@*.*Gast*.*
Ich hatte heute viel vor, aber dann bin ich auf die Zeilen gestoßen, die deiner Tastatur entstammen, und ich konnte nicht aufhören sie zu lesen. Es ist wundervoll wie du schreibst und ich habe mich darin verloren. Möchtest du mich heiraten? Wenn nicht, dann lies wenigstens meine Zeilen und sag mir, was du von ihnen hälst.
LG
Wenn sie ihre Augen bis zu einem gewissen Punkt schließt, dann ist es so, als würde das Licht ihre Sicht mit Juwelen umranden. Die Konturen ihrer Welt verschwimmen aber ihr Körper bewegt sich zum Rhythmus als wenn er nie etwas anderes getan hätte. Im Mittelpunkt der Welt bewegen sich die Tänzerinnen in der Leichtigkeit ihres Verlangens alles zu vergessen, was außerhalb des Moments liegt. Ihr Tanz ist die Illusion einer perfekten Harmonie; ein Versprechen, dass gehalten werden könnte, würde die Musik nicht weiterspielen. Carla ist überrascht von dem plötzlichen Abbruch von Kate's Schritten und der Improvisation von Figuren, die sie niemals zuvor getanzt hatte. Die Unterbrechung führt zu Sekunden des Stillstands und die beiden lächeln sich an wie Attentäter deren Anschlag gerade misslungen war. Doch dann geht ihr Tanz in Konzentration und Hingabe weiter: Carla hat ihr alles beigebracht, was der Tanz ist. Etwas Zärtliches, etwas Gewaltiges, das Zusammenspiel zweier Körper die ineinander verschmelzen und wegfliegen könnten, in ein anderes Land als dem Exil einer nichtigen Existenz. Der Tanz ist die Einsamkeit, gepaart mit der Disziplin der Schritte: innehaltend, sich verzögernd, im Stakkato sich bewegend. Die Musik wird langsamer, genau wie ihre Schritte, und Kate's Hände wollen Besitz von Carla's Körper ergreifen, ihrer Haut, ihrem Ich. Es ist vorbei. Die Musik spielt nicht mehr. Carla hört zwar immernoch eine sanfte Stimme singen, aber Kate's Berührungen reduzieren den Song zur bloßen Begleitung dessen, von dem sie weiß, dass sie es die junge Frau nicht tun lassen sollte. Es sind keine Versprechen mehr übrig, keine Blicke die man in irgendeiner Weise hätte interpretieren können, keine Gradwanderung zwischen Erwartung und Leidenschaft, keine Zeit mehr für Illusionen. Bloß Kate's Lippen die von ihren Augen zu ihrem Mund wandern wie hungrige Blutegel. Carla überkommt ein Schauer der Erregung und sie stellt sich vor, dass die Hände, die sie berühren, dem Mann gehören, den sie vor einem Jahr geheiratet hatte. Doch diese Hände waren zerbrechlicher, zärtlicher, sehnsüchtiger. Warum sagt sie ihr nicht, dass sie aufhören soll und geht zu dem Mann zurück von dem sie dachte dass sie ihn nicht enttäuschen könnte? Jede Idee von Moral die sie jemals entwickelt hatte zerfällt in Kate's Händen und es wird alles zu einem abstrakten Konzept das lediglich in der Theorie besteht. Es zählt nur die Farbe der Leidenschaft, wie es sich anfühlt komplett zu sein, bloß für eine Weile...