Selbst Wegziehen ist nicht wirklich ein Schutz, wenn man nicht gerade ans andere Ende des Landes zieht, denn ein wirklich rachsüchtiger Täter kann einen überall aufspüren, um so leichter wenn die ganze Familie mit umzieht. Und wir wissen noch nicht wer die Täter waren, es können auch welche aus einem ausufernden Familienklan sein, wo es immer einen "großen Bruder" gibt, der eine Verurteilung so krumm nimmt, daß er seinerseits auf Rache sinnt.
Ich finde, hier wird gerade ziemlich viel ins Blaue hinein spekuliert. Wir wissen weder, wer die Täter genau sind, noch wie alt sie sind oder aus welchem Umfeld sie kommen. Es ist also ein bisschen weit hergeholt, jetzt schon von rachsüchtigen „großen Brüdern“ oder organisierter Vergeltung zu sprechen.
Wenn die Täter unter 16 Jahre alt sind - was bei einem 14-jährigen Opfer nicht unwahrscheinlich ist - dann ist ein echtes „Wegsperren“ sowieso eher unrealistisch. Das Jugendstrafrecht setzt da ganz andere Schwerpunkte, und selbst schwere Fälle enden oft mit Bewährungsstrafen oder Erziehungsmaßnahmen.
Gerade deshalb war mein Gedanke mit dem Umzug ja keine Flucht vor „Kriminellen“, sondern eher eine praktische Überlegung: Wenn der Junge in seinem alten Umfeld völlig traumatisiert war, warum dann nicht die Möglichkeit prüfen, ihm zusammen mit der Mutter einen neuen, sicheren Ort zu bieten, statt dass er alleine zum Vater zieht und dort nun auch noch den Kontakt zur Mutter abbricht?
Ich stelle das nicht als einfache Entscheidung dar, aber so zu tun, als sei ein gemeinsamer Umzug kategorisch ausgeschlossen, überzeugt mich auch nicht ganz. Und es war eben wirklich nur eine Frage, keine Kritik.
Außerdem, würdest Du Deine eigene Wohnung und Beruf dafür aufgeben, weil der Staat unfähig ist, Kriminelle wirksam und dauerhaft aus dem Verkehr zu ziehen?
Na ja, Beruf und Wohnung sind schön und gut - aber was bringt’s, wenn das eigene Kind dabei verloren geht? Ich hab zwar selbst keine Kinder, aber ganz ehrlich: Wenn mein Partner so etwas erlebt hätte, würde ich einen Umzug natürlich ernsthaft in Erwägung ziehen. Einfach, weil Sicherheit und seelische Stabilität manchmal Vorrang vor allem anderen haben müssen.
Wäre ich an der Stelle des Jungen, würde ich es meiner Mutter ehrlich gesagt sehr übel nehmen, wenn sie in so einer Ausnahmesituation nicht mal einen Umzug in Betracht ziehen würde. Nicht, weil ich erwarte, dass sie sofort alles stehen und liegen lässt - aber weil ich das Gefühl bräuchte, dass mein Sicherheitsgefühl für sie genauso zählt wie ihr Job oder ihre Wohnung.
Gerade wenn man als Kind (oder auch als Jugendlicher) etwas Traumatisches erlebt hat, schaut man ganz genau hin: Wer steht wirklich zu mir? Wer ist bereit, konkrete Schritte zu gehen - nicht nur zuzuhören, sondern mit mir einen Neuanfang zu versuchen?