiver Menschen abspielt. Es würden sich Abgründe auftun, wenn sie schildern, wie sie sich geplagt fühlen, sich Vorwürfe machen, weshalb sie etwas so und nicht anders gemacht haben,wie sie alle möglichen Varianten durchspielen, bevor sie etwas angehen und es doch nicht umsetzen, wie sie sich ständig unter Druck und unsicher fühlen.

Es ist beklemmend, zu hören, wie sie sich nichts zutrauen, an allem zweifeln, obwohl sie doch eigentlich wissen müssten, dass sie das können, wie sie Dinge scheinbar souverän und kompetent erledigen und doch das Gefühl haben, nicht zu genügen, wie sie sich immer gefangen, unfrei, gehetzt und überfordert fühlen und wie sie den Zwang verspüren, immer alles so zu machen, wie sie glauben, dass es von ihnen erwartet wird.

Man könnte noch viel aufzählen, um aufzuzeigen, wie viel in depressiven Menschen vorgeht: Wie es ständig in ihrem Kopf denkt, wie sie von Ängsten, Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen geplagt sind, wie sie sich nicht auf sich verlassen können, wie wenig sie sich kennen, und wie sehr es sie belastet und unsicher macht, von sich nichts zu wissen, sich nicht zu kennen und nicht mit sich vertraut zu sein. ...
Mir hat es geholfen inne zu halten. Zu kapieren, dass es keine schnelle Lösung, keine Abkürzung gibt sondern nur den nächsten Schritt. Das war kein logisches kapieren. Was habe ich an dieser "Wand" herum gekratzt. Wie oft den Weg "Schritt für Schritt" auf einer Schnellspur umfahren wollen. Immer wieder erstaunt festgestellt:"Jetzt haste dich wieder selbst betrogen".

Gang raus nehmen. Physische und psychische Erschöpfung zulassen. Gedanken tauchten auf:
- Das ist doch alles nicht so schlimm.
- Ich muss aber noch ...
- So schlecht geht es mir doch gar nicht ...
- Meine Vergangenheit hat hier nichts verloren!
- (zynisch) Als könnte ich den Alltag anhalten ...
- Unsinn, ich muss nur anders damit umgehen!
...

Schicke den Perfektionisten und den "Das MUSS ich jetzt auch noch" Druck auf die Weide. Mögen sie sich am Gras austoben statt an Dir :).
 
Zuletzt bearbeitet:
G

Gast

Gast
MIR hat geholfen:

1. Schritt erkannt, etwas stimmt nicht, ich komme nicht allein raus, ich brauche Hilfe.
2. Psychosomatische Abteilung im Krankenhaus, 8 Wochen. Erkannt, wo das Problem liegt. Medikamente hab ich nur kurz, am Anfang der Therapie genommen, die haben mir geholfen verstehen zu können.
3. Tagesklinik, 2 Monate. Erkennen der Problematik verfestigt (und erkannt: hier hapert es bei vielen Menschen schon. Veränderungen sind schlimm für Gewohnheitstiere!) und den schweren Weg begonnen, Denkstrukturen und Umgebung anzupassen.
4. Nach der Tagesklinik die Wahl: Weiter Therapien oder anfangen den Weg zu einem normalen Leben zu gehen. Ich habe mich entschieden, daß Therapien auf Dauer nicht mein Leben sind. Habe angefangen zu arbeiten, dann zu studieren. Habe weiter an mir gearbeitet, und bei Rückschlägen (die leider normal sind), mich in Arbeit gestürzt um nicht wirklich zurück zu fallen.

Heute habe ich akzeptiert, daß kurze depressive Phasen bei mir dazu gehören. Ich bin mir sehr sicher, daß sie heute bei mir hormonelle Ursachen und Vitaminmangelursachen haben. Und da mein Hirn die Denkstrukturen früher so viele Jahre "geübt" hat, rutsche ich nunmal zurück. Finde ich in genau dem Moment natürlich schlimm, normal aber nicht.
Und ich würde gerne jedem, der an Winterdepression leidet, eine Packung Vitamin D3 in die Hand drücken. So unnötig. Hach, hätte ich das mal vor 15 Jahren gewußt!
 
K

Käferin

Gast
In manchen Fällen hilft gegen Depressionen ein leichter Schlafentzug. Ein bis zwei Stunden Schlaf weniger als gewohnt pro Nacht, so dass man etwas müde, aber nicht wirklich übermüdet ist. Ich habe schon oft gehört, dass das helfen würde und habe das auch selber schon so erfahren.

An Tagen mit dieser leichten Müdigkeit habe ich niemals depressive Phasen gehabt, melancholische Phasen waren wie weggeblasen. Der Schlafentzug hat wahrscheinlich einen Einfluß auf die Hormonausschüttung, welche für unsere Stimmungen verantwortlich ist.
 

Yannick

Sehr aktives Mitglied
Hallo Nerdnus,

wichtig ist vor allem, dass sehr gründlich nach der Ursache der Depression
gesucht wird. Nach meiner Erfahrung wird auch bei minder schweren Fällen
relativ schnell zu Antidepressiva gegriffen. Und wenn man damit erst einmal
angefangen hat, werden gerne alle Symptome als Folge von Depression und
Nebenwirkungen des / der AD gesehen. Ohne Zweifel sind bei mittleren und
schweren Depressionen AD hilfreich, um dem Sog der Depressionsspirale zu
entkommen und den enormen Leidensdruck zu mindern. Auch Therapien sind
in der Regel hilfreich, besonders, wenn sie die Ursachen angehen.

Wenn Diagnose steht, wird allerdings nur noch selten in andere Richtungen
untersucht; siehe auch den Gastbeitrag von 10:11 Uhr. Ich bin heute glück-
lich, dass ich einen guten Arzt gefunden hatte, der sich auf die Suche ge-
macht hat und die Symptome durch geeignetere Medikamente in den Griff
bekommen hat. Aktuell benötige ich auch diese nicht mehr, sie liegen aber
als Notfallreserve noch im Schrank. Stattdessen mache ich sehr intensiv
Laufsport bis hin zum Halbmarathon, nehme einen Vitamin-B-Komplex (*)
sowie gelegentlich Magnesium (*) und Vitamin D (*).

* Nahrungsergänzungsmittel
 

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