Der Sandmann
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Ich habe Vermutungen warum das so ist, aber wenn ich genauer darüber nachdenken will, verlaufen sie im Sand. Habe ich als Kind wirklich zu wenig Aufmerksamkeit bekommen oder bilde ich mir das nur ein? Hatte ich ein traumatisches Erlebnis, das ich verdrängt habe und ich mich nicht mehr erinnere?
Probier' es doch mal mit Empathie für das Kind, das du mal warst. Du bist ganz offensichtlich noch am Anfang eines Erkenntnisprozesses. Du könntest dich fragen, in was für einer schlimmen Situation du als Kind warst, daß du dir nicht anders zu helfen wußtest als dich zu verstellen. Das macht übrigens letztlich jeder durch. Versuch dir doch mal ein unschuldiges Kind vorzustellen und was für Gewaltsituationen es erleben mußte, um zu solch einer Notwehr greifen zu müssen, allen anderen etwas vorzumachen.
Ich schließe aus dem Geschilderten, daß du eine eindeutig traumatische Kindheit hattest und dir jetzt langsam etwas aufgeht. Das geht auch nicht anders. Man muß zwangsweise als Kind das verdrängen, was einem angetan wurde. Selbst in unserer heutigen Gesellschaft fällt es vielen noch schwer, bedingungslos Partei für das Kind zu ergreifen. Man findet überall Pseudoerklärungen für psychische Erkrankungen oder gesellschaftliche Pathologien.
Ich kann in diesem Zusammenhang die Lektüre von Alice Miller empfehlen, die auch eine Internetseite hat. Es gibt leider auch im Psychobereich eine Menge fragwürdiger Angebote und Verleugnungszustände, wie man ja auch in Foren wie diesen immer wieder lesen kann. Man tut jedenfalls gut daran, das eigene Verhalten als Ausdruck der in der Kindheit verdrängten Not zu verstehen. Da kommen mir Assoziationen von psychischer oder physischer Gewalt, die einem Kind drohen, falls es sich nicht so verstellt, wie du es getan hast - oder wie es nun einmal fast alle Kinder dieser Welt tun müssen.