Antoinette
Aktives Mitglied
Danke! 🙂
Hab es mir direkt als pdf Datei runtergeladen. Der Artikel ist wirklich gut; ich musste fast heulen, als ich das gelesen habe. Ich kopier ihn mal für alle:
Hab es mir direkt als pdf Datei runtergeladen. Der Artikel ist wirklich gut; ich musste fast heulen, als ich das gelesen habe. Ich kopier ihn mal für alle:
Sarah Brandt weiß genau, wie sich das
anfühlt. Die 24-jährige Münsteranerin
ist seit zwei Jahren unglücklich in
eine ehemalige Seminarleiterin von
ihr verliebt. „Im Alltag waren das
Höllenqualen“, erzählt sie. Ihre Verliebtheit war
und ist für sie umso tiefer, als sie dabei das erste
Mal „so richtig“ verliebt war und ihr dadurch ihr
Lesbischsein bewusst wurde.
Für die Sozialtherapeutin Ina Rosenthal aus
Lörrach ist eine unglückliche Verliebtheit im
Coming-out völlig normal. Seit Jahren berät die
heute 42-Jährige Frauen in solchen Lebenslagen
und weiß: „Da geht es emotional
um die Annäherung an eine lesbische
Beziehung, auch wenn die
Betreffende unerreichbar ist.“
Diese Erfahrung hat auch die
Berlinerin Katja Schneider (27)
gemacht, die sich mit zwölf in ihre
Lehrerin verliebte. Die Verliebtheit
hielt über zehn Jahre, erst
dann hat sie einen Schnitt gemacht
und beschlossen, sie nicht mehr zu
sehen. „Nach jedem Treffen
konnte ich tagelang nicht arbeiten
und habe mich nur zu Hause
verkrochen“, so Katja über die
Gründe für den klaren Bruch.
Eine wie keine
Ganz anders Sarah, die das Objekt
ihrer Liebe in dem Jahr des
Seminars oft gesehen hat, danach
jedoch nicht mehr. „Ich habe
währenddessen immer versucht,
weiterzumachen, mich abzulenken
und mich deshalb voll in die Arbeit
gestürzt.“ Um auf andere Gedanken zu kommen,
ging sie auch mit anderen Frauen aus, allerdings
ohne Erfolg. „Man fängt an, diese Frauen mit der
einen zu vergleichen – äußerlich, aber auch vom
Charakter her.“ Das kann nur schiefgehen, denn
so wie die eine ist schließlich keine: „Sie war für
mich schon die Frau der Frauen.“
Auch Sehnsucht ist eine Sucht
Katja ging nach der Schulzeit aus ihrem
Heimatort nach Berlin. Doch auch die räumliche
Trennung änderte nichts. „Je mehr man versucht,
die Gefühle zu verdrängen, desto heftiger
werden sie“, meint Ina Rosenthal. Sie rät in
einem solchen Fall zu Akzeptanz. „Wenn man es
zulässt, in eine Frau verliebt zu sein, die man
nicht haben kann, hat man einen großen Schritt
schon gemacht.“
Für beide Frauen war es die erste unglückliche
Verliebtheit und überhaupt die erste große Liebe
zu einer Frau. Aber es gibt auch Frauen, für die
unglückliche Verliebtheiten ein stets wiederkehrendes
Muster darstellen. Die Gründe dafür
liegen meist in der eigenen Beziehungs -
geschichte. „Oft geht es dabei um die Vermeidung
von Kontakt und Nähe“, so Ina Rosenthal.
Außerdem ist eine solche Liebe bei aller
Unerfülltheit natürlich perfekt. Sie wird weder
vom Verhalten der Geliebten enttäuscht noch
infrage gestellt. Was Leiden schafft, ist laut Ina
Rosenthal der „haben-wollen-Aspekt“ daran.
Das, was man haben will, aber nicht bekommt,
erscheint nicht selten umso begehrenswerter.
So ging es auch Katja Schneider. Die kurzen
Treffen mit ihrer Angebeteten wurden immer
wieder von deren Ehemann
unterbrochen, auf den Katja eifersüchtig
war. „Da ist dann bei jeder
Begegnung eine Welt für mich
zusammengebrochen.“
Auch nach dem Ende ihrer Treffen
schrieb sie sich mit ihrer Angebeteten
Weihnachtskarten. Und als
sie selbst wieder eine Beziehung
hatte, überlegte sie sich, noch mal
mit der Frau über alles zu reden.
Sie schickte ihr ein Buch, bekam
aber keine Antwort. Stattdessen
irgendwann einen Brief vom Ehemann,
der schrieb, dass seine Frau
in der Zwischenzeit verstorben
war.
Das war natürlich ein furchtbarer
Schock für Katja. Von Zeit
zu Zeit besucht sie ihr Grab auf
dem Friedhof und bringt eine
Rose mit. „Für mich ist es
schlimm, dass ich sie nicht mehr
nach ihren Gefühlen fragen
konnte.“ Katja ist sich heute
sicher, dass sich eine Freundschaft hätte
entwickeln können. „Ich hatte ja Gelegenheiten,
ihr nahe zu sein“, meint sie und bewertet diese
Zeit auch positiv für sich: „Ich würde alles
wieder genauso machen.“
Zu den Gefühlen stehen
Auch Sarah hat ihrer Seminarleiterin nie vonClaudia Lindner
ihrer Verliebtheit erzählt. „Ich habe nur versucht,
ihr zu sagen, dass ich sie gern näher kennenlernen
würde, aber das hat nicht funktioniert.“
Ihre Gefühle sind immer noch sehr stark.
„Besonders, wenn es mir nicht gut geht, denn
dann hätte ich sie so gern nah bei mir.“
Vom Entlieben kann hier also keine Rede sein.
Muss es aber auch nicht, so Ina Rosenthal. „Man
kann akzeptieren, dass es eben verschiedene
Lieben gibt. Die zu einer unerreichbaren Frau ist
eine besondere, einzigartige Liebe. Und da kann
es irgendwann auch noch eine Liebe zu einer
geben, der ich begegnen kann.“