Erstmal zum Threadthema: die Frage ist zu theoretisch und pauschal. Was Gast Rika fragen wollte, war: "Warum fühle ich mich so unbeliebt?" Diese Frage könnte man mit Gequassel über Sozialisation und Schlüsselerfahrungen im Leben sowie die Betrachtung der Lebenssituation des Fragenden beantworten. Die Antwort löst aber das Problem nicht. Gast Rika, Zappzarapp und raveland - was euch Manuel+ hier darzustellen versucht, hat ein Mann, der euren Leidensweg scheinbar auch durchschritten hat, nach jahrelanger Denkarbeit so auf den Punkt gebracht: "Im tiefsten Winter erkannte ich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer lebt."
Albert Camus' Ausführungen beginnen damit, dass unsere Existenz völlig sinnlos und absurd ist. Jeden Tag essen, arbeiten und schlafen wir, nur um zu leben. Wir nehmen Demütigungen und Einschränkungen unserer Freiheit an, nur um jeden Tag weiterzumachen. Er stellt diesen Sachverhalt bildlich am Beispiel des Sisyphos dar, der dazu verdammt wurde auf ewig einen riesigen Felsbrocken einen Berg hochzuschieben, nur damit dieser dann auf der anderen Seite wieder herunterrollt. Camus sieht nur eine Rettung für Sisyphos: er muss seinen Fels verstehen lernen. Er muss sich bewusst werden, dass dieser Fels ihm anvertraut wurde. Camus geht auch darauf ein, dass Sisyphos und der Fels schon eins sind.
Was will dieser verrückte Franzose uns damit sagen? Jeder von uns schiebt einen Fels vor sich her. Dieser Fels ist aber nicht die Bürokratie, nicht die bösen Onkel und Tanten, die sich über Mobbing aufwerten, nicht unsere ungerechte Familie - sondern das sind wir. Ich bin mein Problem, ein Leben lang. Warum bin ich mir da so sicher? Ich habe da einen Freund, der heißt Nervensystem. Der kennt auch noch andere Leute - Gene, Immunsystem, bla. Würde ich diese Bande nicht kennen, wüsste ich nicht, wer meine Mutter ist. Ich hätte keine Ahnung, dass ich in der 6ten Klasse mal lauthals ausgelacht wurde und versetzungsgefährdet war, weil ich ein dämliches Tuschebild von einer Szene aus Harry Potter nicht gebacken gekriegt habe. Wer würde mir versichern, dass ich nicht sportlich/selbstbewusst/kreativ/sozial genug für diese Welt bin, wären da nicht meine Kumpels vom neurohumoralen Steuerzentrum? Man kann die Antwort recht gut an vielen Gegenständen in seinem Zimmer beobachten: niemand. Meine Bücher schämen sich nicht dafür, regelmäßig aus den Regalen zu fallen, obwohl ich sie jedes Mal wütend und auch mal mit dem ein oder anderen Fluch an ihren Platz zurückstopfe. worauf ich hinaus will: die Welt da draußen bin ich. Deswegen haben Felsen für mich eine metaphorische Bedeutung. Oder Bretter, die man auf zwei Steine legt und mit dem Hammer drauf einhaut. Aber genauso schreibe ich auch "Mobbing" die Bedeutung zu, die ich ihm zuschreiben will. Oder "Erfolg". Wenn ich mit der Welt klarkommen will, muss ich mit mir selbst klarkommen. Ich muss mich akzeptieren lernen. Meine Eigenarten, Ängste, Stimmungsschwankungen, Wünsche, Bedürfnisse - meine gesamte Welt. Die meisten Psychologen werden bei jedem Problem, mit dem du zu ihnen kommst, erstmal eine Bestandsaufnahme machen. Egal, ob du unter Panikattacken leidest oder vor Depressionen nicht mehr aus dem Bett kommst. Ein Ziel ist natürlich dich besser kennenzulernen, aber der Psychologe weiß auch, dass das Problem in dir liegt. Da kommt vielleicht Captain Obvious angeflogen, aber wenn du Angst vor Hunden hast und damit zum Psychologen gehst, musst du keinen Hund mitbringen, um deine Angst zu veranschaulichen. Du hast nämlich dein Problem immer sicher verstaut in deinem Schädel mit. Als nächstes wird der Psychologe versuchen dir Akzeptanz für dein Problem einzuflößen und erst DANN kommt die "Problemlösung". Man kann ein "Problem" nicht angehen, ohne es vorher zu akzeptieren. Du träumst davon, Schriftsteller zu werden? Gesteh dir erstmal ein, dass du noch nie wirklich was geschrieben hast und fang von diesem Nullpunkt aus an, deinem Traum nachzueifern. Du willst einen Menschen finden, dem du dich öffnen kannst? Guck erstmal, ob du damit nicht etwas kompensieren willst, was du vielleicht anders lösen könntest. Außerdem solltest du dir klar machen, dass du nur mit einem Menschen glücklich werden kannst, der mit dir auf einer Welle schwingt und zu dir passt. Lass die sozialen Zwänge mal beiseite. "Hör auf dein Herz", sagen ja einige. Manches passt, manches nicht. Das hat nichts mit dir zu tun, sondern mit der Biodiversität.
Und jetzt habe ich wohl auch genug gesabbelt. Wäre erstaunt, wenn das jemand liest. Manuel+ spricht ja die Haltung an, die dem Glück erlaubt bei euch anzukommen. Diese Haltung schließt die Akzeptanz des eigenen Ichs, der eigenen Welt und der eigenen Persönlichkeit ein. Das einzige Glück, was ihr je auf der Welt finden werdet, ist bereits in euch drin und heißt Dopamin, Serotonin, Enkephalin und Endorphin. Die ganze Welt kann sterben, ihr könnt chronisch krank werden oder aber alle schmeißen 'ne riesen Party und ihr seid fitter als ein Turnschuh - in beiden Szenarien könnt ihr glücklich oder unglücklich sein. Nur ihr selbst könnt zu jedem Zeitpunkt in eurem Leben entscheiden, wie ihr die Außenwelt um euch herum betrachtet und wie ihr eure eigene Welt konstruiert.