@Kirschbluete:
Das ist ne waaaahnsinnig lange und verzwickte Geschichte. Ich glaub, das würde hier den Rahmen sprengen. Kurz umreißen wird da schwierig. Ich versuchs ma ...
Hmm ... es begann mit einem Zettel unter meinem Scheibenwischer vom Auto vor dem Studentenwohnheim im ersten Semester (also vor fast 11 Jahren). Eine junge Frau erkannte das Kennzeichen wieder und fragte wegen einer regelmäßigen Mitfahrgelegenheit nach. Kam mir gelegen, da ich doch ne ganze Ecke nach Hause zu fahren hatte und sowieso ständig chronisch pleite war. Ich gleich hoch ... sie wohnte eine Etage direkt über mir ... Tür geht auf ... *BAMMMM* mich traf gleich der Blitz. So begann das "Unheil"...
Sie hatte eine krasse Beziehung hinter sich, in der sie unter anderem auch mehrfach vergewaltigt wurde ... ich war übrigens der Erste, dem sie das erzählt hat. Demzufolge hatte sie doch ein sehr gestörtes Verhältnis zu sich selbst und ihrer Sexualität, hatte üble Komplexe und war sehr introvertiert. Dabei ist sie eine verdammt gutaussehende Frau, mit jede Menge Charme, Humor und Intellekt. Nunja ... wir fuhren sehr oft zusammen nach Hause, ich war oft bei ihren Eltern und ihrem Bruder, die sie mir gleich bei der ersten Fahrt vorgestellt hatte. Bei ihrer Mutter und mir wars sofort Sympathie auf den ersten Blick ... äußerst wichtig, wenn man vorhat diesen Menschen zur Schwiegermutter haben zu wollen. Meine Oma hat ma zu mir gesagt, gewinne das Herz Deiner Schwiegermutter und der Rest geht fast von ganz allein^^.
Wir begannen dann uns auch privat zu treffen, unternahmen sehr viel ... aber körperliche Nähe war sowas wie ein Tabu für sie. Ich wußte, daß ich da sensibel sein muß und sie nur äußerst langsam und vorsichtig mit sehr viel Fingerspitzengefühl in die Normalität zurückholen konnte ... allerdings war es nicht mein Ziel, sie in die Kiste zu kriegen, die Probleme fingen ja schon bei einer simplen Umarmung an. Jedenfalls gingen so 1 1/2 Jahre ins Land ... ich total verknallt und sie - tja, keine Ahnung ... ich bildete mir ein, daß sie für mich etwas empfand ... was sie auch tat auf ihre Weise, denn sie hatte sehr sehr viel Vertrauen zu mir ...
Wir sahen uns jeden Tag. Im Sommer lagen wir bei uns um die Ecke im Park auf einer Decke und lernten für die Prüfungen, wir fuhren gemeinsam zum Waldsee und plantschten ausgelassen umher. Im Herbst gingen wir sehr oft bei ihr zu Hause am Stausee spazieren und balanzierten über das schmale verrostete Wehr, dann gabs immer lecker Kuchen, den ihre Mutter jedesmal buk wenn ich da war. Ich schenkte ihr zum Geburtstag zwei Eintrittskarten fürs Theater (Königslounge erste Reihe) ... am ersten Weihnachtsfeiertag putzten wir uns ordentlich raus und gingen zu "Ein Weihnachtsmärchen" ... das war ein richtig toller Abend ... sie sah einfach nur fantastisch aus ... märchenhaft! Im Frühjahr, als die Sonne zum ersten Mal im neuen Jahr Wärme spendete, unternahmen wir eine Wanderung in der sächsischen Schweiz ... das Wetter war herrlich, die ganze Natur und die Gegend da sind sowas von romantisch. Die Wanderroute war recht schwierig, besonders der Rückweg ... so machten wir an einer kleinen Bank Rast, die etwas erhöht lag, so daß man einen atemberaubenden Ausblick auf das Taal und das kleine Dörfchen unten hatte. Als wir wieder einigermaßen Luft bekamen und wir hintereinander standen, legte ich meine Arme einfach um sie, ich vergaß in dem Moment die ganzen anderen Probleme ... ich hielt sie einfach nur ... sie drehte sich um und dann kam es zum ersten Kuß zwischen uns. Ich war hin und weg, doch plötzlich fing sie an zu weinen und meinte zu mir schluchzend "Tut mir wirklich leid, aber ich fühle dabei nichts! Ich möchte etwas empfinden von ganzem Herzen, aber ich kann nicht!"
Die Rückfahrt im Auto verbrachten wir schweigend ...
Das war das letzte Mal, daß wir zusammen unsere Zeit teilten. In diesem Moment dort oben an der Bank wurde mir klar, daß ich keine Chance bei ihr hatte ... mein Herz hatte da einen heftigen Riss bekommen. Ich sah sie noch oft in der Uni und sie wirkte traurig, obwohl sie immer ein Lächeln aufgesetzt hatte. Ein halbes Jahr später erfuhr ich, daß sie mit ihrem neuen Freund zusammenzieht ... nach nem halben Jahr? Das versetzte mir noch einen zusätzlichen Stoß.
Heute sehe ich das etwas anders. Ich glaube, wir waren einfach nicht für einander bestimmt ... wenns sowas wie Bestimmung gibt(?!), dann war ich derjenige in ihrem Leben, der sie aus ihrem Gefängnis herausholen sollte ... nunja, das ist mir gelungen ... aber zu welchem Preis?
Diese Geschichte ist wirklich nur eine arg gekürzte Variante ... es ist so viel passiert in der Zeit ... unter anderem auch die erste Erkrankung meines Bruders (Hirntumor) ... da hatte sie mich sehr unterstützt, sie und meine Freunde ...
Im Endeffekt habe ich nichts getan, um das in den Griff zubekommen und diesen Zustand zu ändern. Ich hatte einfach nur instinktiv reagiert. Ich hätte mich vielleicht nach dem Kuss auch noch weiter bemühen können (müssen) ... keine Ahnung, obs was gebracht hätte ... vielleicht ist da oben in den Bergen bei ihr der Knoten auch geplatzt (aber das kann ich heute nicht mehr beurteilen)?! Jedenfalls konnte ich das damals nicht mehr, ich war alle, ausgebrannt und leer. Das war zu viel für mich. Von heut auf morgen hatte ich einen Cut vollzogen, um mich zu schützen. Sie hatte dann noch versucht mit mir Kontakt aufzunehmen, den ich aber auch geblockt hatte. Die nächsten Jahre rief sie mich immer zu meinem Geburtstag an und auch zu Weihnachten (1.Feiertag) ...
Jaaa das ging verdammt tief, merke ich sogar jetzt noch während ich das alles aufschreibe ... ne Narbe blieb da zurück.