Hallo magicsun,
wer Theorie und Praxis trennt macht nen großen Fehler..in der Theorie wird nämlich die Praxis reflektiert..also in der Theorie überlegt man was in der Praxis gelaufen ist, oder wie es laufen könnte...ordnet und strukturiert die Praxis....und theoretisches Denken, also Reflexion als ein über die Dinge, die Welt nachdenken ist total wichtig im Leben. An sich sind Theorie und Praxis ohnehin nicht zu trennen..jeder Mensch ist für sich in seinem Inneren Theoretiker...einige von Beruf, der Rest automatisch von Haus aus, da Menschen Bewusstsein und die Fähigkeit zur Reflexion haben..und zwar alle! Aber manche sind auch ein bissel denkfaul..und wabern lieber im Halbschatten emotionaler Verwirrtheit herum ohne zu wissen woher diese Emotionen kommen und ohne einen sie ordnenden Verstand/Vernunft ausreichend zu nutzen. Auch du mit deinen Ansichten, die auf deinen ERfahrungen beruhen hast ne gewisse innere Theorie von der Natur des Menschen gebildet und die findet ja in deinem Wunsch nach der Todesstrafe ihren Ausdruck...Oder ist dieser Wunsch rein theoretisch? Momentan wohl ja...wie würde die praktische Umsetzung denn aussehen? Denk deinen Wunsch mal zu Ende..und guck ob deine Theorie von der Todesstrafe umsetzbar wäre und ob das letzlich wünschenswert ist...
Wenn du jedem potenziell gefährlichem Menschen das Recht auf Leben absprechen willst, gäbe es keine Menschen mehr..denn es steckt in JEDEM!!* Ob und wann es bei wem zutage tritt liegt immer an vielen Dingen...dem Vorleben des betreffenden, an Ort und Gelegenheit und der Reaktion des Gegenüber...
Du solltest von dem Illusionstripp von Harmonie und Gutmenschen runterkommen..den guten Menschen gibt es nicht..es gibt viele Zwischenstufen zwischen gut und böse..und da der Mensch lern- und wandlungsfähig ist, besteht immer auch die Möglichkeit, dass zuvor schlechte Menschen besser werden können. Diese Chance zu vereiteln wäre mittelalterlich und menschenunwürdig. Humanität bedeutet jemandem die Möglichkeit zu geben sich ändern zu können...auch wenn einige drauf pfeifen mögen und heillos asozial und anarcho drauf sind..also auf Recht und Gesetz, Moral etc. pfeifen. Das Risiko muss man eingehen um das Risiko selber amoralisch zu werden zu vermeiden.
Die Realität ist nicht Hollywood..jeder muss zusehen, dass er damit klarkommt im Leben evtll. auch mal Menschen zu begegnen, die dominieren, beherrschen und andere ausnutzen wollen...im Fall von Vergewaltigung einen Menschen als Sexsklaven benutzen z.B. Dagegen muss man effektive Strategien des Selbstschutzes entwickeln.
Es ist an sich gut als Vergewaltigunsopfer anzufangen sich abzugrenzen und auch sein Selbstwertgefühl wieder aufzupushen..die Schuld beim Täter zu suchen etc...und du bist mit deiner Ansicht dass der oder die Täter keine Lebensberechtigung hat an sich mit diesem Denken auf dem richtigen Weg..natürlich noch zu sehr beherrscht durch den Vorfall und daher eskalativ übertriebene Reaktion..Hass ist gut, Verachtung wäre besser..der nächste Schritt in ruhigere Denkgewässer....Was dir anzumerken ist durch den Wunsch nach der Todesstrafe: du hast noch sehr viel ungebändigte Angst (bevor dich die Schlange beißt totkloppen-Methode) die dich zu sehr beherrscht..versuche sie in den Griff zu bekommen, damit die Relativitäten wieder stimmen. Ich rate zu Kampfsport..bringt Selbstbewusstsein und größere Gelassenheit. Und du kannst deine inneren Aggressionen, die zurecht aufgekocht sind und die du sinnvoll nutzen solltest damit abreagieren...ist total wichtig, damit die nicht zu sehr dein Denken beherrschen, wie sie es momentan tun...immer die Nase geradeaus und den Blick auf die Vernunft offenhalten! Denn dein auf persönlicher Erfahrung beruhender Wunsch nach der Todesstrafe würde in der praktischen Umsetzung weitreichende Konsequenzen haben, die das Bild einer Gesellschaft nachhaltig stark verändern kann..in meinen Augen zum Nachteiligen, ein Rückschritt in Sachen Humanität.
Klar dass jemandem der Gewalt frisch erlebt hat Gesellschaft und so weiter irgendwo am AR***vorbei geht..man ist ja erstmal stark mit sich selber beschäftigt....aber du bist eben nicht das Zentrum der Welt und alles dreht sich nach deiner Anforderung ein ausreichendes Sicherheitsgefühl zu bekommen...oder RAche zu bekommen für das was dir angetan wurde...glaube mir in einer Gesellschaft mit Todesstrafe wärest du keinen Streifen sicherer vor solchen Mistkerlen wie Vergewaltigern..die gab es zu jeder Zeit..und wird es wohl auch immer geben. Und eine Rache mit dem Ergebnis des Todes des Delinquenten hat auch auf Dauer einen unschönen Beigeschmack...jedenfalls für Menschen mit einem einigermaßen funktionierenden Gewissen 😀
Mit deinem verständlichen Wunsch auf Rache durch die Ausübung der Maximalmacht = den Tod über einen Menschen zu bestimmen würdest du ebenfalls zum Täter. Sollte das das Ziel sein? Übrigens ist diese Reaktion vom bei der Tat gefühlten Ohnmachtsgefühl auf den Wunsch des Supermachtsgefühl über Leben und Tod eines Menschen zu entscheiden umzuschwenken gar nicht mal so selten...
Das Rechtssystem ist zwar suboptimal in Sachen Bestrafung von Vergewaltigern...aber da tut sich ja momentan auch was...man sollte das öffentlich politisch klären. Auch in der Forensik also der psychologischen Beurteilung von Straftätern muss sich noch ne Menge tun, die Testverfahren sind Mist..an sich könnte man da nach dem neuesten STand der Wissenschaft viel mehr rausholen..aber sowas dauert oft bis neue Methoden zum Einsatz kommen..leider...
Gruß
Tyra
* Filmzitat aus The Italian Job: "Ich traue jedem, nur nicht dem TEufel, der in jedem steckt" das trifft es meiner Ansicht nach recht gut.
P.S. Zu deinem Signaturspruch: die moderne Wissenschaft, bzw, die Wissenschaft und Wissenschaftler die ich kenne und o.k. finde und die sich niemals als allwissend ansieht würde eher sagen: Wissen wandelt manche Fragen in Antworten, generiert aber gleichzeitig auch immer wieder neue Fragen. Denn Wissen und Weisheit müssen sich ja net aussschließen, sondern können Hand in Hand gehen 😉