@ big red one:
ich war nach meinen jahrelangen schlechten Erfahrungen in der Schule (durch die Sehbehinderung, meine guten Noten, mein Geschichtenschreiben und meine Größe) einfach enorm froh, dass ich danach auf Anhieb in der Uni und beim Schach so viele neue Leute kennen gelernt habe. Ich habe es aber wirklich nicht gelernt, die Spreu vom Weizen zu trennen, sprich die Leute wirklich mal danach zu beurteilen, ob es wirlicht passt. Bei vielen habe ich den Kontakt aufrechterhalten, weil ich die Personen durchaus mochte. Aber Sympathie alleine bringt ja auch nichts.
Ferner habe ich in den letzten Jahren überwiegend solche Leute kennen gelernt, die schnell bei jedem auf Distanz gehen, die totale Hansdampf in allen Gassen sind etc. Ich habe ja auch versucht, viele der Verhaltensweisen der anderen zu verstehen; aber wenn sie mitunter nicht näher darauf eingegangen sind, hat es sich für mich auch nicht erschlossen. Ich hätte manches wirklich sehr gerne besser verstanden. Nun, meine Erkenntnis dabei: ich kann Leute nicht zwingen, mit mir intensiv befreundet zu sein, sich zum Kontakt adäquat zu äußern und ich kann die Leute auch nicht erziehen!
😉 Allerdings hätte ich es durchaus fairer gefunden, wenn sich manch einer auch bei meinen expliziteren Ansprachen mal etwas besser geäußert hätte, wieso er sich mit mir nicht treffen wolle, was ihn am Telefonieren störe, wieso er mir ausweiche etc. Man kann wie gesagt niemanden zwingen, aber gut finde ich das Verhalten mancher Freunde wirklich nicht.
Wenn man mich fragt: "Wie siehst du unseren Kontakt?" Würde er darauf zumindest ein paar Sätze zu hören bekommen. Und nicht nur solche ausweichenden Bemerkungen.
Hätte ich deiner Meinung nach die Kontakte ad hoc abbrechen sollen? Aber wer bricht denn bei jedem Zwist oder bei jeder Unzufriedenheit sofort den Kontakt ab? Würdest du es tun? Ich meine, man kann auch trotz Divergenzen an anderen hängen.
Ja, vielleicht war ich zu abhängig davon, Kontakte zu haben, weil ich eben in der Kindheit und Jugendzeit so ein isoliertes Dasein gefristet habe.
Ich habe die sozialphobischen Tendenzen nicht so schnell erkannt. Bin ich ganz ehrlich. Zumal ich die Personen nicht über Internet oder Telefon kennen gelernt habe. Außerdem, keine dieser Personen kam bei mir wie Oscar Wilde: "Hey Mensch, ich bin ein Sozialphobiker, aber wir können trotzdem gerne befreundet sein!" :mad:
Ich hätte trotzdem niemals gedacht, dass es von dieser Art so viele gibt. Was man als weitere Eigenschaften einiger Freunde noch anführen könnte, wären Gehemmtheit, Schüchternheit, Vermeidungsstrategien, offensichtliche blockiness...
Eine weitere Sache, die mir auch noch einfällt, weil ich das speziell im letzten Jahr häufiger erlebt habe ist: Klugscheißerei. Ich glaube kaum, dass ich es in so übertriebener Weise je gemacht habe. Ich meine, wir neigen alle mal dazu, etwas besser zu wissen; aber wenn jemand so etwas ständig macht? Ich hatte so drei-vier Kontakte, bei denen es ganz heftig war. Als ich die Kontakte aufgab, habe ich z.T. die Leute gefragt, ob ich mich vielleicht auch noch für meine Existenz als solche rechtfertigen solle?
Was würdest du machen, wenn jemand deine ganzen Verhaltensweise in Frage stellte und das ständig? Ich musste mich bei der einen wirklich rechtfertigen, wieso ich Fremdsprachen studiere, mich verliebe, ins Ausland gehe, mich so und so verhalte etc. (zwei der anderen haben das ebenfalls so betrieben). Ich meine, diese Leute erwarten von mir, dass ich Verständnis für alles habe, aber wenn ich dann etwas erzähle, kriege ich bei beinahe jedem Aspekt einen auf den Deckel. Das kann doch irgendwie nicht sein. Ich habe mir mitunter schon überlegt, ob die einfach total unzufrieden mit sich sind oder ob ich bei denen etwas auslöse, was die einfach zur Weißglut treibt??? Ich verstehe es auch nicht.
Bei der einen Freundin von mir, die lange Zeit meine beste war, habe ich mich auch dafür rechtfertigen müssen, wieso ich mit Person x den Kontakt abgebrochen habe, wieso ich da und da so reagiert habe etc. Das kann doch auch nicht sein, dass man sich für alles rechtfertigen muss. Und auf der Ebene der konstruktiven Kritik haben wir uns dabei auch nicht mehr bewegt. Diese drei bis vier Personen waren bei mir schon richtiggehend selbstgefällig.
Ich gebe mal Beispiele bzgl. M.:
Ich: "Das mit dem Ausland wird doch teurer als ich gedacht hätte!"
M: "Was studierst du auch zwei Fremdsprachen?"
Ich: "Mein letzter Schwarm hat mich häufiger links liegen gelassen!"
M: "Was verliebst du dich auch in so jemanden!"
Ich: "Ohne Auslandserfahrungen kann man meine zwei Fremdsprachen in die Tonne treten, v.a. bzgl. des Stex."
M: "Dann hättest du halt was anderes studieren sollen! Vor allem brauchst du für das Studium dann insgesamt über sechs Jahre."
Ich: "Bei uns an der Uni geht es sozial in manchen Bereichen wirklich nicht sehr kuschelig zu." (das bestätigen mir übrigens auch viele Kommilitonen).
M: "Wenn es bei euch so scheiße ist, wieso hast du die Uni nie gewechselt? Wenn du nur auf dich alleine gestellt bist, in der Uni?"
So ging das prinzipiell über einige Wochen. Ich habe ihr das auch mehrfach vermittelt, dass ich mich auf so einer Ebene nicht unterhalten möchte. Vor allem jemandes Studienwahl anzukreiden etc. finde ich schon mal richtig daneben! Lehramt mit zwei Fremdsprachen ist definitiv keine schlechte Wahl. Und arbeitslos bin ich damit bestimmt nicht.
Ja, meine Kontakte hielten Jahrelang. Aber trotzdem war es nach kurzer Zeit, meistens 6-8 Monaten, was für mich kurz ist, klar, dass die Kontakte an sich keine Zukunft haben.
Was hat das denn mit hohen Erwartungen zu tun, wenn ich mich in drei Jahren mal treffen möchte? Oder wenn ich mal möchte, dass Telefonate nicht nur auf Terminbasis stattfinden? Oder wenn ich möchte, dass nicht bei jedem Treffen 10-20 Euro verprasst werden? Wenn ich wirklich so viel Geld für Freizeit ausgäbe, hätte ich im Monat kein Essen mehr.
("...ich bin einfach zu gutmütig..."). deshalb und in verbindung mit deiner vergangenheit dachte ich du würdest dich aufwerten indem du andere abwertest.
Das, was ich hier schreibe, von wegen Gutmütigkeit, ist das, was mir meine drei richtig guten Freunde sagen. Das sagt mir auch meine Familie.
im übrigen habe ich deine postings gelesen sonst würde ich nicht darauf antworten 😉
Ja ok, obwohl ich manche deiner Gedankengänge sehr gut verstehe (das Eingangsposting und auch viele der anderen Postings wirken in Teilen arrogant), aber trotzdem pikieren mich 2-3 deiner Punkte.
als ich die sache mit dem "klartext reden" erwähnte meinte ich eben nicht dieses "durch die blume reden" und eben auch nicht "2-3 gänge ggf. hochzuschalten"
Es ist bei mir generell so: wenn ich Klartext rede, dikschen die Leute herum. Das ist bei mir im ganzen Umfeld so. Meine Oma und meine Eltern sind da am schlimmsten. Wenn ich nur mal die leiseste Kritik übe, reden die z.T. schon nicht mit mir.
Vielleicht halte ich deswegen mit bestimmten Sachen auch erst mal hinter dem Berg, um nicht jedes Mal den größten Streit zu provozieren. Ich habe es bei meiner Familie und auch bei Freunden und Bekannten schon auf die unterschiedlichste Art und Weise versucht, Ding anzusprechen. Wenn die per se beleidigt sind?
Meine Tante und meine Cousine sagen über meine Eltern und meine Oma auch, dass sie nur beleidigt sind, wenn man etwas zu ihnen sagt.
Was ich sagen will: dieses Umfeld (wobei ich nicht sagen will, dass es das Schlimmste ist) ist nicht einfach. Es war verdammt schwierig für mich, überhaupt mal etwas auszubrechen respektive mich gegen einiges zur Wehr zu setzen. Ich nehme es mittlerweile sogar schon in Kauf, dass meine Familie oder dass die Freunde dikschen - hauptsache ich sage einfach mal ehrlich heraus, was ich denke.
Ich kann es doch nicht allen immer Recht machen! Und ich bin an sich auch nicht dafür, um des lieben Friedens Willen Honig um den Bart zu schmieren!