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War mein Schwager pietätlos ?

Von mir selbst kenne ich es, dass man als Trauernde sehr empfindlich ist und nicht alle Reaktionen und Umgangsweisen gut verträgt. In der Trauer hat man nicht viel Schwingungsmöglichkeiten und ist schnell verletzt. Aus diesem Grund gehen so viele Leute ja auch Trauernden aus dem Weg, denn die Wahrscheinlichkeit, exakt den falschen Ton zu treffen, ist sehr hoch.

Von daher, ja, er hätte das charmanter machen können oder es einfach lassen oder es besser als Frage oder Angebot formulieren können.

Er wird es nicht böse gemeint haben und ist in seinem Glück wohl ähnlich wenig schwingungsfähig wie Trauernde. Ich finde eine Einordnung unnötig. Euch hat es verletzt und das ist doch das einzig maßgebliche Maß. Ich würde das einfach stehen lassen und später, wenn alles nicht mehr so frisch ist und mir immer noch wichtig, ggf. das Gespräch darüber führen.
 
Mein Urgroßvater überlebte 3 Jahre KZ, obwohl er eigentlich zum Tode verurteilt wurde, er ging mit 125 kg rein und als er von den Alliierten befreit wurde wog er noch 45 kg und war mehr tod als lebendig.
Er war weder Jude , noch ein unehrlicher Mensch und so artikulierte er seine Meinung über A.Hitler, was zur Folge hatte Todesstrafe. Er hatte bei Gericht die großzügige " Offerte " die " Beleidigung" zu widerrufen und so in Anbetracht seiner 2 Kinder und seiner Frau lebenslang in Haft zu kommen. Sein Statement war und das ist aktenkundig dokumentiert: " Mit Verlaub Herr Richter , Sie sind genauso ein A...wie der Führer" , also Todesstrafe.
Er schaufelte, aß jeden Wurm und jede Wurzel und überlebte , andere starben nach einigen Wochen.

Dann hat er nach dem Krieg einen kleinen Betrieb ausgebaut ein Haus gebaut die zwei Kinder verheiratet, der Frau treu geblieben und ehrlich.
Er hatte Geschwister sie waren 13 Zuhause, als er Kind war , meine Urgroßmutter hatte ähnlich viele Geschwister und am 24, zwölften Geburtstag.

Da gab es jedes Jahr ne Doppelfeier und die macht man für viele Leute da wo Platz ist , also bei ihm.
So war meine " Bescherung" immer da, er hatte einen festen Platz am Tisch, in seinem Wohnzimmer und zwar am Kopfende der Tafel , da hätte sich niemals einer hingesetzt, weil dem hätte er gesagt, weg da.
Sein Sohn hatte Kinder , seine Tochter auch.
Also gab es auch Enkel und später , als ich da war auch Urenkel.

Ich verbrachte sehr viel Zeit mit ihm, lernte und durfte viel, was andere nicht durften, nie ist etwas passiert, obwohl andere mich schon oder zukünftig tot sahen. Ich pflegte ihn bzw. half , er starb als ich 20 war.
Seine Frau starb ein halbes Jahr später.
Nun kam das erste Weihnachtsfest ohne die beiden.
Da waren 2 Plätze leer, wären leergewesen, da waren viele in tiefer Trauer und nicht alle haben dieselbe Religionsauffassung,
Wir hatten ein Foto von beiden vergrößert und das hatte gerahmt einen festen Platz.
Für uns alle , waren die , so denke ich, anwesend.
Jeder konnte sich mit seiner Trauerbewältigung auseinandersetzen es flossen Tränen, es wurden "Geheimnisse" erzählt und da ich ihn besser kannte als viele, wollten viele wissen, wie er so war - was er wohl gesagt hätte, etc.
Da kam ein Thema zur Sprache
Einigen die bei seiner Beerdigung waren war klar, ich hatte nicht eine Träne vergossen.
Das hatte einen Grund , als er schon älter war ich war so 16 da war er noch recht fit, wir unterhielten uns oft und da begriff ich so im Laufe der 20 Jahre, wie jemand ist, der seine Ehrlichkeit aus Demut vor dem Leben über seinen Tod stellt. Heute noch Hut ab dafür .

Er sagte zu mir " Eines musst Du Dir mal merken, bei so ner Beerdigung, die die am meisten erben wollen, heulen am dollsten, die die mit dem Toten nicht im Reinen sind, können das nicht mehr ändern und deshalb weinen die und die die wirklich ehrlich sind , die wissen das, dann wenn sie den Toten zu Grabe tragen ist die Trauer die die empfinden doppelt schwer, da ist der Verlust um die Person und die Wut wegen Respektlosigkeit der gierigen Heulsusen der buckeligen Verwandtschaft, den ganzen unehrlichen. Wenn Du also das vorher weißt, so wird es für Dich nicht so schwer sein, schau sie Dir an und lerne, das ist das sinnvollste was Du tun kannst, Deine Trauer gehört Dir, laß sie Dir von keinem kaputt machen, sondern empfinde sie mit Dir, weil es Deine Trauer ist. "

Als er 4 Jahre später starb, auf seiner Beerdigung habe ich wie er sagte , beobachtet und gelernt, gestaunt, aber verstanden.
Als dann die erste Weihnachtsfeier kam , ohne die beiden, sagte ich das, was ich oben schrieb und was er gesagt hatte, am Tisch vor versammelter Familie und einige nickten und einige brachen in Tränen aus , "Ja Du hast recht, genau das hätte er auch gesagt " , die tränenreichen erzählten mir dann , warum sie in Tränen ausbrachen.

Wenn ich nun darüber nachdenke , war eigentlich der Grund unser aller Trauer, der Verlust über zwei ehrliche Menschen , aber an dem ersten Weihnachtsfest wollte aus Pietät wohl keiner über sowas nachdenken , wie Sitzordnung jeder saß da wo er wollte .

Hatte denn das eine besondere Bedeutung also die Sitzordnung ???
 

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