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Warum gibt es heutzutage in Deutschland so viele Singles?

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Warum ?

Weil wir uns es leisten können.

Diese 'Fragmentierung' der Gesellschaft findet sich überall, wo hoher Lebensstandard mit relativ dichtem sozialen Netz einhergeht.

Familie, Ehe, ist auch hier nicht so lange her, daß das in erster Linie Überlebensmodelle waren/sind. Als Lebensmodell aka 'lifestyle' werden sie zwar noch von den oft als konserativ bezeichneten Kräften propagiert. Aber für Krankheits- Renten- Todesfall ist hier einigermaßen gesorgt. Also können wir uns den Luxus erlauben, Partner/innen nach gusto und nicht nach Sachzwängen auszusuchen. Manche halten es da eben mit Oscar Wilde ( Ich habe einen ganz simplen Geschmack: Von allem nur das beste ), andere gehen Kompromisse ein. Andere wiederum ziehen das Singledasein vor, anderen geht es mächtig auf die Nerven... mit Konsequenzen für die Gesellschaft als ganzes, auch auf globaler Ebene.


Während Deutschland zusehends vergreist, detonieren anderswo die Bevölkerungszahlen. Kinder, Familie, das ist Alterversorgung, Kranken- und Sterbekasse in einem. Schau Dich um in Ländern, wo das soziale Netz sehr grobmaschig oder gar nicht vorhanden ist, wo vom 'Staat' wenig oder gar keine Hilfe zu erwarten ist...

''What's love got to do with it'', pflegte Tina Turner zu singen... ist nicht so lange her, da war unverheiratet mit Kind auch D ein gesellschaftliches Todesurteil und ein finanzielles sowieso... Ehrenmorde, Mitgift, Brautpreis...'Liebe' - ja, wenn sie sich zufällig auch noch lieben kann man das ja tolerieren...

Und passend zum Stichwort 'Single' liefert der server pflichtschuldig Promo-links zu Datingsites und Singlebörsen... genau, Börsen... gibt auch für Singles einen Marktwert ( hmmm noche-Aktien ... irgendwo zwischen Lehman Brothers Derivaten und griechischen Staatsanleihen...) ... die Wertung wurde etwas komplexer, alles viel freier - und viele können oder wollen mit dieser Freiheit nix anfangen. Vor 50 Jahren Brautschau im Nachbardorf - heute im Nachbarkontinent... Katalogbräute gehören da genauso zu dieser gesellschaftlichen Entwicklung. Oder glaubt jemand ernsthaft , daß die den Schmerbauch und das schütter werdende Haupthaar lieben ( noche, geh' vom Spiegel weg, du schreibst dich noch um Kopf und Kragen...), nein, die kämpfen darum, die erste Stufe der Bedürfnispyramide zu erklimmen... Liebe, hm. Eher Loyalität...

Wir dagegen haben die Wahl - wir dagegen haben die Qual der Wahl - oder die Qual des nicht gewählt werdens - oder wir wollen gar nicht wählen - oder gewählt werden....

Weil wir uns es leisten können....
 
Ich denke, das liegt bestimmt an unserer heutigen Gesellschaft und an den Lebensvorstellungen, die sich in den letzten Jahrzehnten doch stark verändert haben.

Single sein bedeutet ja nicht gleich, ein einsames und freudloses Leben zu führen oder gar ein schrecklicher, antisozialer Mensch zu sein, der einfach keinen "abkriegt". Viele Singles sind das ganz freiwillig, da sie das Gefühl haben, es bringt ihnen mehr Vorteile und sich wohl damit fühlen, sehr selbstbestimmt und unabhängig von einer anderen Person zu leben.

Ich finde das nicht nur schlecht. Denn man muss bedenken, dass vor allem Frauen früher in vielen Fällen heiraten "mussten", weil man das eben von ihnen erwartete und es ihnen schon in jungen Jahren eingetrichtert waren. Damals war es ja auch noch keine Selbstverständlichkeit, dass Frauen arbeiten gehen - viele Frauen waren finanziell von ihrem Mann abhängig.

Wenn man als Single glücklich ist, dann passt doch alles. Ich bin 17, weiblich, hatte noch keine Beziehung und denke mir, wenn mir die richtige Person eines Tages begegnet, dann bin ich durchaus bereit. Aber ich möchte bestimmt nicht nur eine Beziehung führen, um eben sagen zu können, dass ich mit jemandem zusammen bin. Solche Beziehungen halten sowieso meistens nicht lange.

lg
anythingbutme
 
Also ich kann dem single-dasein beim besten willen nix positives abgewinnen. Im gegenteil. bin männl., 33 und wenn ich dann andere sehe in meinem alter., wo es eben "läuft" , ja also mich macht das traurig! (bin ich da der einzige?)

Was genau läuft denn da? 🙂

Oftmals ist eine Beziehung harte Arbeit, erfordert Kompromisse über die man u. U. Tage später nachgrübelt und sie vielleicht sogar bereut. Das sind dann so Vorgänge, die man als Außenstehender gar nicht mitbekommt; man sieht meist nur wie ach so harmonisch und wundervoll das alles so ist, aber das kann durchaus trügen und wie gesagt, der Weg dahin verläuft ebenfalls nicht selten ziemlich holprig.

auch kannn ich mir beim besten willen nicht vorstellen dass es
a) Frauen gibt, welche von sich aus keine kinder wollen,
b) Leute beiderlei geschlechts, welche mit dem single-dassein glücklich und zufrieden sind und bis ans lebensénde auch single bleiben möchten. liege ich da wirklich so falsch?

a) Mir sind durchaus schon Frauen über den Weg gelaufen die sich bewusst gegen Kinder entschieden haben.

b) Aus deiner Sicht liegst du natürlich richtig, weil du eben so nicht "tickst". Das Problem ist immer die Verallgemeinerung, wer nicht mit dem Strom schwimmt und eine Partnerschaft anstrebt / aufbaut, also sich dagegen entscheidet (oder einfach nicht bedürftig ist und es ggfs. auf sich zukommen lässt) wird schnell als anormal oder egoistisch oder dergleichen abgestempelt.

Aus meiner Sicht dagegen kann ich dir beispielsweise versichern dass so ein Singleleben für mich durchaus seine Attraktivität hat. Dabei geht es gar nicht unbedingt darum dass man aufgrund negativen Erfahrungen dicht gemacht hat, sondern schlichtweg im Laufe der Zeit herausgefunden hat wie man selbst als Mensch tickt und welcher Lebensweg für einen der beste ist. Ich hatte div. "Beziehungen" - es waren nicht unbedingt die schönsten Zeiten meines Lebens.

Für viele Menschen ist eine Partnerschaft eine Bereicherung des Lebens - für andere wiederum ist es eine Einschränkung der Lebensqualität.
 
Zunächst mal danke für die vielen Antworten zu meinem Thema!
Viele haben hier ja die unterschiedlichsten Gedanken ausdiskutiert.
Ich persönlich glaube auch, dass der Grund, warum es so viele Singles gibt wie noch nie der ist, dass es heutzutage schwierig ist, Arbeit und Partnerschaft miteinander zu vereinbaren.
Mir geht es dabei übrigens ähnlich... ich denke, ich bin zumindest auch kein Typ, vor dem die Frauen vor lauter Schrecken wegrennen, aber ich habe auch einen sehr anspruchsvollen Job... 55-60 Stunden die Woche zu arbeiten ist für mich nicht unbedingt eine Seltenheit.
Wenn ich Frauen kennenlerne, stelle ich allerdings auch oft fest, dass private Treffen auch für Frauen nicht immer leicht zu vereinbaren sind, weil auch sie heute fest in der Arbeitswelt drin sind und teilweise 6 Tage die Woche arbeiten... zumindest ist das bei vielen Frauen so, die ich kenne.
Eine Chance für gemeinsame Zeit füreinander ist damit schon von Beginn an schwierig.
Nun kann man natürlich auch wieder sagen, man muß nur wollen, dann geht alles... aber wenn man viel arbeiten muß, ist es natürlich auch klar, dass man dann lieber auch gerne mal alleine ist und seine Ruhe hat... geht mir jedenfalls als Single so.
Der zweite Punkt, der mir aber auch oft an Frauen auffällt ist der, dass viele Frauen sich oft selbst auch ein wenig im Weg stehen... sie möchten einerseits auf keinen Fall einen Arbeitslosen zum Partner haben, aber sie kommen auch oft nicht mit Männern klar, die einen anspruchsvollen Job haben, der nun mal weniger Freizeit zulässt... Stubenhocker oder zu wenig Zeit für die Frau zu haben, das ist also beides irgendwie sch...!
Es muß also am besten eine Art Mittelding sein... nur was ist so ein Mittelding?
Wer heute 35-38 Stunden die Woche arbeitet, der verdient sich oft in einem Geringverdienerland wie Deutschland auch keine goldene Nase mehr, und wenn das Geld knapp wird, dann sind Streitigkeiten in einer Partnerschaft auch oft schon vorprogrammiert.
Ich denke, man kann viele Gründe nennen... auch die Postings, in denen von zu hohen Erwartungen gesprochen wurde, finde ich sehr zutreffend...
Fakt ist, die Zahl der Singles steigt stetig, obwohl mehr als genug Bedarf dafür da wäre, dies zu ändern, zumal es auch sehr viele Singles auf dem Markt gibt.
Übrigens ist auch die Bereitschaft, am Singleleben etwas ändern zu wollen, bei vielen gesunken... nur noch jeder 3. ist angeblich mit seinem Singleleben unglücklich, habe ich gelesen!
 
Wir haben doch jetzt schon eine alternde Gesellschaft. Du hast eigentlich alles angesprochen. Viele können sich doch gar kein Kind mehr leisten. Entweder 40 Stunden um grade über die Runden zu kommen, oder Nebenjob und damit fast totaler Freizeitverlust. Wohl dem der da Glück hatte. Denke aber auf viele trifft das schon ungefähr zu. Oder den Gürtel enger schnallen.
 
Wir haben doch jetzt schon eine alternde Gesellschaft. Du hast eigentlich alles angesprochen. Viele können sich doch gar kein Kind mehr leisten. Entweder 40 Stunden um grade über die Runden zu kommen, oder Nebenjob und damit fast totaler Freizeitverlust. Wohl dem der da Glück hatte. Denke aber auf viele trifft das schon ungefähr zu. Oder den Gürtel enger schnallen.


Richtig!
Das ist ja auch das heutige Problem... entweder Gürtel enger schnallen oder leben, um zu arbeiten.
Und auch die Motivation zum Flirten ist Umfragen zufolgen gesunken... vielen fehlt die Motivation dazu oder sie sehen es als lästig an.
Ich gebe zu, mir geht es manchmal ähnlich!
 
Ich kann mir nicht helfen, aber wer nicht gerade Beamter ist wie soll der als Single Rücklagen bilden können?
Das Verhältnis stimmt doch längst nicht mehr. Habe in meinem Bekanntenkreis jemanden der für einen Discounter arbeitet. Bedeutet täglich 5 Uhr aufstehen, und als Filialleiter nicht selten 22 Uhr Feierabend, inkl. Samstags. Der hat keine Lust dann abends noch wegzugehen um vielleicht jemanden kennenzulernen. Gleichwohl ist er natürlich einsam.

Und jetzt stellt man sich mal vor, dass sich viele nur noch was leisten können wenn sie zusammenlegen, dann aber trotzdem die Zeit für ein Kind fehlt. Und da wir ja in einer Zeit leben wo immer mehr und noch mehr geleistet werden muss ist es doch gar kein Wunder dass viele Beziehungen scheitern.
 
Ich kann mir nicht helfen, aber wer nicht gerade Beamter ist wie soll der als Single Rücklagen bilden können?
Das Verhältnis stimmt doch längst nicht mehr. Habe in meinem Bekanntenkreis jemanden der für einen Discounter arbeitet. Bedeutet täglich 5 Uhr aufstehen, und als Filialleiter nicht selten 22 Uhr Feierabend, inkl. Samstags. Der hat keine Lust dann abends noch wegzugehen um vielleicht jemanden kennenzulernen. Gleichwohl ist er natürlich einsam. Und spitzen Gehalt? Von wegen...
Und selbst dann, er hätte ja keine Zeit um es auszugeben.

Und jetzt stellt man sich mal vor, dass sich viele nur noch was leisten können wenn sie zusammenlegen, dann aber trotzdem die Zeit für ein Kind fehlt. Und da wir ja in einer Zeit leben wo immer mehr und noch mehr geleistet werden muss ist es doch gar kein Wunder dass viele Beziehungen scheitern.
 
Viele davon sind wohl nicht freiwillig single.
Die besten Rosinen werden zuerst gepickt.
Die hässlichsten und schwächsten Wesen gehen unter.
War und wird nie anders sein.
 
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