Hallo ihr Lieben,
als Lehrerin ist es durchaus interessant eure Beiträge zu lesen. Ich selber bin auch noch eine relativ junge Lehrerin und arbeite ebenfalls mit Schülern (und natürlich auch Schülerinnen) in eurem Alter.
Tatsächlich fällt einem guten Lehrer (die Damenwelt ist ab jetzt bei der männlichen Formulierung immer mit eingeschlossen 😉 ) normal auf, wenn man von einem Schüler beäugt wird. Das ist ja weiter nichts Ungewöhnliches, wenn man vor einer Klasse "herumtanzen" muss.
Ich denke mir, dass Schüler sich - bedingt durch die Situation Schule und Unterricht- gerne auch mal in einen Lehrer verlieben. Mir ging es als Schülerin damals ähnlich. Zwar habe ich allen Mut zusammen genommen und die Damen meines Herzens spontan zu Hause besucht, aber ich glaube, dass nicht jeder Lehrer so tolerant ist und dies zulässt! Immerhin ist das auch schon ca. 15 Jahre her! Kurz und gut: Diese Gefühl mit der Dame etwas sexuelles oder Zärtliches haben zu wollen, war bei mir damals auch sehr groß, vor allem als sie bei einem Besuch tatsächlich im Bademantel die Tür aufmachte, oder mir in einer Stunde sagte, dass sie von mir geträumt hat. "Damals" hat man so Gefühle natürlich nicht so wahrhaben wollen wie heute! Insofern finde ich schon, dass unsere Gesellschaft sich in kleinen Schritten weiter Richtung Toleranz entwickelt! Nunja, die Jahre vergingen, ich habe selber Lehramt studiert (wegen ihr?) und viele Jahre später habe ich sie wieder getroffen. Mittlerweile war ich verheiratet (mit einem Mann) und trotzdem hat mein Herz bis zum Hals geklopft, als ich sie gesehen habe. Ich glaube, dass es einfach eine Zuneigung zu dieser Person ist, weil sie mir immerhin so viel gegegen hat: sie hat mit in ihrem Unterricht Perspektiven für mein Leben aufgezeigt, mir privat zugehört, wenn es mir schlecht ging, mit mir gelacht und mich mal nur angesehen. Ich bin froh, dass da nie etwas anderes passiert ist, weil ich diese besondere Beziehung letztlich nie zestört habe. Was ja durchaus hätte passieren können.
Heute bin ich selbst Lehrerin und ich weiß, dass die Rollen sich vielleicht vertauschen können. Ich bin aber froh, dass meine Schüler (auch die Mädels) ganz offen mit mir reden können. Ich weiß auch, dass es Schüler gibt, die in mich verliebt sind, weil sie es mir gesagt haben. Dabei versuche ich so einfühlsam wie möglich zu sein, aber eben auch nicht zu sehr, um deutlich zu machen, dass eine Liebe zwischen Schülern und Lehrern einfach unglaublich kompliziert ist. Ich versuche ihnen das Gefühl zu geben, dass sie mich in puncto Liebe einfach als Mensch ansprechen und nicht in meiner Funktion als Lehrerin. Daher kann ich da bei der Notengebung unterscheiden. Ich weiß aber auch, dass nicht jeder Lehrer so leicht mit der Liebe von Schülern umgehen kann.
Andererseits drückt diese Liebe aber auch aus, dass der Charakter und vielleicht auch das Aussehen dieses Lehrers nicht so ganz schrecklich sein kann. Für mich ist es ein Kompliment. Mehr nicht.
Zum Rechtlichen: Der Schüler ist für den Lehrer ein sogenannter "Schutbefohlener", auf den der Lehrer- einfach formuliert- aufzupassen hat und für den er die Verantwortung trägt. Die Grenzen sind zum Glück aber sehr scharf gezogen: eine Mißachtung oder (Aus-)Nutzung dieser position des Lehrers hat bei Bekanntwerden eine sofortigen Verlust der Arbeitsstelle und im schlimmsten Fall auch der Bezüge (Lohn) zur Folge. Je nach Vergehen auch eine Gefängnisstrafe. Lässt sich ein Lehrer als z.B. auf die Liebe zu einem Schüler ein und eines Tages scheitert diese Beziehung, lebt er immer in der Gefahr, dass der Schüler diese Geschichte auffliegen lassen könnte, sofern er noch Schüler der Schule ist. Für den Lehrer sicher eine unangenehme Situation.
Zuletzt: Trotz aller Widrigkeiten bin ich auch mit einer Schülerin befreundet. Es ist tatsächlich nur eine Freundschaft. Es ist aber auch nicht ganz leicht, weil die schulischen Bedingungen stimmen müssen. Hier muss der Schüler akzeptieren, dass es eben anders ist als in der Freizeit, was allerdings nicht so ganz einfach ist. Ich bin froh, dass ich meine Freundin nicht unterrichten muss. Das habe ich immer vermieden. Das ist ähnlich kompliziert, wie als wenn Mütter ihre Kinder unterrichten und beurteilen müssten.
Mein Tipp: Genießt die Nähe zu euren Lehrern. Wenn ihr das Gefühl habt ihnen vertrauen zu können, redet mit ihnen (oder einem anderen Lehrer?) Wenn nicht: Man kann auch damit leben, für jemanden zu schwärmen! Es ist zumindest eine Gefühl was sehr lange anhält und einen sehr lange Herzklopfen bereitet! Ist das nicht schöner als abgelehnt zu werden? Oder bei dem unwahrscheinlichen Fall eines Kusses festzustellen, dass der Lehrer auch nur ein Mensch ist?? Dann sind die Schmetterlinge vielleicht verflogen, der Mythos entschwunden und der Zauber der Gefühle vorbei. Das fände ich sehr schade!
Für euch alles Gute
---die Lehrerin---