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Warum muss man leben wollen ?

sommergrün

Neues Mitglied
Einfach zu stellende Fragen:

Warum muss man das Leben mögen, und gilt als krank und hilfsbedürftig wenn man es nicht tut ?
Warum ist die allg. Meinung, dass man dafür dankbar sein soll?, Wurde diese Auffassung vielleicht von Leuten geschaffen, die das Leben schrecklich gerne haben ?
Wo ist der Fehler wenn man für ein Leben nicht dankbar ist ?, Wenn man es nicht mag und einfach nur aus Träg- Faul- und Bequemlichkeit immer weitermacht ?

Warum werden Leute die sich das Leben nehmen bemitleidet ? Wer hat die allgegenwärtige Meinung geschaffen, dass sie hier noch etwas verpassen ?

Würde mich über eure Meinung freuen !
Gruß
 
A

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Re: Warum muss man leben wollen ?
Du musst bedenken, dass der Mensch in seinem natürlichen Zustand lebensbejahend ist. Du bist so programmiert worden, dass du deine Existenz so lange wie möglich weiterführen sollst. Und sind die Zeiten schwer, hält einen die Hoffnung auf eine bessere Zeiten am leben.

Ich glaube gesellschaftlich wird der Suizid abgelehnt, weil er immer mit Leid & Verlust für viele Parteien verbunden ist. Und da diese sich nicht in dich hineinversetzen können und auch selbst kein Leid empfinden wollen, werden sie ohne es zu wollen ignorant gegenüber deiner Art die Welt zu sehen.

sommergrün meinte:
Warum werden Leute die sich das Leben nehmen bemitleidet ? Wer hat die allgegenwärtige Meinung geschaffen, dass sie hier noch etwas verpassen ?

Es geht nicht nur darum etwas zu verpassen. Wer sich das Leben nimmt, tut dies meistens weil er ein starkes, unüberwindbares Leid empfindet und keinen Ausweg ausser den Tod mehr sieht. Findest du nicht, dass solch ein Zustand bemittleidenswürdig ist? Mag sein, dass man selbst kein Mitleid haben möchte, aber man kann es anderen Menschen nicht verdenken welches zu empfinden.
 
Mit der ablehnenden Einstellung der Leute gegenüber allem was negativ ist, sowie auch dem Tabuthema Suizid kann ich noch umgehen. Viel schlimmer finde ich, dass einem suizidalen Menschen in diesem Land keine Möglichkeit gegeben wird in Würde zu sterben. Wer lässt sich schon gern von der Bahn in Stücke reißen oder von der Gravitation zu Brei zermatschen? Und bei den tollen Schlaftabletten weißt du nie ob du nun stirbst, oder 2 Wochen später im Wachkoma neu das Licht der Welt erblickst.
 
Das selbe habe ich mich auch schon oft gefragt.
Ich glaube schon, dass es so etwas wie einen natürlichen Selbsterhaltungstrieb gibt, der aber nicht unbedingt stärker als die Psyche sein muss. Ich glaube auch, dass er das unter bestimmten Umständen nicht sein kann.
Auch die Meinung der Gesellschaft, dass man sein Leben lieben muss und alle die es beenden wollen psychisch krank sind, halte ich für..ja, irgendwie unverschämt. Natürlich kann der Todeswunsch auch durch Krankheiten entstehen, aber für mich ist z.B. eine Depression keine "richtige" Krankheit. Das soll jetzt nicht abwertend klingen oder Depressionen verharmlosen, nein, für mich ist eine Depression die Folge aus vielen Tiefschlägen im Leben. Und wenn sich jemand umbringt, weil er alles, was ihn am Leben hält, verloren zu haben scheint (z.B durch den Tod von Freunde und Familie), dann sind das für mich ganz rationale und nachvollziehbare Gründe. Jeder trifft diese Entscheidung ganz für sich allein und das sollte akzeptiert werden. Wir haben alle unsere Gründe für unsere Taten, auch der Freitod gehört dazu!
 
Last meinte:
Das soll jetzt nicht abwertend klingen oder Depressionen verharmlosen, nein, für mich ist eine Depression die Folge aus vielen Tiefschlägen im Leben.

Die Tiefschläge sind oft nur der Trigger für die Depression. Die Labilität & Anfälligkeit existiert in den meisten Fällen schon vorher.
 
Interessante Sichtweise (eigentlich vollkommen klar, aber daran habe ich noch nicht gedacht...)
Vermutlich (oder sicher) hat also jedes Lebewesen sozusagen hardcodiert ein Programm am laufen, dass einen (körperlich und evtl. durch Hoffnung auch geistig) so steuert dass man weiterlebt.

Ich denke die Hoffnung ist aber eine Art Hilfsantrieb, der zur Überbrückung von schlechten Zeiten dient, bis einem das Leben wieder so Spass macht.
Wenn dieses Hoffen auf eine bessere Zeit einmal Dauerzustand geworden ist, dann ist es ganz zäh, wieder in den Augenblick zurückzukehren. Dann frägt man sich erneut, warum soll man das Leben denn so mögen ?

Ein Mensch kann sich -im vgl. zu Tieren- seine Zukunft schon mal im Kopf simulieren.
Wer in diesen Gedanken keine Besserung für sich selbst sieht, lebt sozusagen nur, weil er von oben genanntem "Programm" geleitet wird, andererseits um seinen Angehörigen kein Leid zuzufügen.

Wie fühlt sich wohl jemand, der sein ganzes Leben darauf gewartet hat, irgendwelche Schönheiten erleben zu dürfen, und sozusagen sein Leben im Wartezustand (auf Freunde, Glück, und Lebensspass) weggelebt hat ? Um dann festzustellen dass er mit 80 Jahren nicht mehr aus dem Bett aufstehen kann ?
Ich kann mir vorstellen, dass sojemand dem Tod mit unendlicher Angst entgegenblickt- schließlich wartet er eigentlich immer noch! Wie ist der letzte Augenblick, mit den Gedanken:
"Ich kann mich an nichts schönes im Leben erinnern" ?
(Mit der Zeit verblassen auch die schönsten Kindheitserinnerungen)

Hatte sojemand wirklich einen Vorteil von den allgemein anerkannten Regeln, dass man das Leben mögen soll und immer weiterhoffen ?
 
Die Tiefschläge sind oft nur der Trigger für die Depression. Die Labilität & Anfälligkeit existiert in den meisten Fällen schon vorher.


Ja, da stimme ich dir zu. Aber ich würde psychische Labilität IN DEN GRUNDZÜGEN (!!!) vielleicht auch als Charaktereigenschaft bezeichnen und nicht unbedingt schon als Krankheit Depression. Und wie schon gesagt, die Tiefschläge sind der Auslöser und somit auch rational nachvollziehbare Gründe für einen Suizid.
 
Ich hab mal ein Buch gelesen (Also, sprach Golem) dass sich ein gewissen Teilen auch mit dem Sinn des beschäftigt hat. Und darin kam ein Sprichwort vor: "Der Sinn des Boten ist die Botschaft". Der Bote bist du, und mit der Botschaft ist dein Erbgut gemeint, dass du möglichst lange & breitflächig verbreiten sollst. Alles was diesem Zweck dienlich ist (Dein Selbsterhalt, Spass am Sex, etc..) wird entsprechend gefördert.
 
Last meinte:
Ja, da stimme ich dir zu. Aber ich würde psychische Labilität IN DEN GRUNDZÜGEN (!!!) vielleicht auch als Charaktereigenschaft bezeichnen und nicht unbedingt schon als Krankheit Depression. Und wie schon gesagt, die Tiefschläge sind der Auslöser und somit auch rational nachvollziehbare Gründe für einen Suizid.

Ich wollte damit nur sagen, dass jmd. auch durch Banalitäten in den Abgrund gerissen werden kann. Der Verlust der Familie ist ein schlechtes Beispiel, denn das könnte sogar gesunde Menschen umhauen. Nehmen wir doch mal einen Menschen der depressiv ist, weil er kleinwüchsig ist und deshalb über ein Jahrzent Probleme hat Partner & Freunde zu finden. Würdest du sagen dieses Handycap ist "schlimm" genug um einen Suizid zu rechtfertigen?.. Wie soll man Leid überhaupt einstufen?

Wenn man in diesem Land über sein Leben meckert, wird man oft auf die armen Menschen in Afrika verwiesen. Ich frage mich dann aber immer, ob das überhaupt vergleichbar ist. Wie misst man Elend, und ab wann ist ein Leben lebenswert? Alles komplizierte Fragen.
 
Sagen wir mal so; Wenn die Menschen in Afrika verhungern, durch Krieg oder andere Katastophen ihr Leben verlieren, sind sie am Ende genauso tot, wie ein Europäer, der sich aus angeblichen "Banalitäten" das Leben nimmt !

Ich will damit sagen, dass diese Probleme nicht als schlimm oder wenig schlimm gewertet werde dürfen- von niemandem !
Für jeden ist das schlimm, was er dafür hält.
 

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