Einen wunderschönen guten Morgen und viel Spaß beim Lesen.🙂 Heute mal mit Überlänge...
Auf Schnupperkurs
Montag Morgen 7🤐5 Uhr. Mein Herz klopft. Deutsch bei Frau ‚Begehren von letzter Nacht’ steht mir bevor. Hastig eile ich ins Zimmer. Wie immer verziehe ich mich auf die letzte Bankreihe. Allein. Wie immer habe ich keinen Bedarf, mit meinen Mitschülern zu kommunizieren. Einsam. Heute bin ich richtig motiviert. Was wird sie wohl zu meinem Aufsatz sagen? Die ganze Nacht lang ertrank ich im Schreibchaos. Als Musterbeispiel wird sie ihn sicherlich nicht vorlesen lassen und ein schelmisches Grinsen arbeitet sich bis zu meinen Mundwinkeln vor. Irgendwie schon gemein, ein vergrabenes Gefühl auf diese Weise anzusprechen. Egal. Es ist ihr Berufsrisiko, was sie erdulden muss. Sie kann sich immer noch mit einer schlechten Note wehren. Woher nur dieser Anflug von Selbstbewusstsein kommt? Das sind sicherlich die Nachwirkungen vom Wochenende. Wie gerne würde ich es noch einmal durchleben, ganz anders, jedoch mit ihr. Mein Tatendrang schreit förmlich zum Himmel und ich freue mich darauf, sie endlich wiederzusehen. Oha, was vernehmen meine entzückenden Ohren. Eine SMS. ‚Morgen Morgen, du Nachtschwärmer. Was hast du denn letzte Nacht getrieben, dass ich so eine SMS verdient habe? Ich hoffe, du hast deinen Aufsatz fertig.’ lässt sie gnadenlos verlauten. Oje, sie wird mich doch wohl nicht vorlesen lassen? Ich versinke im Boden vor lauter Schamgefühl und diese beklemmende Röte steigt mir jetzt schon ins Gesicht. Wenn ich nicht antworte, hat sie vielleicht auch nicht den Mut, mich vor der ganzen Klasse aufzurufen. Ich setze alles auf eine Karte und übe mich in Zurückhaltung. Die Schulglocke ertönt und mir ist so gar nicht mehr nach Scherzen zu Mute. Puh, diese Frau. Sie treibt mich in den Wahnsinn. Vor ihr hat das noch Keine geschafft und da ist sie auch schon. Hemmungslos könnte ich bei diesem Anblick werden und darf nur ‚guten Morgen’ sagen. Auf einmal schießt eine klitzekleine Idee in meinen Kopf, die mir sehr ausbaufähig erscheint. Aufgeregt krame ich in meiner Tasche erneut nach dem Handy. ‚Ich habe einfach nur an dich gedacht…wie so oft in letzter Zeit. Hast du heute Abend Zeit? Wie wäre es mit einem Fernsehabend?’ und nach dem Senden ertönt ein lautes ‚Piep Piep’. Ups, sie hat vergessen, den Ton auszuschalten. Die Klasse lacht und weist sie daraufhin, dass es ihr Handy war, nachdem sie vergeblich versucht hatte, eine Ermahnung auszusprechen. Ein flüchtiger Blick geht nun in meine Richtung und ich unterdrücke das Lachen. Sie ahnt, wer es sein könnte und verschwindet fluchtartig zur Tafel. „Dann kommen wir doch mal zu ihren Hausaufgaben. Vielleicht vergeht dem Einen oder Anderen das Lachen wieder.“ Ihre Augen durchkämmen akribisch die Klasse. Hilfe, sie wird doch wohl nicht mich damit meinen. Zwei, drei gesenkte Köpfe lassen vermuten, dass die ganze Schreibarbeit am Wochenende nicht erledigt wurde und nach einigen Sekunden ungemütlicher Stille schnellen auch schon die ersten Hände nach oben. „Sie wollen mir jetzt nicht mitteilen, dass die Hausaufgaben vergessen wurden, oder?“ Doch, ich denke schon, diese Hände wollen ihnen genau das mitteilen. Es ist komisch, wenn ich nur daran denke, diese umwerfende Frau mit einer mir befremdlichen Anrede zu kontaktieren. Auch wenn ich dieses Schauspiel nur in Gedanken vollziehe. Reine Gewöhnung nehme ich an. Während die zwei, drei Köpfe Zusatzaufgaben erhalten, besinne ich mich einen Augenblick lang und ich muss wahnsinnig aufpassen, dass ich sie nicht zu lange anstarre. So verläuft die ganze Stunde und ich habe Glück, denn die Aufsätze werden am Ende eingesammelt und gebündelt auf ihr Pult gelegt. Den Rest vom Tage kann ich es nicht erwarten, eine Antwort von ihr zu bekommen. Meine Freistunde verbringe ich mit Marina. Wie gewohnt ist der Wasserfall im Redefluss nicht zu bremsen. Ach, irgendwie mag ich Marina schon. Ihr unverwüstlicher Optimismus, was die bevorstehende Kursfahrt angeht, ermuntert mein Gemüt. Dieses Jahr soll das Schnapslager besser geplant sein als beim letzten Reinfall. Ja, dieses Jahr wird alles anders. Dann fischen die Lehrer den Alkohol nicht wieder aus dem Spülkasten von bestimmten Örtlichkeiten. Ich lausche ihr gespannt und innerlich schmunzelt mein Verstand. Wegen zwei, drei Flaschen, die vielleicht zwanzig Schüler zusammen trinken, so ein Aufriss. Alles ist beim Alten und täglich grüßt das Murmeltier, was eine solche Klassenfahrt angeht. Irgendwann im Verlaufe des Gesprächs vernehmen meine Gehörgänge das Unfassbare. Sie wird dabei sein. Sie wird uns begleiten. Sie wird für eine Woche jeden Tag mit mir frühstücken. Ganz ruhig. Ich frage nicht weiter nach, woher diese bedeutende Information stammt. Nur keinen Verdacht aufkommen lassen. Mein Herz tanzt und es ist bedrückend, seine Freude nie zeigen zu dürfen. Tief in meinen Gedanken fangen schon neue Bilder an zu existieren. Jetzt ist der Tag fast perfekt. Nur eine Antwort ist sie mir noch schuldig. Am späten Nachmittag trifft sie ein. Ein Okay ihrerseits. Sie ließ mich nur warten, weil ich wegen der Handypanne so schelmisch gegrinst hätte. Heute Abend kann ich sie gleich danach fragen, ob die Information auch wirklich wahr ist. Vorher durchwühle ich noch meine DVD-Sammlung, feststellend, dass ich keine Ahnung besitze, was ihren Geschmack treffen könnte. Ein Liebesfilm. Nein, viel zu geistlos und platt. Ich käme mir richtig dümmlich damit vor. Jeder an meiner Stelle würde einen Liebesfilm mitnehmen. Ich entscheide mich für einen Horrorfilm Vielleicht kommt sie ja auf Kuschelkurs, wenn ihr genug Angst dabei wird. Wie selbstverständlich und fast ohne Hintergedanken verschwindet der Film in meiner Tasche. Zusätzlich benötige ich noch einen Plan B. Zumindest soll sie eine Wahl treffen können und „The Monkey’s Mask“ wandert ebenfalls in meine Tasche. Eine Polizistin ermittelt im Mordfall einer Studentin und verliebt sich in die Dozentin, welche unmittelbar mit dem Mord in Zusammenhang steht. Ob sie sich ebenfalls einer homoerotischen Phantasie hemmungslos hingeben kann? Ich besitze keinen blassen Schimmer. Dafür, dass mein Leben zu 80% aus Improvisation besteht, schmieden sich in meinem Kopf viel zu konkrete Pläne. Lieber verlasse ich mich auf mein Bauchgefühl, denn der Verstand hat heute kein einziges Wort mehr zu vermelden. Bin ich eine Frau, die nach dem Herzen oder dem Verstand entscheidet? Puh, schwierige Angelegenheit. Ich ersticke viel zu oft in Gedanken und stelle immer wieder fest, dass letztendlich mein Bauchgefühl die Oberhand behält. Na Hauptsache ich habe mir wochenlang den Kopf zerbrochen. Drüben auf meinem Schreibtisch, den ich nur besitze, dass es so aussieht als ob, fliegt mir eine CD ins Blickfeld. Vor ein paar Wochen wollte ich ihr diese zukommen lassen und bis heute wagte ich das Vorhaben nicht. So kann das nicht weitergehen mit mir. Möchte ich diese Frau oder nicht! Also ab damit in den Rucksack. Sie wird es mir schon beibringen, wenn ich zu weit gehe. Warum habe ich sie noch nicht geküsst? Bei Christin war das alles ganz anders. Sie war da. Ich war da. Sie forderte mich auf. Ich tanzte mit ihr und irgendwann ergab sich der Moment aus reiner Neugier, wie eine Frau wohl küssen würde und sie nutzte ihre Gelegenheit ausgiebig. Vielleicht wusste sie schon, dass es nichts von Dauer ist. Christin entspricht dem Typ Frau, wo das Klischee schon auf die Stirn gestempelt ist. Nicht dass ich etwas gegen Klischees hätte, denn mit ihnen spielt es sich so schön und Akzente lassen sich prima setzen. Es gibt Frauen, die damit sehr sexy wirken. Nur hat es bei Vielen den Anschein von Gruppendynamik und es bleibt wenig Reiz von Individualität. Jedenfalls fehlte für Christin das so notwendige Gefühl. Nur Eines war bei ihr sicher. Sie hatte keinen Mann. Wir trafen uns ein paar Mal, waren jedoch kein Paar. Das wusste ich gekonnt zu verhindern. Liebe passiert oder eben nicht. Ich war nicht auf der Suche. Fahndungserfolg Fehlanzeige, denn ich suche nie, weil das Ergebnis sehr ernüchternd sein kann. Damals jedenfalls wollte ich mich verlieren um zu vergessen. Ein Fehler, aus dem ich sehr viel gelernt habe. Das Prickeln lässt sich nicht erzwingen und ein Kuss am ersten Abend zerstört so Einiges. Wie soll ich hungrig bleiben, wenn ich das Essen sofort verzehren darf? Ausgerechnet bei meiner Deutschlehrerin empfinde ich nun dieses Hungergefühl und ich mache mich jetzt auf den Weg zu meinem Dinner, was ich nur ansehen darf. Die Straßen scheinen heute Abend endlos zu sein, doch ich schaffe es, pünktlich vor ihrer Haustür zu stehen. ‚Ding ding dong’ erklingt der einprägsame Ton freudig. Möglicherweise gründet das aber nur darin, weil mein Gemüt eine riesige Vorfreude aufweist. Ich brenne darauf, sie zu umarmen und vollziehe dieses Ritual auch überaus sanftmütig, als sie mich begrüßt. Ganz zart hauche ich ihr dabei einen Kuss auf die Wangen. „Ich muss etwas nachholen von letzter Nacht. Heute bringe ich nämlich das klitzekleine Kussi selbst vorbei.“ zwinkere ich ihr zu.
- „Na das nenn’ ich mal charmant.“
- „Für dich doch immer… Fast immer.“
- „Fast immer?“ sieht sie mich fragend an.
- „Na Gewöhnung soll es ja nicht gleich werden. Ich mag keine Monotonie.“
- „Ich weiss, warum ich nicht heiraten will.“ gibt sie lachend preis.
- „Und ich kann es verstehen, warum du es dir nicht vorstellen kannst.“
- „Ach du, irgendwann holt dich trotzdem der Alltag ein.“
- „Alltag ist auch nicht das Schlimme. Nur alles Andere wird auf einmal wichtiger als die kleine Auszeit zum Träumen und Genießen.“
- „Und irgendwann hat man keine gemeinsamen Träume mehr. Ich weiss, ich weiss.“
- „Wenn ich groß bin, schreibe ich ein Beziehungskochbuch.“ und grinse sie dabei verschmitzt an.
- „Lesen würde ich es auf jeden Fall. Das möchte ich dann bitteschön handsigniert haben.“
- „Für dich doch immer… fast immer und jetzt erzähle mir etwas über das Heiraten.“
- „Du, ich könnte dich…rrrrrrrr“ und sie vollstreckt mit ihrer rechten Hand einen Klaps auf meinen Hinterkopf.
- „Ja bitte was? Es könnte mir gefallen…“
- „Du schaffst es immer wieder, mich aus dem Konzept zu bringen.“
- „Welches Konzept? Gibt es ein Konzept für heute Abend und darf ich meine Verbesserungsvorschläge noch einbringen?“
- „Du stehst kaum fünf Minuten vor der Tür und willst schon wieder die Welt verbessern. Komm’ lieber rein, denn die Nachbarn werden sich schon wundern, warum ich meine Schülerin vor der Tür verhaue.“
- „Na das nenn’ ich mal charmant.“
- „Ach ich weiss, warum ich dich so mag.“
- „Na jetzt wird es aber interessant.“
- „So so, wird es das also für dich. Der Kenner schweigt und hinterlässt bei den Wartenden Fragezeichen.“
- „Wenn ich wüsste, auf wen genau der Kenner wartet bei der ellenlangen Warteliste der Wartenden, dann könnte ich es durchaus abwarten zu warten auf den Kenner und würde so einige Fragezeichen in Kauf nehmen.“
- „Der Ausdruck. Hilfe! So wird das nichts mit dem Beziehungskochbuch. Setzen 6.“
- „Es fällt mir jetzt wahnsinnig schwer, diesen Kommentar einfach so im Raum stehen zu lassen. Später, Süße, später und sag jetzt nicht, du könntest mich schon wieder...mit rrrrrrrr und so“ erwidere ich und lasse mich auf ihr Sofa fallen.
- „Was möchtest du trinken, wenn ich deine Bedienung spielen darf.“
- „Einen Sex on the Beach bitte.”
- “Auch noch am Strand… wo bekomme ich den Beach jetzt her?“
- „Mach’ dir bitte keine Umstände. Ein Saft oder ein Wasser tun es auch.“
- „Na und ich dachte, wir trinken einen Wein zusammen. Wäre das was für dich?“
- „Freilich! Soll ich dir in der Küche helfen?“ schreie ich ihr nach.
- „Neiiiiin, musst du nicht. Ich habe hier alles voll im Griff.“ schreit sie zurück und taucht schon wieder mit der Flasche Wein auf.
- „Sag mal, was ich dich fragen wollte… Stimmt es, dass du uns auf Kursfahrt begleitest?“
- „Ja, ich wurde gefragt, ob ich das machen würde.“
- „Und?“
- „Was und?“ lächelt sie mich an.
- „Na jetzt sag’ schon… Ja oder ja?“
- „Ja, du Nuss“ und sie blickt ganz sanft dabei.
- „Das ist ja…“ halte ich kurz inne „eigentlich wunderschön und uneigentlich blöd.“ fahre ich fort.
- „Tja, da wird sich wohl jemand zusammenreißen müssen.“
- „Hmm, leider“
- „Hey, ich leide genau so, denn deine herzerfrischende Art wird mir fehlen. Aber das bekommen wir schon hin.“
- „Mein Kopf ist kreativ und mir fällt schon was Originelles ein. Keine Angst.“
- „Ich würde auch gar nichts Anderes von dir erwarten.“ Ihr Lachen ist dabei so herzhaft und mild wie eine Frühlingsbrise.
Ich stehe total darauf, wie sie die Dinge in ihrer kleinen Welt begreift und die Jahre, welche zwischen uns liegen, sind in unseren Gesprächen kaum spürbar. Allein ihr Humor trifft schon meinen Geschmack. Damit punktet sie immer wieder. Wir schießen uns die Elfmeter gegenseitig ins Tor. Der Spielstand endet meist unentschieden und genau auf diese Balance kommt es mir an. Unausgeglichenheit führt zu einem Sieg nach Punkten oder dem völligen K.O.. Das Machtgefälle wäre viel zu groß und mein Interesse würde sicher mit der Zeit schwinden. Wer lässt sich schon gerne ins Abseits drängen. Vielleicht wäre Letzteres wünschenswert, um sie zu vergessen, zu verdrängen und ihr danach die rote Karte zu zeigen. Es würde weniger schmerzen. Glücklicherweise befinden sich meine gedachten Katakomben mitten im Konjunktiv. Beruhigung stellt sich als gefühlte Wahrnehmung ein. Ich hänge quasi an ihren Lippen und dieses Lachen ist Musik in meinen Ohren. Dabei verstumme ich für eine unbestimmte Zeit t, die ihre frequente Abhängigkeit im Gesprächsverlauf sucht, findet und verliert. Alles ist so leicht neben ihr. Alles ist so wahr mit ihr. Alles ist Sehnsucht nach ihr und eine Frage richtet sich explizit an mich, wo wir gerade beim Thema ‚Liebe’ sind.
- „Was ist für dich ‚die große Liebe’“ purzelt schon nach dem ersten Glas Wein heraus. Sollte ich sagen ‚du’?
- „Ein Zuhause“
- „In welchem Sinne?“
- „Es gibt viele Adressen im Leben, doch nur ein wirkliches Zuhause.“ philosophiere ich mehr in mein nachgeschenktes Glas Wein als zu ihr.
- „Du meinst, es gibt wirklich nur ein Zuhause im Leben? Kann das nicht auch wechseln?“
- „Klar kann es das. Es muss nur echt sein und keine neue Scheinadresse. Außerdem kann ich nicht hier und dort zu Hause.“
- „Dafür sind dann wohl die Adressen zuständig?“ fragt sie schmunzelnd.
- „Sicher kommt so etwas auch vor. Allerdings habe ich dann nicht begriffen, was zu Hause bedeutet oder das Zuhause ist doch nur eine Adresse und irgendwie komme ich gerade nicht mehr mit. Das schon nach dem ersten Glas. Wir sollten uns über die Wege nach Hause unterhalten.“
- „Am Besten geradlinig geradeaus ins Herz.“
- „Dass du diese zwei Wörter noch so fließend hintereinander sprichst…Aber der Ausdruck. Legen 6!“ und hatte ich schon erwähnt, wie sehr ich ihr Lachen mag.
- „Hast du heute einen Clown gefrühstückt oder woher kommt der Gute-Laune-Anflug?“
- „Ich bin einfach glücklich, wenn ich bei dir bin. Du bist schuld.“
- „Ach du, wie schon gesagt, es ist so erfrischend mit dir. Das genieße ich jedes Mal.“
- „Danke für die Blumen.“
- „Die hast du dir verdient.“
- „So ausgelassen unterwegs heute. Wie kommt das?“
- „Hey, ich habe jetzt frei und da darf ich doch ‚ich selbst’ sein, oder?“
- „Na klar! Solange ich es zu unterscheiden weiss.“
- „Ich trenne Berufs- und Privatleben ziemlich strikt. Den Unterschied merkst du sicher.“
- „Mhm. Aber es ist auch gut so, denn Lust auf Gerede und Gerüchte habe ich genauso wenig wie du.“
- „Ich habe keine Bedenken bei dir.“
- „Musst du auch nicht besitzen. Vertrau’ mir bitte.“
- „Ja, das mache ich. Auch wenn es gegen meinen Zwang anstrebt, die Zügel selbst in den Händen zu halten.“
- „Ich zwinge dich zu nichts. Sag es mir ehrlich und ich bin auf der Stelle verschwunden.“
- „Hey, so war das nicht gemeint. Du sollst nicht verschwinden. Wäre dem so, dann käme es nie soweit, dass ich dich privat treffen würde.“
- „So viele Konjunktive…Das kenne ich irgendwoher. Zerbrich dir jetzt bitte nicht deinen süßen Kopf. Ich wollte dich doch nur testen, ob das Lachen in deinem Gesicht wenigstens verschwindet, wenn ich dir einen Rückzug androhe.“
- „Na ganz toll. Ich trinke nie wieder Wein mit dir. Wie viele Testphasen habe ich denn schon durchlaufen, ohne es zu ahnen?“
- „Eben gerade Premiere gewesen. Du musst dich gar nicht beschweren. Gibst mir Hausaufgaben auf und schreibst fiese, unangekündigte Leistungskontrollen und jetzt willst du dich über meinen Test beschweren.“
- „Soll ich nachschenken?“ feixt sie mich an.
- „Auf deine Verantwortung“
Es wird später und später. Die Gespräche inniger und der eigentliche Grund für meinen Besuch ist auch längst vergessen. Improvisation ist Alles. Mein Reden. Doch die CD spielt vergnügt ihre Lieder dahin. Im Verlaufe des Abends sind wir enger auf dem Sofa zusammengerückt. Ich stütze meinen Kopf, weil er das langsam nötig hat. Sie erzählt mir von ihrem Rücken, der schon ziemlich schmerzt vom Sitzen und da rutscht es mir einfach raus.
- „Willst du eine Massage?“
- „Da sag ich natürlich nicht ‚nein’“
- „Platzier dich mal ein wenig günstiger. Sonst schmerzt mir auch gleich alles und du wirst nicht viel von der Massage haben.“
- „Warte, ich muss erst mal den Wein abstellen, bevor er noch auf dem Teppich landet.“
Sie sitzt tatsächlich vor mir und ich soll sie massieren. Ich bin sprachlos und meine Hände dürfen jetzt ihren Körper berühren. Realität. Jetzt gehe ich noch weiter, reiche ihr eine Decke und sage „Kannst du bitte deinen Pulli ausziehen? Macht sich für eine Massage viel besser. Ich verspreche dir, es wird dir gefallen.“ So wahnsinnig viel Nähe. Kann ich damit überhaupt umgehen? Sie zieht ihren Pulli aus und kuschelt sich ein wenig in die Decke. Mir ist so heiß. Könnte meinen Pulli gleich neben den Ihren legen. Aber das lasse ich wohl besser. Ganz bedacht bewegen sich meine Hände über ihren Rücken. Kneten und streichen. Höllisch muss ich Acht geben, sie nicht zu streicheln. Ja nicht zu sanft, doch ganz widerstehe ich einfach nicht. Gekonnt umfasse ich ihren Rippenbogen mit beiden Händen, links und rechts, und ziehe langsam mit ein wenig Druck in Richtung Wirbelsäule. Nach ein paar Wiederholungen sitze ich mit geschlossenen Augen hinter ihr. Sie merkt nichts davon und ich vernehme hin und wieder einen kleinen Seufzer. „Wie gefällt dir das Verwöhnprogramm?“ frage ich mit flüsternder Stimme. „Mhmmm, wehe du hörst auf damit.“ flüstert sie zurück. „Okay, das wollte ich nur hören, du Genießerin“ und prickelnde Ruhe kehrt wieder ein. Ich fühle sie, spüre sie bei mir und die Beherrschung fällt mir so verdammt schwer. Nein, ich zerstöre diesen kostbaren Moment nicht mit Forderungen, die eh aussichtslos sind. Was mir bleibt, ist mehr, als ich mir jemals erdacht hätte. Der kulinarische Hauptgang wird verlegt und ich bin ganz in der Vorspeise versunken. Umwerfend Köstlich. So nimmt die verführerische Atmosphäre ihren knackigen Verlauf und irgendwann unterhalten wir uns sogar wieder leise. Ja, sie ist eine Genießerin und in mir gibt es kein Halten mehr. Dabei könnte ich ihr Stunden einfach nur zusehen. Ein sehnlicher Wunsch bleibt unerfüllt und mein Verlangen danach ist grenzenlos. So gerne möchte ich sie so viel mehr noch genießen lassen. Jeder Zentimeter ihrer Haut ist ein Gedicht an das Begehren, mir so vollkommen vertraut. Jeder noch so kleine Seufzer von ihr ein Melodie an die Lust, hingebungsvoll meine Augen schließend. Verloren. Exaltiert von ihrem bloßen Anblick. Welche Wege führen doch gleich nach Rom?
LG,
*.*Gast*.*