Das Leben ist zu kurz, um sich freiwillig dauerhaft mit solchen negativen Vibes zu umgeben. Grundsätzlich hält das Leben für jeden Einzelnen doch schon genug unschöne Herausforderungen bereit, die es zu bewältigen gilt. Mal gelingt das leichter, dann wieder benötigt man mehr Energie. Ich finde es erstrebenswert, weitere negative Belastungen, die nicht schicksalsgegeben und die vor allem beeinflussbar sind, auf ein Minimum zu reduzieren. Freundschaften sind i.d.R. nicht durchweg belastungsfrei, das ist aber auch völlig okay. Man streitet sich mal, ist vielleicht auch mal genervt, man kündigt sie auch nicht leichtfertig auf. Aber auch für Freundschaften gibt es Grenzen: Am Ende sollte sie immer ein Plus auf dem Lebenskonto bringen, also in irgendeiner Form eher bereichern als belasten. Gut finde ich daher auch, dass du zunächst noch sehr intensiv versucht hast, deinem Freund aufzuzeigen, dass sein Verhalten ausgeprägt negativ ist. Schade, dass er sich davon so wenig annimmt - für mich ist das Ausdruck eines grundsätzlichen Gefühls massiver Unzufriedenheit, vor allem aber auch von Egozentrik. Er bedauert sich, nimmt aber gar nicht wahr, wie stark er mit seinem Verhalten sein Umfeld runterzieht.
Als Freund würde ich ihm nun noch einmal eindringlich und unmissverständlich empfehlen, hierzu mal therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen und ihm dies auch als letzte Chnce aufzeigen, um dich als Freund nicht dauerhaft zu verlieren. Als Freund würde ich ihm sogar ein letztes Mal anbieten zu helfen, indem du deine Wahrnehmung, die ja auch die vieler anderer zu sein scheint, mal in einem Einzelgespräch mit dem Therapeuten ungeschönt darlegst. Ich glaube nämlich, dass das zu einem besseren Verständnis für die Therapie beiträgt, da der Freund gar nicht in der Lage ist, diese Position der anderen Seite 1 zu 1 zu transportieren. Er ist viel zu sehr in seiner Unzufriedenheitsblase gefangen.
Wenn er das ablehnt würde ich ihm sagen, dass du als Freund nicht mehr zur Verfügung stehst, das dann aber allein schon aus Gründen der Glaubwürdigkeit auch konsequent durchziehen. Du musst seine Anrufe gar nicht erst annehmen, für persönliche Besuche hast du keine Zeit. Zufallstreffen kannst du kurz halten mit dem Hinweis, dass du noch etwas vor hast. Das ist nie gelogen und wenn du nur planst, deine Zeit mit schönen Gedanken zu verbringen.
Du bist für diesen Menschen und seinen Seelenfrieden nicht verantwortlich. Nicht umsonst heißt es jeder sei seines eigenen Glückes Schmied. Er ist erwachsen und du bist nicht sein Vater.