Schnullerbacke meinte:
Hallo Ihr alle...
Hab die letzen zwei Tage immer mal wieder hier reingeguckt und den Eindruck gewonnen,dass es hier durchaus ernstgemeinte Antworten auf die Postings gibt..und ich hoffe, mir antwortet auch der ein oder andere, damit ich das Chaos in meinem Kopf mal etwas klarer bekomm:
Eigentlich gehts mir,MOMENTAN,relativ gut...Ich weiß nicht, ob ich mit meiner Vergangenheit hadere, oder aber ob da wirklich Ursachen zu suchen sind für Probleme, die ich heute habe...doch der Reihe nach *vorsicht,das wird viiel Text*
Aaalso, mein Lebenmal in Kurzform:
Bin 25 Jahre alt (w), Einzelkind und auf dem Land aufgewachsen.
Meine Mutter war 19 bei meiner Geburt, mein Vater 27.Zum Standesamt ging es nur, weil ich unterwegs war.
Irgendwann im Laufe meines 5./6: Lebensjahres fing es bei meinen Eltern an gewaltig zu krieseln. Worum es da im Einzelnen immer ging weiß ich nicht mehr, einzelne situationen dafür umso besser, in denen sie sich anschrieen, meine Mutter meinen Vater mit allerhand Kraftausdrücken bedachte (ich war dabei)...Es wurde laut und heftig gestritten, einmal kam ich dazu und sie hat mir ne Beruhigungstablette aufgezwungen, das war soo SCHLIMM! Ich war erschrocken über den Streit, klar, aber das die mir, mit 6, ne Pille reinschmiß, das war furchtbar....Ein anderes mal brachte mein vater mich während so einem krach rüber in die wohnung meiner Oma, Mutter holte mich dann wieder rüber und schrie die oma an"wenn du meine tochter nich in ruhe lässt hetz ich dir die bullen auf den hals"! Ich hatte Angst, und ich fand es schrecklich, dass sie mit polizei drohte, meine Oma konnte doch nix dafür..und sie hat buchstäblich an mir rumgezerrt...
irgendwann redete sie sich dann ein (nachdem ein onkel auf die neurologische musste), sie hätte ebenfalls Nervenprobleme. Eine Einweisung nach der anderen in verschiedene Nervenkliniken, ich wurde dann bei Oma abgestellt, oder auch schon mal bei ner tante, paps musste schließlich arbeiten. Mittlerweile war ich in der ersten klasse und gab den ton den ich zu hause von meiner mutter als normal erlebt hatte (A******* etc) munter weiter..egal ob kinder oder lehrer, vor meiner großen klappe war keiner sicher...aber mir kam es nicht SO schlimm vor, es war bei uns doch umgangston!
Tja, mein vater hielt es mit deiser frau nich länger aus, wollte auch für mich ne klare linie, nicht eine mutter die ihr kind zu hause bleiben lässt weil es schule S**** findet, und wolte die scheidung..der scheidungsrichter hat mih (gottlob) NICHT angehört, ich wär zu meiner mutter gegangen...so kam ich aber zum vater. so weit erst mal noch ma gut gelaufen sollte man meinen...
Tja, meine Mutter hatte aber erzählt, ich sei gar nicht die leibliche tochter meines vaters (hat er viel später erst erzählt), was ich für den hauptgrund halte, dass mein vater mir nie wirkliche Liebe gezeigt hat. es gab den Gute-nacht-kuss, und MAL hat er mich auch in den arm genommen...aber ich hätte (grade nachdem die mama weg war) sooooo viel mehr zuwendung gebraucht!!!
den Großteil des Tages hat meine Oma dann auf mich aufgepasst, sie ist selber von IHRER oma aufgezogen worden und hat selber nie zuneigung erfahren, konnte das schon ihren kindern nicht geben und mir dann später auch nicht. Ich hab in der schule terz gemacht ohne ende, von arbeitsverweigerung über übelste widerworte bis zum aufstehen und einfach aus der klasse laufen. ziel war einzig und alleine:KÜMMERT EUCH UM MICH!NEHMT MICH WAHR! ICH BRAUCHE HILFE!!!!
aber nein ,im gegenteil...der vom JA ebstellte erziehungsbeistand meinte, ich bräuchte mehr kontakt zu anderen kindern, der schulpsychologe meinte, oma hätte mich zu sehr verwöhnt...NEIN!!!!! Meine Mutter war nicht mehr da, es hatte mich keiner mehr lieb!!!!! (wenns dir keiner zeigt....)
schule war ne katastrophe, realschule: wieso soll ich mitarbeiten (ich hab es nie gelernt!), mal abgesehen davon, dass allen lehrern klar war, ich hätte es vom leistungsvermögen locker durchs gymnasium geschafft. aber im gegenteil dazu der abstieg auf die hauptschule.VÖLLIG unterfordert, noch mehr streß gemacht... dann ein tolles hobby gefunden, musik für mich entdeckt, den realschulabschluß nachgemacht, da stand schon fest: ich will lehramt studieren... war aber faul, deswegen Sozialpädagogik angefangen mit dem Ziel FHR und dann das abi nachmachen. hab das aber geschmissen und bin aufs fg gewechselt. hab dort dann im elften viel geschwänzt, einmal waren da aufgrund der schulart doch wissenslücken (einiges stand einfach nicht im lehrplan was von mir verlangt wurde), die mich fuchsig machten, dann war mein vater zu der zeit quartalssäufer, um den ich mir 4 -6 mal im jahr riesige sorgen machen musste, er könne sich zu tode saufen. ...daheim geblieben um auf ihn aufzupassen. wie entschuldigt man sowas auf der schule? GAR NICHT...krank lügen konnte ich mich einfach nich..und die wahrheit sagen sowieso nicht.
so, den elften musste ich dann wiederholen, den zwölften hab ich so lala überstanden und im 13. kam ich mit den mädels ausm LK sowas von nicht aus, hab mich nicht mehr hingetraut (is aber komlexer als sich das liest)
tja, daddy war "begeistert" entweder ich suche mir was zu arbeiten oder ich fliege raus. im dezember schmiß ich schule, im februar zog ich alleine in den norden um dort zu studieren (kein wunsch studium aber ich musste das annehmen-> sonst rausschmiß). so, da wohnte ich dann alleine, hatte immer noch nicht gelernt zu lernen und saß in nem studiengang der mich nicht im mindesten interessierte fest. nach einem semester hab ich das gelassen, hier nocheinmal im FG den 13. jahrgang besucht und abitur geschrieben. und dann? NACH dem schriftlichen abi (hatte aber viel rote kurse wg schwänzen und nicht lernen ) bin ich nicht mehr hingegangen und bin WIEDER kurz vorm ziel gescheitert...bummelige 8 wochen vor dem mündlichen wurde ich ausgeschult.... dann hab ich hier mal egjobbt, dann dort...mittlerweile hab ich eine arbeit bis dato dann schon eineinhalb jahre fast durchgehalten und bin in meiner firma, auc hohne ausbildung, ganz glücklich, aber ruhelos, weil ich weiter kommen möchte! ich habe das gefühl "du hast keinen abschluß, du bist minderwertig" und "alle anderen sind besser als du" obwohl ich wohl weiß, dass s ich mehr drauf habe als einige andere dort...
EINE mitarbeiterin mag ich wirklihc, mach mir nur sorgen dass sie mich nicht "cool" findet, sonder sich mehr aus mitleid mit mir abgiebt (aber eigentlich hoffe ich das es nicht so ist...)
Jedenfalls meinte diese kürzlich, dass sie sich vorstellen könnte, ich hätte seelische probleme (sie kennt meine geschichte grob), sieht das als ursache dafür, dass ich nichts zu ende gebracht habe.. seit dieser aussage von ihr frag ich mich nun :HABE ich probleme???? Ich meine, ich bin 25 mittlwerweile und habe noch NICHTS auf die reihe gebracht...ich fühl mich einfach minderwertig unter all den leuten die den job da gelernt haben!!!! und mein ego schreit danach das es sich ein ABI an die wand hängen will.als beweiß dafür, dass mein wissen und können eben NICHT beschränkt ist, nicht in dem maße wie früher angenommen! (war schließlich irgend wann auf der hauptschule angekommen...)
sagt mir mal bitte was ihr dazu denkt.... ich merke gerade dass ich gar keine konkrete frage an euch habe...ich ergieße mich nicht in selbstmitleid, ich frage mich nur, ob es sein kann,aufgrund oben geschilderter vergangenheit, noch heute nichts gebacken zu bekommen......
??? *bin wirklich rat-und mutlos*
Hi Schnullerbacke!
Hab Deinen Beitrag gestern oder vorgestern gelesen, aber noch nicht darauf geantwortet, weil ich mir dazu gern etwas mehr Zeit nehme, und die nicht mehr hatte.
Habe deinen Text über google noch mal rausgekramt, gib Bescheid wenn es dir lieber ist, dass er gelöscht bleibt...
Du hattest wirklich kein leichtes Leben.
Statt "leichtes" habe ich gerade versehentlich zwei Tippfehler eingebaut und "echtes" geschrieben, und vielleicht passt das auch, denn was ist schon ein Leben ohne Liebe und die scheinst du nicht gerade übermäßig erfahren zu haben.
Was macht ein Leben ohne Liebe schon für einen Sinn?
Was für einen Sinn machen dann die ganzen Anstrengungen, die man sich macht, lernen, arbeiten... kann doch dieses Gefühl nicht geliebt zu werden höchstens zeitweise verdrängen, aber nicht ersetzen.
Du schreibst kaum etwas über die Gegenwart, wie du dich fühlst.
Fühlst du dich geliebt?
Was glaubst du zu erreichen, wenn du dein Abitur machst? Hast du ein Ziel, das du verfolgst?
Deine Worte erinnern mich sehr an mich selbst.
Ich war eigentlich ein sehr guter Schüler, auch außerschulisch begabt, aber mit der Zeit ging alles den Bach runter, was am Ende dazu führte, dass ich ein halbes Jahr vorm Abi von der Schule musste. Auch sonst bekam ich kaum etwas auf die Reihe.
Später wollte ich es unbedingt nachholen (oder glaubte es zumindest), auch das Dogma Medizin oder etwas vergleichbar "angesehenes" zu studieren, war noch in mir eingebrannt.
Aber wirklich anfreunden konnte ich mich damit nicht.
Irgendwann merkte ich, dass ich das Abitur nur deshalb unbedingt nachholen wollte, weil ich das Gefühl hatte beweisen zu müssen, dass ich nicht "so dumm war", wie alle anhand meiner schulischen Leistungen glauben mussten und auch das Medizin-Studium hätte ich im Grunde nicht für mich, sondern für alle anderen gemacht... um ihnen zu zeigen: schaut her, was ich leisten kann!
Das war zu einer Selbstverständlichkeit geworden: gutes Abitur, gutes Studium, angesehener Beruf, mit dem man viel Geld verdient... das wird einem in unserer Gesellschaft ja eingetrichtert, dass man nur dann etwas "wert" ist, wenn man bestimmte Leistungen erfüllt.
Liebe und dergleichen ist da nur eine zu vernachlässigende Nebensache.
Ich habe mir dann jedenfalls gesagt, dass es so nicht weitergeht: auch mit Abitur würde ich noch die selben Probleme haben, nach dem Studium,... die eigentlichen Probleme sind andere, und die kann ich nicht rausschieben bis ich Rente kriege oder sie mir auf dem Sterbebett bewusst werden.
Ich hab es also geschmissen und mich erst mal um MICH gekümmert. Geschaut, was ICH eigentlich will, was von mir echt ist und was nur von anderen aufgedrückt und eingeschmuggelt.
Und hab mit der Zeit rausgefunden, dass mein persönlicher Weg kein Abitur braucht und auch kein Studium, dass ich mit anderen Dingen meine Zeit viel wertvoller verbringen kann und es zu MIR passt, und erst mal nicht nur zu den Erwartungen anderer, ob das nun Bekannte oder eine anonyme Gesellschaft sind.
Ich habe gelernt mich anzunehmen und zu lieben wie ich bin und seit ich das kann, finde ich auch wirkliche Aufgaben, die ICH erfüllen möchte und habe Spaß dabei, an ihnen zu arbeiten. Ich sehe einen Sinn in ihnen, weil ICH sie mir ausgesucht habe und mich mit ihnen identifizieren kann.
Ich weiß, wozu ich die Kraft aufwende, die ich in meine Arbeit stecke, ich habe ein Ziel.
In unserer Gesellschaft wird Leistung ganz groß geschrieben, wie es den Menschen dabei geht, steht auf einem ganz anderen Blatt und ist auch ziemlich unwichtig, hauptsache sie funktionieren.
Jetzt habe ich dir meine halbe Lebensgeschichte erzählt ;-), das wollte ich eigentlich gar nicht. Um auf deine eigentliche Frage zurückzukommen:
Ja, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass deine Kindheit etwas damit zu tun hat, dass du "nichts gebacken bekommst".
Vielleicht hilft es dir ja, dir einmal Gedanken zu machen und aufzuschreiben, was du an deinem Leben vermisst.
Und wie du etwas daran ändern kannst.
liebe Grüße, Martin
🙂