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Versagen im Referendariat - berufliche Zukunft am Ende?

Zugleich hat mir mein Seminarlehrer in der Nachbesprechung gesagt, ich sei ein hoffnungsloser Fall und davon seien inzwischen alle überzeugt.
Alter -_- Wow, du hast zur Zeit wirklich Glück mit deinen Ausbildern, was?! -_- So ein Spruch ist echt mies, macht mich grad voll wütend!

Ich kann das einfach nicht verdauen, es ist so niederschmetternd. Ich fühle mich wie ein geprügelter Hund. Angeblich bin ich stur und beratungsresistent, aber ich kann das einfach nicht glauben. Ich habe mich so sehr bemüht, alles gut zu machen, verzichte für die Ausbildung auf meine Freizeit, arbeite die Nächte durch...und nun gelte ich als unbelehrbar??? Ich weiß einfach nicht , was das soll. Wirklich, ich habe mich sehr bemüht. Und ich bin eigentlich schon kritikfähig. Ich versteh das nicht. Wäre ich denn so am Boden zerstört und geschockt, wenn ich ein rücksichtsloser A**** wäre, der keine Kritik annimmt und stur mit dem Kopf durch die Wand will? Bin momentan wieder wie gelähmt vor Angst.
Du bist nicht unbelehrbar - mal ehrlich, würdest du dann in dieses Forum kommen und fragen, was du tun kannst?! Das ist der beste Beweis für das Gegenteil 😉

Bin gespannt, wies dir heute ergangen ist.
 
Hallo Gastine 🙂

Kurzer Nachtrag: Hast du die Möglichkeit, aus der Mühle erst einmal auszubrechen? Kannst du vielleicht einen Auslandsaufenthalt einschieben? Sofern du eine Fremdsprache unterrichtest, ist das natürlich auch gut für deine potentielle Laufbahn.
Die Freundin, von der ich oben erzählte, war nach einem Auslandsaufenthalt sehr viel bestärkter und gelassener im Umgang mit sich selbst und den andern und nicht mehr so voller Selbstzweifel, weil sie die elementare Erfahrung gemacht hatte, dass es immer irgendwie weitergeht, dass sich selbst in einem fremden Land spontan Möglichkeiten ergeben.
 
Huhu Joey,
nachdem ich Deutsch undErdkunde unterrichte, ist das wohl eher unwahrscheinlich...aber es ist sehr lieb von dir, dass du dir über mich Gedanken machst! Ich hatte gestern einen erträglichen Tag, nicht toll, aber es ging irgendwie. Nur mache ich mir in jeder freien Minute Sorgen...sobald ich arbeite, Unterricht vorbereite oder vor der Klasse stehe, geht es irgendwie, aber sobald ich nichts tue, kommen wieder diese Gedanken hoch. Am schlimmsten ist eigentlich, dass ich fürchte, mir es jetzt dauerhaft mit dem Seminarlehrer verscherzt zu haben. Ist schwer zu erklären. Ich habe mir jetzt einen Termin beim Therapeuten geholt und hoffe, dass ich dort weiterkomme mit meinem Problem...Liebe Grüße!
 
Hi,
ich hab gerade deinen Text gelesen und es hat mich sehr getroffen.
Vielleicht kann ich ein Stück weit nachempfinden was du gerade durchmachst.
Meine Situation war anders, aber irgendwie doch ähnlich.
Vor einigen Jahren machte ich eine Ausbildung, ich dachte es wäre tatsächlich dass richtige für mich.
Ich war nie ein schüchterner Mensch hatte nie Probleme Unterrichtsbeiträge zu liefern vorzulesen oder Referate zu halten.
Aber irgendwann ist viel in meinem Privatleben schiefgegangen und in der Ausbildung dann noch mehr. Ich hatte plötzlich Probleme, auch nur einen Text vorzulesen, ich hab richtige Angst gehabt dorthin zu gehen. Irgendwann wurden die Ängste so übermächtig, dass ich kaum noch schlafen konnte.
Sie haben angefangen mich aufzufressen. Ich dachte auch, es gibt keinen Ausweg mehr, keinen Weg, gar nichts. Ich stand plötzlich vor einem riesigen Abgrund. Ich hab mit gar niemanden darüber gesprochen, weil ich dachte es würde niemand verstehen.
Ich hab beinah angefangen mich zu hassen. Ich hab überhaupt nicht mehr an mich geglaubt und ich hab wirklich gedacht das Leben ist vorbei.
Ich hab vergessen, dass es "nur" das Berufsleben ist. Dass es ein Privatleben gibt. Ich hab mich eingeschlossen und die Situation wurde immer verfahrener.
Ich hab diese Ausbildung irgendwie zu Ende gemacht aber in der Zeit war ich wirklich am Ende. Es hat lange gedauert bis ich mich davon erholt hab und bemerkt hab, dass das Leben, auch wenn alles im Beruf schiefgeht, trotzdem schön sein kann. Ich bin erst mal für einige Monate ins Ausland gegangen. Ich bin jetzt in einem völlig anderem Beruf und bin glücklich.
Was nicht heisst dass du nicht im richtigen Beruf bist.
Ich finds gut dass du zu einem therapeuten gehst.
Und nimm dir Zeit für dich. Es gibt immer einen Weg° Und vergiss nie dass es auch noch ein anderes Leben gibt für dass es sich lohnt zu leben!!!
Ich wünsch dir viel Glück!!!!!!!!!!!
 
Ich will dir keinen Tipp geben, ob du weitermachen solltest oder nicht. Mich interessiert aber, was man so im Studium über die Sache mit dem Stress lernt. Lernt man da etwas, von mir auch aus eher als Tipps für die Schüler, wie man sich in stressigen Zeiten sortiert?

Ich kann mir gut vorstellen, dass das mit dem Aufräumen eine Tätigkeit sein kann, die dich erstmal entspannt. Man sagt ja, ein aufgeräumter Tisch ist wie ein aufgeräumter Geist. Wenn du anfängst, sehr häufig die komplette Wohnung sauber machen zu wollen, könnte das ein Hinweis für Bewegungsdrang sein. Sport macht fit und glücklich. Machst du Sport? Hast du einen Haushaltsplan?

Dass du für den Therapeuten bezahlst, verstehe ich nicht ganz. Du bekommst über die Krankenkasse eine bezahlte Therapie, nachdem der Antrag bewilligt wird. Lass dir von deiner KK Adressen von Therapeuten in deiner Nähe geben. Privattherapieplätze sind sau teuer.

So weit ich das verstanden habe, lag das Problem bisher nicht an den Schülern..? Sondern an dir und deinem Privatleben. Das ist schon mal wichtig zum Handeln. Vielleicht brauchst du dann auch einfach nur Zeit zum Erholen.

- Mein Lehrer war ein klein bisschen sensibel und ist auch mal handgreiflich geworden. Erklären konnte er nicht und niemand nahm ihn ernst. Bei der Prüfung gab er uns plötzlich Gruppenarbeit und extrem leichte Aufgaben. Er bestand und ging dann, nach einer kleinen Pause, an die Universität. Dort soll sein Unterricht auch nicht gut ankommen, aber er kam mit dem Kenntnisstand der Schüler besser klar.
- Eine andere Lehrerin war cholerisch, weil ihr Kind chronisch krank ist. Zumindest sollte das der Grund gewesen sein. Sie ging desöfteren in die Reha und war danach noch immer cholerisch, aber ohne sofort zu schreien.

Kollegen können dir vielleicht erzählen, ob und wie das mit der Pause zu dem Zeitpunkt der Ausbildung möglich ist. Ein guter Zeitpunkt zum Ausstieg sind auf jeden Fall die Sommerferien. Egal, was du tust oder lässt, versuche vielleicht, spätestens in den Sommerferien eine Lösung zu finden!

Ansonsten würde ich dir vorschlagen, beim Überblick behalten, etwas mehr in Distanz zu gehen! Auch visuell. Mach dir eine Checkliste mit max. 5 Punkten, die du für jede planmäßige Unterrichtssituation anwenden kannst. Wichtigster Punkt sollte auf Rang 1 das Ziel + Zielgruppe sein!!! Erinnere dich an den Lehrplan, was da drin steht und was du über die Schüler weißt. Welches Alter haben sie zum Beispiel? Welche Entwicklung gehen sie in dem Alter normalerweise durch. Solche Fragen eben. Wenn ein Thema breit gefasst ist, erinnere dich an deine Checkliste. Vielleicht kannst du auch Hilfsmaterialien wie eine Tafel, ein Poster oder eine Pinnwand an deine Wand hängen und darauf vieles planen.
 
Vielleicht ist es schon ein bisschen zu spät, jetzt noch zu antworten, aber vielleicht kann ich mit meinem Beitrag anderen noch Mut machen. Ich kenne diese Situation nur zu gut, mich hat das Referendariat körperlich (!) krank gemacht. Chronisches Magen-Darm-Leiden. Zu meiner allgemeinen Prüfungsangst kam noch, dass meine Ausbilderin mich ganz offensichtlich nicht ausstehen konnte. Es gab in dem Seminar einen Ausbilderwechsel und innerhalb von 4 Monaten bin ich von soliden 11-12 Punkten auf 5 Punkte und weniger gesackt und auf einmal war ich angeblich auch in meinem zweiten Fach so schlecht. Bei dieser besagten Ausbilderin bin ich durch meine Examensarbeit gefallen. Diese habe ich in enger Absprache mit meiner Mentorin, meiner Kollegin und einer (sehr guten) Kommillitonin geschrieben. Unfassbar! Das habe ich eine Woche vor Weihnachen erfahren, am 28.12. war ich kurz davor, auf der Autobahn gegen die Leitplanke zu fahren. Mit entsprechendem Druck bin ich dann doch noch zum Examen angetreten, dass ich dann auch knapp bestanden habe... Die Stellensuche war der Horror. Mittlerweile bin ich in meinem ersten Jahr n.R. an einem Privatgymnasium, habe die Probezeit bestanden, habe (fast) durchweg positives Feedback sowohl von Schülern, Eltern als auch von der Schulleitung bekommen und bin so entspannt wie noch nie in meinem Leben...und das bei 29 Wochenstunden!
Ich verstehe diese Ohnmacht, dieses Gefühl, wenn einem alles entgleitet, aber es geht weiter! Irgendwie geht es weiter!
 
Hallo an alle Referndare, die mit Visionen und Herzblut Lehrer werden wollen!
Ich habe mich in den vorherigen Erzählungen auch wieder gefundensehen. Im Referndariat konnte ich irgendwann auch nicht mehr. Ständig dieser Druck von außen und vor allem den man sich selber macht. Es ging bei mir auch bis zu Selbstmordgedanken.
Nach einem Jahr bei einer Therapeutin, die mir aber auch nach einem Jahr nicht helfen konnte, bin ich in eine Klinik für Psychotherapie. Als ich mich wieder gefunden hatte, konnte ich meinen Traumberuf weiterführen, habe das Ref wieder in einem neuen Landkreis, in einem neuen Seminar beendet. Dort waren wenigstens alle gg die Seminarrektorin und nicht gg mich... Zwar hab ich nicht Bombe abgeschnitten, aber ich habe eine Stelle beim Staat und bin mir nun sicher, dass dies der richtige Beruf für mich ist.
Gebt nicht auf!!! Wenn es sein muss, nehmt euch eine Auszeit. Verliert euch nicht. Gönnt euch ein Hobby zum Abschalten! Versucht es locker zu sehen.

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig weiterhelfen. Ich weiß wovon ich rede. Ich bin durch die Hölle gegangen und erfahre nun jeden Tag von meinen Schulkindern ein wenig Himmel.

VlG, eine motivierte GS Lehrerin
 
Wenn dir der Lehrerberuf absolut nicht liegt, musst du deswegen nicht zwangsläufig als Hartz IV-Empfänger "enden". Und selbst das wäre kein Grund, deswegen Suizid zu begehen! Viele Menschen bekommen vorübergehend Hartz IV und erzielen später doch wieder ein eigenes Einkommen. Nicht alle bleiben zeitlebens Sozialhilfeempfänger. Wahrscheinlich bist du ja noch relativ jung. Auch in den 30ern kann man noch eine andere Ausbildung machen oder umschulen. Wenn es dir psychisch wieder deutlich besser geht, kannst du das anpacken und dich beraten lassen. An deiner Stelle würde ich bis auf Weiteres auf jeden Fall in psychotherapeutischer Behandlung bleiben. Du musst dich erst stabilisiert haben, bevor du Entscheidungen von größerer Tragweite treffen kannst.
 

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