Also irgendwie, glaub ich dass wir alle das gleiche Ziel verfolgen
Offensichtlich: Nein.
und nur aneinander vorbei reden.
Aber somit scheint das umso mehr zu stimmen.
Ich habe das Gefuehl hier will keiner sein Kind von der Realitaet abschirmen und auch niemand es mit Hungersnoeten und gesellschaftlichen Problemen zu sehr belasten
Ich stimme dir zu, dass ich mein Kind damit nicht "zu sehr belasten" wollen würde. Die Frage über die wir jedoch reden - oder zumindest ich - ist die, was denn nun "zu sehr belastende" Dinge sind.
Und hierbei finde ich es eben wesentlich schlimmer, wenn das Kind irgendwo einmal etwas von Hungersnöten aufschnappt und dann selbst diese Erkenntnis alleine verarbeiten muss, weil ich nicht weiß, dass es darüber nachdenkt. Deshalb denke ich ist es meine Pflicht, von mir aus das Kind eben auch auf Probleme anzusprechen und ihm die Dinge zu erklären.
Das Problem an der Realität ist, dass dieses verdammte Ding einfach überall ist - somit endet die Absurdität elterlicher Abschottung nicht beim Abschirmen, sondern bleibt eben auch bei solchen Tabuthemen erhalten.
Wie viele Kinder im Kindergarten wissen denn nicht, dass Kinder in Afrika weniger zu essen haben? Wie viele Kinder, die davon wissen, leiden im Alltag deswegen?
Und noch viel wichtiger:
Wie viele dieser Kinder wissen, warum es für afrikanische Kinder weniger zu essen gibt?
Wie viele Erwachsen wissen das überhaupt?
Und wie viele Erwachsene haben sich bereits in der Kindheit nicht damit zufrieden geben wollen, einfach zu akzeptieren, dass es diese Ungerechtigkeit gibt, sondern wollten die Gründe dafür wissen, wollten wissen, was man dagegen tun kann?
Und denkst du nicht, es sollte noch viel mehr davon geben?
Man sollte sich immer wieder bewusst machen, dass selbst diese riesige Masse von 6 Mrd Menschen letztendlich aus 6 Milliarden einzelnen Personen besteht. Und jeder von ihnen kann etwas in seinem Rahmen bewegen.
Und der Rahmen von uns Europäern in diesem freien demokratischen Land mit (fast) kostenlosem Zugang zu Bildung, ist nahezu grenzenlos.
Ich denke man sollte seinem Kind schon so früh wie möglich vermitteln, dass es auf jede Frage eine Antwort gibt - und wenn man sie nicht kennt, dann sucht man sie. Und jede Antwort wirft eine neue Frage auf und diese wieder eine Antwort...
Und mit jedem Schritt lernt man etwas hinzu dass dabei hilft die Welt ein bisschen besser zu verstehen.
Ganz alleine das Wie und das Wann sind entscheidend. Solange das Kind seine Leichtigkeit nicht verliert ist Aufklaerung sicher nicht verwerflich.
Ich denke - und ich möchte Betonen, dass dies beriets seit einer Weile mein wesentlicher Punkt ist - dass sich hierbei Kinder und Erwachsen in keinster Weise unterscheiden.
Ich würde auch einem Erwachsenen nicht die Leichtigkeit zerstören wollen. Ich würde ihm die Dinge so erklären, dass er sie versteht. Ich würde mich mit ihm darüber austauschen, wie wir beide damit umgehen. Ich würde auf ihn eingehen.
Ich würde den Erwachsenen behandeln wie ein Kind.
Und das Kind wie einen Erwachsenen.
Oder einfach beide wie einen Mitmenschen.
Deine These ist doch:
Kinder besitzen Unschuld und Leichtigkeit und diese soll ihnen möglichst lange erhalten bleiben, oder?
Ich denke wir stimmen überein, dass sie nicht ewig in der Pappkulisse eines vermeintlichen Paradieses bleiben sollen.
Somit wären wir nun eigentlich bei dem Punkt, wo wir darüber nachdenken sollten, wie man eine gewisse Leichtigkeit und Unschuld auch dann noch bewahren kann - und spätestens hier sollte klar sein, dass das Problem nicht bei den Kindern liegt, sondern bei uns Erwachsenen. Bei all diesen verbitterten Miesmachern und Pessimisten, die Kant zitieren um zu zeigen, dass sie die harte Welt durchschauen, aber zugleich zu faul oder feige sind, etwas daran zu ändern.
Ich will nicht, dass meine Kinder später einmal nach einer paradisischen Kindheit irgendwann in die harte Welt hinaus müssen und ihr Leben lang ihrer damaligen Unschuld nachtrauern. Ich will, dass sie ihre Leichtigkeit, ihre Hoffnung und ihre Träume behalten und als starke Persönlichkeiten diese in die reale Welt hinaustragen.
Allerdings begreife ich immer noch nicht, wozu man Maerchen dazu braucht?
Man liest dem Kind ja auch nicht aus der Bildzeitung vor um hinterher zu erlaeutern, dass das Schrott ist.
Eben doch. Genau das würde ich tun. Ich lese ziemlich häufig die Bild. Ich halte sehr wenig von ihr - aber mir ist bewusst, dass ein Großteil der Bevölkerung dieses Schmierblatt liest und sich damit seine Meinung BILDet.
Und mein Kind wird mit Kindern klarkommen müssen, deren Eltern diese Zeitung lesen.
Ich wuerde dem Kind Geschichten von selbstbestimmten Frauen und Maennern vorlesen und dann eventuell erwaehnen, dass das nicht immer so war und heute auch noch oft nicht so ist. Das halte ich fuer viel sinnvoller als andersherum.
Das ist ja auch gut so. Aber ich verstehe nicht, warum man dem Kind gleichzeitig ein Stück Allgemeinbildung vorenthalten sollte.
Jedes andere Kind wird Schneewittchen, Aschenputtel und Dornröschen kennen und deinem Kind von diesen wunderbaren Märchenfiguren erzählen.
Warum erzählst du ihm nicht selbst davon - mit einem leichten Schmunzeln auf dem Gesicht und sagst dazu, dass das eben nur eine Geschichte sei und dann eben was du davon hältst?
Genau wie heutige modern erzogene Kinder über den Struwwelpeter als Relikt aus der grauen Vorzeit der deutschen Pädagogik lachen, sollte es doch möglich sein, einem Kind diese alten Märchen zu erzählen und es den Zauber dieser uralten Geschichten spüren lassen ohne dass deshalb die Tochter zum hilflosen Prinzesschen mutiert.