Ich habe mir jetzt nicht die anderen Antworten durchgelesen, antworte aber einfach mal auf Deinen Eingangspost.... Wieso wünsche ich mir eine Beziehung?
- Mir ist im Gegensatz zu Dir der Job und Karriere ideel bei weitem nicht wichtig genug in seiner Bedeutung, als dass er für mich jemals Liebe und Familie ausstechen könnte.
- Ich möchte mich ganz einfach geborgen und geliebt fühlen. Einen Platz auf dieser Welt haben wo jemand mich braucht und gern um sich hat. Und ich ihn
- Ich wünsche mir eigene Kinder!!!
- Ich möchte jemanden dem ich GEBEN kann... wo ich mich gebraucht fühle, für jemanden da sein, ihm Liebe und Zuwendung geben kann. Ich brauche diesen "Sinn".
- Mir fehlt als Single auch körperliche Nähe, mal in den Arm genommen oder nachts gehalten zu werden etc. Sex zwar nur sekundär - aber MIT ihm lebt es sich auch schöner 😉
- Zwar bin ich selbstständig genug und mache vieles allein.. es kann teils aber auch sehr belastend sein wenn man alles IMMER nur allein schaffen muss - ohne Rat und Unterstützung.
- Wenn ich schönes erlebe oder einfach was kleines sehe worüber ich mich freue - dann würde ich es so gern mit einer anderen Person teilen. Geteilte Freude ist einfach so viel schöner.
- Ich möchte mein Leben mit jemandem teilen... gemeinsame Erinnerungen machen, später zusammen zurückblicken können.
- Nicht jeder Mensch hat das Privileg Deinen großen, tollen Freundeskreis zu haben - tatsächlich haben den, wenn überhaupt - meist nur Teenager oder Studenten. Einmal im Arbeits- und Beziehungsleben gefangen (ab einem gewissen Alter) sind Freunde kaum noch für andere Freunde verfügbar. Zumal die wenigsten Menschen auch überhaupt WIRKLICH gute Freunde haben... geschweige denn so viele, dass immer wer Zeit hat. Viele Pärchen machen auch nur noch etwas mit anderen Pärchen... der dumme Single wird gar nicht mehr eingeladen, passt ja nicht mehr dazu oder wird sogar als Bedrohung für die Paarbeziehungen wahrgenommen - denn der Single "soll sich endlich mal ein eigenes Leben suchen". Grade ich als Frau bekomme bei männlichen Freunden und Familienmitgliedern teils eine unglaubliche Stutenbissigkeit von deren Partnerinnen zu spüren bzw. Eifersuchtsdenken mir gegenüber. Weil ich solo bin und damit eben theoretisch eine Bedrohung.
- Ich kann sogar ganz gut allein sein und mich allein beschäftigen. Daher bin ich (leider) auch offenbar noch immer zu wählerisch was potentielle Partner angeht - und inzwischen also viel zu lang Single. Es gibt ja Leute die panisch nicht allein sein können, die tun sich dann eben ohne so kompliziert wie ich zu denken, auch mit jemandem zusammen, NUR um nicht allein zu sein, ohne viel darüber nachzudenken. Bei mir hingegen geht nur ganz oder gar nicht - ich kann meine Zeit und Intimität nur mit jemandem teilen den ich wirklich will und liebe. Das findet sich soooo schwer und selten... Dennoch, auch wenn ich allein sein KANN, ich WILL es nicht ständig sein müssen... Und mal ehrlich, als Single ist man oft gefangen in Einsamkeit, statt angenehmem, freiwilligen allein-sein. Es gibt je älter man wird sogar diverse Anlässe und Veranstaltungen auf die man gar nicht mehr eingeladen wird oder an denen man nicht teilnehmen möchte, weil man dann die einzige (daher skuril wirkende) Einzelperson dort wäre. Dann sieht man glückliche Paare und Familien zu einem schönen Sommerabend-Ereignis spazieren oder miteinander grillen (was immer) und steht selbst wie ein stummer Beobachter, eingeschlossen in einen Glaskasten daneben. Man kann nicht teilnehmen...gehört nirgends so richtig zu... es gibt als Single viele traurige, ausgegrenzte Momente dieser Art. Auch bei Familienveranstaltungen wird man ab mitte 20 zunehmend intolleranter behandelt wenn man Single ist - ständig wird man angesprochen als stimme etwas mit einem nicht, muss sich rechtfertigen, sich als "komisch" ansehen lassen, etc.
-Wenn es hart auf hart im Leben kommt, ist man als Single unendlich allein... das ist einem vorher gar nicht so bewußt und man lebt "großschnäuzig" als brauche man doch keinen, - solange das Leben halbwegs stabil ist, man vielleicht Familie hat usw.... In meinem Fall starb mein Vater vor nicht langer Zeit zu früh und plötzlich. Für mich brach die ganze Welt zusammen... doch ich wurde trotzdem ganz allein gelassen, mit all dem. Leute klatschten mir dann sogar wörtlich an den Kopf "Tja, selbst schuld, hättest Du Dir mal einen Partner gesucht. Jetzt musst du diesen Fehler halt ausbaden und allein mit der Trauer klarkommen". Ich sollte laut diesen Leuten (sogar noch vor der Trauerfeier, also als es super frisch war!) mich still in den Hintergrund stellen, ganz allein. Und noch Rücksicht auf die (von Trauer ja gar nicht betroffene) Frau meines Bruder nehmen, indem ich gefälligst nicht deren Paarbeziehung störe und eben stattdessen allein in der Situation klarkomme. Als Single wird einem sowieso sehr oft gesagt, dass die Paare an erster Stelle kommen... man auf die immer Rücksicht zu nehmen und zurückzustecken hat. Selbst von langjährigen Freunden darf man nichts mehr erwarten sobald sie seit ein paar Wochen einen Partner haben - der gilt sofort als wichtiger als alles und jeder andere. Ausgerechnet jene Menschen die dagegen eh allein leben und es somit ja eigentlich sowieso oft etwas schwerer haben, sollen ausgerechnet permanentes Verständnis und Rücksichtnahme den "armen" Paaren gegenüber haben und sich selbst ganz nach hinten stellen... paradox eigentlich, oder? Oft habe ich das Gefühl als Single wird einem eben auch nur der Wert eines halben Menschen zugeschrieben... Ehrlich gesagt: Ich hab so die Schnauze voll von dieser Rolle und dem ständigen Rücksicht nehmen und Verständnis haben. Auch das ist ein Grund wieso ich Single-sein langsam recht ätzend finde!
Ich finde die Eingangsfrage schon interessant und habe mir darüber ernsthaft Gedanken gemacht.
Es gibt ja alternative Lebensmodelle. Menschen, die sich freiwillig für ein zölibatäres Leben entscheiden und damit offenbar glücklich sind. Ich meine damit jetzt nicht unbedingt Pfarrer, die per Gesetz so leben müssen (wenn sie´s denn tun
🙄), sondern Menschen, die sich ganz bewusst für ein geistliches Leben in einem Kloster entscheiden. Sie scheinen ohne Beziehung dennoch ein erfülltes Leben zu führen - vielleicht gerade deshalb, weil sie sich auf ihren ganz eigenen Weg konzentrieren.
Ein Freund von mir führt zwar nicht gerade ein geistliches Leben, aber ein beziehungsloses - und das ohne etwas zu vermissen. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Er lebt ganz und gar für sein Hobby - die Fotografie. Wenn ich ihn auf eine attraktive Frau hinweise, zuckt er nur mit den Schultern. Ich glaube nicht, dass er schwul ist. Er scheint darauf einfach keinen Wert zu legen - und es eben auch nicht zu brauchen.
Andere führen vielleicht ein sehr extremes Leben - Bergsteiger, Extremsportler...sie haben sich einem Leben verschrieben, was ihnen Glücksgefühle beschert, die man ansonsten vielleicht in ähnlicher Form nur in der Liebe vorfindet.
Der Großteil der Menschen dürfte aber ein anderes Leben leben - und eine Partnerschaft bevorzugen. Und eine Beziehung ist ja auch zweifelsohne das primäre menschliche Lebensmodell, ansonsten wären wir schon längst ausgestorben.
Ich bin jetzt 36 und hatte noch nie eine Beziehung. Das liegt sicher zu einem Großteil an meinem Handicap (habe eine nervliche Erkrankung). Das schreckt Frauen einfach ab bzw. eliminiert mich als potenziellen Partner - und das schmerzt ungemein. Ich vermisse Zweisamkeit schon sehr. Wenn ich allein bin und nicht mit dem Liebesglück anderer konfrontiert werde, ist das nicht so ein großes Problem. Ein gutes Buch zu lesen, einen lustigen Film zu schauen, sein Lieblingsgericht zu kochen, einfach gemütlich den eigenen Ritualen nachzugehen, ohne diesbezüglich Kompromisse eingehen zu müssen - das ist schon ein großes Stück Freiheit und Lebensqualität.
Das ist - selbst in einer großartigen Beziehung - nicht so einfach. Denn dass die Partner alle Interessen teilen, glaube ich kaum.
Ich persönlich leide immer dann, wenn ich verliebte, glückliche Paare sehe. Da fällt meine ach so schöne freie Welt in sich zusammen und ich mutiere zum neidischen Penner. Daran merke ich dann schließlich, dass ich mir auch genau das wünsche. Ich weiß nicht, warum der Beziehungswunsch bei vielen Menschen - so auch bei mir - so stark ausgeprägt ist. Die Schmetterlinge im Bauch halten nicht lange an und ich glaube, dass eine Beziehung schnell "gewöhnlich" wird. Da gibt es nach einiger Zeit meist keinen großen Unterschied mehr zu einer Freundschaft - abgesehen davon, dass man zusammen wohnt und schläft.
🙄
Ich glaube, dass es bei den meisten Menschen die Angst vor Einsamkeit ist, die den Wunsch nach einer Beziehung antreibt. Einsamkeit ist wahrscheinlich das schlimmste Gefühl überhaupt.
Ich denke man sollte lernen, eine Beziehung nicht als das Nonplus Ultra anzusehen - Menschen, die außer ihrer Beziehung nichts anderes mehr sehen, werden wohl irgendwann dafür bestraft, denn früher oder später wird es die Trennung geben (spätestens wenn einer der beiden stirbt). Dann sind die Leiden groß und es rächt sich, wenn man andere Kontakte vernachlässigt hat (und ich kenne viele, die ihr restliches Umfeld völlig vergessen haben, seit sie verliebt sind).
Menschen, die nicht in einer Beziehung leben, sollten nicht jeden Tag daran denken, was sie verpassen, sondern stattdesen die Freiheit des Singleleben zu schätzen wissen. Ich weiß wie schwer das ist, aber ich will nicht wissen, wieviele Menschen in einer Beziehung sich auch - zumindest gelegentlich - wieder mal die Unabhängigkeit des Singleleben wünschen.