liebe faith,
ich sehe das mit den abhängigkeiten genauso.
und es gehört wohl zum prozess des älter-werdens. die schule ist zu ende und dann kommt erst mal ein vakuum, geht vielleicht ins ausland, sucht sich eine arbeit oder schreibt sich an einer uni ein. und dann kommt immer wieder neues, was man unbedingt besprechen wollte. ich kann mich erinnern, dass ein grosser teil meines bedürftnisses auch darin bestand, mich ihr mitzuteilen. was ich gerade erlebe und was passiert. das habe ich auch noch lange weitergezogen. weshalb ist für mich nicht ganz klar. vielleicht um zu zeigen, was ich erreicht habe, zu was ich fähig bin, dass ich das auch alleine kann. und weil ich ihren senf dazu hören wollte.
aber das studium ging weiter, irgendwann dann ohne senf (da hätte ich beinahe abgebrochen) und der abschluss kam, die erste arbeitsstelle, endlich ALLES selbst bezahlen, entscheidungen treffen, ohne zuerst mit jemandem rücksprache zu nehmen. sich mit themen auseinandersetzen, die nichts mehr mit früher zu tun hatten.
man muss sich selbst wohl zeit geben, alleine gewisse erfahrungen zu machen, alte prinzipien durch neue ersetzen, um dann doch wieder einzusehen, dass die alten ganz gut waren.
ich konnte mir das oft nicht eingestehen, dachte, dass mich ja sowieso niemand verstehen wird, diese gefühle waren mir so wichtig, weil sie mir auch eine art sinn gaben bis hin zu einer ungesunden selbstaufgabe. mit der realen person meiner lehrerin hatte das gar nichts mehr zu tun. es dauerte ein paar jahre, bis ich das begriff, obwohl ich fühlte, dass da immer was im busch war, das ich früher oder später selbst in die hand nehmen muss. aber ich habe mich vor dem anpacken gescheut.
es braucht arbeit, gemachte bilder zu überarbeiten. ich hab mich oft dabei ertappt, wie ich ihr die schuld zuwies und mich selbst als unwissend darstellte- damit konnte ich mich hervorragend aus der affäre ziehen, war aber im endeffekt keinen schritt weitergekommen. ich habe uns beide kritisiert, habe aber aus meinem teil vielmehr gezogen, weil mich der andere nicht mehr betrifft. ich habe so sehr um eine lösung gerungen, dass sie endlich verschwindet, es war so verbissen. was mir wirklich geholfen hat ist zeit, erfahrungen, aus- und weiterbildungen; ich habe bücher zum thema gelesen und einiges auch besser verstanden. ich habe begonnen, mich auf einer sachlicheren ebene mit dem thema zu befassen, was für mich momentan einer "lösung" am nahsten kommt. das kann richtig spannend sein. und letztendlich habe ich das gefühl, dass ein zufriedenstellender ausgang über mein selbstvertrauen gehen wird. daran arbeite ich zur zeit.
was passiert, wenn ich sie wieder sehen würde, kann ich allerdings nicht voraussagen. ich werde vorsichtig sein müssen, nicht abschätzig zu sein, denn das wäre unfair und ich mag/mochte sie ja auch so, unabhängig davon, was ich fühlte. wie "normal" ich sein kann, werde ich dann sehen.