wenn ich möchte, dann kann ich auch mit jedem therapeuten meine spielchen machen. habe bis jetzt bei jedem meiner therapeuten sofort die schwachstelle gefunden.
aber was nützen mir die spielchen?
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therapie machen heisst sich auf ein wagnis einlassen.
therapie machen heisst arbeit und das nicht wenig. die therapeutin gibt mir anstöße und ich bearbeite mit deren hilfe meine problematik.
So wie du deine Therapien beschreibst, hab ich den Eindruck, dass du dich genau so verhalten hast, wie Werner es beschreibt. Nämlich, dass du nicht mitarbeiten wolltest. Ist das so?
Hätte man mir damals gesagt, dass ich Spiele spiele, hätte ich vielleicht sogar damit aufgehört. Aber nur vielleicht; diese Spiele waren nämlich meine Lebensversicherung.
Von meinem ersten Lebenstag an waren Erwachsene und/oder Autoritäten darauf aus mir zu schaden. Ich habe gelernt vorsichtig zu sein und niemandem zu vertrauen, schon gar nicht Leuten, die angeblich mein Bestes wollen.
In der Sekte habe ich gelernt, dass ich nichts wert bin, dass ich von grund auf böse und schlecht bin, dass ich kein Glück und keine Hilfe verdient habe. Dass es mir schlecht ging, hielt ich für Gottes Gerechtigkeit.
Ich persönlich brauche Herzlichkeit und Nähe. Die Täter hielten eine professionelle, kalte Distanz zu mir. Wenn da menschlich nichts rüberkommt und der Therapeut mir keine Wärme bieten kann, er im Gegenteil versucht eine Art Autoritätsstellung einzunehmen, wird für mich der Therapeut zum Täter.
Meine Vergangenheit birgt einige sehr hässliche Dämonen. Es sind viele schreckliche Dinge in meiner Kindheit passiert und in mir ist immer die Angst, dass ich die Leute damit zu sehr belasten könnte. Mir ist denn auch schon mal eine Therapeutin in einer Stunde heulend zusammengebrochen. Was für ein traumatisches Erlebnis! *schüttel*
Ich kannte meine Dämonen und das Leben mit ihnen sehr gut. Okay, ich war völlig außer Kontrolle, bin wahnwitzige Risiken eingegangen, von denen ich gehofft habe, dass mich eine davon ins Grab bringen würde, aber das war eben mein
Ich und das war mein Leben. Es war nicht gut für mich und es machte mich auch nicht glücklich keine eigene Wohnung und keinen Besitz zu haben und von Freund zu Freund zu ziehen und hier und da ein paar Tage unterzuschlüpfen, aber das gehörte einfach zu mir. Ich konnte das gar nicht loslassen, weil es meine Identität war. Und keiner der Therapeuten war in der Lage mir eine Alternative zu bieten. Für mich war mein Leben schick und ganz bestimmt nicht selbstzerstörerisch.
Na ja, es gab noch viele andere Gründe, die meine Therapie damals torpediert haben. Und sorry, aber meiner Meinung nach geht es sicher 80 Prozent der Leute genau wie mir. Sie suchen Hilfe, aber sie sind nicht in der Lage sie auch anzunehmen.
Genau da müsste ein Therapeut eigentlich ansetzen. Meiner Meinung nach müsste
er derjenige sein, der klar sagt, wir spielen hier keine Spielchen. Aber warum sollte er das? Der sitzt eine Stunde gemütlich im Warmen, macht sich halbherzig ein paar Notizen, nickt ab und an und kassiert am Ende seine Kohle. Dem kann es doch egal sein, ob und wie die Therapie beim Klienten anschlägt. Im Gegenteil, je länger er ihn halten kann, umso besser.
Ich habe letztendlich die Kraft gefunden mich weiterzuentwickeln und aus vielen schädlichen Mustern rauszukommen, nicht dank der Therapeuten, sondern dank eines starken Partners. Heute kann ich dem Therapeuten klare Richtlinien geben und ich weiß, dass ich dringend Wärme und Herzlichkeit brauche, ganz viel Nähe - zwar eine professionelle Nähe, aber eben Nähe. Wenn da an Emotionen nichts rüber kommt, gehe ich doch lieber zu meinem Friseur
😎.
Was ich nicht verstehe ich, warum jemand "Spielchen" oder ein Kräftemessen mit einem Therapeuten anfangen will. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das jemand macht, wenn er 40 oder 80 Euro die Stunde bezahlt.
Du kannst dir im Gegenzug aber auch nicht leisten den Klienten im Regen stehen zu lassen. Der kommt einmal und dann nie wieder, wenn du anfängst Spiele zu spielen. Deine Klienten wollen sichtbaren Erfolg für ihr Geld.
Wer die Therapie nicht selbst zahlt, kann sich das Abblocken eher erlauben.
Ich will damit nicht sagen: Schafft die Krankenkassen ab! Um himmels Willen nein! Ich will nur sagen, wer Therapeut mit Kassenzulassung ist, dem muss klar sein, dass es Klienten gibt, die zwar mitarbeiten wollen, im Endeffekt aber nicht an sich arbeiten
können.
Man hat dann zwei Möglichkeiten. Entweder man sagt ihm, dass man unter den Voraussetzungen leider nicht der richtige Therapeut ist oder man arbeitet mit dem Klienten an der Therapiefähigkeit, bevor man sich an die Lösung der Probleme macht.
Ich seh in meinem Umkreis immer wieder Therapien scheitern. Aber das liegt nicht an den Klienten sondern an der Unfähigkeit der Therapeuten. Tatsache ist, wir haben eh zu wenig Therapeuten, aber von den Wenigen sind die meisten nicht mal kompetent in ihrem Job.
Tuesday